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Exponat 06 · Ricci-Karte und gemeinsame Wissensdarstellung

Eine Weltkarte für ein neues Publikum

Die chinesisch beschriftete Weltkarte von 1602 entstand mit Matteo Ricci, Li Zhizao und weiteren Beteiligten. Ihre Küstenlinien, Vorworte und Länderbeschreibungen zeigen, wie geografisches Wissen geordnet, vermittelt und bewertet wurde.

3 Minuten Haupttext · Stand: 6. September 2026

Sechs aneinandergelegte Papierbahnen mit ovaler Weltansicht und schraffierten Textfeldern auf einem Lesetisch; daneben zwei fadengebundene Bücher.Bild vergrößern ↗
Ein frei entworfener Museumslesetisch verbindet sechs Papierbahnen, Kartenlinien und angedeutete Textfelder. Die Skizze greift die Verbindung von Karte und Schrift auf; sie bildet weder das Original von 1602 noch dessen chinesische Texte nach.

Auf einen Blick

Wie verändern Sprache, Zusammenarbeit und Auswahl das Wissen auf einer Weltkarte?

  • Eine Karte enthält neben Orten auch Entscheidungen über Sprache und Darstellung.
  • Die Herstellung des Werks verband mehrere Beteiligte und verschiedene Tätigkeiten.
  • Eine historische Kartenbeschriftung ist eine Aussage ihrer Verfassenden, nicht automatisch ein bestätigter Sachverhalt.
Zeitliche Einordnung
Kunyu wanguo quantu, 1602; heute erschlossen durch Bibliothek und Museumsübersetzungen
Orte und Regionen
China; europäische und chinesische Wissensbeziehungen
Historisch Beteiligte
Matteo Ricci, Li Zhizao, Zhang Wentao sowie weitere Gelehrte und Handwerker

Auf der Karte stehen auch Stimmen

Eine Weltkarte besteht nicht nur aus Küsten und Ortsnamen. Ein Vorwort kann begründen, warum ihre Angaben glaubwürdig sein sollen. Eine Länderbeschreibung kann Kenntnisse vermitteln und zugleich das Selbstbild ihrer Verfassenden zeigen. Ein Herstellungsvermerk macht Beteiligte sichtbar, die in der kurzen Bezeichnung einer Karte leicht verschwinden.

Die 1602 gedruckte Kunyu wanguo quantu wird häufig mit Matteo Riccis Namen verbunden. Die James Ford Bell Library beschreibt sie als gemeinsames Werk europäischer und chinesischer Gelehrter und Handwerker. Li Zhizao gehört zu den ausdrücklich genannten Beteiligten. Minnesota: Herstellung und Zusammenarbeit

Sechs Tafeln verbinden Linien und Schrift

Das Werk wurde mit Holzblöcken auf sechs Tafeln gedruckt. In der betrachteten Museumsansicht liegt eine ausgedehnte, dicht beschriftete Weltkarte vor uns: Kontinente, Meere, Gitternetz und Textfelder teilen sich dieselbe Fläche. Die chinesische Beschriftung bestimmt, für welche Lesenden das Werk unmittelbar zugänglich ist. Minnesota: Materialform des Werks

Diese Aufgabe verlangt mehr als den Austausch einzelner Ortsnamen. Angaben müssen ausgewählt, sprachlich gefasst und auf der verfügbaren Fläche angeordnet werden. Ein Name kann übertragen werden, eine Erklärung braucht zusätzliche Entscheidungen. Das sichtbare Blatt ist daher zugleich eine geografische Darstellung und ein Ergebnis von Zusammenarbeit.

Ein Vorwort begründet Vertrauen

Das Asian Art Museum erschließt Li Zhizaos Vorwort durch eine ausdrücklich als Synopsis bezeichnete Zusammenfassung. Darin geht es unter anderem um astronomische Methoden der Ortsbestimmung und die kugelförmige Erde. Die Passage argumentiert dafür, warum die Darstellung nützlich und glaubwürdig sein soll. Asian Art Museum: Li Zhizaos Vorwort

Eine solche Begründung ist selbst ein historisches Zeugnis. Sie zeigt, wie jemand für eine Form des Wissens wirbt. Ob eine konkrete Küste oder Entfernung zutrifft, ist eine weitere Frage. Anerkennung eines Verfahrens und Prüfung einer einzelnen Kartenangabe sind miteinander verbunden, aber nicht identisch.

Lobende Ländertexte sind keine neutralen Messwerte

Im übersetzten Europatext werden unter anderem Handwerk, Wohlstand, Sitten und Religiosität gelobt. Die Passage verbindet Ortswissen mit einer ausgesprochen günstigen Darstellung Europas. Das Museum weist darauf hin, dass die Karte auch zeitgenössische Vorurteile und fantastische Vorstellungen enthält. Asian Art Museum: Europatext und Einordnung

Beim Lesen ist deshalb zu unterscheiden: Wird ein Ort benannt, eine Beobachtung berichtet oder eine Gesellschaft bewertet? Ein Lob auf die Sitten eines ganzen Kontinents besitzt eine andere Aussageform als ein gemessener Winkel. Beides kann nebeneinander gedruckt sein, ohne dadurch dieselbe Art von Beleg zu werden.

Der Druckervermerk gehört zur Geschichte

Ein weiterer geöffneter Bereich der Museumsinteraktion gibt den Druckervermerk wieder. Er nennt Zhang Wentao aus Qiantang, dem heutigen Hangzhou, und das Jahr 1602. Die Bibliotheksbeschreibung bestätigt ihn als Drucker; eine mögliche Stellung am Ming-Hof bleibt dort ausdrücklich eine Möglichkeit. Asian Art Museum: Druckervermerk Minnesota: Beteiligte und offene Zuschreibung

Der Vermerk lenkt den Blick auf die materielle Herstellung. Geografische Angaben mussten als druckbare Formen vorbereitet und auf Papier übertragen werden. Das verbindet diese Karte mit dem Druckraum des Museums. Die berühmte Autorschaft erklärt nicht allein sämtliche Arbeit, die in einem fertigen Exemplar steckt.

Drei Fragen an dieselbe Karte

Beginne mit der sichtbaren Ordnung: Welche Regionen und Textfelder sind leicht zu finden? Frage dann nach der Sprache und den Personen, die Wissen vermittelt haben. Prüfe schließlich eine einzelne Aussage nach ihrer Art und Begründung. So lässt sich die Karte betrachten, ohne ihre Beschriftungen unbesehen als heutige Tatsachen zu übernehmen.

Die Station ergänzt die Mercatorkarte um eine andere Frage. Dort stand die mathematische Eigenschaft einer Kursdarstellung im Mittelpunkt. Hier geht es darum, wie ein Werk für ein bestimmtes Publikum entsteht und unterschiedliche Aussagen zusammenführt. Eine Karte kann neue Zusammenhänge eröffnen und zugleich die Grenzen des Wissens ihrer Zeit bewahren.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Die hier besprochenen Passagen werden über englische Übersetzungen und ausdrücklich gekennzeichnete Synopsen des Asian Art Museum erschlossen. Eine eigene vollständige chinesische Übersetzung oder die Untersuchung aller sechs Originaltafeln wird nicht behauptet.

Begriffe verstehen

Kartusche

Abgegrenztes Text- oder Schmuckfeld einer Karte, das etwa Titel, Erläuterungen oder Angaben zur Herstellung enthalten kann.

Synopsis

Zusammenfassende Wiedergabe eines Texts; sie ist von einer vollständigen Übersetzung zu unterscheiden.

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Kolophon

Vermerk zu Herstellung oder Abschluss eines Werks, der beispielsweise Beteiligte, Ort oder Zeit nennen kann.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Die gemeinsame Herstellung der Ricci-Weltkarte von 1602

    University of Minnesota Libraries, James Ford Bell Library: 1602 World Map of Matteo Ricci.

    Sechs Drucktafeln und Zusammenarbeit mit Li Zhizao, weiteren Gelehrten und Handwerkern. Mögliche eigene Gravur Li Zhizaos und mögliche Hofstellung Zhang Wentaos nicht als gesichert ausgegeben. Biografische Jahresabweichung für die Objektfrage nicht verwendet.

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  2. Ricci-Karte: Europatext, Li Zhizaos Vorwort und Druckervermerk

    Asian Art Museum: The Ricci Map, 1602. Interaktion zur Ausstellung 2016; Übersetzungen A. C. Baecker, Kartuschensynopsen Mark Mir.

    Northern Europe ist als Translation bezeichnet; Preface by Li Zhizao und Printer als Synopsis. Kartenbehauptung und heutiger Forschungsbefund bleiben getrennt. Ältere Besitz- und Exemplarzahlen der Ausstellung werden nicht als aktuell verifiziert übernommen.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Erste Arbeitsfassung vom 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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