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Säugetiere

Reh

Capreolus capreolus

Zwischen Hecke, Wald und Wiese wählt das Reh nährstoffreiche Pflanzenkost. Sein Jahreslauf reicht vom neuen Geweih bis zur Sommerbrunft – und zu einer frühen Embryonalentwicklung, die trotz „Keimruhe“ langsam weitergeht.

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Fotorealistisch KI-generierter Rehbock mit rotbraunem Sommerfell und kleinem verzweigtem Geweih an einem grünen Waldrand.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Rehbocks im Sommer; Tier und Waldrandszene sind fiktiv.

Capreolus capreolus als Europäisches bzw. Westliches Reh nach Mammal Diversity Database. Das Sibirische Reh, Capreolus pygargus, wird nicht als Unterart oder Suchsynonym dieses Porträts behandelt. „Waldreh“ und „Feldreh“ beschreiben Lebensweisen derselben Art. Historisches Cervus capreolus ist ein Namenssynonym; die heutige Gattung lautet Capreolus.

Auf einen Blick

Kopf-Rumpf-Länge und Schulterhöhe
Etwa 100–130 cm Kopf-Rumpf-Länge; 60–75 cm SchulterhöheRegionale Profilspannen nach Wildtierportal Baden-Württemberg. Länge ohne Schwanz und Schulterhöhe sind unterschiedliche Maße; keine Mittelwerte oder festen Artgrenzen.Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal
Lebendmasse
Etwa 20–30 kg als regionale ProfilspanneSteirische Landesjägerschaft: ausdrücklich Lebendgewicht; Geißen werden als etwa 3–4 kg leichter als Böcke beschrieben. Keine getrennten vollständigen Geschlechtsspannen, keine Masse eines ausgenommenen Wildkörpers.Steirische Landesjägerschaft
Besonderheit
Während der „Keimruhe“ läuft die frühe Entwicklung sehr langsam weiterZellvermehrung und Differenzierung setzen sich fort. Die verzögerte Phase vor der Einnistung ist kein vollständiger Entwicklungsstillstand.Rüegg und Mitautoren · Communications Biology 7:270

Eine eigene Hirschart für das Leben in Deckung

Ein Reh am Waldrand wirkt zierlich: großer, aufmerksamer Kopf, lange Ohren, schmale Brust und vergleichsweise kräftige Hinterbeine. Der hintere Rumpf liegt etwas höher als die Schulter. Diese Gestalt hilft beim schnellen Schlüpfen durch Gebüsch und Unterholz. Das Reh ist ein guter Kurzstreckenflüchter, kein kleiner Nachbau eines ausdauernd laufenden Rothirsches.

Capreolus capreolus ist eine eigene Art aus der Familie der Hirsche. Ein weibliches Reh heißt Ricke oder Geiß, ein männliches Bock, der Nachwuchs Kitz. Die Ricke ist also nicht das Weibchen des Rothirsches. Auch das größere Sibirische Reh, Capreolus pygargus, wird als eigene Art unterschieden.

Das hier beschriebene Europäische Reh kommt in weiten Teilen Europas und im westlichen Asien vor. Seine Heimat reicht damit über Mitteleuropa hinaus. Der wissenschaftliche Name ist wichtig, wenn Angaben aus unterschiedlichen Teilen Eurasiens miteinander verglichen werden.

Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus · Wildtierportal Bayern American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database British Deer Society

Fell und Geweih erzählen vom Jahreslauf

Im Sommer ist das Fell gewöhnlich rötlichbraun, im Winter eher graubraun. Am Hinterteil fällt ein heller Fleck auf, der Spiegel. Der eigentliche Schwanz ist sehr kurz; ein winterlicher Haarbüschel weiblicher Tiere kann dagegen wie ein kleines Schwänzchen wirken. Kitze tragen anfangs ein weiß geflecktes Jugendkleid.

Rehböcke besitzen normalerweise ein relativ kleines Geweih. Es besteht aus Knochen und wird jährlich abgeworfen. Während der Neubildung liegt darüber eine gut durchblutete, behaarte Haut, der Bast. Ist das Geweih ausgebildet, wird diese Hülle an Zweigen und Stämmchen abgestreift.

Ein Bock trägt deshalb nicht in jedem Monat ein blankes Geweih. Auch die Zahl der Spitzen ist keine zuverlässige Jahreszählung: Entwicklung und Zustand unterscheiden sich. Für das Erkennen zählen Körperbau, Färbung, Spiegel und Jahreszeit zusammen.

Deutsche Wildtier Stiftung British Deer Society

Wiederkäuen beginnt mit sorgfältiger Auswahl

Rehe fressen Knospen, junge Triebe, Blätter, Kräuter und andere gut nutzbare Pflanzenteile. Auch Früchte und junge Gräser können dazugehören. Sie wählen ihre Nahrung aus, statt jede erreichbare Grünmasse in gleichem Umfang zu nutzen. Für diese Ernährungsweise wird der Ausdruck „Konzentratselektierer“ verwendet.

Auf die Aufnahme folgt die weitere Verarbeitung im mehrteiligen Magen. Beim Wiederkäuen gelangt bereits aufgenommenes Material noch einmal ins Maul und wird gründlicher zerkleinert. Ein ruhig liegendes Reh kann daher mit der Nahrungsverarbeitung beschäftigt sein, obwohl es gerade keine Pflanze abbeißt.

Auch der Geruchssinn hilft bei der Auswahl. Aus einer kurzen Beobachtung auf einer Wiese folgt deshalb nicht, dass Rehe hauptsächlich von beliebigem Gras leben. Junge Blätter und Triebe in einer Hecke können genauso wichtig sein wie geeignete Kräuter zwischen den Halmen.

Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus · Wildtierportal Bayern Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal Steirische Landesjägerschaft

Waldrehe, Feldrehe und bellende Warnrufe

Ein Wechsel aus Deckung und offenen Nahrungsflächen bietet günstige Bedingungen. Rehe leben aber auch in ausgedehnten Wäldern und in sehr offenen Agrarlandschaften. „Waldreh“ und „Feldreh“ bezeichnen dabei Lebensweisen innerhalb derselben Art, keine zwei zusätzlichen Reharten.

Im Frühjahr und Sommer verhalten sich Böcke stark territorial. In der kälteren Jahreszeit sieht man dagegen häufig Gruppen, die als Sprünge bezeichnet werden. Besonders in offener Landschaft können solche Zusammenschlüsse größer ausfallen. Das Reh lässt sich deshalb weder als immer allein lebend noch als dauerhaftes Rudeltier beschreiben.

Viele Aktivitäten häufen sich in der Morgen- und Abenddämmerung. Rehe sind jedoch nicht ausschließlich dann unterwegs. Störungen beeinflussen, wann sie offene Flächen nutzen. Ein kurzes, raues Bellen kann ebenfalls auf ein Reh hinweisen: Diesen Schrecklaut äußern beide Geschlechter.

Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal British Deer Society Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus · Wildtierportal Bayern

Sommerliche Paarung, Nachwuchs im nächsten Frühjahr

In Mitteleuropa liegt die Paarungszeit überwiegend im Juli und August. Die Kitze werden dagegen meist erst im folgenden Mai oder Juni geboren. Zwischen diesen Ereignissen liegen nicht neun bis zehn Monate gleichmäßig schnellen Embryowachstums.

Der frühe Keim verbleibt zunächst vor der Einnistung in der Gebärmutter. Während dieser „Keimruhe“ oder embryonalen Diapause läuft seine Entwicklung stark verlangsamt weiter. Zum Winter hin folgen beschleunigtes Wachstum und die weitere Vorbereitung auf die Einnistung.

Eine Studie von 2024 untersuchte diesen langsamen Fortschritt genauer. Forschende werteten Genaktivitätsdaten früher Embryonen erneut aus und verbanden sie mit Zellzahlbestimmungen und mikroskopischen Markern. Das Material stammte aus regulären Jagden, nicht aus der wiederholten Beobachtung derselben lebenden Trächtigkeit.

Die Ergebnisse sprechen sowohl für langsame Zellvermehrung als auch für fortschreitende Differenzierung. „Pause“ bedeutet hier also keinen eingefrorenen Keim. Der genaue Verlauf ist zwischen Weibchen unterschiedlich. Dieses verzögerte Tempo hilft, die lange Zeitspanne zwischen Sommerbrunft und Frühjahrsgeburt zu verstehen, ohne sie mit einer ebenso langen schnellen Fötusentwicklung zu verwechseln.

Deutsche Wildtier Stiftung Rüegg und Mitautoren · Communications Biology 7:270 Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal

Ein verborgen liegendes Kitz gehört zum normalen Familienleben

Junge Rehkitze verbringen anfangs viel Zeit verborgen in der Vegetation. Die Mutter ist nicht ständig unmittelbar neben ihnen. Sie kommt zur Versorgung zurück; erst mit zunehmender Entwicklung werden die Jungen beweglicher und begleiten sie häufiger.

Die helle Fleckenzeichnung passt zu diesem frühen Lebensabschnitt. Ein im Gras liegendes Kitz ist kein verkleinertes erwachsenes Reh: Verhalten, Körperzeichnung und Abhängigkeit verändern sich in den ersten Wochen deutlich.

Die Steirische Landesjägerschaft beschreibt die ersten drei Wochen als eine Zeit besonders häufigen Ablegens. Das ist eine regionale Orientierung, keine minutengenaue Regel für jedes Junge. In Mitteleuropa werden häufig ein oder zwei Kitze geboren, gelegentlich mehr. Die Nachwuchsversorgung liegt beim Weibchen; eine dauerhafte gemeinsame Aufzucht durch ein Elternpaar ist damit nicht beschrieben.

Steirische Landesjägerschaft Deutsche Wildtier Stiftung Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal British Deer Society

Kleine Körpermaße, große Unterschiede im Vergleich

Das baden-württembergische Artenprofil nennt ungefähr 100 bis 130 Zentimeter Kopf-Rumpf-Länge und 60 bis 75 Zentimeter Schulterhöhe. Länge ohne Schwanz und Höhe bis zur Schulter sind verschiedene Messgrößen.

Für die Körpermasse ist zusätzlich entscheidend, ob ein lebendes Tier oder ein bereits versorgter Wildkörper gewogen wurde. Hier verwendet der Steckbrief ausdrücklich die Lebendgewichtsangabe der Steirischen Landesjägerschaft. Sie nennt etwa 20 bis 30 Kilogramm und beschreibt weibliche Tiere als leichter.

Solche regionalen Profilspannen sind weder Mittelwerte noch vollständige Artgrenzen. Alter, Ernährungszustand und Jahreszeit beeinflussen den Vergleich. Aus einem besonders kräftigen Bock lässt sich deshalb ebenso wenig ein Normalgewicht für alle Rehe ableiten wie aus einem jungen Kitz.

Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal Steirische Landesjägerschaft

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-28

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.