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Säugetiere

Flusspferd

Hippopotamus amphibius

Im Wasser ruht der massige Körper, nachts geht es zum Grasen an Land. Das Flusspferd verbindet beide Lebensräume mit erstaunlicher Beweglichkeit – und einer Hautsekretion, deren rote Farbe kein Blut ist.

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Fotorealistisch KI-generiertes Flusspferd mit breiter Schnauze, tonnenförmigem Körper und kurzen Beinen an einem grasigen Flussufer.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Flusspferds; Tier und Flussufer sind fiktiv.

Hippopotamus amphibius Linnaeus, 1758 nach MDD 1006390; sechs Hauptränge. Artiodactyla wird im Lexikon einschließlich der Wale geführt, Zwischenränge bleiben ausgeblendet. „Nilpferd“ und „Großflusspferd“ bezeichnen hier dieselbe Art. Das Zwergflusspferd ist eine andere Art und Gattung; Südamerika im Verbreitungsfilter bezeichnet ausschließlich die eingeführte Population in Kolumbien.

Auf einen Blick

Kopf-Rumpf-Länge nach Geschlecht
Männchen etwa 2,60–3,50 m; Weibchen etwa 2,60–3,37 mZusammenstellung der Hippo Specialist Group nach Klingel 2013: Kopf-Rumpf-Länge, ohne Schwanz; keine Schulterhöhe. Genannte Mittelwerte 3,12 beziehungsweise 3,00 m. Keine einheitlich erhobene weltweite Messserie; Grenzen dieser Zusammenstellung sind keine sicheren Artgrenzen.IUCN SSC Hippo Specialist Group
Erwachsenenmasse nach Geschlecht
Männchen etwa 955–2.000 kg; Weibchen etwa 995–1.850 kgBereiche der Fachzusammenstellung nach Klingel 2013, dort Mittelwerte 1.546 beziehungsweise 1.385 kg. Keine normierte Weltstichprobe und keine Höchstgewichte aller Individuen; Herkunft und Zustand beeinflussen die Masse. Einzelrekorde und besonders schwere Zootiere sind hier nicht als Normalwerte eingerechnet.IUCN SSC Hippo Specialist Group
Besonderheit
Kann im schnellen Trab kurz alle Füße vom Boden lösenHutchinson & Pringle 2024: 169 Bewegungszyklen von 32 Tieren, Onlinevideos und eigene Zooaufnahmen. Fußfolgen und kurze Flugphasen, keine verlässlich gemessene Höchstgeschwindigkeit; Bildrate, Perspektive und Stichprobenauswahl begrenzen die Auswertung.Hutchinson JR & Pringle EV · PeerJ / PubMed Central

Ein Kopf für die Wasserlinie

Vom Flusspferd sieht man im Wasser oft nur die obere Partie des Kopfes. Augen, Ohren und Nasenlöcher sitzen weit oben. Das Tier kann seine Umgebung beobachten und Luft holen, während der größte Teil seines Körpers unter der Oberfläche bleibt. Beim Untertauchen lassen sich die Nasenöffnungen schließen. Zum Atmen braucht es trotzdem Luft: Das Flusspferd besitzt Lungen, keine Kiemen.

An Land wird seine Gestalt deutlicher. Ein gewaltiger, tonnenförmiger Rumpf ruht auf kurzen Beinen. Der Kopf ist groß, die Schnauze breit, der Schwanz kurz und abgeflacht. Jeder Fuß trägt vier Zehen. Die fast nackte Haut ist nicht völlig haarlos; an Schnauze und Schwanz fallen einzelne kräftige Borsten auf.

Das hier beschriebene Flusspferd heißt wissenschaftlich Hippopotamus amphibius. „Nilpferd“ ist ein weiterer deutscher Name derselben Art. Das viel kleinere Zwergflusspferd gehört dagegen zu einer anderen Art und Gattung. Wer nach einem Flusspferd sucht, sollte beide deshalb auseinanderhalten.

IUCN SSC Hippo Specialist Group San Diego Zoo Wildlife Alliance American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database

Unter Wasser trägt der Auftrieb mit

Ein massiger Körper bewegt sich im Wasser unter anderen Bedingungen als an Land. Der Auftrieb wirkt der Gewichtskraft entgegen. Die Schwerkraft wird dabei nicht schwächer; das Tier muss aber weniger Gewicht gegen den Gewässerboden abstützen.

Eine Untersuchung von 2009 filmte zwei erwachsene Flusspferdweibchen in einem Aquariumbecken. Aus den Aufnahmen wählten die Forschenden 31 Bewegungssequenzen zur Auswertung aus. Die Tiere stießen sich mit den Füßen am Boden ab und legten anschließend Strecken ohne Bodenkontakt zurück. So entstanden Bewegungen mit deutlich verlängerten Schwebephasen.

Das erklärt, warum ein Flusspferd unter Wasser beinahe schwerelos wirken kann. In dieser Untersuchung schwammen die beiden Tiere nicht mit fortlaufenden Paddelschlägen durch das freie Wasser. Der Befund beschreibt jedoch zwei Tiere in einem bestimmten Becken. Daraus folgt keine ausnahmslose Regel für jedes Flusspferd in jedem Gewässer.

Coughlin BL & Fish FE · Journal of Mammalogy / West Chester University

Auch an Land kurz ohne Bodenkontakt

Die kurzen Beine machen das Flusspferd nicht zu einem unbeweglichen Tier. Eine 2024 veröffentlichte Studie untersuchte Landbewegungen anhand von Internetvideos und eigenen Zooaufnahmen. Insgesamt wurden 169 Bewegungszyklen von 32 Flusspferden ausgewertet.

Die Fußfolgen entsprachen überwiegend einem Trab oder lagen nahe daran: Diagonal gegenüberliegende Beine bewegten sich ungefähr gemeinsam. Bei schnelleren Bewegungen traten kurze Phasen auf, in denen alle Füße den Boden verlassen hatten. Das ist ein anderer Vorgang als die durch Auftrieb erleichterten Bewegungen unter Wasser.

Die Videos lieferten allerdings keine verlässlichen Maßstäbe für zurückgelegte Entfernungen. Eine genaue Höchstgeschwindigkeit in Kilometern pro Stunde konnte das Forschungsteam deshalb nicht bestimmen. Auch Bildrate, unebenes Gelände und verdeckte Füße begrenzten die Auswertung. Die spannende Beobachtung ist die Bewegungsfolge selbst – für sie braucht es keinen spektakulären Geschwindigkeitsrekord.

Hutchinson JR & Pringle EV · PeerJ / PubMed Central

Nachts auf die Weide

Flusspferde ernähren sich überwiegend von Gräsern, die sie an Land aufnehmen. Mit ihren breiten, beweglichen Lippen zupfen sie Pflanzen ab; weiter hinten im Maul zermahlen die Backenzähne die Nahrung. Die auffälligen großen Vorder- und Eckzähne sind dafür nicht die eigentlichen Schneidewerkzeuge.

Häufig beginnt die Nahrungssuche nach Sonnenuntergang. Die Tiere verlassen das Gewässer und nutzen offene Grasflächen in seiner Umgebung. Welche Strecken sie zurücklegen, hängt vom örtlichen Nahrungsangebot und von der Jahreszeit ab. Manche kehren früher zurück, andere bleiben länger draußen. Nicht jedes Tier einer Ansammlung folgt demselben Stundenplan.

Neben Gräsern werden auch andere Pflanzen gefressen. Eine passende Landschaft muss daher mehr bieten als eine Wasserstelle: Geeignete Futterflächen und erreichbares Wasser gehören zusammen. Veränderungen an einer dieser beiden Seiten können den gesamten Lebensraum beeinträchtigen.

IUCN SSC Hippo Specialist Group Zoo Berlin

Warum die Haut rötlich glänzen kann

Die Haut eines Flusspferds kann eine zunächst farblose, zähflüssige Sekretion abgeben. Sie verfärbt sich nach kurzer Zeit rötlich und später braun. Der volkstümliche Ausdruck „Blutschweiß“ führt deshalb in die Irre: Die Farbe stammt von Pigmenten, nicht von austretendem Blut.

Eine chemische Untersuchung von 2004 isolierte rote und orangefarbene Pigmente aus dieser Sekretion. Die Forschenden berichteten über UV-absorbierende und antibakterielle Eigenschaften der Stoffe. Das liefert einen Ansatz dafür, wie die Sekretion die Haut schützen kann.

Sie ersetzt aber weder das Wasser noch den Schutz vor übermäßiger Wärme und Austrocknung. Flusspferde verbringen einen großen Teil des Tages im Wasser oder in feuchten Ruhebereichen. Ihre Lebensweise verbindet Hautschutz, Temperaturhaushalt und den Wechsel zur nächtlichen Nahrungssuche.

Saikawa Y et al. · Nature IUCN SSC Hippo Specialist Group

Zusammen im Wasser, mit Grenzen

An geeigneten Ruheplätzen können viele Flusspferde dicht beieinanderstehen. Das bedeutet nicht, dass alle Tiere dieselben Beziehungen zueinander haben. Erwachsene Männchen können einen Wasserabschnitt gegen andere Männchen verteidigen. Weibchen mit Jungtieren und weitere Tiere nutzen solche Bereiche ebenfalls; Größe und Zusammensetzung der Ansammlungen verändern sich.

Flusspferde verständigen sich unter anderem mit tiefen Lauten und Körperhaltungen. Auch das Verteilen von Kot mit dem schnell bewegten Schwanz gehört zu ihrem Verhalten. Dessen Bedeutung ist jedoch nicht vollständig geklärt. Je nach Situation kommen Orientierung und verschiedene soziale Funktionen als Erklärung infrage.

Große Zähne, kräftige Kiefer und heftige Auseinandersetzungen passen nicht zum Bild eines harmlosen, trägen Grasfressers. Pflanzenkost sagt wenig darüber aus, wie ein Tier seine Ruheplätze, Artgenossen oder Jungen verteidigt.

IUCN SSC Hippo Specialist Group

Ein Jungtier zwischen Wasser und Ufer

Nach ungefähr acht Monaten Tragzeit wird meist ein einzelnes Jungtier geboren. Häufig findet die Geburt im flachen Wasser statt, gelegentlich auch an Land. Mutter und Junges können sich zunächst etwas abseits der übrigen Tiere aufhalten.

Das Junge trinkt Milch – im Wasser ebenso wie an Land. Zugleich bleibt es auf die Fürsorge seiner Mutter angewiesen. Die Bindung lässt sich auch außerhalb des Gewässers beobachten, wenn Weibchen mit ihren abhängigen Jungen zur Nahrungssuche unterwegs sind.

Zeitangaben zur Entwicklung unterscheiden sich zwischen Freilandbeobachtungen und Zoohaltungen. Für das Verständnis ist vor allem wichtig: Ein geborenes Jungtier ist noch kein selbstständiger Grasfresser. Es muss den Wechsel zwischen Wasser, Ufer und Futterflächen erst mit seiner Mutter bewältigen.

IUCN SSC Hippo Specialist Group WWF Deutschland

Afrikanische Herkunft, eingeführt in Kolumbien

Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Afrika südlich der Sahara. Die Vorkommen verteilen sich auf geeignete Flüsse, Seen und Feuchtgebiete mit erreichbaren Weideflächen. Eine große farbige Fläche auf einer Kontinentkarte wäre deshalb irreführend: Nicht jede Landschaft innerhalb dieser Region bietet Flusspferden einen Lebensraum.

In Kolumbien gibt es außerdem eine vom Menschen eingeführte Population. Diese Tiere gehören nicht zum natürlichen südamerikanischen Artenbestand. Eine ökologische Studie von 2020 beschäftigte sich damit, wie ihre Aktivitäten Land und Gewässer durch den Eintrag von Nährstoffen verbinden.

Für die afrikanischen Bestände gehören der Verlust geeigneter Lebensräume und die Bejagung zu den Belastungen. Wo Menschen und Flusspferde dieselben Ufer und Flächen nutzen, können Konflikte entstehen. Für ihren Schutz zählt daher das Zusammenspiel von Gewässer, Weideland und örtlicher Nutzung; eine Wasserstelle allein reicht nicht aus.

IUCN SSC Hippo Specialist Group American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database Shurin JB et al. · Ecology / PubMed WWF Deutschland

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-29

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.