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Knorpelfische

Riesenhai

Cetorhinus maximus

Ein mehrere Meter langer Hai lebt von winzigen Planktontieren. Sein großes Maul, weite Wanderungen und rätselhafte Ringformationen zeigen, wie wenig eine kurze Sichtung an der Oberfläche über sein ganzes Leben verrät.

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Fotorealistisch generierter Riesenhai mit offenem Maul und langen Kiemenspalten beim Schwimmen unter einer hellen Wasseroberfläche; der ganze Körper und die Schwanzflosse sind sichtbar.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Riesenhais beim Planktonfiltern in einer erfundenen Meerszene. Keine dokumentarische Aufnahme und kein Nachweis einer bestimmten Größe, eines Fundorts oder einer beobachteten Ringformation.

Cetorhinus maximus (Gunnerus, 1765), ursprünglich als Squalus maximus beschrieben. Die vereinfachte Rangfolge verwendet wie der vorhandene Bestand und das Australian Museum die breite Klasse Chondrichthyes. Zwischenränge anderer Systeme werden hier nicht zusätzlich dargestellt.

Auf einen Blick

Größe
Bis ungefähr 12 m GesamtlängeOberwert des Shark-Trust-Artprofils, ausdrücklich Max. TL 1200 cm; kein typischer Mittelwert und kein neu vermessener Rekord. Das Australian Museum formuliert vorsichtiger, dass mindestens 10 m erreicht werden. Nicht mit der Breite eines Rochens oder den geschätzten Längen einzelner Senderhaie gleichsetzen.The Shark Trust Mark McGrouther · Australian Museum
Besonderheit
Planktonfiltration während des VorwärtsschwimmensGroßes Maul und lange Kiemenspalten gehören zum Filterapparat. Beobachtete Ringformationen werden dagegen als mögliche Balz gedeutet; dabei wurde keine Filtration und keine vollzogene Paarung beobachtet.Eddie Johnston und Lisa Hendry · Natural History Museum, London D. W. Sims und Mitautorinnen und Mitautoren · Journal of Fish Biology101 (2022),1328–1345

Ein riesiges Maul und fünf lange Kiemenspalten

Ein Riesenhai wirkt schon wegen seines offenen Mauls ungewöhnlich. Dahinter ziehen sich fünf lange Kiemenspalten über jede Kopfseite. Dazu kommen ein massiger, langgestreckter Körper, eine große vordere und eine wesentlich kleinere hintere Rückenflosse sowie die kräftige, sichelartige Schwanzflosse. Die graue bis bräunliche Haut kann unregelmäßig hell gezeichnet sein.

Der wissenschaftliche Name Cetorhinus maximus gehört zu einem Knorpelfisch: Sein inneres Skelett besteht überwiegend aus Knorpel. Innerhalb dieser Klasse wird er den Makrelenhaiartigen zugeordnet. Er gehört damit derselben Ordnung wie der Weiße Hai an, nutzt aber eine ganz andere Nahrungsquelle.

Seine Länge kann in Artübersichten bis ungefähr zwölf Meter erreichen. Das beschreibt besonders große Tiere, nicht die übliche Größe jedes Hais, der vor einer Küste auftaucht.

Mark McGrouther · Australian Museum World Register of Marine Species The Shark Trust

Winzige Beute ernährt einen großen Fisch

Der Riesenhai jagt vor allem kleine Tiere des Planktons. Dazu gehören Ruderfußkrebse, andere Krebslarven und Fischeier. Er schwimmt mit geöffnetem Maul vorwärts und lässt dabei Wasser durch den Mundraum zu den Kiemen strömen. Spezialisierte Reusenstrukturen halten die Nahrung zurück; das Wasser tritt durch die Kiemenspalten wieder aus.

Diese Rammfiltration verbindet Fortbewegung und Nahrungsaufnahme. Der Hai muss nicht jedem einzelnen Kleinkrebs hinterherjagen. Er braucht jedoch Wasser, das genügend geeignete Beute enthält. Eine große Wassermenge allein garantiert noch keine lohnende Mahlzeit.

Zahnlos ist der Riesenhai übrigens nicht. Sein Maul enthält sehr kleine Zähne. Sie bilden keine auffällige Reihe großer Schneidwerkzeuge wie bei vielen räuberisch lebenden Haien. Für die Planktonnahrung sind die Filterstrukturen entscheidend.

Eddie Johnston und Lisa Hendry · Natural History Museum, London The Shark Trust C. Knickle, L. Billingsley und K. DiVittorio · Florida Museum of Natural History

Die ergiebigen Stellen im Meer finden

Riesenhaie kommen in kühlen und gemäßigten Meeresgebieten verschiedener Weltregionen vor, auch vor Europas Küsten und im Süden Australiens. In wärmeren Breiten können sie tiefere Wasserschichten nutzen. Sichtungen an der Oberfläche zeigen deshalb nur einen Teil ihres Lebensraums.

Besonders interessant sind Meeresgebiete, in denen unterschiedliche Wassermassen aneinandergrenzen. Solche Fronten können Plankton konzentrieren. Die räumliche Verteilung des Futters ist für einen Filtrierer ebenso wichtig wie die Menge im gesamten Meer.

Mit Senderdaten und Informationen über die Produktivität der Gewässer untersuchte ein Forschungsteam, welche Gebiete einzelne Riesenhaie aufsuchten. Die Wege führten zu Küsten- und Schelfrandgebieten mit reichlichem Planktonangebot. Die Verbindung zur Nahrung ist plausibel; aus einem Aufenthaltsort allein lässt sich aber nicht jeder einzelne Fressvorgang ablesen.

Mark McGrouther · Australian Museum The Shark Trust D. W. Sims, E. J. Southall, A. J. Richardson, P. C. Reid und J. D. Metcalfe · Marine Ecology Progress Series248 (2003),187–196

Verschwunden ist nicht eingeschlafen

Wenn im Winter weniger Riesenhaie an der Oberfläche zu sehen sind, liegt die Vorstellung eines Winterschlafs nahe. Lange wurde vermutet, sie würden die nahrungsärmere Jahreszeit ruhend in der Tiefe verbringen. Eine 2003 veröffentlichte Senderstudie prüfte ihre Wege genauer.

Das Team erhielt Daten von fünf Haien vor Großbritannien. Die Aufzeichnungen dauerten je nach Tier etwa zwei bis sechseinhalb Monate; einige reichten bis in den Dezember oder Januar. Die Tiere wechselten weiterhin ihre Tiefe und ihren Aufenthaltsort. Manche Tauchgänge führten mehrere Hundert Meter hinab.

Diese Befunde passen nicht zu einem bewegungslosen Überwintern am Grund. Sie bedeuten jedoch keine lückenlose Beobachtung aller Riesenhaie über sämtliche Wintermonate. Gemessen wurden unter anderem Tiefe und Temperatur; Nahrungssuche in der Tiefe wurde daraus erschlossen und nicht bei jedem Tauchgang gefilmt.

D. W. Sims, E. J. Southall, A. J. Richardson, P. C. Reid und J. D. Metcalfe · Marine Ecology Progress Series248 (2003),187–196

Lebende Junge, viele offene Fragen

Riesenhaie bringen lebende Junge zur Welt. Ihre Fortpflanzung lässt sich trotzdem nur schwer untersuchen. Historische Berichte über trächtige Tiere und Geburten sind selten; aus ihnen entsteht noch keine verlässliche Statistik für jede Population.

Wie lange eine Trächtigkeit normalerweise dauert, ist nicht sicher bekannt. Auch für die Zahl der Jungen oder das Alter bei der ersten Fortpflanzung sollte man Schätzungen nicht mit genau gemessenen, allgemein gültigen Werten verwechseln. Gerade bei einem großen, weit wandernden Meerestier können auffällige Oberflächenbeobachtungen ein lückenhaftes Bild ergeben.

Ein Riesenhai ist daher kein Beispiel dafür, dass große Tiere automatisch besonders gut erforscht sind. Viele seiner frühen Lebensphasen bleiben schwer zugänglich.

NatureScot D. W. Sims und Mitautorinnen und Mitautoren · Journal of Fish Biology101 (2022),1328–1345

Was die Kreise vor Irland verraten könnten

Eine Studie von 2022 beschrieb 19 kreisende Riesenhaigruppen vor Westirland. Die zwischen 2016 und 2021 beobachteten Formationen bestanden aus jeweils höchstens sechs bis 23 sichtbaren Tieren. Sie kreisten auf unterschiedlichen Tiefen wie in einem dreidimensionalen Ring. Währenddessen wurde keine Filtration beobachtet.

Unterwasser- und Drohnenaufnahmen zeigten unter anderem Weibchen und Männchen, dichtes Folgen und Berührungen. Zwei Gruppen konnten besonders eingehend analysiert werden. Zusammen sprechen die Verhaltensweisen für eine Funktion bei der Balz.

Eine Paarung selbst beobachtete das Team dabei nicht. Die Ringformation ist also ein begründeter Hinweis auf Fortpflanzungsverhalten, kein Filmbeleg einer vollzogenen Paarung. Diese Unterscheidung gehört zur Entdeckung dazu.

D. W. Sims und Mitautorinnen und Mitautoren · Journal of Fish Biology101 (2022),1328–1345

Weite Verbreitung schützt nicht vor Rückgängen

Riesenhaie wurden früher gezielt gefangen, unter anderem wegen des Öls ihrer großen Leber. Der Shark Trust beschreibt, dass die weltweiten Bestände noch unter historischen Niveaus liegen und sich nur langsam erholen. Eine weite Verbreitung bedeutet somit nicht automatisch, dass ein Tier überall häufig ist.

Für das Verständnis seiner Lebensweise gehören mehrere Ebenen zusammen: geeignete Planktonfelder, Wanderwege, wechselnde Tiefen und nur selten beobachtete Fortpflanzungsphasen. Wer an der Küste einen offenen Riesenhaimund sieht, bekommt einen auffälligen Ausschnitt davon zu sehen. Der größere Teil der Geschichte spielt sich außerhalb dieses kurzen Blicks ab.

The Shark Trust C. Knickle, L. Billingsley und K. DiVittorio · Florida Museum of Natural History NatureScot

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-29

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.