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Exponat 06 · Ottos Viertaktmotor von 1876/77

Ein Gemisch vor der Zündung verdichten

Ansaugen, Verdichten, Arbeiten und Ausschieben übernehmen im Viertakt verschiedene Aufgaben. Ottos Patentschrift macht ihre zeitliche Verbindung sichtbar. Das verdichtete Gemisch, seine Zündung und die mechanische Steuerung müssen im richtigen Augenblick zusammenwirken.

3 Minuten Haupttext · Stand: 7. September 2026

Buntstiftskizze eines liegenden Gasmotors auf langem Gussbett: links ein großes Schwungrad, mittig die Pleuelverbindung, rechts Zylinder und kleines Steuergehäuse.Bild vergrößern ↗
Freie Studie einer historischen liegenden Viertakt-Gasmotorbauform. Zylinder, Pleuel und Schwungrad sind deutlich angeordnet; Steuerung und Zündung bleiben vereinfacht. Keine genaue Kopie der Patentzeichnungen oder eines bestimmten restaurierten Motors.

Auf einen Blick

Warum wird das brennbare Gemisch vor dem Arbeitshub zusammengedrängt?

  • Vier Kolbenhübe bilden bei dieser Bauart einen vollständigen Zyklus.
  • Die Verdichtung verändert Druck und Temperatur vor der Zündung.
  • Historische Flammenzündung, gebauter Motor und heutiges ideales Modell müssen unterschieden werden.
Zeitliche Einordnung
Motorentwicklung 1876; hier US-Patentanmeldung vom 13. Juli 1876 und Patenterteilung am 14. August 1877
Orte und Regionen
Deutz bei Köln; internationale Fertigung und Lizenzierung
Historisch Beteiligte
Nikolaus August Otto; Eugen Langen, Gottlieb Daimler, Wilhelm Maybach und die beteiligten Werkstattmitarbeitenden im Umfeld der Motorenentwicklung

Die Verbrennung liegt im Arbeitsraum

Bei der Dampfmaschine gibt ein Kessel Wärme an Wasser ab; der Dampf gelangt anschließend zum Antrieb. Im hier betrachteten Gasmotor verbrennt ein Gemisch dagegen im Zylinder selbst. Die entstehenden heißen Gase wirken auf den Kolben. Für einen wiederkehrenden Betrieb müssen neue Stoffe hinein und Verbrennungsprodukte wieder hinaus.

Ottos Entwicklung von 1876 verband diese Aufgaben mit einer Verdichtung vor der Zündung. Die DEUTZ-Chronik beschreibt den Übergang vom Versuch zur Serienfertigung und nennt die Mitwirkung weiterer Konstrukteure. Sie ist eine Unternehmensgeschichte und wird hier mit der ursprünglichen Patentschrift und einem erhaltenen Museumsobjekt zusammen gelesen. Entwicklung und Fertigung

Vier Hübe haben verschiedene Aufgaben

In der ausgewählten Patentausführung bewegt sich der Kolben zunächst so, dass Luft und brennbares Gas aufgenommen werden. Auf dem Rückweg wird die Ladung im geschlossenen Raum verdichtet. Die Zündung ermöglicht anschließend den Arbeitshub. Beim nächsten Rückweg werden die Verbrennungsprodukte ausgeschoben. Danach kann eine neue Füllung beginnen. Viertaktausführung und Steuerung im Patent

Die Folge erklärt, warum nicht jeder Hub Arbeit nach außen liefert. Ansaugen, Verdichten und Ausschieben sind notwendige Teile desselben Betriebs. Wer nur die kräftige Bewegung nach der Zündung betrachtet, lässt die Vorbereitung und Erneuerung des Arbeitsraums weg.

Verdichten kostet zunächst Arbeit

Der Kolben muss beim Verdichten Arbeit am Gas verrichten. Im heutigen idealen Modell ohne Wärmeaustausch steigen dabei Temperatur und Druck. Die anschließende Energiezufuhr durch Verbrennung schafft einen Zustand, aus dem die Expansion mehr Arbeit liefern kann, als die vorherige Kompression benötigt hat. Entscheidend ist die Bilanz der gesamten Folge. Kompressionsarbeit und Expansionsarbeit im Modell

Die Verdichtung ist damit keine zusätzliche Energiequelle. Sie bestimmt die Ausgangsbedingungen für die Verbrennung und den weiteren Prozess. Mehr Verdichtung allein ist auch keine unbegrenzte Verbesserung: Reale Brennstoffe, Zündverlauf, Wärmeabgabe und Bauteile begrenzen die gewählte Ausführung.

Zwei Umdrehungen verbinden den Ablauf

Die Patentschrift verbindet vier Kolbenhübe mit zwei Kurbelwellenumdrehungen. Steuerung und Zündung müssen zu dieser Folge passen. Ein großes Schwungrad hilft, die mechanische Bewegung zwischen den Arbeitshüben fortzuführen. Im Patent sind dafür nicht nur ein Zylinder, sondern auch die Verbindungen und Steuerteile dargestellt. Mechanische Kopplung der Hübe

Als eigenes Zählbeispiel wählen wir 120 Umdrehungen pro Minute. Bei zwei Umdrehungen je Zyklus ergeben sich 60 vollständige Zyklen pro Minute, also einer pro Sekunde. Das ist eine frei gewählte Veranschaulichung, keine historische Drehzahlangabe des Motors von 1876.

Die Patentschrift ist kein heutiges Lehrbuch

Otto beschrieb eine besondere Anordnung der Ladung und eine allmähliche Verbrennung. Die Schrift zeigt außerdem eine Flammenzündung. Eine moderne Zündkerze in einer angeblich originalgetreuen Zeichnung würde diese Bauform verfälschen. Auch die damalige Erklärung der Ladungsschichtung wird hier als historische Vorstellung kenntlich gemacht. Ansprüche, Ladungsbeschreibung und Zündung

Das heutige ideale Ottomodell setzt unter anderem sehr rasche Energiezufuhr bei unverändertem Volumen und verlustfreie Kompression und Expansion voraus. Die wirkliche Verbrennung und die historische Theorie sind damit nicht identisch. Das Modell erlaubt gezielte Vergleiche, während die Maschine eine umfassendere Beschreibung verlangt. Voraussetzungen des thermodynamischen Vergleichs

Ein erhaltener Motor trägt mehrere Zeitschichten

Das Deutsche Museum bewahrt einen liegenden Otto-A-Viertaktmotor von 1876/77. Der Restaurierungsbericht beschreibt einen überlieferten Zustand mit späteren Veränderungen. Lackierung, Beschilderung, Schutzteile und Ergänzungen sind deshalb nicht automatisch Belege dafür, wie die Maschine bei ihrer Herstellung aussah. Motor und Restaurierungsgeschichte

Betrachte an einem solchen Objekt sowohl den Bewegungsweg als auch die Herkunft seiner sichtbaren Teile. Für die nächste Station bleibt eine besonders produktive Frage: Muss der Brennstoff schon während der Verdichtung im Zylinder sein? Beim Dieselprinzip verändert eine spätere Zufuhr den Weg zur Zündung.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Die ausgewählte Patentschrift zeigt mehrere Ausführungen; die Verdichtungsmaschine gehört zu Figuren 2–13. Der heutige ideale Ottoprozess ist keine vollständige Beschreibung der damaligen Verbrennung. Aus der Patenterteilung folgt keine alleinige Erfindung aller Viertaktprinzipien.

Begriffe verstehen

Verdichtung

Verkleinerung des Raums einer eingeschlossenen Gasmenge durch mechanische Arbeit; Druck und häufig auch Temperatur steigen.

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Fremdzündung

Zündung durch eine zusätzliche Zündquelle; beim historischen Beispiel eine Flamme, bei vielen heutigen Motoren ein elektrischer Funke.

Kurbelwelle

Welle mit versetztem Kurbelzapfen, die über eine Pleuelverbindung Kolbenbewegung und Drehung verknüpft.

Viertakt

Betriebsfolge aus vier Kolbenhüben: Ansaugen, Verdichten, Arbeitshub und Ausschieben.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Ottos Patentschrift mit Viertaktausführung

    Nikolaus August Otto: Improvement in gas-motor engines, US194047A, angemeldet 13. Juli 1876, erteilt 14. August 1877, insbesondere Figuren 2–13 und vier Beschreibungsseiten.

    Alle acht Originalseiten wurden geprüft. Die Ausführung mit Verdichtung gehört zu den Figuren 2–13; Figur 1 zeigt eine andere Anordnung. Das Patent belegt damalige Ansprüche und Entwürfe. Seine Theorie geschichteter Verbrennung ist keine heutige allgemeine Motorenbeschreibung.

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  2. Die Entwicklung des Viertaktmotors in der Unternehmenschronik

    DEUTZ AG: Meilensteine, Einträge 1864, 1876 und 1877.

    Die Chronik schildert die Entwicklung aus Unternehmenssicht. Sie dient der zeitlichen Einordnung und ist kein unabhängiger Beweis eines alleinigen Erfindungsanspruchs. Die erwähnte Indikatorkurve vom 9. Mai 1876 wurde hier nicht am Originalbild geprüft.

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  3. Historische Motoren im heutigen Museumszustand

    Beatrix Dargel: Altes in neuem Glanz, Kultur & Technik 1/2022, Deutsches Museum, S. 24–30.

    Der Restaurierungsbericht zeigt, dass Lackierung, Richtungspfeile, Schutzteile und Ergänzungen zum späteren Museumszustand gehören können. Der atmosphärische Otto-Langen-Motor und der Otto-A-Viertaktmotor von 1876/77 sind verschiedene Objekte.

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  4. Verdichtung und Arbeit im idealisierten Ottoprozess

    NASA Glenn Research Center: Engine Thermodynamic Analysis, Beginner’s Guide to Aeronautics.

    Die NASA erläutert ein heutiges ideales Gasmodell. Wärmeverluste, Reibung und endliche Brenndauer unterscheiden wirkliche Motoren davon. Die Darstellung ist keine historische Analyse des Motors von 1876 oder seines Indikatorversuchs.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Fassung vom 7. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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