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Exponat 03 · Seekarte und Darstellungsverfahren

Küsten und Richtungen verbinden

Portolankarten verbinden Küsten, Ortsnamen und Richtungslinien. Ihre Gestaltung macht bestimmte Informationen besonders gut zugänglich und lässt andere bewusst oder mangels Kenntnis zurücktreten.

3 Minuten Haupttext · Stand: 6. September 2026

Freie Buntstiftskizze einer erfundenen Küste mit kleinen Inseln und dünnen Richtungslinien auf einem hellen Kartenblatt.Bild vergrößern ↗
Freie Anschauung einer erfundenen Küste mit Richtungslinien. Keine historische Karte, kein vermessener Küstenverlauf und keine Anleitung zum Navigieren.

Auf einen Blick

Wie hilft ein Liniennetz dabei, Küsten auf einer Karte zu lesen?

  • Küstenkontur und Richtungslinie tragen unterschiedliche Informationen.
  • Ein Liniennetz ist keine Aufzeichnung tatsächlich gefahrener Schiffswege.
  • Eine gut lesbare Karte kann bewusst vereinfachen und vergrößern.
Zeitliche Einordnung
Carta Pisana: spätes 13. Jahrhundert; weitere Beispiele aus dem 14. und 15. Jahrhundert
Orte und Regionen
Mittelmeerraum und angrenzende Küsten
Historisch Beteiligte
Nicht sicher bekannte Herstellung der Carta Pisana; verschiedene spätere Kartenwerkstätten

Das Meer braucht andere Hinweise

An Land können Wege deinen Blick führen. Auf einer offenen Wasserfläche ist der nächste Hafen nicht durch einen durchgehenden Pfad mit dir verbunden. Eine Seekarte muss deshalb andere Informationen zusammenbringen: die Form der Küsten, erkennbare Orte, mögliche Gefahren und Richtungen zwischen Bereichen.

Die sogenannte Carta Pisana gehört zu den frühesten erhaltenen Beispielen der Portolankarten. Die BnF ordnet sie in das späte 13. Jahrhundert ein. Dass sie in Pisa gefunden wurde, bestimmt nicht sicher ihren Herstellungsort. Ihr heutiger Name, ihr Material und ihre Datierung beantworten jeweils andere Fragen. Der konkrete Kartenbefund

Zwei Arten von Linien

Eine Küstenlinie beschreibt eine Grenze zwischen Land und Wasser. Die geraden Linien des Richtungsnetzes haben eine andere Aufgabe: Sie stellen Orientierungen an mehreren Stellen des Blattes zur Verfügung. Ein Kreuzungspunkt dieses Netzes muss deshalb weder einen Hafen noch einen früheren Schiffsstandort bezeichnen.

Campbell beschreibt wiederkehrende Netze und Farbkonventionen, mit denen verschiedene Richtungen erkennbar werden. Er verwendet die verbreitete Bezeichnung Rhumblinien mit einer ausdrücklichen begrifflichen Einschränkung. Solche Linien dürfen nicht ohne Weiteres mit einer mathematisch exakten Loxodrome auf einer späteren Mercatorkarte gleichgesetzt werden. Aufbau und Begriffe

Lesbarkeit ist eine Konstruktionsaufgabe

Ortsnamen stehen häufig landwärts und quer zum Küstenverlauf. So bleibt die Küstenzone besser unterscheidbar, obwohl viele Namen auf engem Raum untergebracht werden müssen. Die Beschriftungen laufen um das Blatt herum; um sie bequem zu lesen, kann die Karte gedreht werden.

Auch die Küstenform ist nicht überall eine gleich genaue Verkleinerung. Inseln oder Landvorsprünge können hervorgehoben, Buchten vereinfacht werden. Das kann für die beabsichtigte Orientierung nützlich sein, begrenzt aber zugleich die Aussage kleinster Details. Eine übersichtliche Darstellung ist noch keine moderne Vermessung. Beschriftung und Vereinfachung

Eine Skala braucht eine Einheit

Viele Karten besitzen Maßstabsleisten, doch die historische Längeneinheit ist nicht immer ausdrücklich angegeben. Campbell behandelt die daraus entstandene Unsicherheit. Eine Teilung lässt sich sehen; ihre verlässliche Umrechnung in heutige Längen verlangt zusätzliche Kenntnis. Maßstäbe und Einheiten

Vergleiche als eigenes Gedankenmodell zwei Strecken auf derselben Karte: Die zweite ist doppelt so lang gezeichnet wie die erste. Ihr Verhältnis kannst du bestimmen, ohne die Einheit zu kennen. Eine Entfernung in Kilometern kannst du daraus noch nicht gewinnen. Verhältnis und absolute Länge sind verschiedene Auskünfte.

Ein Blatt ist kein Fahrtprotokoll

Stell dir als eigenen Vergleich eine Karte mit zwei Hafenpunkten vor. Eine gerade Verbindung zwischen ihnen kann eine Richtung zeigen. Ob ein Schiff genau diese Bahn zurücklegte, hängt von weiteren Informationen ab. Es könnte einen anderen Weg gewählt haben oder durch Wind und Strömung versetzt worden sein.

Entsprechend darfst du das historische Liniennetz nicht als Bündel tatsächlich gefahrener Reisen lesen. Es ist ein Werkzeug, mit dem räumliche Beziehungen dargestellt werden. Für den Nachweis einer bestimmten Reise wären beispielsweise ein zeitlich zugehöriger Bericht und weitere unabhängige Spuren nötig.

Gebrauch und Repräsentation

Nicht jedes aufwendig gestaltete Kartenblatt war unter denselben Bedingungen im Einsatz. Die Kuratoren in Greenwich unterscheiden praktische Navigationskarten von kostbaren Werken für Sammlungen. Ihre späteren Oliva-Beispiele zeigen, warum Aussehen und Zweck einer Karte gesondert untersucht werden müssen. Unterschiedliche Verwendungen

Die Entdeckung liegt hier auch in der Gestaltung von Information. Küsten, Namen, Farben und Linien erhalten Aufgaben, die sich auf einem Blatt ergänzen. Wenn du diese Aufgaben auseinanderhältst, wird das dichte Bild verständlicher: Du erkennst, was seine Zeichen sagen, ohne ihm einen unbekannten Reiseverlauf hinzuzuerfinden.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Herstellungsort, genaue Datierung und Entstehung der frühen Kartentechnik sind nicht abschließend geklärt. Unsere Illustration zeigt eine erfundene Küste; wir haben keine geodätische Genauigkeitsprüfung der Originalkarten durchgeführt.

Begriffe verstehen

Portolankarte

Historische Seekarte mit charakteristischen Küstenbeschriftungen und Richtungslinien; verwandte Werke können unterschiedliche Zwecke besitzen.

Richtungslinie

Linie, die eine bestimmte Orientierung auf dem Kartenblatt verfügbar macht; kein Beleg einer tatsächlich gefahrenen Strecke.

Maßstab

Verhältnis einer Länge in einer Darstellung zur zugehörigen Länge des dargestellten Gegenstands oder Raums.

Loxodrome

Kurve auf der Erdoberfläche, die die Meridiane unter einem gleichbleibenden Winkel schneidet.

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Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Die erhaltene Carta Pisana

    Bibliothèque nationale de France: Carte marine de l’océan Atlantique Est, de la mer Méditerranée et d’une partie de la mer Noire, connue sous le nom de Carte Pisane; GE B-1118 (RES).

    Hauptdatum ca1270, Erläuterung übliche Einordnung ca1275–1300. Deshalb spätes 13. Jahrhundert statt eines exakten Jahres. Pisa ist Fundort, nicht sicherer Herstellungsort. Zwei tangente Liniennetze sind konkret beschrieben; spätere Konventionen nicht sämtlich zurückübertragen.

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  2. Wie Portolankarten Informationen anordnen

    Tony Campbell: Portolan Charts from the Late Thirteenth Century to 1500. In The History of Cartography, Band 1, University of Chicago Press,1987, S371–463, hier S376–379.

    Material, Richtungslinien, Küstenkonventionen, Beschriftung und Drehbarkeit. Rhumb line ist hier eine konventionelle Bezeichnung, kein Beweis einer exakten Loxodrome oder Mercatorprojektion. Das Kapitel ist keine aktuelle abschließende Klärung der Ursprungsdebatte.

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  3. Gebrauchskarte oder kostbares Sammlungsstück

    Megan Barford und Stawell Heard: Early charts from the Mediterranean. Royal Museums Greenwich,23. Februar 2022.

    Der konkrete Oliva-Bestand ist später als die Carta Pisana. Verwendet wird die grundlegende Unterscheidung praktischer und repräsentativer Zwecke. Die genannten Phantominseln sind keine Befunde der Carta Pisana.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Erste vollständige Fassung vom 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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