Exponat 04 · Der Bessemer-Konverter
Luft verändert flüssiges Eisen
Sauerstoff aus der Luft reagiert mit Bestandteilen des flüssigen Roheisens. Dabei ändern sich Zusammensetzung und Temperatur. Der Konverter macht aus einer chemischen Reaktion ein großtechnisches Verfahren, dessen Erfolg vom Ausgangsmaterial und der Prozessführung abhängt.
3 Minuten Haupttext · Stand: 7. September 2026
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Wie kann eingeblasene Luft eine Eisenschmelze verändern und zugleich heiß halten?
- Oxidation verändert die Zusammensetzung der Schmelze und setzt Wärme frei.
- Das gesamte Stahlwerk benötigt weiterhin Energie und vorbereitete Rohstoffe.
- Auskleidung, Zusätze und Ausgangsmaterial begrenzen die Verwendbarkeit eines Verfahrens.
- Zeitliche Einordnung
- Bessemer-Verfahren seit den 1850er Jahren; Pilotkonverter von 1865
- Orte und Regionen
- Großbritannien, unter anderem Barrow und Sheffield; internationale Weiterentwicklung
- Historisch Beteiligte
- Henry Bessemer; Robert Forester Mushet; Sidney Gilchrist Thomas und Percy Gilchrist; Gießer, Hüttenarbeiter und weitere Beteiligte
Ein großes Gefäß für eine Umwandlung
Das erhaltene Pilotgefäß aus Barrow wird im Science Museum mit einem Bessemer-Abguss vom Mai 1865 verbunden. In einem solchen Konverter wird Luft durch flüssiges Roheisen geblasen. Ihr Sauerstoff reagiert mit Bestandteilen der Schmelze; die Reaktionswärme hilft, das Metall flüssig zu halten. Der Pilotkonverter von Barrow
Damit ist die Luft nicht bloß eine Kühlung oder ein Rührmittel. Sie nimmt an einer Stoffumwandlung teil. Betrachte das Gefäß als einen Ort, an dem Zusammensetzung, Reaktionsgeschwindigkeit und Wärmehaushalt miteinander verbunden sind.
Stoffbilanz und Wärmebilanz gehören zusammen
William Metcalf beschreibt 1896 das Ausbrennen von Kohlenstoff und Silicium sowie das anschließende Einstellen des Metalls durch Zusätze. Sein Bericht zeigt ein Verfahren, dessen Ergebnis nicht allein durch die Zeit des Luftblasens bestimmt wird. Die zeitgenössische Verfahrensbeschreibung
Als heutige Lesefrage kannst du zwei Bilanzen nebeneinanderstellen: Welche Stoffe gehen hinein, welche verlassen das Gefäß als Metall, Schlacke oder Gas? Und woher kommt die Energie, die den betrachteten Zustand erhält? Eine helle Flamme beantwortet noch keine dieser Fragen vollständig. Sie macht nur einen Teil des laufenden Vorgangs sichtbar.
Zuerst weniger, dann gezielt mehr
Metcalf erläutert eine scheinbar widersprüchliche Folge: Zunächst wird weitgehend entkohlt, anschließend kann über kohlenstoffhaltige Zusätze wieder Kohlenstoff eingebracht werden. Manganhaltige Zusätze dienen außerdem dazu, unerwünschten Sauerstoff im Metall zu binden. Zusammensetzung einstellen und Sauerstoff entfernen sind damit unterscheidbare Aufgaben, auch wenn ein Zusatz an beiden beteiligt sein kann. Rückkohlung und Mangan im Bericht von 1896
Das Ziel ist also nicht einfach, möglichst viel von allem zu entfernen. Der Werkstoff soll einen für die Aufgabe geeigneten Zustand erreichen. Menge und Zusammensetzung der Zusätze gehören deshalb ebenso zur Verfahrensführung wie das vorausgehende Luftblasen.
Die Energiegrenze hängt vom betrachteten Abschnitt ab
Während des Blasens kann die Reaktionswärme die nötige Temperatur liefern. Das Ausgangseisen muss aber bereits erschmolzen sein, und die Anlage benötigt unter anderem die Luftzufuhr. Die Aussage über den Konverterabschnitt darf deshalb nicht zur Behauptung einer energiefreien Stahlherstellung werden. Reaktionswärme im beschriebenen Verfahren
Stell dir zwei Berichte über dieselbe Anlage vor. Einer zählt nur den Brennstoff, der während des Blasens unmittelbar am Gefäß eingesetzt wird. Der andere zählt die vorausgehende Herstellung der Schmelze mit. Verschiedene Ergebnisse wären dann zunächst eine Folge verschiedener Bilanzgrenzen. Für einen fairen Vergleich müssten beide dieselben Schritte erfassen.
Auch die Innenwand gehört zur Chemie
Ein früheres Verfahren mit saurer Auskleidung konnte phosphorreiches Ausgangsmaterial nicht einfach passend verarbeiten. Metcalf erläutert, wie Thomas und Percy Gilchrist mit basischer Auskleidung und Schlacke einen anderen Weg zur Phosphorentfernung entwickelten. Die Grenze lag somit nicht allein in der erreichbaren Temperatur. Auskleidung und Phosphor im historischen Bericht
Diese Entwicklung macht eine nützliche Unterscheidung sichtbar: Die Form eines Reaktionsgefäßes erklärt noch nicht seine gesamte Wirkung. Was die Innenwand chemisch verträgt und welche Bestandteile eine Schlacke aufnehmen kann, entscheidet mit. Ein äußerlich ähnlicher Konverter kann daher zu einem anderen Verfahren gehören.
Eine kleine Probe erinnert an weitere Arbeit
Das Museum bewahrt außerdem Spiegeleisenstücke, die der Katalog einer Charge aus Mushets Versuchen mit Bessemer-Stahl zuordnet. Die unscheinbaren Stücke ergänzen das große Gefäß um die Arbeit an Zusätzen und Materialqualität. Die Mushet zugeordneten Proben
Stahl war lange vor dem Konverter bekannt. Die Veränderung dieser Station liegt im Weg der Verarbeitung und seinen industriellen Möglichkeiten. Vergleiche deshalb mit dem Tiegelstahl im älteren Museumsteil: Welches Ausgangsmaterial wird behandelt, in welchem Gefäß und mit welchem Ziel? Eine neue Herstellungsmethode ist eine bedeutende Entdeckung, ohne der Anfang der gesamten Materialgeschichte zu sein.
Grenzen des Wissens
Was offen bleibt
Dargestellt wird das historische Luftblasverfahren. Moderne Sauerstoffkonverter sind davon zu unterscheiden. Spätere Verbesserungen werden nicht rückwirkend jeder frühen Bessemer-Anlage zugeschrieben.
Begriffe verstehen
Roheisen
Im Hochofen erzeugtes kohlenstoffreiches Eisen, das für viele Stahlprodukte weiterverarbeitet wird.
← Zur TextstelleKonverter
Reaktionsgefäß, in dem eine Schmelze durch eingebrachte Reaktionsstoffe gezielt umgewandelt wird.
← Zur TextstelleSchlacke
Vom Metall unterscheidbare Phase, die bei metallurgischen Vorgängen unter anderem Reaktionsprodukte aufnehmen kann.
← Zur TextstelleBasische Auskleidung
Feuerfeste Innenausstattung, die chemisch zu einer basischen Schlacke und dem entsprechenden Verfahren passt.
Quellen und Nachweise
Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.
- Ein früher erhaltener Bessemer-Konverter
Science Museum Group: Original pilot Bessemer converter, Barrow Haematite Steel Company, 1865, Objekt 1959-186.
Der Konverter ist mit dem ersten Bessemer-Abguss des Werks in Barrow im Mai 1865 verbunden. Er steht für eine bereits entwickelte Ausführung des Verfahrens.
← Zur Textstelle 1: Ein großes Gefäß für eine Umwandlung← Zur Textstelle 2: Die Energiegrenze hängt vom betrachteten Abschnitt ab - Stahlerzeugung aus der Sicht eines Praktikers von 1896
William Metcalf: Steel: A Manual for Steel Users, New York 1896, Kapitel I, S. 8–11, und Kapitel II, S. 23–25; Transkription Project Gutenberg.
Metcalf erläutert Luftdurchblasen, Zusätze und die Bedeutung der Auskleidung. Das Buch ist ein zeitgenössischer Erfahrungsbericht; damalige Qualitätsgrenzen sind keine heutigen Werkstoffnormen.
← Zur Textstelle 1: Stoffbilanz und Wärmebilanz gehören zusammen← Zur Textstelle 2: Zuerst weniger, dann gezielt mehr← Zur Textstelle 3: Auch die Innenwand gehört zur Chemie - Materialproben aus Mushets Versuchen
Science Museum Group: Pieces of spiegeleisen, Objekt 1972-331 und Unterteile.
Der Katalog ordnet zwei Stücke einer Charge zu, mit der Robert Forester Mushet Bessemer-Stahl untersuchte. Die knappe Beschreibung enthält keine eigene chemische Analyse.
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Redaktion: Benjamin Metzig. Fassung vom 7. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.
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