Zum Museumsinhalt

Exponat 04 · Xerox Alto und das Textprogramm Bravo

Text auswählen und seine Gestalt bearbeiten

Auf dem Alto verbindet Bravo Mausauswahl, Tastaturbefehle und formatierten Text. Das Handbuch von 1979 unterscheidet die normale Ansicht von einer besonderen Druckansicht. Bildschirm, gespeichertes Dokument und Papierausgabe sind zusammenhängende, aber verschiedene Darstellungen.

3 Minuten Haupttext · Stand: 8. September 2026

Buntstiftzeichnung eines frei nach dem Alto gestalteten Arbeitsplatzes mit hochkantem Bildschirm, Tastatur, schwarzer Dreitastenmaus und einer Papierseite.Bild vergrößern ↗
Freie Annäherung an einen Forschungsarbeitsplatz der 1970er Jahre. Bildschirmstriche sind Platzhalter, keine lesbare Bravo-Originalansicht; die Illustration belegt weder genaue Bedienung noch identische Bildschirm- und Druckumbrüche.

Auf einen Blick

Wie verbindet ein Bildschirmarbeitsplatz die Auswahl von Text mit dessen Bearbeitung, und wann entspricht die Anzeige dem Druckbild?

  • Auswahl und Bearbeitungsbefehl wirken zusammen; eine Maus allein definiert keine ganze Bedienoberfläche.
  • Die normale Bravo-Ansicht kann andere Zeilenumbrüche als der Ausdruck zeigen.
  • Forschungsplattform und spätere verbreitete Personalcomputer sind historisch zu unterscheiden.
Zeitliche Einordnung
Alto ab 1973; hier Bravo nach dem Handbuch von 1979
Orte und Regionen
Xerox Palo Alto Research Center, USA
Historisch Beteiligte
Charles Thacker, Butler Lampson, Charles Simonyi und weitere Hardware- und Softwareteams

Ein Arbeitsplatz für veränderbare Dokumente

Der Alto entsteht ab 1973 als Forschungsplattform am Xerox PARC. Bildschirm, Tastatur und Maus bilden einen Arbeitsplatz für unterschiedliche Programme. Die Entwicklung verbindet Hardware- und Softwarearbeit mehrerer Beteiligter; sie ist nicht einfach der Beginn eines sofort allgemein verkauften Heimcomputers. Der Forschungsrechner

Diese Station betrachtet mit Bravo eine bestimmte Art der Textarbeit. Als Grundlage dient das Handbuch von September 1979. Seine beschriebenen Funktionen dürfen deshalb nicht ohne Weiteres sämtlich auf das erste Gerät von 1973 zurückdatiert werden. Ein historisches System verändert sich auch nach seinem ersten Aufbau.

Erst auswählen, dann verändern

Bravo unterscheidet einen Dokumentbereich und einen Statusbereich. Mit der Maus kann der Benutzer Text auswählen; Tastaturbefehle lösen die vorgesehenen Veränderungen aus. Die Auswahl legt fest, worauf der anschließende Befehl wirkt. Ein sichtbarer Textabschnitt wird damit zugleich zum Gegenstand einer bearbeitbaren Datenstruktur. Dokument, Status und Auswahl

Die drei Maustasten heißen im Handbuch Rot, Gelb und Blau, obwohl die tatsächlichen Tasten schwarz sind. Namen in einer Bedienungsbeschreibung sind nicht immer die sichtbare Farbe eines Objekts. Die Illustration vermeidet deshalb eine vermeintlich historische Farbmarkierung, die allein aus diesen Funktionsnamen abgeleitet wäre.

Mehr als eine Folge gleichförmiger Zeichen

Der dargestellte Text kann unterschiedliche Formatierungen besitzen. Die Arbeit betrifft damit sowohl die Zeichenfolge als auch deren sichtbare Gestalt. Das ermöglicht einen anderen Umgang mit einem Dokument als die ausschließliche Eingabe einer linearen Folge von Befehlen und unveränderlich gleichförmigen Zeichen. Formatierter Text in Bravo

Trotzdem wäre die Vorstellung einer durchgängig heutigen Bedienoberfläche falsch. Mausauswahl und Tastaturbefehle gehören zusammen, Betriebszustände sind zu beachten, und daneben besteht ein Kommandointerpreter für weitere Aufgaben. Die Bedienung lässt sich nicht angemessen mit dem bloßen Hinweis erklären, man habe bereits alles angeklickt.

Was du siehst, ist nicht immer der Ausdruck

Das Originalhandbuch unterscheidet die normale Bildschirmdarstellung von einer gesonderten Hardcopy-Ansicht. In der normalen Ansicht können die Zeilen anders umbrechen als auf dem ausgedruckten Blatt. Die spezielle Ansicht nähert das Druckbild an, unter ausdrücklich beschriebenen Größen- und Schriftgrenzen. Bildschirmansicht und Hardcopy-Ansicht

Die häufige Zusammenfassung, Bildschirm und Papier seien nun immer exakt identisch, wäre daher zu weitgehend. Die technische Leistung liegt in einer engeren Verbindung von Bearbeitung und gestalteter Ausgabe. Wie genau die Vorschau den Ausdruck repräsentiert, bleibt eine prüfbare Eigenschaft der jeweiligen Ansicht und des verwendeten Ausgabeverfahrens.

Ein Dokument durchläuft mehrere Werkzeuge

Bravo ist ein Textprogramm. Draw und Markup übernehmen andere Aufgaben; ihre Möglichkeiten sind nicht ohne Weiteres Eigenschaften von Bravo selbst. Das Handbuch beschreibt zudem getrennte Schritte für Druckdateien und die Übergabe an die Ausgabe. Getrennte Programme und Ausgabewege

Ein fertiges Blatt kann also auf mehreren miteinander verbundenen Werkzeugen beruhen. Diese Unterscheidung macht technische Zusammenarbeit sichtbar: Text gestalten, Grafik bearbeiten, Daten zusammenführen und eine Seite physisch drucken sind verschiedene Aufgaben. Die nächste Druckstation untersucht deshalb eigens, wie ein aus Punkten aufgebautes Seitenbild auf Papier gelangt.

Die Fragen an eine Vorschau

Nimm für jede Dokumentvorschau drei Fragen mit: Welche Daten bearbeite ich? Welche dieser Eigenschaften zeigt die aktuelle Ansicht? Welche weitere Umwandlung erfolgt vor der endgültigen Ausgabe? Bravo bietet einen historischen Zugang zu diesen weiterhin verständlichen Unterscheidungen. Ansicht und Ausgabe vergleichen

Der Blick zurück soll dabei keine Erfindung der Maus durch den Alto behaupten und keine direkte Abstammung jedes späteren Programms beweisen. Er zeigt eine bestimmte, dokumentierte Verbindung von Auswahl, Formatierung und Darstellung. VisiCalc führt anschließend vor, wie eine ganz andere Bildschirmordnung Beziehungen zwischen Zahlen bearbeitbar macht.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Beschrieben wird die ausgewählte Dokumentation von 1979, nicht jede Eigenschaft des ursprünglichen Alto von 1973. Kein Programm wurde hier ausgeführt. Die Illustration ist eine freie Annäherung an den Arbeitsplatz und keine lesbare Originalaufnahme der Software.

Begriffe verstehen

Textauswahl

Markierter Bereich, auf den ein folgender Bearbeitungsbefehl angewendet werden soll.

Dokumentfenster

Bildschirmbereich, der den bearbeiteten Dokumentinhalt zeigt.

Statusfenster

Getrennter Anzeigebereich für Informationen über den Zustand der Arbeit beziehungsweise des Programms.

Druckansicht

Besondere Darstellung, die das spätere Seitenbild unter den angegebenen technischen Grenzen annähert.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Der Alto als Forschungsplattform

    Computer History Museum: The Alto. Revolution: The First 2000 Years of Computing.

    Forschungsrechner und mehrere Mitwirkende; spätere Softwarefunktionen nicht alle auf 1973 zurückdatiert. Druckgleichheit anhand des Originalhandbuchs präzisiert.

    ← Zur Textstelle: Ein Arbeitsplatz für veränderbare Dokumente
  2. Bravo, Bildschirmdarstellung und Druckausgabe

    Xerox Palo Alto Research Center: Alto User's Handbook. September 1979, Ausgabe Ed Taft, ursprüngliches Handbuch Butler Lampson.

    Normale Ansicht und besondere Hardcopy-Ansicht getrennt; schwarze Maustasten mit Farbnamen, getrennte Programme und Ausgabewege berücksichtigt.

    ← Zur Textstelle 1: Erst auswählen, dann verändern← Zur Textstelle 2: Mehr als eine Folge gleichförmiger Zeichen← Zur Textstelle 3: Was du siehst, ist nicht immer der Ausdruck← Zur Textstelle 4: Ein Dokument durchläuft mehrere Werkzeuge← Zur Textstelle 5: Die Fragen an eine Vorschau

Redaktion: Benjamin Metzig. Text und Quellen am 8. September 2026 geprüft. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

Hinweis oder Korrektur an die Redaktion

Zusammenhänge entdecken

Bildansicht

100 %

Mit + Details vergrößern. Das vergrößerte Bild lässt sich mit dem Finger, der Maus oder den Pfeiltasten verschieben.

Bilddatei in voller Größe öffnen ↗