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Säugetiere

Wildschwein

Sus scrofa

Ein beweglicher Rüssel erschließt Nahrung unter Laub und Erde. Das Wildschwein lebt zwischen Familiengruppe, Wald und Feld; selbst seine Paarungszeit kann sich mit dem Eichelangebot verschieben.

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Fotorealistisch KI-generiertes erwachsenes Wildschwein mit dunklen Borsten und langem Rüssel auf einem herbstlichen Waldboden.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Wildschweins; Tier und Waldszene sind fiktiv.

Sus scrofa im Artenumfang der Mammal Diversity Database, einschließlich mehrerer früher abgetrennter asiatischer Formen. Das dort gesondert geführte Sus domesticus wird nicht als Suchsynonym dieses Wildtierporträts hinterlegt. Verbreitungsfilter beziehen sich auf den natürlichen Raum Europa/Asien/Nordafrika, nicht pauschal auf eingeführte Haus-/Wildschweinmischpopulationen. Die übergeordnete Ordnung Artiodactyla wird einschließlich Walen verwendet.

Auf einen Blick

Kopf-Rumpf-Länge und Schulterhöhe
Etwa 130–180 cm Kopf-Rumpf-Länge; 60–115 cm SchulterhöheRegionale Profilspannen nach Wildtierportal Baden-Württemberg, ohne Geschlechtertrennung. Kopf-Rumpf-Länge ohne Schwanz; Schulterhöhe ist ein anderes Maß. Andere Regionen und Altersgruppen können abweichen.Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal
Körpermasse
Etwa 40–130 kg als regionale ProfilspanneWildtierportal Baden-Württemberg nennt keine getrennten Geschlechtswerte oder Wiegeprotokolle. Kein Mittelwert und keine harte Artgrenze; Lebendmasse und Masse nach Entnahme innerer Organe sind nicht gleichzusetzen.Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal
Besonderheit
Eine bewegliche Rüsselscheibe hilft beim Suchen und WühlenTasthaare und Geruchssinn erschließen auch verborgene Nahrung; Wühlspuren sind das Ergebnis der Nahrungssuche.Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus · Wildtierportal Bayern Deutscher Jagdverband

Borstig, kräftig und vorne schmal

Ein Wildschwein wirkt von der Seite wie ein kompakter Kraftblock. Von vorne fällt dagegen auf, wie schmal der Körper durch das Unterholz passt. Die keilförmige Gestalt, der lang gezogene Kopf und die kurzen Beine gehören zusammen. Das ist kein Hausschwein mit etwas dunklerem Fell.

Das graubraune bis fast schwarze Haarkleid besteht aus derben Borsten. Im Winter kommen längere Deckhaare und dichte Unterwolle hinzu. Die Augen liegen seitlich am Kopf und wirken klein, die Ohren stehen meist aufrecht. Bei älteren Männchen können die Eckzähne deutlich aus dem Maul ragen. Ein großer Teil dieser Zähne steckt jedoch im Kiefer: Die gesamte Zahnlänge ist nicht die sichtbare Länge eines Hauers.

Junge Frischlinge sehen ganz anders aus. Ihr braunes Fell trägt helle Längsstreifen. Diese Jugendzeichnung verliert sich beim Heranwachsen. Sie kennzeichnet kein eigenes Wildschwein und unterscheidet auch nicht zuverlässig Männchen von Weibchen.

Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus · Wildtierportal Bayern Deutsche Wildtier Stiftung

Der Rüssel erschließt eine verborgene Speisekammer

Die Nase des Wildschweins endet in einer beweglichen Scheibe mit Tasthaaren. Zusammen mit dem ausgeprägten Geruchssinn hilft sie, Nahrung aufzuspüren, die unter Laub oder im Boden verborgen liegt. Das Tier muss einen Regenwurm oder eine Knolle deshalb nicht zuerst sehen.

Beim Wühlen schiebt es die Schnauze in die obere Bodenschicht und hebt Erde an. Kräftiger Kopf und Körper wirken dabei mit. Aufgebrochene Grasnarben und umgewendetes Laub können solche Nahrungssuche verraten; sie sind kein Hinweis auf ein angelegtes Nest.

Der Blick auf die Spuren erklärt die scheinbar plumpe Gestalt neu: Der vordere Körperabschnitt ist Teil eines wirksamen Such- und Grabapparats. Wildschweine können trotz ihres massigen Aussehens außerdem laufen und schwimmen. Die gedrungene Form bedeutet keine allgemeine Unbeweglichkeit.

Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus · Wildtierportal Bayern Deutscher Jagdverband

Eicheln sind wichtig, aber nicht alles

Wildschweine fressen sowohl Pflanzen als auch Tiere. Eicheln, Bucheckern, Früchte, unterirdische Pflanzenteile und Feldfrüchte gehören zum Nahrungsspektrum. Dazu kommen etwa Insektenlarven, Würmer, kleine Wirbeltiere oder Aas. Ein einzelnes Tier frisst nicht täglich all diese Dinge.

Was tatsächlich aufgenommen wird, hängt vom Ort und vom Angebot ab. In einem Herbst mit vielen Eicheln lohnt sich andere Nahrungssuche als im Frühjahr oder in einem Feld mit erreichbarem Getreide. Pflanzliche Kost spielt insgesamt eine große Rolle.

Die Bezeichnung „Allesfresser“ beschreibt diese Flexibilität. Sie bedeutet weder, dass jede Nahrung gleich wichtig wäre, noch, dass tierische und pflanzliche Nahrung stets die Hälfte ausmachen. Eine feste Prozentaufteilung für sämtliche Wildschweine wäre irreführend.

Deutsche Wildtier Stiftung Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal

Rotten sind Familienverbände

In einer Rotte leben häufig weibliche Tiere mit ihrem Nachwuchs zusammen. Ein weibliches Wildschwein heißt Bache, ein männliches Keiler. Erwachsene Keiler sind oft allein unterwegs und schließen sich zur Paarungszeit einer Gruppe an. Jüngere Männchen können dagegen eigene Trupps bilden. „Alle Männchen leben allein“ wäre deshalb eine unpassende Regel.

Vor der Geburt zieht sich eine Bache zurück und bereitet einen geschützten Wurfkessel aus Pflanzenmaterial vor. Dort kommen die Frischlinge zur Welt. Sie werden zunächst gesäugt und sind auf die Versorgung durch die Mutter angewiesen. Erst später sind sie mit der Familie unterwegs.

Das baden-württembergische Profil nennt rund 115 Tage Tragzeit. Wurfgröße und Zeitpunkt lassen sich dagegen nicht auf einen festen Standard für jedes Weibchen reduzieren. Alter, körperlicher Zustand und Nahrungsbedingungen spielen eine Rolle. Auch ein sehr junges weibliches Tier kann sich bei günstiger Entwicklung schon an der Fortpflanzung beteiligen. Der Kalender allein erklärt den Nachwuchs einer Rotte nicht.

Deutscher Jagdverband Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal

Wie ein Eicheljahr die Paarungszeit verschieben kann

Wenn Eichen besonders viele Früchte tragen, spricht man von einer Mast. Eine französische Studie untersuchte, ob solche Nahrungsjahre mit früheren Paarungen zusammenhängen. Dafür wurden zwischen 2015 und 2021 Daten aus 15 Gebieten und von 1.636 trächtigen Bachen ausgewertet.

Die Paarungen wurden nicht direkt beobachtet. Die Tiere waren während der Jagdsaison erlegt worden; aus der Größe der Föten berechneten die Forschenden den ungefähren Befruchtungszeitpunkt zurück. Parallel erfassten sie das Eichelangebot anhand eines einheitlichen Bewertungsverfahrens an Bäumen.

In zwölf der 15 untersuchten Populationen ging mehr Eichelmast mit früheren Paarungszeitpunkten einher. In drei Gebieten zeigte sich dieser Zusammenhang nicht. Auch die Stärke des Effekts unterschied sich.

Die Untersuchung beschreibt Zusammenhänge unter Freilandbedingungen, kein Fütterungsexperiment. Sehr spät erfolgte Paarungen außerhalb des erfassten Jagdzeitraums konnten fehlen. Ihr wichtiger Beitrag ist gerade der Vergleich mehrerer Gebiete: Ein reiches Nahrungsjahr kann den Fortpflanzungsrhythmus beeinflussen, aber nicht überall in gleicher Weise.

Cachelou und Mitautoren · Biology Letters 18:20220213

Zwischen Wald, Feuchtgebiet und Feld

Nahrungsreiche Laubwälder bieten Deckung und Baumfrüchte. Wildschweine nutzen aber auch Auwälder, Schilfzonen, Wiesen und landwirtschaftliche Flächen. Hohe Feldfrüchte können zeitweise gleichzeitig Versteck und Nahrungsquelle sein. Mancherorts reicht ihr Lebensraum bis in Siedlungen.

Schlammige Suhlen erfüllen einen anderen Zweck als Futterplätze: Das Schlammbad hilft unter anderem bei der Abkühlung. Anschließend können sich die Tiere an Baumstämmen scheuern. Solche Stellen gehören zu den auffälligen Spuren ihrer Anwesenheit.

Dort, wo Wildschweine Äcker oder Grünflächen umwühlen, entstehen Konflikte mit der menschlichen Landnutzung. Die gleiche Nahrungssuche, die zum normalen Verhalten der Tiere gehört, kann eine angesäte Fläche beschädigen. Die Wirkung hängt deshalb auch davon ab, wo das Wühlen stattfindet.

Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal Deutsche Wildtier Stiftung Deutscher Jagdverband

Wildschwein, Hausschwein und die Grenzen eines Steckbriefs

Sus scrofa gehört zur Gattung Sus und zur Familie der Echten Schweine, Suidae. Sein natürlicher Verbreitungsraum umfasst weite Teile Europas und Asiens sowie Nordafrika. Er reicht nicht ursprünglich über sämtliche Kontinente.

Wildschweine sind die Ausgangsform des Hausschweins. Die hier verwendete Mammal Diversity Database führt das Hausschwein dennoch in einem eigenen Eintrag als Sus domesticus. Anderswo wird es als Sus scrofa domesticus bezeichnet. Diese unterschiedliche Benennung beseitigt die enge Abstammungsbeziehung nicht.

Bei verwilderten Schweinen außerhalb des ursprünglichen Wildschweinareals ist zusätzlich die Herkunft zu beachten. Darunter sind Hausschweine und Tiere mit gemischter Abstammung. Ein Bericht über „feral pigs“ lässt sich deshalb nicht ohne Prüfung auf ein mitteleuropäisches Wildschwein übertragen.

Auch Körpermaße brauchen einen Bezug: Der Steckbrief nennt regionale Profilspannen, keine überall gültigen Grenzen. Männchen werden gewöhnlich größer als Weibchen. Alter und Herkunft sind mitentscheidend; ein einzelner besonders schwerer Keiler ist kein Durchschnittstier.

American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus · Wildtierportal Bayern Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg · Wildtierportal

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-28

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.