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Knorpelfische

Kleingefleckter Katzenhai

Scyliorhinus canicula

Ein kleiner Bodenbewohner mit feinen Flecken und einer Kinderstube in rankentragenden Eikapseln. Schon vor dem Schlüpfen reagiert sein Nachwuchs auf Störungen – ein Blick in ein oft übersehenes Haileben.

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Fotorealistisch generierter Kleingefleckter Katzenhai mit zahlreichen feinen dunklen Punkten, zwei weit hinten sitzenden Rückenflossen und langem niedrigem Schwanz auf sandigem Kiesgrund.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Kleingefleckten Katzenhais in einer erfundenen Bodenszene. Keine dokumentarische Aufnahme, kein vermessenes Exemplar und kein Bild eines untersuchten Embryos.

Scyliorhinus canicula (Linnaeus, 1758), ursprünglich Squalus canicula. Die vereinfachte Rangfolge verwendet die breite Klasse Chondrichthyes wie das Harvard MCZ. Scyliorhinus duhamelii ist wieder als eigenständige Art anerkannt und wird hier nicht als Synonym geführt. Ältere Mittelmeerangaben können einem weiter gefassten Artverständnis folgen; die Behandlung von 2019 ordnet einige nordwestafrikanische Tiere vorläufig zu.

Auf einen Blick

Größe
Bis ungefähr 85 cm GesamtlängeRegionaler Max.-TL-Wert des Shark Trust für Britische Inseln und Nordsee. Kein artweiter Mittelwert. Die taxonomische Untersuchung von 2019 nennt kleinere Maxima ihrer untersuchten Exemplare; diese sind Stichprobenwerte. Historische Meterangaben können auf Verwechslungen beruhen.The Shark Trust Karla D. A. Soares und Marcelo R. de Carvalho · Zootaxa4601(1),1–147 (2019)
Besonderheit
Eier mit langen Ranken; Embryonen reagieren auf StörungDie Laborstudie verglich Starredauern bei jeweils fünf Embryonen aus 15- und 20-Grad-Gruppen. Das belegt weder eine feste Schlupffrist noch eine gemessene Sterblichkeit durch Räuber im Meer.The Shark Trust Daniel M. Ripley, Sara De Giorgio, Kirstin Gaffney, Lowri Thomas und Holly A. Shiels · Conservation Physiology9(1),coab045 (2021)

Ein kleiner Hai mit vielen kleinen Flecken

Der Kleingefleckte Katzenhai wirkt am Meeresboden leicht unscheinbar. Auf seinem beigefarbenen bis graubraunen Rücken liegen zahlreiche dunkle Punkte, am Kopf besonders feine. Der Bauch ist hell. Der langgestreckte Körper wird zum Schwanz hin schmaler; zwei kleine Rückenflossen sitzen auffällig weit hinten.

Der breite, flache Kopf trägt längliche Augen. Auf der Unterseite reichen Nasenfurchen bis zum Maul. Zusammen mit der Fleckengröße und weiteren Körpermerkmalen helfen sie, die Art von anderen Katzenhaien zu unterscheiden. Ein Muster aus Punkten allein genügt dafür nicht immer.

Scyliorhinus canicula gehört zu den Grundhaiartigen und zur Familie der Katzenhaie. Der Shark Trust nennt für Tiere bei den Britischen Inseln und in der Nordsee bis zu etwa 85 Zentimeter Gesamtlänge. Das ist eine regionale Größenobergrenze aus einem Artprofil, kein Durchschnitt für jeden Fundort.

The Shark Trust Karla D. A. Soares und Marcelo R. de Carvalho · Zootaxa4601(1),1–147 (2019) World Register of Marine Species Museum of Comparative Zoology · Harvard University

Nahrung zwischen Sand, Schlamm und Felsen

Die Art lebt im nordöstlichen Atlantik und in Teilen des Mittelmeers. Sie nutzt den Meeresboden über dem Kontinentalschelf und am oberen Hang, unter anderem sandige, schlammige und felsige Bereiche. Tagsüber können Tiere ruhend am Boden liegen, während ein größerer Teil der Nahrungssuche nachts stattfindet.

Auf dem Speiseplan stehen kleine Krebse, Würmer, Weichtiere, Kopffüßer und Fische. Welche davon besonders wichtig sind, hängt vom verfügbaren Angebot und von der Größe des Hais ab. Bei jungen Tieren spielen kleine wirbellose Beutetiere eine wichtige Rolle.

Die Umgebung ist dabei mehr als eine Kulisse. Zwischen Steinen, auf weichem Grund und in flachem Küstenwasser stehen unterschiedliche Nahrung und Verstecke zur Verfügung. Auch Männchen und Weibchen müssen nicht dieselben Aufenthaltsplätze zur selben Zeit nutzen. Regionale Beobachtungen solcher Unterschiede lassen sich jedoch nicht als Stundenplan für die ganze Art lesen.

The Shark Trust Karla D. A. Soares und Marcelo R. de Carvalho · Zootaxa4601(1),1–147 (2019)

Eine verankerte Kinderstube

Im Unterschied zu Tigerhai und Großem Hammerhai legt der Kleingefleckte Katzenhai Eier. Die widerstandsfähige Kapsel besitzt an ihren Ecken lange Ranken. Mit ihnen kann sie an Algen oder festsitzenden wirbellosen Tieren hängen bleiben. Darin entwickelt sich der junge Hai außerhalb des Muttertiers. Seine Nahrung kommt zunächst aus dem Dottervorrat.

Die Entwicklung dauert mehrere Monate. Wie lange genau, hängt unter anderem von den Bedingungen im Wasser ab. Die in Artübersichten genannten Spannen sind deshalb keine feste Schlupffrist für jede Kapsel. Auch eine leere, angespülte Hülle verrät nicht allein, wie alt ihr ehemaliger Bewohner war.

Während der späteren Entwicklung öffnen sich Durchlässe in der Kapsel. Der Embryo bewegt seinen Körper rhythmisch und unterstützt damit den Wasseraustausch. Das hilft bei der Sauerstoffversorgung. Die Bewegungen erzeugen aber zugleich Signale, durch die ein möglicher Fressfeind den Inhalt bemerken könnte.

The Shark Trust Karla D. A. Soares und Marcelo R. de Carvalho · Zootaxa4601(1),1–147 (2019) Daniel M. Ripley, Sara De Giorgio, Kirstin Gaffney, Lowri Thomas und Holly A. Shiels · Conservation Physiology9(1),coab045 (2021)

Schon vor dem Schlüpfen auf Störung reagieren

Eine 2021 veröffentlichte Laborstudie untersuchte, wie sich Katzenhai-Embryonen nach mechanischer Störung verhalten. Das Team verwendete Eier aus Aquarienhaltung und zog sie bei 15 beziehungsweise 20 Grad Celsius auf. Es störte die Kapseln durch festgelegte Berührungen und verfolgte anschließend Bewegung und Sauerstoffaufnahme.

Die Embryonen konnten ihre Atem- und Körperbewegungen unterbrechen und den Schwanz um den Körper legen. Diese Starre wird als mögliche Schutzreaktion gedeutet: Weniger Bewegung könnte die Entdeckung durch einen Räuber erschweren. Im Versuch selbst griff jedoch kein lebender Räuber an. Er prüfte die Reaktion auf einen nachgeahmten mechanischen Reiz.

Für den Vergleich der Starredauer gingen jeweils fünf Tiere pro Temperaturgruppe in die Auswertung ein. Bei 20 Grad fiel die Starre kürzer aus. Der Befund zeigt somit einen Zusammenhang zwischen Aufzuchtbedingungen und einer frühen Verhaltensreaktion, keine gemessene Überlebensrate freilebender Katzenhaie.

Daniel M. Ripley, Sara De Giorgio, Kirstin Gaffney, Lowri Thomas und Holly A. Shiels · Conservation Physiology9(1),coab045 (2021)

Was der Versuch erklärt – und was offenbleibt

Wärmeres Wasser beeinflusst viele Vorgänge eines wechselwarmen Tiers. In der Studie war die normale Bewegungsfrequenz zur Belüftung der Kapsel bei höherer Temperatur größer. Der unter normalen Bedingungen gemessene Sauerstoffverbrauch unterschied sich zwischen den Gruppen dagegen nicht statistisch eindeutig. Die kürzere Starre lässt sich deshalb nicht einfach mit einem nachgewiesenen Anstieg dieses Verbrauchs gleichsetzen.

Auch die Stichproben waren je nach Messung unterschiedlich groß: Anfangs wurden acht Eier pro Temperaturgruppe zugeteilt, doch für die einzelnen Analysen standen nicht durchgehend alle Tiere zur Verfügung. Solche Unterschiede gehören dazu, wenn man aus einem interessanten Versuch eine belastbare Erklärung machen möchte.

Offen bleibt insbesondere, wie stark die beobachtete Veränderung unter natürlichen Bedingungen das Risiko eines Embryos beeinflusst. Dafür müssten unter anderem tatsächliche Räuber, wechselnde Temperaturen und die Lage der Kapsel im Lebensraum berücksichtigt werden.

Daniel M. Ripley, Sara De Giorgio, Kirstin Gaffney, Lowri Thomas und Holly A. Shiels · Conservation Physiology9(1),coab045 (2021)

Der Name muss zu den Daten passen

Auch bei einer gut bekannten Küstenart kann sich die wissenschaftliche Abgrenzung ändern. Eine taxonomische Überarbeitung von 2019 erkannte Scyliorhinus duhamelii wieder als eigenständige Art an. Zuvor waren entsprechende Tiere häufig unter Scyliorhinus canicula eingeordnet worden.

Ältere Angaben, besonders aus überlappenden Mittelmeergebieten, müssen deshalb mit ihrem jeweiligen Artverständnis gelesen werden. Die Abgrenzung macht nicht automatisch jede ältere Beobachtung falsch; sie verändert, welchen Tieren ein Ergebnis sicher zugeordnet werden kann.

Die 2021 veröffentlichte globale IUCN-Bewertung führt Scyliorhinus canicula als „nicht gefährdet“; die eigentliche Begutachtung fand 2020 statt. Das ist eine globale Einordnung. Regionale Fangbelastung und eine genaue Bestimmung bleiben wichtig, wenn sich Bestände zwischen Meeresgebieten unterscheiden.

Karla D. A. Soares und Marcelo R. de Carvalho · Zootaxa4601(1),1–147 (2019) Eschmeyer’s Catalog of Fishes · California Academy of Sciences B. Finucci und Mitautorinnen und Mitautoren · IUCN Red List (2021)

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-29

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.