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Exponat 05 · Feuchtboden · Holz · Wandelnde Ufer

Pfahlbauten am Seeufer

Ufersiedlungen bewahren Holz und organische Reste unter besonderen Bedingungen. Schichten und Jahrringe zeigen, dass die Häuser zu wechselnden Wasserständen, Bauphasen und Landschaften gehören.

3 Minuten Haupttext · Stand: 6. September 2026

Buntstiftskizze eines kleinen Uferhausmodells mit niedrig angehobenem Holzfußboden, seitlichem See und getrennt dargestellten Holzpfählen im vorderen Erdschnitt.Bild vergrößern ↗
Freies Modell zum Leben am feuchten Ufer. Hausform, Höhe und Dach sind ergänzt. Die Pfähle im vorderen Schnitt sind getrennte Anschauungselemente, keine durchgehende Darstellung der Hausstützen.

Auf einen Blick

Was verraten Holzpfähle über das Wohnen am Wasser – und was muss zusätzlich untersucht werden?

  • Ein heute unter Wasser liegender Fundplatz lag nicht zu jeder Zeit im offenen See.
  • Pfähle können zu Häusern, Abgrenzungen oder verschiedenen Bauphasen gehören.
  • Jahrringe und Sedimente beantworten unterschiedliche Fragen zur Siedlung.
Zeitliche Einordnung
Vergleiche: Lin 3 im 5. Jahrtausend; Zug-Riedmatt etwa 3200–3050 v. u. Z.
Orte und Regionen
Schweizer Seeufer und Lin 3 am Ohridsee in Albanien
Historisch Beteiligte
Bauende und nutzende Gemeinschaften; einzelne Urheber und die genaue Arbeitsteilung sind meist nicht überliefert.

Ein Pfahlfeld ist noch kein ganzes Dorf

Pfahlbauten rufen leicht ein vertrautes Bild hervor: viele Häuser auf einer gemeinsamen hohen Plattform mitten im See. Ein ausgegrabenes Pfahlfeld erzählt jedoch nicht von selbst genau diese Geschichte. Erst die Anordnung, die Datierung und die damalige Umgebung zeigen, welche Konstruktionen überhaupt zusammengehören können.

Das Modell stellt deshalb ein einzelnes Haus nahe dem Ufer dar. Es ist ein Denkangebot, keine endgültige Rekonstruktion. Die zusätzliche Holzprobe und die getrennten Pfähle lenken den Blick auf die Reste, aus denen Forschung räumliche Zusammenhänge erschließt.

Wasserstand verändert den Wohnort

Ismail-Meyer, Rentzel und Wiemann untersuchten sechs Schweizer Ufersiedlungen. In den betrachteten Folgen wurden trockenfallende Uferflächen besiedelt; während und nach der Nutzung wirkten Feuchtigkeit, Überflutungen und Umlagerung auf die Ablagerungen ein. Die mikroskopische Untersuchung der Uferlagen

Eine heutige Wasserlinie darf deshalb nicht unverändert in die Vergangenheit übertragen werden. Ein Fund unter Wasser belegt zuerst seinen heutigen Erhaltungsort. Für die Lage zur Siedlungszeit werden die zugehörigen Umweltspuren benötigt.

Die Stütze beantwortet eine räumliche Frage

Vergleiche gedanklich einen Fußboden direkt auf dem Untergrund mit einer etwas angehobenen Fläche. Die Verbindung zwischen Boden, Stützen und bewohntem Innenraum verändert sich. Wie hoch und auf welche Weise eine historische Konstruktion tatsächlich angehoben war, lässt sich daraus noch nicht bestimmen.

Am Modell kannst du diese Ebenen getrennt betrachten. Der Schnitt erklärt eine räumliche Möglichkeit, während ein echter Fund zusätzliche Nachweise verlangt: Wo standen die Pfähle, welche waren gleichzeitig vorhanden und sind tragende Verbindungen erhalten? Ein Pfahl trägt keine fertige Beschriftung seiner Funktion. Dass er senkrecht im Boden steckt, genügt nicht, um ihn einem bestimmten Haus zuzuweisen.

Zug-Riedmatt als bewegte Uferlandschaft

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung kombiniert an einem Referenzprofil von Zug-Riedmatt sechs Fachzugänge, darunter Sedimentmikroskopie, Pflanzen- und Insektenreste. Für die Siedlung von etwa 3200–3050 v. u. Z. erschließt sie wechselnde See-, Delta- und Feuchtbedingungen sowie Spuren menschlicher Tätigkeiten. Die neue Untersuchung von Zug-Riedmatt

Der Wert liegt im Vergleich: Verschiedene Spuren stammen aus derselben Schichtenfolge und können sich gegenseitig prüfen. Keine einzelne Materialgruppe bildet die gesamte Landschaft ab. Eine detaillierte Untersuchung eines Profils bleibt zugleich ein räumlicher Ausschnitt.

Lin 3 bewahrt Umbauten und Ergänzungen

In Lin 3 am Ohridsee untersuchte Yermokhin mit seinem Team Hunderte Holzproben. Für mehrere als Palisaden gedeutete Pfahlreihen ließ sich eine Folge von Bau und Ergänzungen über rund sechs Jahrzehnte im 5. Jahrtausend v. u. Z. rekonstruieren. Die Jahrringuntersuchung von Lin 3

Die Reihe ist innerhalb ihrer Abfolge jahresgenau, ihre Kalenderlage wird jedoch modelliert. Das ist kein Widerspruch: Man kann Abstände zwischen Ereignissen genau kennen, ohne bereits jedes davon sicher auf ein einzelnes Kalenderjahr festzulegen. Die Pfahlreihen zeigen außerdem, dass Holz im Siedlungsraum mehr Funktionen als das Tragen von Häusern besitzen konnte.

Feuchtigkeit bewahrt und verändert zugleich

Die Schweizer Studien beschreiben sowohl günstige Erhaltung organischer Reste als auch Erosion und Abbau während anderer Umweltphasen. Wasser ist damit keine automatische Konservierungsgarantie. Erhaltung und Umlagerung

Für den Museumsbesuch ist diese Unterscheidung hilfreich: Ein auffällig vollständiger Holzbestand kann besondere Erhaltungsbedingungen spiegeln. Er beweist nicht, dass anderswo kaum mit Holz gebaut wurde. Umgekehrt kann ein gut erhaltenes Pfahlfeld durch mehrere Nutzungsphasen entstanden sein. Die Menge sichtbarer Reste und die Zahl gleichzeitig bewohnter Häuser sind unterschiedliche Größen.

Die Entdeckung liegt im Zusammenpassen

Wohnen am Wasser verbindet Baustoffe, Untergrund und Zugänglichkeit. Eine brauchbare Lösung muss zu den Bedingungen eines konkreten Ortes passen. Das Museum zeigt deshalb regionale Beispiele mit eigenen Zeitangaben, statt einen einzigen Typ des vorgeschichtlichen Uferdorfs festzuschreiben.

Die letzte Station richtet den Blick auf eng benachbarte Häuser in Anatolien. Dort ist nicht die heutige Wasserlinie die zentrale Schwierigkeit, sondern die Frage, wie einzelne Häuser, Wege und gemeinsame Außenräume im Laufe der Zeit zusammengehörten.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Das Hausmodell ist keine vollständige Fundrekonstruktion. Höhe, Dachform und Zuordnung einzelner Pfähle benötigen eigene Belege. Bei schwimmenden Jahrringchronologien ist die relative Jahresfolge genauer bestimmt als die absolute Kalenderlage.

Begriffe verstehen

Feuchtbodenerhaltung

Erhaltung unter dauerhaft nassen Bedingungen, die bestimmte Abbauprozesse verlangsamen können.

Seeablagerung

Material, das sich in einem Gewässer absetzt und frühere Umweltbedingungen bewahren kann.

Palisade

Eine dicht gestellte Reihe von Pfählen, die als Abgrenzung oder Schutz dienen kann.

Schwimmende Chronologie

In sich geordnete Jahrringfolge, deren genaue Verbindung zu einer durchgehenden Kalenderchronologie noch fehlt.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Uferboden und Schichtentstehung

    Ismail-Meyer, K., Rentzel, P. und Wiemann, P. (2013): Neolithic Lakeshore Settlements in Switzerland: New Insights on Site Formation Processes from Micromorphology. Geoarchaeology 28(4), 317–339.

    Sechs Schweizer Fallstudien; trockenfallende Uferterrasse, feuchte Ablagerung und spätere Umlagerung. Kein einziges Modell für alle Pfahlbauten.

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  2. Neue Untersuchung der Ufersiedlung Zug-Riedmatt

    Ismail-Meyer, K. et al. (2026): Depositional environments in a prehistoric lakeshore settlement – A multi-proxy study of a stratigraphic sequence of the Neolithic lakeside settlement Zug-Riedmatt (Switzerland). Quaternary Environments and Humans 4(3), 100114. Online verfügbar seit 25. Juli 2026.

    14 Einheiten eines Referenzprofils und sechs Fachzugänge; wechselnde See-, Delta- und Feuchtbedingungen, keine konstante Seehöhe. Zeitraum 3200–3050 v. u. Z.

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  3. Jahrringe der Pfahlreihen von Lin 3

    Yermokhin, M. et al. (2025): Dendroarchaeology at Lake Ohrid: Pine tree-ring chronology and 5th millennium BCE palisades from the pile-dwelling settlement of Lin 3, Albania. Dendrochronologia 90, 126295.

    Schwimmende Jahrringchronologie mit modelliertem Kalenderbezug; Jahresfolge innerhalb der Reihe präziser als ihre absolute Lage. Pfahlreihen als Palisaden gedeutet, nicht alle als Hausstützen.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Erstfassung in redaktioneller Prüfung. Bearbeitungsstand: 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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