Exponat 02 · Planarverfahren und monolithischer integrierter Schaltkreis
Schaltungen auf einer geschützten Oberfläche verbinden
Jean Hoernis Planarverfahren lässt schützendes Oxid auf dem Silizium. Robert Noyces Verbindungsidee nutzt dieses isolierende Material für darüber geführte Metallbahnen. Die integrierte Schaltung entsteht aus mehreren zusammenwirkenden Lösungen.
3 Minuten Haupttext · Stand: 8. September 2026
Bild vergrößern ↗Auf einen Blick
Wie wird eine schützende Oxidschicht zugleich zur Grundlage, um mehrere Bauelemente auf einem Siliziumstück zu verschalten?
- Das Oxid schützt empfindliche Bereiche und isoliert darüber geführte Leiter.
- Eine gemeinsame Materialfläche ersetzt noch keine gezielte elektrische Verbindung und Trennung.
- Entwurf, Herstellungsprozess und funktionsfähige Schaltung sind verschiedene Entwicklungsleistungen.
- Zeitliche Einordnung
- 1957–1960; Vorgeschichte der Mikroelektronik
- Orte und Regionen
- Fairchild Semiconductor und weitere Halbleiterlabore, USA
- Historisch Beteiligte
- Jean Hoerni, Robert Noyce, Jack Kilby, Kurt Lehovec und Fertigungsteams
Nicht nur kleiner, sondern beherrschbarer
Viele kleine Bauelemente nützen wenig, wenn ihre empfindlichen Bereiche ungeschützt bleiben oder sich nicht zuverlässig verbinden lassen. Jean Hoernis Planarverfahren setzt deshalb an der Herstellung und Oberfläche an. Eine Oxidschicht bleibt auf dem Silizium erhalten, statt nach ihrer zeitweiligen Verwendung vollständig entfernt zu werden. Das bleibende Schutzoxid
Die Entwicklung hat mehrere Daten: Eine Idee von 1957, eine Patentnotiz im Januar 1959, ein funktionierender Transistor im März 1959 und die kommerzielle Einführung im April 1960 bezeichnen unterschiedliche Schritte. Ein einzelnes Erfindungsjahr würde diesen Weg nur unvollständig wiedergeben.
Fenster legen Bearbeitungsstellen fest
Eine strukturierte Deckschicht lässt bestimmte Bereiche für die weitere Bearbeitung zugänglich und schützt andere. Fotolithografie hilft, solche Muster wiederholbar herzustellen: Licht verändert eine dafür geeignete empfindliche Schicht, aus der nach der Entwicklung ein räumliches Bearbeitungsmuster hervorgeht. Welche belichteten oder unbelichteten Bereiche bleiben, hängt vom verwendeten Verfahren ab. Historische Musterübertragung
Als eigene Denkstütze dient eine Schablone mit ausgewählten Öffnungen. Sie macht verständlich, warum die Lage der Öffnungen zählt. Tatsächliche Halbleiterfertigung verlangt darüber hinaus passende Materialien, Prozessbedingungen und die genaue Ausrichtung mehrerer aufeinanderfolgender Muster; eine aufgemalte Miniaturzeichnung allein reicht nicht.
Metallbahnen brauchen Isolation und Kontakt
Robert Noyces Ansatz verbindet die Möglichkeiten des Planarverfahrens mit über dem isolierenden Oxid geführten Metallbahnen. An vorgesehenen Stellen können diese mit den darunterliegenden Bauelementen Kontakt erhalten. Dazwischen verhindert die Isolation unerwünschte direkte Verbindungen. Die Verbindungsidee
Eine Leitung muss also zugleich zwei Anforderungen erfüllen: Bestimmte Punkte sollen elektrisch zusammengehören, andere getrennt bleiben. Darin liegt der Unterschied zwischen einer Ansammlung von Bauelementen auf einem Stück Material und einer gezielt aufgebauten Schaltung. Auch die Trennung benachbarter Halbleiterbereiche innerhalb des Materials braucht eine geeignete Lösung.
Mehrere Beiträge ergeben einen Schaltkreis
Jack Kilby demonstriert 1958 bereits einen funktionierenden integrierten Schaltkreis mit einem anders aufgebauten Verbindungsansatz. Noyces Konzept von 1959 greift dagegen das Planarverfahren und Metallverbindungen über Oxid auf. Hoernis Herstellungsarbeit und Kurt Lehovecs Beitrag zur elektrischen Isolation gehören zu diesem Zusammenhang. Unterschiedliche Ansätze und Beiträge
Die ersten arbeitsfähigen monolithischen Fairchild-Schaltungen im Mai 1960 sind wiederum Ergebnisse weiterer Entwicklungs- und Fertigungsarbeit. Konzept, Patent und funktionierendes Produkt sind daher nicht austauschbare Belege. Die Geschichte wird genauer, wenn wir nach der jeweiligen gelösten Teilaufgabe fragen, statt alle Leistungen einer einzigen Person zuzuschreiben.
Wiederholung verlangt einen Prozess
Fotolithografische Musterübertragung hat ebenfalls eine Vorgeschichte mit mehreren Gruppen. Die institutionelle Darstellung nennt unter anderem Andrus und Bond, Lathrop und Nall sowie Last und Noyce. Ihre Beiträge liegen in unterschiedlichen Versuchsanordnungen und Fertigungszusammenhängen. Die Entwicklung der Musterverfahren
Der gemeinsame Gedanke ist nicht bloß, mit immer feineren Werkzeugen immer kleinere Teile zu bearbeiten. Ein festgelegter Prozess muss die benötigten Eigenschaften wiederholt an den vorgesehenen Stellen erzeugen. Schutz, Isolation, Kontakt und Musterlage greifen dabei ineinander. Eine vergrößerte Museumszeichnung kann dieses Zusammenspiel zeigen, ohne die tatsächlichen Größenverhältnisse oder sämtliche Herstellungsschritte abzubilden.
Von der Verbindung zur Funktion
Die nächste Station fragt, welche Funktion eine bestimmte integrierte Schaltung übernimmt. Beim Mikroprozessor wird die zentrale Verarbeitungseinheit auf einem Chip zusammengeführt. Speicher und Ein- beziehungsweise Ausgabe sind damit noch nicht automatisch auf demselben Chip vorhanden. Die Grundlage integrierter Verbindungen
Halte beim Blick auf einen Chip deshalb drei Fragen auseinander: Wie wurden seine Strukturen hergestellt? Wie sind sie verbunden und gegeneinander isoliert? Welche Aufgabe erfüllt die gesamte Anordnung? Der Herstellungsprozess ermöglicht eine Vielzahl verschiedener Schaltungen; er legt nicht schon von selbst fest, ob daraus ein Speicher, ein Prozessor oder ein anderes Bauteil wird.
Grenzen des Wissens
Was offen bleibt
Die Station erläutert ausgewählte historische Beiträge. Sie ist keine vollständige Patentgeschichte oder Beschreibung heutiger Chipfertigung. Die schematische Zeichnung zeigt keine maßstäblichen Schichten eines konkreten Originalchips.
Begriffe verstehen
Planarverfahren
Herstellungsweise, bei der Strukturen von einer im Wesentlichen gemeinsamen Oberfläche aus erzeugt und durch verbleibendes Oxid geschützt werden.
← Zur TextstelleSiliziumdioxid
Oxid des Siliziums, das in diesem Zusammenhang als schützendes und elektrisch isolierendes Material dient.
Fotolithografie
Übertragung eines Musters auf eine lichtempfindliche Schicht, um nachfolgende Bearbeitung räumlich zu begrenzen.
← Zur TextstelleMonolithischer Schaltkreis
Schaltung, deren Bauelemente innerhalb eines gemeinsamen Halbleiterstücks hergestellt und gezielt verbunden werden.
Quellen und Nachweise
Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.
- Schutz durch bleibendes Oxid
Computer History Museum: Invention of the Planar Manufacturing Process. The Silicon Engine.
Idee 1957, Patentnotiz Januar 1959, funktionierender Transistor März 1959 und kommerzielle Einführung April 1960 getrennt.
← Zur Textstelle: Nicht nur kleiner, sondern beherrschbarer - Verbindungen und Isolation im integrierten Schaltkreis
Computer History Museum: Practical Monolithic Integrated Circuit Concept Patented. The Silicon Engine.
Kilbys anderer Ansatz, Hoernis Prozess, Noyces Metallverbindungen, Lehovecs Isolation und Fairchild-Teamarbeit unterschieden.
← Zur Textstelle 1: Metallbahnen brauchen Isolation und Kontakt← Zur Textstelle 2: Mehrere Beiträge ergeben einen Schaltkreis← Zur Textstelle 3: Von der Verbindung zur Funktion - Musterübertragung für Siliziumbauelemente
Computer History Museum: Photolithography Techniques Are Used to Make Silicon Devices. The Silicon Engine.
Historische Beiträge mehrerer Gruppen; kein einzelnes Resistverhalten auf alle Verfahren und keine unbestimmten aktuellen Strukturgrößen übertragen.
← Zur Textstelle 1: Fenster legen Bearbeitungsstellen fest← Zur Textstelle 2: Wiederholung verlangt einen Prozess
Redaktion: Benjamin Metzig. Text und Quellen am 8. September 2026 geprüft. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.
Hinweis oder Korrektur an die Redaktion

