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Knorpelfische

Großer Hammerhai

Sphyrna mokarran

Sein breiter Kopf ist ein Suchwerkzeug, seine hohe Rückenflosse ein auffälliges Artmerkmal. Doch warum schwimmt der Große Hammerhai oft auf der Seite? Bewegungssensoren und ein Strömungsmodell liefern eine überraschende Erklärung.

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Fotorealistisch generierter Großer Hammerhai mit seitlich verbreitertem Kopf und sehr hoher gebogener Rückenflosse beim Schwimmen über einem Sandboden; der ganze Körper ist sichtbar.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Großen Hammerhais in einer erfundenen Meerszene. Keine dokumentarische Aufnahme, kein Studientier und kein Nachweis eines gemessenen Schwimmwinkels, Energieaufwands oder Fundorts.

Sphyrna mokarran (Rüppell, 1837), ursprünglich Zygaena mokarran. Die vereinfachte Rangfolge verwendet die im Lexikon bestehende breite Klasse Chondrichthyes. WoRMS verteilt diese Abstammung auf zusätzliche und anders benannte Ränge, unter anderem Elasmobranchii als Klasse. Sphyrna tudes wird hier als eigene Art und nicht als Suchsynonym geführt.

Auf einen Blick

Größe
Bis ungefähr 6,1 m GesamtlängeGrößte berichtete Gesamtlänge im Florida-Museum-Artprofil: 610 cm. Kein typischer Mittelwert, keine neue Rekordvermessung und keine getrennte Größenverteilung für Weibchen und Männchen. Die Studie zum Schwimmen untersuchte deutlich kleinere Individuen.Cathleen Bester; Überarbeitung Lindsay French, Jennifer Dorrian und Gavin Naylor · Florida Museum of Natural History Nicholas L. Payne und Mitautorinnen und Mitautoren · Nature Communications7,12289 (2016)
Besonderheit
Seitliches Schwimmen verändert die tragenden FlächenZwei Sensorhaie und drei weitere Kamerahaie lieferten Verhaltensbeobachtungen. Ein Modell zeigte geringeren Widerstand bei passenden Schräglagen; der Energieaufwand wurde berechnet, nicht im Stoffwechsel aller beobachteten Tiere gemessen.Nicholas L. Payne und Mitautorinnen und Mitautoren · Nature Communications7,12289 (2016)

Ein Hammer ist nicht wie der andere

Der breite Kopf eines Hammerhais fällt sofort auf. Für die Bestimmung der Art reicht die Silhouette allein aber nicht. Beim erwachsenen Großen Hammerhai verläuft der vordere Kopfrand nahezu gerade, mit einer flachen Einkerbung in der Mitte. Beim Bogenstirn-Hammerhai ist er deutlicher gebuchtet. Junge Große Hammerhaie können noch einen stärker gebogenen Kopfrand haben.

Dazu kommt eine außergewöhnlich hohe, sichelförmig nach hinten gebogene erste Rückenflosse. Auch die Bauchflossen haben gebogene Hinterränder. Der Rücken ist grau, braun oder oliv getönt, die Unterseite heller. Die Schwanzflosse ist asymmetrisch. Diese Merkmale gehören zusammen, wenn aus einem flüchtigen Blick eine verlässliche Artzuordnung werden soll.

Der wissenschaftliche Name lautet Sphyrna mokarran. Er gehört zur Familie der Hammerhaie und zur Ordnung der Grundhaiartigen. Der Große Hammerhai ist damit näher mit dem Tigerhai verwandt als mit dem Weißen Hai aus einer anderen Ordnung.

Cathleen Bester; Überarbeitung Lindsay French, Jennifer Dorrian und Gavin Naylor · Florida Museum of Natural History World Register of Marine Species Eschmeyer’s Catalog of Fishes · California Academy of Sciences

Ein Suchkopf über dem Meeresboden

Große Hammerhaie leben in tropischen und warmgemäßigten Meeresgebieten. Sie nutzen Küstengewässer, Lagunen und Schelfgebiete, kommen aber auch weiter draußen vor. Fische, Krebstiere, andere Haie und vor allem auch Rochen gehören zu ihrer Beute.

Auf der Unterseite des Kopfes liegen elektrische Sinnesorgane, die Lorenzinischen Ampullen. Sie registrieren schwache elektrische Felder lebender Tiere. Solche Hinweise können helfen, Beute zu finden, die sich unter Sand verbirgt. Der auffällige Kopf ist somit auch eine Fläche mit Sinnesorganen.

Seine Zähne sind dreieckig und gezähnt. Zusammen mit dem beweglichen Körper gehören sie zur Ausstattung eines räuberischen Fisches. Daraus folgt jedoch keine starre Jagdtechnik für jede Situation. Insbesondere lassen sich Experimente an anderen Hammerhaiarten nicht ohne Weiteres als Nachweis einer besonderen Seh- oder Ortungsleistung dieser Art ausgeben.

Cathleen Bester; Überarbeitung Lindsay French, Jennifer Dorrian und Gavin Naylor · Florida Museum of Natural History

Absichtlich auf die Seite gelegt

Wer einen Hai schräg schwimmen sieht, könnte zunächst an eine enge Kurve denken. Beim Großen Hammerhai kann die Seitenlage aber länger anhalten. Eine 2016 veröffentlichte Studie untersuchte zwei freilebende Tiere mit Bewegungssensoren: eines am Great Barrier Reef, eines vor Belize.

Das australische Tier verbrachte den größten Teil seiner Aufzeichnungszeit deutlich auf die Seite geneigt. Es wechselte dabei zwischen linker und rechter Schräglage. Der Hai vor Belize zeigte nachts ebenfalls häufig eine Seitenlage, schwamm tagsüber aber eher aufrecht. Drei weitere Tiere auf den Bahamas trugen Kameras und zeigten das Verhalten auch.

Die Stichprobe belegt damit ein wiederholt beobachtetes Schwimmmuster. Sie bedeutet nicht, dass jeder Große Hammerhai zu jeder Tageszeit denselben Winkel einnimmt. Auch die fünf Tiere lieferten unterschiedliche Daten: Zwei trugen Bewegungssensoren, die übrigen drei Kameras.

Nicholas L. Payne und Mitautorinnen und Mitautoren · Nature Communications7,12289 (2016)

Die Rückenflosse wird zur Tragfläche

Die mögliche Erklärung liegt in den Kräften, die auf einen schwimmenden Hai wirken. Brustflossen helfen gewöhnlich dabei, Auftrieb zu erzeugen. Beim Großen Hammerhai ist die Rückenflosse besonders lang. Legt er sich seitlich, kann sie zusammen mit einer Brustflosse eine größere wirksame Spannweite bilden.

Das Forschungsteam prüfte diese Idee an einem körpernah geformten Modell im Windkanal. Die Versuchsbedingungen wurden so gewählt, dass wichtige Strömungseigenschaften zu denen eines schwimmenden Hais passten. Bei bestimmten Schräglagen erzeugte das Modell den nötigen Auftrieb mit geringerem Widerstand als in aufrechter Haltung.

Die Beobachtungen der lebenden Tiere und die Modellbefunde passen somit zusammen. Ein geringerer Energieaufwand für das Zurücklegen einer Strecke ist eine begründete Erklärung. Er wurde jedoch aus den Strömungsmessungen und weiteren Annahmen berechnet. Der Versuch maß nicht unmittelbar den gesamten Stoffwechsel eines Hais im Meer und liefert keinen festen Energiesparwert für jede Schwimmgeschwindigkeit.

Nicholas L. Payne und Mitautorinnen und Mitautoren · Nature Communications7,12289 (2016)

Nachwuchs mit Verbindung zum Muttertier

Große Hammerhaie gebären lebende Junge. Während der Entwicklung entsteht eine Verbindung über eine Dottersackplazenta, die den Nachwuchs versorgt. Damit unterscheidet sich die Ernährungsweise der Embryonen von derjenigen des Tigerhais, der ohne eine solche Plazenta lebend gebärt.

Das Florida Museum nennt für den Großen Hammerhai Würfe von sechs bis 42 Jungen und eine Tragzeit von ungefähr elf Monaten. Diese Angaben fassen beobachtete beziehungsweise beschriebene Spannweiten zusammen. Sie sind keine Garantie für Wurfgröße und Entwicklungsdauer jedes Weibchens. Angaben zur Geburtszeit müssen außerdem zur untersuchten Region passen.

Cathleen Bester; Überarbeitung Lindsay French, Jennifer Dorrian und Gavin Naylor · Florida Museum of Natural History

Auffällig groß, trotzdem verletzlich

Als größte Hammerhaiart kann Sphyrna mokarran eine Gesamtlänge von ungefähr sechs Metern erreichen. Solche Oberwerte stehen für besonders große Tiere. Sie beschreiben nicht die gewöhnliche Größe jedes Großen Hammerhais und lassen sich nicht mit der Flügelspannweite eines Rochens gleichsetzen.

Fang und Beifang setzen der Art zu; ihre großen Flossen sind begehrt. Der aktuelle Fischkatalog verweist auf eine Einstufung als „vom Aussterben bedroht“ aus dem Jahr 2021. Eine weite Verbreitung ist somit kein Beleg für gesunde Bestände.

Am Großen Hammerhai lässt sich zugleich sehen, wie Forschung Bekanntes neu deutet. Eine Rückenflosse, die zunächst nur wie ein besonders auffälliges Artmerkmal wirkt, kann in einer anderen Körperhaltung zur Tragfläche werden. Erst das Zusammenspiel aus Beobachtung und überprüfbarem Modell macht diese Erklärung belastbar.

Cathleen Bester; Überarbeitung Lindsay French, Jennifer Dorrian und Gavin Naylor · Florida Museum of Natural History Eschmeyer’s Catalog of Fishes · California Academy of Sciences Nicholas L. Payne und Mitautorinnen und Mitautoren · Nature Communications7,12289 (2016)

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-29

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.