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Echte Knochenfische

Atlantischer Hering

Clupea harengus

Silbrige Schwärme durchziehen das Meer, ihre Eier bleiben am Grund haften. Beim Atlantischen Hering entscheiden Laichplatz, Jahreszeit und passendes Futter darüber, wie der nächste Jahrgang heranwächst.

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Fotorealistisch generierter Atlantischer Hering mit silbrigen Flanken, einer Rückenflosse und gegabelter Schwanzflosse vor weiteren Heringen im blaugrünen Wasser.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Atlantischen Herings vor einem erfundenen Schwarmhintergrund. Keine dokumentarische Aufnahme und kein Nachweis eines bestimmten Bestands, Alters oder Laichzeitpunkts.

Clupea harengus Linnaeus, 1758. Teleostei wird entsprechend dem bestehenden Lexikon und der hier verwendeten ITIS-/FishBase-Einordnung als Klasse geführt; andere Systeme vergeben Zwischenränge anders. Ostseeheringe gehören zu dieser Art. Pazifischer Hering (Clupea pallasii) und Sardine (Sardina pilchardus) sind keine Synonyme.

Auf einen Blick

Größe
Bis etwa 45 cm StandardlängeOberwert der FishBase-Artliste; Standardlänge endet an der Basis der Schwanzflosse und schließt deren Flossenfläche aus. Keine Gesamtlänge und kein typischer Mittelwert. Der FAO-Katalog von 1985 nennt bis 40 cm Standardlänge, gewöhnlich 20–25 cm; die Übersichten sind keine gemeinsame Alters- oder Populationsstichprobe.FishBase Peter J. P. Whitehead · FAO Fisheries Synopsis125, Band7/1 (1985)
Gewicht
Bis etwa 1,1 kg als Übersichts-OberwertThünen-Artübersicht mit FishBase-Verweis. Kein typisches Gewicht jedes erwachsenen Herings und kein zur genannten Standardlänge gehörender gemessener Einzelfisch; Population, Alter und Jahreszeit unterscheiden sich.Thünen-Institut · Fischbestände online
Besonderheit
Unterschiedliche Laichzeiten innerhalb derselben ArtFrühjahrs-, Herbst- und weitere Laichgruppen unterscheiden sich. Genomvergleiche zeigen Zusammenhänge mit mehreren Erbgutregionen, keine alleinige Steuerung durch ein einzelnes Gen.Thünen-Institut für Seefischerei Alvaro Martinez Barrio und Mitautorinnen und Mitautoren · eLife5:e12081 (2016)

Ein Silberfisch mit feinen Unterschieden

Ein Heringsschwarm kann im Licht wie eine bewegte Metallfläche wirken. Beim einzelnen Fisch fällt der silbrige Körper mit dem dunkleren, blaugrünen Rücken auf. Die Flanken tragen keine Reihe schwarzer Punkte. Eine einzelne Rückenflosse, eine tief gegabelte Schwanzflosse und das leicht nach oben gerichtete Maul gehören zu seinem Erscheinungsbild.

Junge Heringe und Sprotten sehen sich ähnlich. Ein nützlicher Unterschied liegt an den Flossen: Beim Hering setzen die Bauchflossen hinter dem Beginn der Rückenflosse an. Farbe allein reicht zum sicheren Bestimmen nicht aus.

Der wissenschaftliche Name lautet Clupea harengus. Auch die Heringe der Ostsee gehören zu dieser Art; der Pazifische Hering, Clupea pallasii, ist dagegen eine eigene Art.

Thünen-Institut · Fischbestände online Peter J. P. Whitehead · FAO Fisheries Synopsis125, Band7/1 (1985) World Register of Marine Species

Ein Schwarm bleibt nicht am selben Ort

Atlantische Heringe leben auf beiden Seiten des Nordatlantiks. Küsten und die flacheren Meeresbereiche über den Kontinentalrändern sind wichtige Lebensräume. Nord- und Ostsee gehören dazu. Wo Nahrung aufgenommen, überwintert oder gelaicht wird, kann weit auseinanderliegen.

Für die Frühjahrslaicher der westlichen Ostsee beschreibt die Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern einen solchen Jahreslauf: Nahrung finden sie unter anderem in Kattegat, Skagerrak und östlicher Nordsee; zum Laichen ziehen sie in geschütztere Küstengewässer der westlichen Ostsee. Der Greifswalder Bodden ist dabei besonders wichtig.

Auch die Tiefe kann sich im Tagesverlauf ändern. In vielen Gebieten stehen die Schwärme tagsüber dichter am Grund und wandern abends aufwärts. Dieses Muster gilt nicht als starre Vorschrift für jeden Heringsschwarm.

NOAA Fisheries Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern Thünen-Institut · Fischbestände online

Kleine Beute, große Bedeutung im Nahrungsnetz

Heringe fressen vor allem kleine Tiere des Planktons. Dazu gehören Ruderfußkrebse; auch Krill und Fischlarven stehen auf dem Speiseplan. Plankton bezeichnet hier also keine einzelne Tierart, sondern eine Lebensweise im Wasser.

Die Fische können Kleinkrebse mit den Augen erfassen und einzeln aufnehmen. Bei dichtem Nahrungsangebot können sie zum Filtrieren wechseln. Ein Hering ist deshalb weder ausschließlich ein einzeln zuschnappender Jäger noch ein Fisch, der immer nur Wasser durchsiebt.

Zugleich werden Heringe selbst gefressen. In der nordwestatlantischen Übersicht nennt NOAA unter anderem größere Fische, Meeressäuger und Seevögel als Fressfeinde. Selbst die am Grund abgelegten Eier dienen anderen Fischen als Nahrung. Heringsnachwuchs wächst damit mitten in einem Nahrungsnetz heran, in dem er Nahrung sucht und gleichzeitig Beute ist.

NOAA Fisheries Thünen-Institut · Fischbestände online Peter J. P. Whitehead · FAO Fisheries Synopsis125, Band7/1 (1985)

Der Schwarm schwimmt frei, die Eier bleiben haften

Zum Laichen werden die Heringe vom frei schwimmenden Leben abhängig von geeigneten Flächen am Grund. Ihre Eier haften am Untergrund. Je nach Laichpopulation können Kies und andere feste Bodenflächen oder Wasserpflanzen dafür wichtig sein. Es wäre deshalb irreführend, einen einzigen Laichplatztyp für die gesamte Art anzugeben.

Aus den Eiern schlüpfen Larven, deren weitere Entwicklung von den Bedingungen im Wasser abhängt. NOAA nennt für seine nordwestatlantische Übersicht etwa sieben bis zehn Tage bis zum Schlupf und weist auf den Temperatureinfluss hin. Das ist keine weltweit feste Entwicklungsdauer.

Für den Nachwuchs reicht ein erfolgreicher Schlupf allein nicht aus. In der westlichen Ostsee werden unter anderem der Verlust von Unterwasservegetation und zeitliche Verschiebungen zwischen Larvenentwicklung und verfügbarem Futter als Probleme untersucht. Entscheidend ist somit auch, was die jungen Fische nach dem Schlupf vorfinden.

Peter J. P. Whitehead · FAO Fisheries Synopsis125, Band7/1 (1985) NOAA Fisheries Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern

Nicht alle Heringe folgen demselben Kalender

Frühjahrshering und Herbsthering sind keine Bezeichnungen für zwei eigenständige Tierarten. Sie beschreiben unterschiedliche Laichzeiten und Populationen. Auch Winterlaicher kommen vor: Die sogenannten Downsheringe laichen im Dezember und Januar im Ärmelkanal. In nördlicheren Nordseegebieten beginnt das Laichen schon im September.

Dass dabei auch erbliche Unterschiede eine Rolle spielen, zeigte eine Genomstudie von 2016. Das Team verglich DNA aus 20 Heringsproben mit jeweils 47 bis 100 Fischen; eine Probe stammte ausdrücklich vom Pazifischen Hering. Für den Vergleich der Jahreszeiten wurden Frühjahrs- und Herbstlaicher gesondert gegenübergestellt. Zusätzlich prüfte das Team genetische Marker an einzelnen Fischen.

Bestimmte Erbgutregionen unterschieden sich deutlich zwischen den Laichgruppen. Das spricht für eine genetische Beteiligung am Fortpflanzungszeitpunkt. Die Studie belegt damit jedoch weder einen einzigen Laichzeit-Schalter noch, dass Umweltbedingungen unwichtig wären. Äußerlich ähnliche Fische können sich biologisch deutlich unterscheiden.

Thünen-Institut für Seefischerei Alvaro Martinez Barrio und Mitautorinnen und Mitautoren · eLife5:e12081 (2016)

Warum Forschende die winzigen Larven zählen

Wer den Zustand einer Heringspopulation verstehen will, muss ihre frühen Lebensphasen kennen. Beim internationalen Heringslarvensurvey in der Nordsee werden an festgelegten Stationen Netze durch die Wassersäule gezogen. Die Larven werden nach Arten sortiert, vermessen und gezählt. Ihre Häufigkeit und Verteilung helfen, die Größe des beteiligten Laicherbestands einzuschätzen. Das Verfahren ist eine wissenschaftliche Schätzung und keine vollständige Zählung aller erwachsenen Heringe.

Auch in der Ostsee werden Frühjahrs- und Herbstnachwuchs getrennt untersucht. Eine im Oktober 2026 angekündigte Forschungsfahrt im Greifswalder Bodden und Strelasund ergänzt die langjährige Frühjahrsreihe um Herbstlaicher.

Für ein Artenporträt folgt daraus eine wichtige Unterscheidung: Die weite Verbreitung des Atlantischen Herings sagt noch nicht, wie gut es einer bestimmten Population geht. Dafür müssen Ort, Laichzeit und Entwicklung des Nachwuchses zusammen betrachtet werden.

Thünen-Institut für Seefischerei Thünen-Institut · 28. Oktober2026 Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-29

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.