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Säugetiere

Buckelwal

Megaptera novaeangliae

Lange Brustflossen, wandelbare Gesänge und Jagdnetze aus Luftblasen machen den Buckelwal unverwechselbar. Seine Wanderungen verbinden produktive Nahrungsgebiete mit den Orten, an denen die Kälber heranwachsen.

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Fotorealistisch KI-generierter Buckelwal mit langen Brustflossen und hell gefurchter Bauchseite unter der lichtdurchfluteten Meeresoberfläche.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Buckelwals; Wal und Unterwasserszene sind fiktiv.

Megaptera novaeangliae (Borowski, 1781) nach MDD 1006405. Artiodactyla wird hier einschließlich der Wale geführt; Cetacea und Mysticeti sind ausgelassene Zwischenränge. MDD führt weiterhin Megaptera, weist aber auf die genetische Nähe und Einbettung innerhalb der Balaenoptera-Verwandtschaft hin. Die sechs Hauptränge bilden nicht alle Verzweigungen ab. „Antarktis“ im Filter bezeichnet die umgebenden Meeresgebiete.

Auf einen Blick

Körperlänge im Artprofil
Etwa 11 m bis maximal 18 mZusammenstellung des WWF vom 30. März 2026. Der obere Wert ist als Maximum des Profils angegeben, keine typische Erwachsenenlänge. Weibchen werden gewöhnlich größer; keine nach Geschlecht getrennte, weltweit einheitliche Messserie. Flipperlänge und Flukenspannweite sind andere Maße.WWF Deutschland
Körpermasse im Artprofil
Etwa 25–35 TonnenMetrische Tonnen nach WWF, zusammenfassender Profilbereich ohne beschriebene einheitliche Stichprobe oder Geschlechtstrennung. Ernährungszustand und Jahreszeit beeinflussen die Masse. Seltene höhere Werte sind kein Normalgewicht; NOAA-Angaben in „tons“ wurden hier nicht ungeprüft umgerechnet oder vermischt.WWF Deutschland
Besonderheit
Kann Blasenvorhänge als Werkzeug zur Nahrungssuche herstellenSzabo et al. 2024: allein jagende Wale in Südostalaska, Drohnen und Sensoren. Keine direkt gemessene siebenfache Nahrungsaufnahme; die geometrische Abschätzung setzt fehlenden Beuteverlust voraus. Andere Bestände, Gruppenjagd und Beutearten können abweichen.Szabo A et al. · Royal Society Open Science / PubMed Central

Große Flügel unter Wasser

Seine Brustflossen sind außergewöhnlich lang: Sie können ungefähr ein Drittel der Körperlänge erreichen. Zusammen mit dem eher kräftigen Körper und dem kleinen Rückenflossenbereich machen sie den Buckelwal gut erkennbar. Der wissenschaftliche Gattungsname Megaptera nimmt auf diese „großen Flügel“ Bezug.

Auf dem breiten Kopf sitzen auffällige knotenartige Erhebungen. Die Körperoberseite ist meist dunkelgrau bis schwarz. Wie viel Weiß Bauch, Brustflossen und die Unterseite der Schwanzflosse zeigen, unterscheidet sich dagegen zwischen einzelnen Walen und Regionen. Ein weißer Bauch ist deshalb kein verlässliches Kennzeichen eines bestimmten Geschlechts.

An der Kehle verlaufen längliche Furchen. Sie gehören zum dehnbaren Bereich, der sich bei der Nahrungsaufnahme ausweiten kann. Der Buckelwal zählt zu den Furchenwalen und innerhalb der Wale zu den Bartenwalen. Seine Beute wird also mit Barten aus dem Wasser zurückgehalten, statt mit einem Gebiss gepackt zu werden.

WWF Deutschland NOAA Fisheries American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database American Cetacean Society

Kleine Beute für einen großen Körper

Krill und kleine Schwarmfische liefern die Nahrung dieses großen Säugetiers. Welche Beute besonders wichtig ist, hängt vom Gebiet ab. Rund um die Antarktis spielt Krill eine zentrale Rolle; in anderen Meeresregionen können beispielsweise Heringe, Sardinen oder Sandaale hinzukommen.

Ein Buckelwal kann mit geöffnetem Maul in eine dichte Beuteansammlung vorstoßen. Wasser und Nahrung gelangen hinein, der Kehlbereich dehnt sich. Anschließend wird Wasser wieder hinausgedrückt, während die Barten die Beute zurückhalten. Entscheidend ist daher nicht nur, wie viel Nahrung ein Meer insgesamt enthält, sondern wie dicht sie an einer erreichbaren Stelle zusammenkommt.

Bei der Nahrungssuche setzen Buckelwale verschiedene Techniken ein. Manche nutzen aufsteigende Luftblasen, um Beute zu beeinflussen. Das kann einzeln oder gemeinsam geschehen. Ein koordiniert jagender Verband und ein allein fressender Wal müssen dabei nicht dasselbe Verfahren anwenden.

International Whaling Commission NOAA Fisheries American Cetacean Society

Ein Netz, das aus Luft entsteht

Ein Blasennetz besteht nicht aus Schnüren. Der Wal gibt unter Wasser Luft ab und schwimmt dabei eine gekrümmte Bahn. Aufsteigende Blasen bilden einen Vorhang, dem Beutetiere ausweichen können. So lässt sich eine Ansammlung räumlich eingrenzen, bevor der Wal hindurchstößt.

Eine Studie von 2024 untersuchte allein jagende Buckelwale im Südosten Alaskas. Drohnenaufnahmen zeigten Netze aus einem bis sechs ineinanderliegenden Ringen. Kameras und Bewegungssensoren an fünf Walen ergänzten den Blick von oben. Die Tiere veränderten unter anderem die Blasenabgabe zwischen äußeren und inneren Ringen. Die Forschenden deuteten diese gezielt hergestellten Strukturen als Werkzeuge zur Nahrungssuche.

Wie stark die Beute tatsächlich verdichtet wurde, konnten sie jedoch nicht direkt messen. Eine häufig zitierte Abschätzung aus der Netzgeometrie setzt voraus, dass keine Beute entkommt. Auch der Energieaufwand wurde über Bewegungen und Atemraten erschlossen, nicht als vollständiges Kalorienbudget gemessen. Das Verfahren kann unter passenden Bedingungen nützlich sein; ein Blasennetz garantiert nicht bei jedem Tauchgang denselben Gewinn.

Szabo A et al. · Royal Society Open Science / PubMed Central

Wanderungen folgen Nahrung und Nachwuchs

Viele Buckelwalpopulationen wechseln zwischen weit auseinanderliegenden Lebensräumen. In kalten, nährstoffreichen Gewässern finden sie saisonal reichlich Nahrung. Wärmere Gebiete dienen häufig der Paarung, Geburt und Aufzucht der Kälber. Auf dem Weg können die Tiere große Strecken offenen Ozeans durchqueren.

Die Jahreszeiten verschieben sich zwischen Nord- und Südhalbkugel. Deshalb wäre ein einziger weltweiter Wanderkalender falsch. Auch das Grundmuster hat Ausnahmen: Die Population im Arabischen Meer unternimmt nicht dieselben langen saisonalen Wanderungen wie viele andere Bestände. Zudem sind gelegentliche Nahrungsaufnahme unterwegs und Tiere bekannt, die in manchen Jahren auf eine Wanderung verzichten.

Die während guter Fresszeiten aufgebauten Fettreserven helfen, Phasen mit geringer Nahrungsaufnahme zu überbrücken. Wenn sich Beuteverteilung oder Meeresbedingungen verändern, betrifft das daher mehr als einen einzelnen Futterplatz. Es kann den gesamten Wechsel zwischen Nahrungs- und Fortpflanzungsgebieten beeinflussen.

International Whaling Commission NOAA Fisheries

Gesänge, die sich weiterverbreiten

Die langen, gegliederten Gesänge werden von Männchen erzeugt. Einzelne Laute bilden wiederkehrende Folgen, die sich zu größeren Abschnitten verbinden. Innerhalb einer Population ähneln sich die jeweils gesungenen Muster stark, obwohl sie sich mit der Zeit verändern können.

Eine 2011 veröffentlichte Untersuchung verglich Aufnahmen aus dem westlichen und zentralen Südpazifik über elf Jahre. Mehrere Gesangstypen tauchten nacheinander in verschiedenen Populationen auf und verbreiteten sich überwiegend ostwärts. Das Forschungsteam deutete dieses wiederkehrende Muster als kulturelle Weitergabe: Verhalten wird durch den Kontakt mit Artgenossen übernommen.

Damit ist nicht gemeint, dass ein einzelner Ruf über den gesamten Pazifik gehört wird. Begegnungen einzelner Wale oder Kontakte entlang gemeinsamer Wanderwege können die Übertragung vermitteln; der genaue Ablauf ließ sich aus dem Muster allein nicht vollständig rekonstruieren. Die Studie übersetzt auch keine „Walsprache“. Sie zeigt, dass sich die Form des Gesangs zwischen Populationen weitertragen und verändern kann.

Garland EC et al. · Current Biology / South Pacific Whale Research Consortium International Whaling Commission

Ein Kalb folgt seiner Mutter

Nach ungefähr elf bis zwölf Monaten Tragzeit bringt ein Weibchen gewöhnlich ein einzelnes Kalb zur Welt. In vielen Fortpflanzungsgebieten halten sich Mütter und Junge in warmen, geschützten, vergleichsweise flachen Gewässern auf. Das Kalb trinkt Milch und bleibt eng bei seiner Mutter.

Die gemeinsame Zeit reicht über den Geburtsort hinaus. Das Junge begleitet seine Mutter später in die Nahrungsgebiete. Die Abhängigkeit dauert viele Monate; das NOAA-Artprofil nennt ungefähr ein Jahr bis zum Absetzen. Das ist eine Orientierung, kein für jedes Kalb identischer Termin.

Beobachtungen zeigen außerdem, dass Nachkommen häufiger dieselben Nahrungs- und Fortpflanzungsgebiete wie ihre Mütter nutzen. Eine solche Verbindung zwischen Generationen hilft zu verstehen, weshalb die Erhaltung vertrauter Lebensräume und Wanderverbindungen wichtig ist. Der Lebensweg eines Buckelwals besteht aus miteinander verknüpften Aufenthaltsorten.

NOAA Fisheries International Whaling Commission

Eine Schwanzflosse als Wiedererkennungsmerkmal

Beim Abtauchen kann der Buckelwal seine breite Schwanzflosse aus dem Wasser heben. Auf ihrer Unterseite bilden helle und dunkle Flächen, Kerben am Rand und auffällige Narben ein individuelles Muster. Forschende vergleichen Fotos dieser Merkmale, um einen Wal bei späteren Begegnungen wiederzuerkennen.

Viele solcher Begegnungen ergeben zusammen ein Bild von Wanderungen, Aufenthaltsorten und Überleben. Ein Foto dokumentiert dabei zunächst nur einen Ort und Zeitpunkt. Erst der Vergleich über längere Zeit und zwischen Untersuchungsgebieten macht daraus Erkenntnisse über die Population.

Der frühere Walfang hat viele Bestände stark verringert; manche haben sich seitdem deutlich erholt. Das gilt jedoch nicht überall im gleichen Maß. Kollisionen mit Schiffen, Verwicklungen in Fischereigerät, Lärm und veränderte Nahrungsbedingungen bleiben Belastungen. Eine insgesamt weit verbreitete Art kann deshalb regional weiterhin besondere Aufmerksamkeit benötigen.

NOAA Fisheries International Whaling Commission

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-29

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.