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Nesseltiere

Pferdeaktinie

Actinia equina

Diese Seeanemone kann sich beim Trockenfallen schließen und unter Wasser ihre Tentakel entfalten. Sie fängt tierische Nahrung und beherbergt mitunter Jungtiere im Körperinneren – darunter nach genetischen Befunden auch fremden Nachwuchs.

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KI-Darstellung einer roten Pferdeaktinie mit geöffnetem Tentakelkranz und kleinen blauen Randknötchen auf einem Felsen unter Wasser.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung einer Pferdeaktinie.

WoRMS führt Hexacorallia als Klasse und Anthozoa als zusätzlichen Unterstamm. Actinia mediterranea wird getrennt behandelt; die hier erschlossenen europäischen Atlantiknachweise sind nicht pauschal auf jede rote Mittelmeeranemone übertragbar.

Auf einen Blick

Größe
Fußscheibe bis etwa 5 cm DurchmesserBasisdurchmesser nach MarLIN; weder Tentakellänge noch Durchmesser der vollständig geöffneten Tentakelkrone.Marine Biological Association · MarLIN · Olwen Ager
Gewicht
nicht belegtFür diesen Steckbrief ist kein verlässlich nach Messzustand zuordenbarer Gewichtsbereich belegt.Marine Biological Association · MarLIN · Olwen Ager
Besonderheit
Kann auch fremde Jungtiere im Körperinneren beherbergenGenetischer Befund an untersuchten Tieren aus Cornwall; nicht für jede Anemone oder jede Brut behauptet.Ethology · Lane, Briffa, Wilson, Truebano und Foster

Zwischen geöffneter Krone und roter Kugel

Unter Wasser streckt eine Pferdeaktinie ihre Tentakel aus. Fällt ihr Felsen bei Ebbe trocken, kann sie die Tentakel einziehen und den Körper zu einer kompakten Form schließen. Schleim hilft, Wasser zurückzuhalten. In einem verbleibenden Gezeitentümpel kann ein Tier dagegen weiter geöffnet sein.

Die breite Fußscheibe haftet am harten Untergrund. Ihr festsitzendes Erscheinungsbild gehört damit zu einem Tier, das auf die wechselnden Bedingungen der Gezeitenzone reagiert.

DORIS · FFESSM · Didierlaurent, Le Bris, Allard und Lamare Marine Biological Association · MarLIN · Olwen Ager

Tentakel bringen Nahrung zum Mund

Die Pferdeaktinie nimmt tierische Nahrung auf. Kleine Krebstiere und andere erreichbare Tiere können mit den Tentakeln erfasst werden. Darin sitzen Nesselzellen mit spezialisierten Kapseln, deren Entladung beim Beutefang hilft. Die Tentakel führen die Nahrung zur zentralen Mundöffnung.

Nach der Verdauung werden unverwertbare Reste durch dieselbe Öffnung abgegeben. Der Körper ist also anders organisiert als der eines Tiers mit getrenntem Mund und After. Die radial angeordneten Tentakel erschließen den Raum um den Polypen, während die Fußscheibe Kontakt zum Felsen hält.

DORIS · FFESSM · Didierlaurent, Le Bris, Allard und Lamare

Blaue Randknötchen als besondere Werkzeuge

Viele Pferdeaktinien tragen am oberen Rand der Körpersäule leuchtend blaue Knötchen. Diese sogenannten Acrorhagen fallen besonders auf, wenn sie zwischen Säule und Tentakeln sichtbar werden. Ihre Farbe ist kein Schmuck: Die Strukturen enthalten Nesselkapseln und können bei Begegnungen mit Nachbarn eingesetzt werden.

Berühren sich benachbarte Anemonen, können Auseinandersetzungen um den Platz entstehen. Ein betroffenes Tier kann sich zurückziehen, wegkriechen oder vom Untergrund lösen. Das scheinbar starre Nebeneinander auf einem Felsen kann daher von Bewegungen und Konkurrenz geprägt sein. Neben roten kommen auch braune, grüne und orangefarbene Tiere vor.

Marine Biological Association · MarLIN · Olwen Ager

Mehrere Wege zum Nachwuchs

Die Fortpflanzung von Actinia equina ist vielfältig. Eine 1989 veröffentlichte Untersuchung britischer Tiere beschrieb jährliche Zyklen der Keimdrüsen. Im Labor gaben Männchen Spermien ab, während Weibchen Jungtiere in ihrem Inneren beherbergten und später freisetzten.

Auch lange einzeln gehaltene Männchen und Tiere ohne erkennbare geschlechtliche Aktivität setzten vereinzelt Junge frei. Das deutete auf ungeschlechtliche Vermehrung hin. Die Forschenden fanden außerdem regionale Unterschiede zwischen Beständen. Eine einzelne freigesetzte Junganemone verrät deshalb noch nicht, durch welchen Fortpflanzungsweg sie entstanden ist. Um diese Frage zu klären, helfen genetische Untersuchungen.

Biological Journal of the Linnean Society · Carter und Miles

Auch fremde Junge können im Brutraum leben

Eine 2020 veröffentlichte Studie untersuchte rote und braune Pferdeaktinien aus Cornwall. Die erwachsenen Tiere wurden getrennt gehalten und ihre freigesetzten Jungtiere genetisch untersucht. Dazu dienten veränderliche DNA-Abschnitte, sogenannte Mikrosatelliten.

Viele Junge stimmten an den untersuchten Markern mit dem beherbergenden Tier überein. Das passt zu klonaler, ungeschlechtlicher Vermehrung. Andere unterschieden sich jedoch stärker, als für dessen eigenen geschlechtlich erzeugten Nachwuchs zu erwarten wäre. Einige Bruten enthielten eine Mischung verschiedener Herkunft.

Die Daten sprechen dafür, dass Pferdeaktinien auch fremde Jungtiere in ihrer Körperhöhle dulden können. Damit ist nicht jeder Bewohner eines Brutraums automatisch ein leiblicher Nachkomme. Wie die verschiedenen Jungen dorthin gelangen und welche Bedingungen ihre Aufnahme beeinflussen, bleibt durch diese genetische Untersuchung allein nicht vollständig erklärt.

Ethology · Lane, Briffa, Wilson, Truebano und Foster

Eine atlantische Art unter den Blumentieren

Actinia equina ist ein Nesseltier der Klasse Hexacorallia. Die vereinfachte Rangfolge lässt den zusätzlichen Unterstamm Anthozoa aus. Eine Seeanemone bleibt im Polypenbau; ein Quallenstadium gehört nicht zu ihrem Lebenszyklus.

Das hier beschriebene Porträt meint die atlantische Pferdeaktinie, die unter anderem an europäischen Atlantik-, Ärmelkanal- und Nordseeküsten lebt. Ähnlich aussehende rote Anemonen des Mittelmeers werden heute teilweise als Actinia mediterranea getrennt geführt. Farbe allein genügt daher nicht, jede rote Seeanemone sicher dieser Art zuzuordnen. Alte Namen und weite Verbreitungsangaben müssen mit dieser Artabgrenzung abgeglichen werden.

WoRMS · World Register of Marine Species DORIS · FFESSM · Didierlaurent, Le Bris, Allard und Lamare DORIS · FFESSM · Le Bris, Allard und Lamare

Weitere Tiere

Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-28

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.