Zum Lexikoninhalt

Sechsstrahlige Blumentiere

Riffbildende Kaltwasserkoralle

Desmophyllum pertusum

Auch in kaltem dunklem Wasser können Korallen Riffe aufbauen. Desmophyllum pertusum fängt Nahrung aus der Strömung und bildet verzweigte Kalkgerüste. Lebende Polypen und zurückbleibende Skelette schaffen gemeinsam Lebensraum für viele andere Tiere.

Dieses Tier vergleichen ↗
Verzweigte weißliche Kaltwasserkoralle mit festen Kalkbechern und durchscheinenden geöffneten Polypen vor dunklem Wasser, von einer künstlichen Beobachtungsleuchte beleuchtet.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Kolonieausschnitts von Desmophyllum pertusum in einer erfundenen Tiefseeszene mit künstlicher Beleuchtung. Keine dokumentarische Aufnahme und keine Bestandskartierung; die Größe ist nicht vermessen.

Desmophyllum pertusum (Linnaeus, 1758), akzeptierter Name nach World List of Scleractinia / WoRMS. Lophelia pertusa ist als wichtiger älterer Suchname hinterlegt. Das Porträt erläutert vor allem die gut dokumentierten atlantischen Vorkommen; weit gefasste ältere Weltverbreitungsangaben werden nicht als Nachweis einer überall gleichen genetischen Linie behandelt. Aktuelle Klasse Hexacorallia; ältere Quellen verwenden teilweise den übergeordneten Namen Anthozoa.

Auf einen Blick

Größe
Einzelne Kalkbecher bis etwa 12 mm DurchmesserMarLIN-Angabe für das Skelett eines einzelnen Polypen. Keine Länge einer Kolonie oder eines ganzen Riffs und keine Spannweite ausgestreckter Tentakel; diese unterschiedlichen Ebenen lassen sich nicht als einheitliche Körpergröße vergleichen.Marine Biological Association · MarLIN / Peckett und Garrard
Besonderheit
Riffbildung ohne lichtabhängige AlgenpartnerWeiße Färbung allein belegt bei dieser Art keine Korallenbleiche. Ob ein bestimmter Polyp lebt, wird nicht allein aus der Farbe eines Skeletts oder einer KI-Darstellung abgeleitet.NOAA Ocean Exploration

Weiße Polypen brauchen keine Tropensonne

Desmophyllum pertusum kann als weiße, buschig verzweigte Steinkoralle erscheinen. Zwischen den festen Kalkbechern strecken weiche, durchscheinende Polypen ihre Tentakel aus. Auch rosa oder gelbliche Farbtöne sind beschrieben. Weiß bedeutet bei dieser Art deshalb nicht automatisch, dass eine Koralle gebleicht oder abgestorben ist.

Anders als viele tropische Flachwasserkorallen ist sie nicht auf fotosynthetische Algenpartner angewiesen. Sie kann in kaltem, dunklem Wasser wachsen. Die lebenden Polypen sind Tiere; die verzweigte Kalkstruktur ist das von ihnen aufgebaute Skelett.

NOAA Ocean Exploration Marine Biological Association · MarLIN / Peckett und Garrard

Strömung liefert Nahrung an die Tentakel

Die Polypen fangen kleine Organismen und andere verwertbare Nahrungspartikel aus dem Wasser. Zu den beschriebenen Beutetieren gehören kleine Krebstiere des Zooplanktons. Organische Partikel können das Nahrungsangebot ergänzen.

Die Koralle muss ihre Nahrung also nicht durch Lichtgewinnung herstellen. Sie profitiert davon, wenn Wasser geeignete Teilchen an ihren Tentakeln vorbeiführt. Norwegische Untersuchungen beschreiben Kolonien an Felswänden, Hängen und Schwellen mit kräftiger Bodenströmung und geringer Ablagerung von Sediment. Das macht aus einem kalten Standort noch keinen beliebig austauschbaren Lebensraum: Nahrung, Untergrund und Wasserbewegung müssen zusammenpassen.

Marine Biological Association · MarLIN Havforskningsinstituttet · norwegisches Meeresforschungsinstitut NOAA Ocean Exploration

Ein Polyp, eine Kolonie und ein Riff sind verschiedene Größen

Ein einzelner Polyp sitzt in einem kleinen Kalkbecher. Solche Becher können nach der MarLIN-Beschreibung bis etwa zwölf Millimeter Durchmesser erreichen. Durch Knospung entstehen weitere Polypen und verzweigte Strukturen. Größere Ansammlungen können schließlich Teil eines ausgedehnten Riffs sein.

Dabei bleibt auch abgestorbenes Skelett bedeutsam. Es bildet Hohlräume, feste Oberflächen und Unterschlüpfe für andere Tiere. Die norwegischen Kartierungen unterscheiden ausdrücklich lebende Korallen, tote Skelette und Korallenschutt. Die Ausdehnung eines Riffs ist deshalb weder die Körperlänge eines Polypen noch das Alter eines einzigen durchgehend lebenden Tieres.

Marine Biological Association · MarLIN / Peckett und Garrard Marine Biological Association · MarLIN Havforskningsinstituttet · norwegisches Meeresforschungsinstitut

Neben Knospung gibt es frei schwimmenden Nachwuchs

Beim Wachstum einer Kolonie können neue Polypen ungeschlechtlich entstehen. Die geschlechtliche Fortpflanzung führt dagegen über Ei- und Samenzellen zu Larven. Eine Untersuchung von 2014 verfolgte diese Entwicklung im Labor anhand norwegischer Korallen, damals noch unter dem Namen Lophelia pertusa.

Die Forschenden beobachteten bewimperte, aktiv schwimmende Planula-Larven. Später erkundeten manche den Boden. Wichtig ist die Grenze dieser Beobachtung: In der Studie kam es trotz angebotener Untergründe zu keiner dauerhaften Ansiedlung. Schwimmen, Bodenkontakt und die erfolgreiche Entstehung einer neuen Kolonie sind verschiedene Schritte. Aus der möglichen Verbreitung durch Larven folgt daher keine garantierte schnelle Wiederbesiedlung beschädigter Riffe.

Larsson, Järnegren, Strömberg, Dahl, Lundälv und Brooke · PLOS ONE Marine Biological Association · MarLIN

Der Riffkörper ist ein Lebensraum für viele Arten

Die Verzweigungen tragen und umgeben Schwämme, Würmer, kleine Krebstiere und andere Bewohner. Lebende und tote Korallenanteile schaffen gemeinsam räumliche Vielfalt. Wer nur auf die Farbe einer einzelnen Spitze blickt, übersieht einen großen Teil dieses Lebensraums.

Wird das Gerüst zerbrochen oder stark mit Sediment bedeckt, verändert sich mehr als die Oberfläche der Koralle. Auch die verfügbaren Zwischenräume und die Bedingungen für ihre Bewohner ändern sich. Für solche Riffe sind deshalb sowohl die lebenden Polypen als auch die erhaltene Struktur wichtig.

Marine Biological Association · MarLIN Havforskningsinstituttet · norwegisches Meeresforschungsinstitut

Weitere Tiere

Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-30

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.