Exponat 06 · Lochbild · Geometrie · Versuch
Licht durch eine kleine Öffnung untersuchen
Eine kleine Öffnung lässt nur bestimmte Lichtwege zu einem Schirm gelangen. Ibn al-Haythams Schrift über die Gestalt einer Finsternis verbindet solche Bilder mit geometrischen Fragen. Ein heutiges Strahlenmodell erklärt die Umkehrung und zeigt, welche Bedingungen man vergleichen muss.
3 Minuten Haupttext · Stand: 6. September 2026
Bild vergrößern ↗Auf einen Blick
Warum kann hinter einem kleinen runden Loch ein umgekehrtes Bild der Außenwelt entstehen?
- Die Öffnung begrenzt die Lichtwege zu einem Bild.
- In einem einfachen Strahlenmodell kehren sich oben und unten auf dem Schirm um.
- Ein Vergleich wird aussagekräftiger, wenn jeweils eine Bedingung verändert wird.
- Zeitliche Einordnung
- Ibn al-Haytham: gestorben um 1040; die hier herangezogene BL-Abschrift stammt aus dem 18. Jahrhundert
- Orte und Regionen
- Arabischsprachige Optik; spätere Handschriftenüberlieferung und heutige Forschung
- Historisch Beteiligte
- Ibn al-Haytham; spätere Abschreibende; Dominique Raynaud als Herausgeber der kritischen Edition von 2016.
Ein Loch ist noch keine Erklärung
Licht von einer beleuchteten Umgebung trifft auf viele Stellen einer gegenüberliegenden Fläche. Die Beiträge verschiedener Gegenstandspunkte überlagern sich. Eine kleine Öffnung in einer sonst lichtundurchlässigen Wand schränkt die möglichen Wege ein. Hinter ihr kann dadurch ein Bild erkennbar werden. Die Öffnung begrenzt die Lichtwege
Die interessante Frage lautet nicht nur, ob ein heller Fleck erscheint. Welche Form besitzt er, wie steht er zum Gegenstand, und wie ändert er sich mit dem Aufbau? Solche Unterschiede verlangen eine Erklärung, die über die bloße Benennung des Geräts hinausgeht.
Eine Finsternis wird zur Bildfrage
Ibn al-Haythams Schrift über die Finsternisgestalt behandelt die Beobachtung einer Sonnenfinsternis mittels Camera obscura. Die Untersuchung fragt nach dem Lichtbild, das durch eine kleine Öffnung auf eine Fläche gelangt. Raynauds öffentlich zugängliche Beschreibung der Edition hebt das Zusammenspiel geometrischer Analyse und veränderter Versuchsbedingungen hervor. Thema der überlieferten Schrift Einordnung der Untersuchung
Eine runde Öffnung bedeutet somit nicht automatisch, dass jedes entstehende Bild allein ihre runde Form wiederholen muss. Entscheidend ist auch, welches Licht aus welchen Richtungen eintritt. Die Erklärung muss Öffnung, Gegenstand und Bildfläche gemeinsam berücksichtigen.
Oben und unten wechseln die Seite
Verfolge in einem heutigen idealisierten Strahlenmodell einen Lichtweg vom oberen Punkt eines Gegenstands durch die Mitte des Lochs. Hinter der Öffnung läuft die gerade Linie nach unten weiter. Ein Weg vom unteren Punkt gelangt entsprechend nach oben. Auf dem Schirm kehrt sich die Anordnung um. Wie die begrenzten Wege ein Bild ergeben
Unser eigenes Zahlenbeispiel setzt den Gegenstand zehn Längeneinheiten vor die Öffnung und den Schirm zwanzig Einheiten dahinter. Ein Punkt eine Einheit über der Mittelachse wird dann zwei Einheiten unter ihr abgebildet. Der Punkt eine Einheit unter der Achse landet zwei Einheiten darüber. Das Verhältnis der Abstände verdoppelt in diesem Modell die Bildhöhe.
Das Modell ist keine vollständige Kamera
Die gerade Mittellinie erklärt die Lage eines Bildpunkts. Eine wirkliche Öffnung hat jedoch eine Ausdehnung und lässt ein Bündel von Wegen zu. Unser einfaches Zahlenbeispiel bestimmt deshalb keine vollständige Bildschärfe, Belichtungszeit oder ideale Lochgröße. Es beantwortet zunächst die Frage nach Lage und Umkehrung.
Die Grenze gehört zur Erklärung. Eine zutreffende Aussage über die Geometrie macht ein selbst gezeichnetes Modell noch nicht zu einer Messung aller optischen Eigenschaften eines gebauten Kastens. Die ursprüngliche Frage und die Reichweite der Antwort müssen zusammenpassen.
Verändere eine Bedingung
Ein heutiger Ausstellungstisch des Exploratoriums kombiniert Lichtquelle, verschiebbaren Schirm und unterschiedlich große Öffnungen sowie Linsen. Damit können Besucher verschiedene Bildentstehungen vergleichen. Der beschriebene Lens Table
Unser Gedankenexperiment bleibt bei einer beleuchteten Figur und einer Lochblende: Zuerst bleibt der Abstand gleich, während die Öffnung wechselt. Danach bleibt die Öffnung gleich, während der Schirm versetzt wird. So lässt sich jeweils eine Veränderung zuordnen. Die Reihenfolge ist unser eigener Vorschlag, keine aus der historischen Schrift entnommene Versuchstabelle.
Auch die Abschrift hat eine Geschichte
Der BL-Katalog ordnet Or 5831, Blätter 283v–285v, dem 18. Jahrhundert zu. Er berichtet eine beschädigte Vorlage und vier freigehaltene Diagrammplätze, deren Bilder nie eingefügt wurden. Diese Abschrift ist also viel jünger als Ibn al-Haytham. Datierung und Lücken des konkreten Textzeugen
Die leeren Stellen berechtigen nicht dazu, unsere heutigen Bilder als verlorene Originaldiagramme auszugeben. Quellenkritik und physikalische Erklärung erfüllen hier verschiedene Aufgaben: Die eine fragt, was überliefert ist, die andere, welcher Zusammenhang sich an einem klar benannten Modell nachvollziehen lässt.
Grenzen des Wissens
Was offen bleibt
Die historische Einordnung beruht auf einem Katalogdatensatz und frei zugänglichen Erläuterungen zur Edition; die vollständige arabische Schrift wurde nicht unabhängig geprüft. Unser Strahlenbeispiel ist ein heutiges ideales Modell und keine Rekonstruktion eines dokumentierten Versuchs Ibn al-Haythams.
Begriffe verstehen
Camera obscura
Dunkler Raum oder dunkles Gehäuse, in dem eine kleine Öffnung ein Bild auf eine gegenüberliegende Fläche gelangen lässt.
← Zur TextstelleStrahlenmodell
Geometrische Beschreibung, die Lichtwege vereinfacht als Linien behandelt.
← Zur TextstelleVersuchsbedingung
Merkmal eines Versuchsaufbaus, etwa Öffnungsgröße oder Abstand, das sein Ergebnis beeinflussen kann.
Quellen und Nachweise
Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.
- Eine späte Abschrift der Schrift über die Finsternisgestalt
British Library: Or 5831, ff. 283v–285v, Maqālah fī ṣūrat al-kusūf, Katalog 040-003378694.
Die Abschrift stammt aus dem 18. Jahrhundert, nicht aus Ibn al-Haythams Lebenszeit. Der Katalog berichtet eine beschädigte Vorlage; freie Diagrammplätze sind keine verlorenen Bilder mit bekanntem Inhalt.
← Zur Textstelle 1: Eine Finsternis wird zur Bildfrage← Zur Textstelle 2: Auch die Abschrift hat eine Geschichte - Geometrische Analyse und Veränderung der Versuchsbedingungen
Dominique Raynaud: A Critical Edition of Ibn al-Haytham’s On the Shape of the Eclipse. Springer 2016, DOI 10.1007/978-3-319-47991-0.
Der Textzugang trägt die begrenzte Einordnung zu Lochform, Lochgröße, Abständen und geometrischer Erklärung. Vorrangformeln aus dem Buchtitel werden nicht als weltweiter Erstnachweis übernommen.
← Zur Textstelle: Eine Finsternis wird zur Bildfrage - Wie ein kleines Loch ein Bild sichtbar macht
Exploratorium: Pringles Pinhole, Science Explorer, archivierte Erläuterung.
Dient ausschließlich der heutigen Erklärung von Strahlenbegrenzung und umgekehrtem Bild. Die freie Modellrechnung des Exponats ist keine historische Versuchsmessung.
← Zur Textstelle 1: Ein Loch ist noch keine Erklärung← Zur Textstelle 2: Oben und unten wechseln die Seite - Ein heutiger Vergleich von Öffnung, Lichtquelle und Schirm
Exploratorium: Lens Table, Exhibit Cross Reference.
Beschreibt einen Tisch mit Lichtquelle, verschiebbarem Schirm und unterschiedlichen Öffnungen beziehungsweise Linsen. Unser vorgeschlagener Vergleich wird als heutiges Gedankenexperiment benannt.
← Zur Textstelle: Verändere eine Bedingung
Redaktion: Benjamin Metzig. Erste vollständige Fassung vom 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.
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