Knorpelfische
Weißer Hai
Carcharodon carcharias
Der Weiße Hai ist ein weit wandernder Knorpelfisch mit einem ungewöhnlichen Wärmehaushalt. Sender, Wirbelproben und seltene Fortpflanzungsbefunde zeigen, wie viel hinter seiner bekannten Silhouette steckt.
Dieses Tier vergleichen ↗
Vereinfachte Rangfolge mit Chondrichthyes als Klasse entsprechend NOAA/CMS; Elasmobranchii wird in anderen Systemen zusätzlich oder auf anderer Rangstufe geführt. Nicht mit dem Walhai (Orectolobiformes) gleichsetzen.
Auf einen Blick
- Gesamtlänge großer Tiere
- Sehr große Tiere etwa 6 mObere Größenordnung nach NOAA/Florida Museum, kein Mittelwert. Rekorde sind teils umstritten; Gesamtlänge nicht mit Länge bis zur Schwanzgabel gleichsetzen.NOAA Fisheries Florida Museum of Natural History
- Belegtes hohes Alter
- Ein untersuchtes Männchen wurde auf etwa 73 Jahre geschätztRadiokohlenstoff-Analyse von 2014 an acht Tieren aus dem Nordwestatlantik; keine mittlere Lebenserwartung.Hamady et al. · PLOS ONE
- Besonderheit
- Regionale Endothermie: Körperbereiche bleiben wärmer als das WasserWärmetauscher halten selbst erzeugte Wärme zurück; unterschiedliche Organe und Situationen, keine überall einheitliche Körpertemperatur.Carey et al. · Copeia / author-uploaded ResearchGate record Gennari, Cowley and Bernal · Wildlife Research / CSIRO Publishing
Weiß ist vor allem die Unterseite
Der Weiße Hai ist von oben betrachtet meist grau bis graubraun. Erst an der Flanke geht diese Färbung deutlich in die helle Unterseite über. Der Name beschreibt also keinen vollständig weißen Fisch. Dazu kommen ein kräftiger, spindelförmiger Körper, eine kegelförmige Schnauze und eine große dreieckige erste Rückenflosse.
Die Schwanzflosse ist sichelförmig; an ihrer schmalen Basis liegt ein seitlicher Kiel. Hinter der großen Rückenflosse folgt eine wesentlich kleinere zweite. Diese Kombination hilft beim Wiedererkennen. Ein einzelnes Bild einer aus dem Wasser ragenden Flosse reicht dagegen oft nicht, um eine Art sicher festzulegen.
Florida Museum of Natural History NOAA FisheriesEin großer Hai ist nicht automatisch ein alter Hai
Der wissenschaftliche Name lautet Carcharodon carcharias. Die Art gehört zu den Knorpelfischen und innerhalb der Ordnung Lamniformes zur Familie Lamnidae. Der Walhai gehört zwar ebenfalls zu den Knorpelfischen, aber zu einer anderen Ordnung und ernährt sich ganz anders.
Sehr große Weiße Haie können etwa sechs Meter Gesamtlänge erreichen. Das ist eine Größenordnung für große Tiere, kein Durchschnitt. Angaben zu Rekordgrößen sind teils umstritten. Auch die verwendete Messstrecke zählt: Gesamtlänge und die Länge bis zur Schwanzgabel sind nicht identisch. Aus einer geschätzten Länge lässt sich weder ein exaktes Gewicht noch ein sicheres Alter ablesen.
NOAA Fisheries Florida Museum of Natural History Hamady et al. · PLOS ONEEin Fisch, der Wärme im Körper halten kann
Der Weiße Hai ist regional endotherm: Bestimmte Körperbereiche können wärmer bleiben als das umgebende Wasser. Gefäßnetze wirken als Wärmetauscher und helfen, selbst erzeugte Wärme zurückzuhalten. Das bedeutet keine im ganzen Körper gleichbleibende Temperatur wie bei einem typischen gleichwarmen Säugetier.
Schon eine 1982 veröffentlichte Untersuchung verfolgte einen Weißen Hai über dreieinhalb Tage mit akustischen Sendern. Seine gemessene Muskeltemperatur lag zeitweise bis zu fünf Grad über der Wassertemperatur. Das war ein konkreter Nachweis an einem Tier, keine feste Temperaturdifferenz für jeden Hai in jeder Situation.
Carey et al. · Copeia / author-uploaded ResearchGate record Gennari, Cowley and Bernal · Wildlife Research / CSIRO Publishing NOAA FisheriesNach dem Fressen wird der Magen besonders warm
Eine im März 2026 veröffentlichte Feldstudie untersuchte sieben Weiße Haie vor Mossel Bay in Südafrika. Die Messungen stammten aus den Jahren 2009 bis 2012 und umfassten zusammen rund 700 Stunden. Mit Sendern wurden Wasser- und Magentemperatur verfolgt; zu Beginn erhielten die Tiere einen Köderfisch.
Nach Mahlzeiten wurden Magentemperaturen von ungefähr 27 bis 30 Grad gemessen, während das Wasser etwa 13 bis 19 Grad warm war. Die Verdauung ist somit auch ein Wärmesignal im lebenden Tier. Die kleine Stichprobe erklärt einen körperlichen Vorgang, aber nicht den täglichen Energiebedarf aller Weißen Haie. Gemessen wurde der Magen, nicht eine einheitliche Temperatur jedes Organs.
Gennari, Cowley and Bernal · Wildlife Research / CSIRO PublishingDer Speiseplan verändert sich mit dem Heranwachsen
Junge Weiße Haie fressen vor allem Fische, kleinere Haie und Rochen sowie Tintenfische. Größere Tiere nutzen zusätzlich energiereiche Meeressäuger. Manche sammeln sich deshalb an Küstenabschnitten mit Robben oder Seelöwen; sie können auch an einem toten Wal fressen.
Die breiten dreieckigen, gesägten Zähne passen zu einem Räuber, der größere Nahrung packt und zerteilt. Dennoch ist nicht jeder Weiße Hai bei jeder Gelegenheit ein Robbenjäger. Alter, Körpergröße und örtliches Beuteangebot verändern, welche Nahrung erreichbar ist. Das Tier muss deshalb zugleich als beweglicher Jäger und als Nutzer verschiedener Nahrungsquellen verstanden werden.
NOAA Fisheries Monterey Bay AquariumMehrere Sinne erschließen die Unterwasserwelt
Haie nutzen Sehen, Riechen, Hören und weitere Sinnesleistungen. Über das Seitenliniensystem nehmen sie Wasserbewegungen wahr. An Kopf und Schnauze liegen außerdem Poren, die mit den sogenannten Lorenzinischen Ampullen verbunden sind. Diese Sinnesorgane können sehr schwache elektrische Felder erfassen, wie sie lebende Körper erzeugen.
Das ist ein allgemeiner Teil der Haibiologie, kein unbegrenzt weit reichendes Ortungsgerät. Welche Hinweise ein Tier nutzen kann, hängt von Entfernung, Wasserbewegung und Situation ab. Der verbreitete Vergleich mit einem Tropfen Blut, der aus beliebiger Entfernung sicher gefunden werde, beschreibt die Sinnesleistung daher nicht sinnvoll. Ein Raubtier braucht Informationen aus seiner tatsächlichen Umgebung.
Monterey Bay AquariumKüstenbewohner und Ozeanwanderer zugleich
Weiße Haie leben in gemäßigten und subtropischen Meeresregionen. Jungtiere nutzen häufig küstennahe Bereiche; größere Tiere können auch weit hinausziehen. Elektronische Markierungen und Fotoerkennung belegten in einer 2005 veröffentlichten Studie sowohl Küstenwanderungen als auch eine Verbindung zwischen Südafrika und Australien durch eine Ozeanquerung mit Rückkehr.
Im östlichen Pazifik liegt ein weiteres bekanntes Ziel: das „White Shark Café“ zwischen Kalifornien und Hawaii. Eine Forschungsfahrt von 2018 untersuchte dort unter anderem Tiefseefische und Tintenfische und fand ein reichhaltigeres Nahrungsnetz, als die Vorstellung einer Meereswüste vermuten ließ.
Ein erreichbares Nahrungsangebot beweist trotzdem nicht allein, weshalb jeder Hai diese Strecke zurücklegt. Ein dokumentierter Weg zeigt eine Möglichkeit der Art; er ist kein Reiseplan für ihre gesamte Weltpopulation.
NOAA Fisheries Bonfil et al. · Science / PubMed Kim Fulton-Bennett · Monterey Bay Aquarium Research InstituteDas Alter steckt nicht einfach in der Zahl sichtbarer Ringe
Wachstumsbänder in Wirbeln können Hinweise auf das Alter geben. Ob ein Bandpaar tatsächlich einem Jahr entspricht und ob im hohen Alter noch alle Jahre erkennbar sind, muss aber überprüft werden.
Eine Studie von 2014 untersuchte Wirbel von vier männlichen und vier weiblichen Weißen Haien aus dem Nordwestatlantik. Das Team verglich den eingebauten radioaktiven Kohlenstoff mit datierten Vergleichskurven. Der Anstieg durch oberirdische Atomwaffentests des 20. Jahrhunderts lieferte dabei eine Zeitmarke.
Für das älteste untersuchte Männchen ergab sich ein geschätztes Alter von 73 Jahren. Das bedeutet nicht, dass jeder Weiße Hai so alt wird. Der Befund zeigt vielmehr, dass reine Bandzählungen die Lebensdauer großer Tiere erheblich unterschätzen können.
Hamady et al. · PLOS ONEDie Jungen wachsen im Mutterleib heran
Weiße Haie bringen lebende Junge zur Welt. Ihre Embryonen können im Mutterleib zusätzlich bereitgestellte Nähreier nutzen. Eine Untersuchung von 2016 zeigte, dass ihre Ernährung noch differenzierter sein dürfte.
Ein versehentlich gefangenes trächtiges Weibchen aus Japan trug sechs vergleichsweise frühe Embryonen. Das Team untersuchte die Gebärmutterwand und eine große Menge fettreicher Flüssigkeit. Die Befunde sprechen dafür, dass die Embryonen in einer frühen Phase auch über diese mütterliche Flüssigkeit versorgt werden, bevor das Fressen von Nähreiern dominiert.
Der seltene Einblick stammt von einem Muttertier. Er ist keine beobachtete Geburt und legt weder die normale Wurfgröße noch eine auf den Tag bekannte Tragzeit der gesamten Art fest.
Sato et al. · Biology Open / PubMedAuch ein großer Räuber kann Beute werden
Schwertwale können Weiße Haie erbeuten. Besonders anschaulich sind Drohnen- und Hubschrauberaufnahmen vom Mai 2022 vor Mossel Bay, die in einer Facharbeit beschrieben wurden. Sie dokumentierten Angriffe und Ausweichverhalten einzelner Haie.
Solche Begegnungen zeigen, dass die Rolle eines Spitzenprädators nicht bedeutet, niemals selbst angegriffen zu werden. Sie sagen aber nicht, dass alle Schwertwale dieselbe Jagdweise beherrschen oder Weiße Haie überall gleichermaßen bedrohen. Entscheidend sind die beteiligten Tiere und ihre regionale Lebensweise. Die Aufnahme eines Ereignisses und eine Aussage über eine ganze Art haben unterschiedliche Reichweiten.
Towner et al. · EcologyBerühmt sein ersetzt keine Bestandsaufnahme
Das Sekretariat der Bonner Konvention führt für den Weißen Hai den globalen IUCN-Status „Vulnerable“, also „gefährdet“, an. Fang, Beifang und die langsame Entwicklung solcher großen Räuber machen belastbare Bestandsdaten besonders wichtig.
NOAA beschreibt für Teile der US-Gewässer Anzeichen zunehmender Häufigkeit, weist zugleich aber auf erhebliche Wissenslücken und fehlende vollständige Bestandsbewertungen hin. Eine regionale Zunahme ist kein weltweiter Entwarnungsnachweis. Ebenso wenig lässt sich aus einer bekannten Ansammlung an einer Küste die Zahl aller Weißen Haie ableiten. Schutz und Forschung brauchen deshalb Informationen über unterschiedliche Regionen, Lebensphasen und Verbindungen zwischen Meeresgebieten.
Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals NOAA FisheriesWeitere Tiere

Fische
Walhai
Der größte heute lebende Fisch ernährt sich mit einem Filterapparat von kleinen Organismen. Sein Fleckenmuster erlaubt Forschenden das Wiedererkennen – doch ausgerechnet Wachstum, Lebensdauer und Fortpflanzung verlangen besonders sorgfältige Belege.
Entdecken
Säugetiere
Schwertwal
Schwertwale koordinieren ihre Jagd und pflegen enge soziale Beziehungen. Norwegische Forschung zeigt, wie unterschiedlich einzelne Tiere fressen und weshalb eingespielte Jagdpartner einen Vorteil haben können.
EntdeckenQuellen und Bildnachweis
Stand: 2026-10-28
- White Shark · NOAA Fisheries · abgerufen 2026-10-28
- Carcharodon carcharias · species account · Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals · abgerufen 2026-10-28
- White Shark · Discover Fishes · Florida Museum of Natural History · abgerufen 2026-10-28
- Vertebral Bomb Radiocarbon Suggests Extreme Longevity in White Sharks · Hamady et al. · PLOS ONE · abgerufen 2026-10-28
- Temperature and Activities of a White Shark · Carey et al. · Copeia / author-uploaded ResearchGate record · abgerufen 2026-10-28
- Post-prandial visceral warming in free-swimming white sharks, Carcharodon carcharias · Gennari, Cowley and Bernal · Wildlife Research / CSIRO Publishing · abgerufen 2026-10-28
- Sharks · teeth and sensory systems · Monterey Bay Aquarium · abgerufen 2026-10-28
- Transoceanic migration, spatial dynamics, and population linkages of white sharks · Bonfil et al. · Science / PubMed · abgerufen 2026-10-28
- Researchers describe abundant marine life at the White Shark Café · Kim Fulton-Bennett · Monterey Bay Aquarium Research Institute · abgerufen 2026-10-28
- How great white sharks nourish their embryos to a large size: evidence of lipid histotrophy in lamnoid shark reproduction · Sato et al. · Biology Open / PubMed · abgerufen 2026-10-28
- Direct observation of killer whales preying on white sharks and evidence of a flight response · Towner et al. · Ecology · abgerufen 2026-10-28
Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.
