Zum Lexikoninhalt

Insekten

Europäische Hornisse

Vespa crabro

Die Europäische Hornisse baut Papier aus Holz und versorgt ihren Nachwuchs mit erbeuteten Tieren. Erwachsene nehmen dagegen häufig süße Säfte auf. Erst der Blick auf Larven, Arbeiterinnen und Königin zeigt, wie dieser einjährige Staat funktioniert.

Dieses Tier vergleichen ↗
Fotorealistisch KI-generierte Europäische Hornisse mit rotbraunem Kopf und Brustabschnitt sowie gelb-dunkel gezeichnetem Hinterleib auf Baumrinde.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung einer Europäischen Hornisse; Insekt und Baumszene sind fiktiv.

Vespa crabro, die Europäische Hornisse, innerhalb der Faltenwespen. Vespa velutina ist eine eigene Art und wird hier nicht mitgezählt. Nordamerika ist ein eingeführtes Vorkommensgebiet, Eurasien das ursprüngliche Heimatgebiet.

Auf einen Blick

Körperlänge
Königinnen etwa 25–35 mm; Arbeiterinnen 18–25 mm; Männchen 21–28 mmOrientierungsbereiche nach Naturportal Südwest/Witt 2009. Unterschiedliche Kasten und Geschlechter getrennt; Körperlänge, keine Flügelspannweite und keine festen Werte jedes Tieres.Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart · Naturportal Südwest
Lebensweise
Sozialer, in Mitteleuropa gewöhnlich einjähriger StaatBegattete Jungköniginnen überwintern; ein altes erhaltenes Nest ist kein Beleg für ein lebendes Wintervolk.Freistaat Sachsen · Naturschutzpublikation Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit · Institut für Bienenkunde
Besonderheit
Larven erhalten Beute, Erwachsene nutzen häufig zuckerhaltige SäfteZusätzlich gibt es Nahrungsaustausch zwischen den Tieren. Die Ernährung unterscheidet sich nach Lebensstadium und Aufgabe.Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit · Institut für Bienenkunde Pusceddu, Lezzeri, Cocco, Floris & Satta · Biology

Eine große Faltenwespe mit rotbraunen Partien

Die Europäische Hornisse heißt wissenschaftlich Vespa crabro. Sie gehört zur Familie der Faltenwespen und zur Ordnung der Hautflügler. Ihre Größe fällt auf, doch nicht jedes Tier eines Volkes ist gleich groß: Königinnen, Arbeiterinnen und Männchen unterscheiden sich in ihren üblichen Körperlängen.

Kennzeichnend sind die rotbraunen Partien an Kopf und Brustabschnitt sowie der gelbe Hinterleib mit dunklen Zeichnungen. Auch die Beine wirken rotbraun. Wie andere Insekten besitzt das erwachsene Tier sechs Beine; bei der Hornisse kommen zwei Flügelpaare hinzu. Ruhende Flügel können sich überlagern und sind dann nicht als vier getrennte Flächen zu sehen.

Die Merkmale sollten zusammen betrachtet werden. Eine große Wespe ist allein aufgrund ihrer Länge noch nicht sicher als Hornisse bestimmt.

Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart · Naturportal Südwest Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz

Heimisch in Eurasien, zu Hause auch in alten Bäumen

Vespa crabro ist in Eurasien heimisch. Außerhalb des ursprünglichen Gebiets wurde die Art auch eingeführt, unter anderem nach Nordamerika. „Europäische Hornisse“ bedeutet somit weder ausschließliches Vorkommen in Europa noch eine Gleichsetzung mit allen anderen Hornissenarten.

In Mitteleuropa findet sie geeignete Lebensräume in Laubmischwäldern, Auen, Streuobstbeständen, Gärten und Parks. Ältere Bäume können Höhlen für den Nestbau und austretende Säfte als Nahrung bieten.

Auch geschützte Hohlräume an Gebäuden werden genutzt. Ein Nest in Siedlungsnähe ist deshalb kein Widerspruch zur natürlichen Lebensweise. Entscheidend sind die passenden Ressourcen in der Umgebung, nicht eine scharfe Grenze zwischen Wald und bebautem Gebiet.

Pusceddu, Lezzeri, Cocco, Floris & Satta · Biology Freistaat Sachsen · Naturschutzpublikation Stadt Filderstadt · Umweltschutz

Warum die Jägerin auch süße Säfte braucht

Für die Aufzucht der Larven werden erbeutete Tiere benötigt. Fliegen, andere Wespen und weitere erreichbare Insekten gehören zum Beutespektrum. Die Beute wird bearbeitet und als Nahrung für den Nachwuchs ins Nest gebracht; nicht jeder mitgeführte Teil muss ein vollständiges Insekt sein.

Erwachsene Hornissen nehmen häufig zuckerhaltige Baum- und Pflanzensäfte auf. Auch Nektar oder reifes Obst können genutzt werden. Diese Kohlenhydrate liefern Energie für den Alltag und den Flug.

Eine Hornisse, die an einer Saftstelle sitzt, ist deshalb nicht plötzlich eine andere Art von Nahrungsspezialist als eine jagende Arbeiterin. Die Ernährung muss im Zusammenhang mit Lebensstadium und Versorgung des gesamten Volkes betrachtet werden. „Fleischfresser“ und „Pflanzenfresser“ allein beschreiben diese Arbeitsteilung nur unzureichend.

Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit · Institut für Bienenkunde Stadt Filderstadt · Umweltschutz

Nahrung wird im Nest auch weitergegeben

Der Austausch endet nicht damit, dass eine Arbeiterin Beute an eine Larve verfüttert. Hornissen können flüssige Nahrung untereinander weitergeben. Auch Larven geben Sekrete ab, die erwachsene Tiere aufnehmen. Dieser Nahrungsaustausch wird als Trophallaxis bezeichnet.

Eine 2022 veröffentlichte Untersuchung an Nestern auf Sardinien dokumentierte solche Kontakte zwischen erwachsenen Hornissen und mit der Brut. Die Beobachtungen zeigen ein Geflecht gegenseitiger Versorgung, statt nur einer Einbahnstraße von der Jägerin zur hungrigen Larve.

Daraus folgt jedoch nicht, dass jedes erwachsene Tier ausschließlich von Larvensekreten lebt oder dass jeder Kontakt dieselbe Funktion erfüllt. Die Zusammensetzung und Bedeutung der Nahrung sind eigene Fragen. Die Studie liefert konkrete Verhaltensbeobachtungen, keine vollständige Nährstoffbilanz jedes Hornissenvolkes.

Pusceddu, Lezzeri, Cocco, Floris & Satta · Biology

Der Staat beginnt mit einer einzelnen Königin

Eine überwinterte Jungkönigin sucht im Frühjahr einen geeigneten Platz. Sie beginnt mit dem Nestbau, legt Eier und versorgt die ersten Larven selbst. In dieser frühen Phase hängen Bau, Nahrungssuche und Brutpflege von einem einzigen Tier ab.

Nach und nach schlüpfen Arbeiterinnen. Sie übernehmen zunehmend Versorgungsaufgaben und erweitern das Nest. Die Königin kann sich dadurch stärker auf die Eiablage konzentrieren. Das Volk wächst, ohne dass alle Tiere gleichzeitig dieselbe Aufgabe erfüllen.

Die ersten warmen Tage und die Entwicklung des Nestes richten sich nach Witterung und örtlichen Bedingungen. Ein festes Datum für jede Königin wäre irreführend. Auch eine erfolgreich begonnene Gründung muss nicht zwangsläufig zu einem großen Sommernest führen.

Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit · Institut für Bienenkunde Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart · Naturportal Südwest Freistaat Sachsen · Naturschutzpublikation

Ein Papiernestsystem aus Holzfasern

Als Baumaterial dienen zerkautes Holz und Speichel. Daraus entsteht eine papierähnliche Masse. Die Waben und die umgebende Hülle werden im Laufe der Entwicklung erweitert. Ein fertig wirkendes Nest ist deshalb das Ergebnis vieler aufeinanderfolgender Bauarbeiten.

Baumhöhlen und andere ausreichend große Hohlräume bieten Schutz. In menschlicher Umgebung können ähnliche Räume in Schuppen, Dachbereichen oder Nistkästen gefunden werden. Nicht jede äußerlich passende Höhlung ist jedoch schon besetzt.

Die Hornissen benötigen zusätzlich Nahrung im erreichbaren Umfeld. Ein Neststandort allein erklärt noch nicht die Größe des Volkes. Umgekehrt zeigt eine einzelne Hornisse am Baum nicht, wo ihr Nest liegt oder wie viele Tiere dazugehören.

Freistaat Sachsen · Naturschutzpublikation Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit · Institut für Bienenkunde Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart · Naturportal Südwest

Auch bei wenig Licht unterwegs

Europäische Hornissen können noch bei Dämmerung und unter günstigen Bedingungen nachts fliegen. Das bedeutet nicht, dass sie in völliger Dunkelheit unabhängig vom Licht navigieren.

Eine 2011 veröffentlichte Studie verband Beobachtungen an wenigen Nestern in Deutschland und Schweden mit Untersuchungen der Augen. Bei geringerem Licht nahm die Flugaktivität ab. Die Forschenden fanden zudem nicht jene auffälligen optischen Anpassungen, die von einigen ausschließlich nachtaktiven Hautflüglern bekannt sind.

Die großen Augen der insgesamt großen Tiere und weitere Anpassungen können trotzdem einen Vorteil bei wenig Licht bieten. Eine mögliche gemeinsame Verarbeitung mehrerer Sehsignale wurde als Erklärung vorgeschlagen, durch diese Studie aber nicht unmittelbar als Mechanismus nachgewiesen. Nachtflug ist somit eine begrenzte Fähigkeit unter passenden Bedingungen, keine grenzenlose Nachtsicht.

Kelber, Jonsson, Wallén, Warrant, Kornfeldt & Baird · PLOS ONE

Was im Herbst bleibt – und was nicht

Der mitteleuropäische Hornissenstaat besteht normalerweise nur eine Saison. Im späteren Jahresverlauf entstehen Männchen und neue Königinnen. Nach der Paarung suchen begattete Jungköniginnen geschützte Plätze zum Überwintern.

Die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen überdauern den Winter gewöhnlich nicht. Im nächsten Frühjahr beginnt der Kreislauf mit neuen Gründungen. Ein erhaltenes altes Nest ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einem weiterhin lebenden Volk.

Diese Jahresfolge unterscheidet einen Hornissenstaat von der Vorstellung einer dauerhaft im selben Nest wohnenden Gemeinschaft. Die Art übersteht den Winter vor allem durch einzelne zukünftige Gründerinnen. Der genaue Verlauf einer Saison hängt dennoch vom Klima und den örtlichen Bedingungen ab.

Freistaat Sachsen · Naturschutzpublikation Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit · Institut für Bienenkunde

Europäische und Asiatische Hornisse auseinanderhalten

Die Asiatische Hornisse Vespa velutina ist eine andere Art. Die in Europa verbreitete Form wirkt insgesamt dunkler: Eine schwarze Brust, gelbe Beinenden und ein überwiegend dunkler Hinterleib mit auffälliger heller bis orangefarbener Binde gehören zu ihren Kennzeichen.

Bei Vespa crabro stehen dagegen rotbraune Brust- und Beinpartien sowie ein stärker gelb gezeichneter Hinterleib im Vordergrund. Ein Foto mit mehreren sichtbaren Merkmalen ist zur Einordnung hilfreicher als die Größe oder der Standort eines Nestes allein.

Die Europäische Hornisse ist in Deutschland eine besonders geschützte Art. Ihr Nest und ihre Nahrungssuche lassen sich mit Abstand beobachten. Für das Verständnis des Tieres sind ihre Brutpflege, das Papiernestsystem und der jahreszeitliche Wechsel aufschlussreicher als überlieferte Geschichten über eine angeblich außergewöhnliche Gefährlichkeit.

Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz Freistaat Sachsen · Naturschutzpublikation

Weitere Tiere

Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-28

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.