Zum Lexikoninhalt

Insekten

Siebenpunkt-Marienkäfer

Coccinella septempunctata

Rote Flügeldecken, sieben schwarze Punkte und darunter ein erstaunlicher Faltapparat: Der Siebenpunkt jagt Blattläuse schon als Larve. Sein Lebenslauf führt durch eine Verwandlung, die sich auf einem einzigen Pflanzenstängel beobachten lässt.

Dieses Tier vergleichen ↗
Fotorealistisch KI-generierter Siebenpunkt-Marienkäfer auf einem grünen Brennnesselblatt: zwei rote gewölbte Flügeldecken mit insgesamt sieben schwarzen Flecken, schwarzer Halsschild mit hellen Vorderecken und zwei kurzen Fühlern.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Siebenpunkt-Marienkäfers auf einem Brennnesselblatt. Tier und Szene sind fiktiv; das Rückenbild ersetzt keine sichere Bestimmung ähnlich aussehender Arten.

Coccinella septempunctata Linnaeus, 1758, entsprechend ITIS TSN114347 und dem Artprofil des UK Beetle Recording, am 29.10.2026 geprüft und mit NCBI41139 abgeglichen. Coccinellidae ist die Familie, Coleoptera die Ordnung. Lebensstadien sind keine zusätzlichen Taxonomieränge. Seltene Farbvarianten und der ähnliche Ameisen-Siebenpunkt begrenzen die sichere Bestimmung allein anhand eines Rückenbilds.

Auf einen Blick

Körperlänge erwachsener Käfer
5–8 mmOrientierungsbereich aus dem Artprofil von UK Beetle Recording, ohne ausgewiesene Stichprobe oder einheitliche Messmethode. Das indische Fachprofil nennt 5,2–8,6 mm. Keine global nachgewiesenen Mindest- oder Höchstwerte; Larven und Puppen sind nicht mitgemessen.UK Beetle Recording · UK Ladybird Survey ICAR · National Bureau of Agricultural Insect Resources
Besonderheit
Faltbare Hinterflügel unter schützenden roten FlügeldeckenEine Originalstudie kombinierte eine transparente künstliche Teil-Flügeldecke mit Filmaufnahmen und Mikro-CT. Bauchbewegungen, Flügeldecken und elastische Adern wirken beim Verstauen zusammen. Eine zusätzliche hydraulische Funktion blieb ungeklärt.Kazuya Saito, Shuhei Nomura, Shuhei Yamamoto, Ryuma Niiyama und Yoji Okabe · PNAS 114 (2017), 5624–5628 The University of Tokyo · Institute of Industrial Science

Sieben Punkte zählen keine Lebensjahre

Drei schwarze Flecken liegen auf jeder roten Flügeldecke. Ein weiterer sitzt vorn gemeinsam über der Naht: So entsteht das typische Siebenpunkt-Muster. Der schwarze Halsschild trägt an den vorderen Seiten helle Flecken. Mit seinem gewölbten Körper wirkt der Käfer wie eine kleine Halbkugel auf Beinen.

Ein neuer Punkt kommt nicht mit jedem Geburtstag hinzu. Das Muster gehört zur Art und ist kein Alterszähler. Größe und Form der Flecken können variieren; selten weicht auch ihre Zahl ab.

Für eine sichere Bestimmung reicht selbst ein vertrautes Rückenmuster nicht immer aus. Der ähnliche Ameisen-Siebenpunkt, Coccinella magnifica, wird unter anderem anhand zusätzlicher Merkmale auf der Unterseite unterschieden. Der Siebenpunkt-Marienkäfer gehört zur Familie der Marienkäfer innerhalb der Ordnung Käfer. Beides sind unterschiedliche Stufen seiner Taxonomie.

UK Beetle Recording · UK Ladybird Survey Umweltbundesamt Integrated Taxonomic Information System (ITIS)

Auch die längliche Larve ist ein Blattlausjäger

Die Larve sieht dem runden Erwachsenen kaum ähnlich. Sie ist länglich, dunkel graublau bis schwärzlich und besitzt orangefarbene Zeichnungen sowie kleine borstentragende Erhebungen. Drei Beinpaare sitzen am vorderen Körperabschnitt. Wer auf einer Pflanze nur nach roten Käfern Ausschau hält, übersieht deshalb einen wichtigen Teil ihres Lebens.

Nach der Paarung befestigt das Weibchen längliche gelbe Eier in Gruppen an Pflanzenteilen, häufig nahe einer Blattlauskolonie. Die schlüpfenden Larven finden dort Beute. Sie wachsen über vier Larvenstadien; zwischen diesen Stadien häuten sie sich.

Vor der Verpuppung heftet sich die ausgewachsene Larve mit dem Hinterende an eine Unterlage. In der Puppe entsteht die erwachsene Gestalt. Zurück bleibt nach dem Schlupf eine leere Puppenhülle. Ei, Larve, Puppe und Käfer sind Lebensstadien derselben Art. Wie schnell die Entwicklung verläuft, hängt unter anderem von Temperatur und Nahrung ab.

Bernhard Klausnitzer · Beiträge zur Entomofaunistik 7 (2006), 203–207 Cornell University · Biological Control UK Beetle Recording · UK Ladybird Survey

Beute finden, bevor die Blattlauskolonie verschwindet

Larven und erwachsene Siebenpunkte fressen Blattläuse. Die jungen Larven bearbeiten kleine Beutetiere mit ihren Mundwerkzeugen; ältere Larven und Käfer können sie stärker zerkauen. Die grüne Pflanze ist dabei vor allem Jagdgrund.

Siebenpunkte besiedeln Wiesen, Feldränder, Gärten und Äcker. Auch Brennnesseln und andere hohe Kräuter bieten Lebensraum. Erwachsene können fliegend zwischen solchen Stellen wechseln. Bei der Suche helfen neben direkter Begegnung chemische Hinweise: Die Fachliteratur beschreibt Reaktionen auf Duftstoffe aus dem Zusammenhang von Pflanze und Blattlausbefall.

Blattläuse bleiben für Entwicklung und Fortpflanzung besonders wichtig. Pollen oder Nektar können ergänzende Nahrung liefern, ersetzen aber nicht ohne Weiteres geeignete Beute. Eine feste Tageszahl vertilgter Läuse würde die Unterschiede zwischen Larvenalter, Temperatur und Beutearten verdecken.

Bernhard Klausnitzer · Beiträge zur Entomofaunistik 7 (2006), 203–207 UK Beetle Recording · UK Ladybird Survey Ivo Hodek und J. P. Michaud · European Journal of Entomology 105 (2008), 1–12 Umweltbundesamt

Unter den roten Decken steckt ein faltbarer Flugapparat

Die roten Flügeldecken sind umgebildete Vorderflügel. Zum Fliegen entfaltet der Käfer darunter dünne Hinterflügel. Nach der Landung müssen sie wieder in den kleinen Raum unter den Decken passen.

Kazuya Saito und sein Forschungsteam machten diesen verborgenen Vorgang 2017 sichtbar. Bei Siebenpunkten aus Tokio ersetzten sie einen Teil der rechten Flügeldecke durch eine durchsichtige Nachbildung. Filmaufnahmen und Röntgen-Mikrocomputertomografie ergänzten einander.

Zuerst schließen sich die Flügeldecken, während die Hinterflügel noch nach hinten herausragen. Bewegungen des Hinterleibs ziehen sie nach innen; Kante und Unterseite der Decke helfen, die Falten zu führen. Im verstauten Zustand liegen die Hinterflügel unter anderem Z-förmig zusammen.

Tragende Flügeladern besitzen einen gewölbten Querschnitt, vergleichbar mit einem Bandmaß. Er verbindet Steifigkeit mit elastischer Verformbarkeit. Die Untersuchung erklärte damit wichtige Bauteile und Bewegungen. Ob zusätzlich ein hydraulischer Mechanismus beteiligt ist, blieb offen. Die transparente Versuchsdecke war ein Eingriff am Tier, kein natürlicher Körperteil.

Kazuya Saito, Shuhei Nomura, Shuhei Yamamoto, Ryuma Niiyama und Yoji Okabe · PNAS 114 (2017), 5624–5628 The University of Tokyo · Institute of Industrial Science

Auffällig gefärbt und chemisch geschützt

Rot und Schwarz können als Warnsignal wirken. Bei Bedrohung geben Siebenpunkte an den Beingelenken eine Abwehrflüssigkeit ab, das sogenannte Reflexblut. Darin ist das Alkaloid Coccinellin angereichert.

Eine chemische Untersuchung zeigte zugleich Unterschiede zwischen einzelnen Käfern: Die Menge der Flüssigkeit und ihr Wirkstoffgehalt waren nicht bei allen gleich. Gleiche Fleckenzahl bedeutet also keine identische chemische Ausstattung.

Der Schutz macht die Tiere nicht unangreifbar. Marienkäfer stehen selbst im Nahrungsnetz und haben Fressfeinde sowie Parasitoide. Ein warnend gefärbter Blattlausjäger bleibt zugleich mögliche Beute.

Graham J. Holloway, Peter W. de Jong, Paul M. Brakefield und Helene de Vos · Chemoecology 2 (1991), 7–14 Umweltbundesamt

Der Winter wird als erwachsener Käfer überstanden

In Mitteleuropa suchen erwachsene Siebenpunkte geschützte Winterplätze auf, beispielsweise in Laub, Grasbüscheln oder eingerollten trockenen Blättern. Dabei können mehrere Käfer zusammenkommen. Die Frühjahrsaktivität beginnt wieder, wenn die örtlichen Bedingungen es erlauben.

Oft dominiert ein Jahreszyklus mit einer neuen Generation. Das ist jedoch kein überall gleicher Kalender: Je nach Region, Jahr und Population können auch zusätzliche Generationen entstehen. Aus einem Käferfund im Herbst lässt sich deshalb kein genaues Alter ablesen.

Die Art ist in Europa, weiten Teilen Asiens und Nordafrika verbreitet. In Nordamerika wurde sie durch Menschen eingeführt und hat sich etabliert. Ihre heutige Anwesenheit dort bedeutet folglich nicht, dass sie auf beiden Kontinenten ursprünglich heimisch war.

UK Beetle Recording · UK Ladybird Survey Ivo Hodek und J. P. Michaud · European Journal of Entomology 105 (2008), 1–12 ICAR · National Bureau of Agricultural Insect Resources Cornell University · Biological Control

Nützlich im Garten, ohne Erfolgsgarantie

Siebenpunkte können dazu beitragen, Blattlausbestände zu begrenzen. Das macht sie für Gartenbau und Landwirtschaft interessant. Ihre Anwesenheit garantiert jedoch keine lausfreie Pflanze: Beute kann sich schneller vermehren, Räuber können abwandern und Wetter oder Lebensraum verändern das Verhältnis.

Zu ihrem Lebensraum gehören auch unauffällige Strukturen. Kräuterreiche Ränder bieten Jagdflächen, Laub und Pflanzenreste geschützte Plätze für die Ruhephase. Pestizide können die Käfer direkt treffen oder ihr Nahrungsangebot verändern.

Es lohnt sich deshalb, nicht nur den roten Erwachsenen wahrzunehmen. Auch die dunkle Larve und die fest sitzende Puppe gehören zu dem Tier, das später über ein Blatt läuft und seine großen Flugflügel unter den kleinen roten Decken verstaut.

Ivo Hodek und J. P. Michaud · European Journal of Entomology 105 (2008), 1–12 Umweltbundesamt UK Beetle Recording · UK Ladybird Survey Bernhard Klausnitzer · Beiträge zur Entomofaunistik 7 (2006), 203–207

Weitere Tiere

Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-29

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.