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Exponat 02 · Jacquards Musterauswahl

Mit Lochkarten Fäden einen Weg geben

Eine Karte wählt aus, welche Kettfäden für einen Schusseintrag gehoben werden. Die nächste Karte verändert die Auswahl. So lässt sich ein Muster außerhalb des Gewebes vorbereiten, speichern und erneut ausführen.

3 Minuten Haupttext · Stand: 7. September 2026

Buntstiftskizze einer gefalteten Lochkartenkette vor einem Webstuhlausschnitt; auf dem Tisch liegen eine einzelne Karte, ein Lochwerkzeug und ein gemustertes Band.Bild vergrößern ↗
Freie heutige Zusammenstellung von Karten, Werkzeug und Gewebe. Lochmuster und Bandmuster sind illustrative Beispiele, keine nachgewiesene Eins-zu-eins-Zuordnung aus Heywoods historischem Modell.

Auf einen Blick

Wie kann eine Folge gelochter Karten ein wiederholbares Webmuster steuern?

  • Eine Lochkarte wählt Fäden für einen Arbeitsschritt aus.
  • Das Muster hängt von Kartenfolge und Fadenanordnung ab.
  • Mechanische Ausführung ersetzt nicht die Vorbereitung und Prüfung eines Musters.
Zeitliche Einordnung
Mechanismus 1801 vorgeführt; erhaltene Webstühle und Modellkarten des 19. Jahrhunderts
Orte und Regionen
Frankreich; schottische Seidenweberei; Bandwebstuhlmodell aus Coventry
Historisch Beteiligte
Joseph-Marie Jacquard; Musterzeichner, Kartenhersteller, Webende und Maschinenbauer; James Heywood als Hersteller des gezeigten Katalogbeispiels

Der Querfaden braucht eine Öffnung

Ein Webstuhl hält Kettfäden gespannt. Wird ein Teil von ihnen angehoben, öffnet sich ein Fach, durch das der Schussfaden laufen kann. Welche Fäden oben oder unten liegen, beeinflusst das entstehende Gewebe. Jacquards Mechanismus macht diese Auswahl durch vorbereitete Lochkarten wiederholbar. Webstuhl und Jacquard-Mechanismus

Die Karte erzeugt weder das Garn noch die Bewegung des gesamten Webstuhls. Sie gibt innerhalb eines größeren Ablaufs eine bestimmte Auswahl vor. Zum Verständnis lohnt es sich deshalb, Musterinformation und mechanische Arbeit zunächst getrennt zu verfolgen.

Eine Karte gehört zu einem Auswahlschritt

In unserem vereinfachten Modell wird die Karte an einer Reihe von Abtastern vorbeigeführt. Loch und geschlossene Stelle bewirken unterschiedliche mechanische Zustände; der Mechanismus überträgt diese auf die Auswahl der Kettfäden. Nach dem Schusseintrag folgt die nächste Karte. Der Katalog des Bandwebstuhlmodells beschreibt ausdrücklich die Auswahl für jeden einzelnen Schusseintrag. Karten und Auswahl der Kettfäden

Das heißt nicht, dass eine beliebige sichtbare Lochreihe automatisch eine ganze Gewebezeile darstellt. Die Zuordnung hängt vom eingerichteten Mechanismus ab. Eine Karte ist zudem nur im Zusammenhang mit den übrigen Karten, dem Fadenplan und dem Webstuhl sinnvoll lesbar.

Die Reihenfolge macht einen Unterschied

Stell dir eine heutige Lehrfolge mit vier Karten A, B, C und D vor. Nach D beginnt sie erneut bei A. Das gibt vier verschiedene Auswahlschritte pro Wiederholung. Werden B und C vertauscht, bleiben dieselben vier Karten vorhanden, doch ihre zeitliche Folge ändert sich. Welche Wirkung das im Stoff hat, hängt von ihren tatsächlichen Lochmustern ab.

Dieses Gedankenmodell zeigt, weshalb man Karten nicht nur zählen sollte. Materialbestand und Reihenfolge sind verschiedene Eigenschaften eines Speichers. Eine vollständig erhaltene, aber ungeordnet vorliegende Kartensammlung bewahrt deshalb nicht automatisch jede früher ausgeführte Musterfolge.

Vor der Ausführung liegt Entwurfsarbeit

Ein Loch muss an der passenden Stelle entstehen. Muster werden vorbereitet, auf Karten übertragen und als Folgen eingerichtet. Das Science Museum bewahrt neben Heywoods Modell auch ein Lochwerkzeug und Kartensätze mit zugehörigen Bandmustern. Diese Gegenstände machen die Vorbereitung des scheinbar selbsttätigen Ablaufs greifbar. Das erhaltene Lochwerkzeug Karten, Deckblätter und Bandmuster

Ein Fehler kann in verschiedenen Schritten liegen: Eine Karte könnte falsch gelocht, eine richtige Karte falsch eingeordnet oder die Fadenanordnung verändert worden sein. Im heutigen Prüfgedanken wäre es deshalb sinnvoll, erst die Stelle der Abweichung zu suchen und dann den zugehörigen Auswahlschritt zu vergleichen. Eine neue Karte allein behebt nicht jede Ursache.

Karten bewahren auch spätere Spuren

Heywoods Modellgruppe wird auf 1870 datiert. Ein zugehöriges Karten-Deckblatt trägt jedoch die Angabe „1894 Bath Exhibition“. Modell, Kartenfolge, Deckblatt und Stoffmuster müssen deshalb jeweils in ihrer eigenen Überlieferung betrachtet werden. Nicht jeder Teil einer gemeinsam aufbewahrten Gruppe stammt automatisch aus demselben Jahr. Die Teilebeschreibungen des Katalogs

Für das Museum entsteht daraus eine praktische Leseregel: Eine Datierung gehört zu einem bestimmten Gegenstand oder Zusammenhang. Ein später hinzugefügtes Etikett kann eine neue Verwendung belegen. Es verschiebt nicht ohne weitere Gründe das Alter aller übrigen Teile.

Ein späterer Webstuhl erzählt die Geschichte weiter

National Museums Scotland erläutert das Verfahren an einem Seidenhandwebstuhl aus Stonehouse. Seine erhaltene Bauform stammt aus dem 19. Jahrhundert; die Vorstellung des Mechanismus von 1801 ist ein anderer historischer Bezug. Handbetrieb und vorbereitete Musterauswahl konnten in einem Gerät zusammenkommen. Die Herkunft des schottischen Objekts

Der besondere Gedanke bleibt über dieses Exemplar hinaus verständlich: Eine Folge von Auswahlentscheidungen wird körperlich gespeichert und von einer Maschine ausgeführt. Der Vergleich mit späterer Datenverarbeitung ist dadurch aufschlussreich. Einen allgemeinen Computer oder eine zwangsläufige Entwicklung zu ihm belegt der Webstuhl allein jedoch nicht.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Jacquard bezeichnet hier einen Auswahlmechanismus. Webstuhl, Antrieb und Kartenherstellung bleiben eigene Teile des Ablaufs. Die Erklärung ist ein vereinfachtes Funktionsmodell, keine vollständige Rekonstruktion eines bestimmten Geräts.

Begriffe verstehen

Webfach

Zwischen gehobenen und tiefer liegenden Kettfäden geöffneter Raum für den Schussfaden.

Lochkarte

Feste Karte, auf der die Lage von Löchern und ungelochten Stellen eine maschinell abtastbare Auswahl festhält.

Rapport

Teil eines Musters, der sich im weiteren Verlauf wiederholt.

Musterauswahl

Festlegung, welche Fäden im betrachteten Arbeitsschritt eine bestimmte Lage erhalten.

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Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Jacquards Mechanismus an einem erhaltenen Webstuhl

    National Museums Scotland: The Jacquard loom: innovation in textiles and computing, Objekt T.1934.241.

    Der besprochene Seidenwebstuhl stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde in Stonehouse genutzt. Er ist kein Original der Vorführung von 1801.

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  2. Kartenfolgen und Stoffmuster eines Bandwebstuhlmodells

    Science Museum Group: Jacquard cards, James Heywood, Coventry, Objektgruppe 1911-346/2.

    Karten, Deckblätter und zugehörige Bandmuster zeigen die materielle Vorbereitung eines Musters. Einzelne Beischriften sind jünger als die auf 1870 datierte Objektgruppe.

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  3. Ein Werkzeug zur Herstellung der Lochkarten

    Science Museum Group: Hole punch for making Jacquard cards, James Heywood, 1870, Objekt 1911-346/3.

    Das erhaltene Lochwerkzeug macht eine Arbeit sichtbar, die dem automatischen Auswählen der Fäden vorausgeht.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Fassung vom 7. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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