Echte Knochenfische
Europäischer Wels
Silurus glanis
Ein breiter Kopf, sechs Barteln und eine lange Afterflosse kennzeichnen den Europäischen Wels. Sein Leben verbindet nächtliche Orientierung, einen wandelbaren Speiseplan und die überraschende Fürsorge eines nestbewachenden Männchens.
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Silurus glanis Linnaeus, 1758 als gültige Art nach Eschmeyer’s Catalog of Fishes; Gattung Silurus, Familie Siluridae und Ordnung Siluriformes. Teleostei wird im vereinfachten Rangmodell dieses Lexikons als Klasse geführt, entsprechend dem verwendeten FishBase-Einstieg; weitere Zwischenränge sind hier nicht dargestellt. „Wels“ und „Waller“ bezeichnen hier diese Art, nicht sämtliche Welsartigen. Natürliches Areal und eingeführte Vorkommen sind zu unterscheiden.
Auf einen Blick
- Dokumentierter großer Einzelfisch
- Einzelbeleg von 2015: 2,73 m GesamtlängeRhône-Fang vom Oktober 2015, beschrieben von Boulêtreau und Santoul 2016. Gesamtlänge einschließlich Schwanzflosse; sehr großes Einzeltier, kein Artmittelwert und keine hier festgelegte aktuelle Rekordgrenze.Boulêtreau und Santoul · Ecosphere 7:e01606
- Masse desselben großen Einzelfisches
- 130 kg beim dokumentierten Einzelfang von 2015Derselbe 2,73-m-Fisch aus der Rhône in der Auswertung von 2016. Kein Normalgewicht, kein Geschlechtsmittelwert und keine vollständige Massenspanne; nicht direkt mit typischen Profilspannen anderer Arten gleichzusetzen.Boulêtreau und Santoul · Ecosphere 7:e01606
- Besonderheit
- Beutespuren im Wasser lassen sich auch im Dunkeln verfolgenLaborstudie 2001 mit vier jungen Welsen von 20–25 cm Länge und Guppys. Die Schwimmbahnen zeigen Spurverfolgung; der jeweilige Beitrag chemischer und strömungsbedingter Reize blieb in dieser Arbeit offen.Pohlmann, Grasso und Breithaupt · PNAS 98:7371–7374
Ein breiter Kopf und sechs Barteln
Ein Wels kann unter einer versunkenen Wurzel fast mit dem dunklen Untergrund verschmelzen. Zuerst fallen dann sein breiter, abgeflachter Kopf, das große Maul und die langen Barteln auf. Zwei besonders lange sitzen an den Maulwinkeln des Oberkiefers; vier kürzere befinden sich unten am Kopf.
Der vordere Körper ist kräftig, der hintere lang und seitlich zusammengedrückt. Auf dem Rücken sitzt eine auffallend kleine Flosse. Die Afterflosse bildet dagegen einen langen Saum an der Unterseite des hinteren Körpers. Eine zusätzliche Fettflosse fehlt. Diese Kombination hilft, Silurus glanis von anderen Welsarten zu unterscheiden.
Die Haut trägt keine Schuppen. Ihre grauen, braunen oder olivfarbenen Töne können unregelmäßig marmoriert sein. Im großen Maul sitzen zahlreiche kleine Zähne in bürstenartigen Feldern. Die Gestalt wirkt dadurch anders als bei einem Räuber mit wenigen großen Fangzähnen.
NÖ Landesfischereiverband Fischereiverband für das Land Vorarlberg Müritzeum · Haus der 1000 Seen FishBaseZwischen tiefen Ruheplätzen und flachen Ufern
Der Europäische Wels lebt vor allem in größeren Flüssen, Seen und ruhigen Nebengewässern. Kolke, Wurzelräume und unterspülte Ufer bieten Verstecke. Weicher oder sandiger Grund gehört häufig zu solchen Lebensräumen. Einzelne Vorkommen reichen auch in schwach salzige Küstengewässer.
Viele Nahrungssuchen finden in der Dämmerung und nachts statt. Ein Wels kann dabei sowohl am Boden als auch weiter oben in der Wassersäule unterwegs sein. Das Etikett „Bodenfisch“ beschreibt deshalb keinen unveränderlichen Aufenthaltsort zu jeder Tageszeit.
Besonders interessant ist der Wechsel im Jahreslauf: Zum Fortpflanzen werden flache, geschützte Uferbereiche wichtig, obwohl große Tiere auch tiefe Gewässerteile nutzen. Ein geeigneter Lebensraum braucht damit mehr als nur ein tiefes Loch und genügend Wasser darüber.
Müritzeum · Haus der 1000 Seen FishBase Fischereiverband für das Land VorarlbergBeutefische hinterlassen Spuren im Wasser
Ein schwimmender Fisch bewegt Wasser und hinterlässt darin auch chemische Spuren. Eine Laborstudie von 2001 untersuchte, ob Europäische Welse diesen zurückbleibenden Wegen folgen können. Vier junge, nur etwa 20 bis 25 Zentimeter lange Welse jagten Guppys in einem Aquarium ohne sichtbares Licht. Infrarotkameras machten die Bewegungen für die Forschenden sichtbar.
Die Auswertung zeigte wiederholt ähnliche, zeitlich versetzte Schwimmbahnen von Beute und Räuber. Die Welse schwammen also nicht immer direkt auf die augenblickliche Position des anderen Fisches zu. Manche folgten einer bereits mehrere Sekunden alten Spur durch das Wasser.
Das Experiment belegt eine erstaunliche Orientierungsmöglichkeit. Wie stark dabei chemische und wie stark strömungsbedingte Hinweise beitrugen, ließ diese Arbeit noch offen. Auch die im Becken gemessenen Entfernungen sind keine allgemeine Reichweitenangabe für einen großen Wels im Fluss. Kleine Versuchstiere und natürliche Gewässer mit wechselnder Strömung stellen unterschiedliche Situationen dar.
Pohlmann, Grasso und Breithaupt · PNAS 98:7371–7374Ein Speiseplan, der mit dem Tier wächst
Junge Welse nehmen verschiedene kleine Wirbellose und kleine Fische auf. Größere Tiere nutzen vor allem Fische und weitere erreichbare tierische Nahrung. Dazu können Krebse, Amphibien und gelegentlich Wasservögel oder kleine Säugetiere gehören. Das große Maul erweitert die Möglichkeiten, legt den Speiseplan aber nicht auf eine einzige Beutegruppe fest.
Welche Nahrung tatsächlich wichtig wird, hängt vom Gewässer, dem örtlichen Angebot und dem einzelnen Wels ab. Eine Liste möglicher Beutetiere sagt deshalb wenig darüber, wie häufig jede dieser Arten gefressen wird. Der Nachweis eines Vogels im Nahrungsspektrum macht aus sämtlichen Welsen noch keine spezialisierten Vogeljäger.
Diese Unterschiede lassen sich besonders gut beobachten, wenn Tiere in einem neuen Gewässer auf ungewohnte Nahrungsmöglichkeiten treffen.
FishBase Fischereiverband für das Land Vorarlberg Müritzeum · Haus der 1000 SeenDie Taubenjäger von Albi
Am Tarn im französischen Albi beobachteten Forschende im Sommer und Herbst 2011 eine ungewöhnliche Jagdweise. Welse näherten sich einer Kiesinsel, an der Tauben tranken und sich putzten. Bei einigen Angriffen schoben die Fische einen Teil ihres Körpers aus dem Wasser, packten einen Vogel und kehrten mit ihm zurück.
Die 2012 veröffentlichte Studie verband Filmbeobachtungen mit Gewebeanalysen von 14 Welsen. Bestimmte Kohlenstoff- und Stickstoffsignaturen halfen, mögliche längerfristige Nahrungsanteile abzuschätzen. Die Auswertungen deuteten auf erhebliche Unterschiede zwischen den Tieren hin; die berechneten Anteile hatten jedoch breite Unsicherheitsbereiche.
Die beobachteten Jäger wurden nicht einzeln über ihre gesamte Ernährungsgeschichte verfolgt. Auch die Ursache des Verhaltens war damit nicht bewiesen. Es handelte sich um eine örtliche Population in einem Fluss, in den Welse eingeführt worden waren. Die Beobachtung zeigt eine besondere Nutzung des Wasser-Land-Übergangs, keine Jagdanleitung sämtlicher Welse in Europa.
Cucherousset und Mitautoren · PLOS ONE 7:e50840Ein Männchen bewacht das Nest
Zur Fortpflanzung suchen Welse warme, ruhige und geschützte Uferstellen auf. Pflanzen und Wurzeln können dabei als Unterlage dienen. Das Männchen bereitet eine geeignete Stelle vor, etwa eine flache Vertiefung oder gereinigtes Pflanzenmaterial. Die abgelegten Eier haften an ihrem Untergrund.
Nach der Befruchtung übernimmt das Männchen die Bewachung des Geleges bis zum Schlupf. Das ist eine Form der Brutpflege, die leicht übersehen wird, wenn man den Wels nur als großen Einzeljäger beschreibt.
Mitteleuropäische Fachprofile verorten die Laichzeit im späten Frühjahr und Sommer. Die Wassertemperatur beeinflusst sowohl den Beginn als auch die Entwicklung der Eier. Ein im Kalender genanntes Laichfenster ist deshalb eine regionale Orientierung und kein überall identischer Termin.
Fischereiverband für das Land Vorarlberg Müritzeum · Haus der 1000 Seen FishBaseWie groß ein Wels wirklich ist
Welse können Körperlängen von mehr als zwei Metern erreichen. Die meisten Beobachtungen und Fänge betreffen jedoch keine Rekordtiere. Ein regionales Fachprofil aus Vorarlberg nennt beispielsweise eine Längenangabe von etwa 80 bis 180 Zentimetern. Ohne Angaben zu Stichprobe und Messweise lässt sich daraus kein genauer Artmittelwert berechnen.
Eine 2016 veröffentlichte Arbeit prüfte ältere Berichte über angeblich fünf Meter lange Welse mit mehr als 300 Kilogramm. Die Autoren fanden Widersprüche zwischen Längen- und Gewichtsangaben und Hinweise auf eine Verwechslung mit einem Stör.
Als gut dokumentierten großen Einzelfisch beschrieben sie einen Fang aus der Rhône vom Oktober 2015: 2,73 Meter Gesamtlänge und 130 Kilogramm. Dieser Beleg erklärt die Größenordnung eines sehr großen Tieres zu einem bestimmten Zeitpunkt. Er ist weder ein Normalmaß noch eine hier behauptete aktuelle Weltrekordgrenze.
Fischereiverband für das Land Vorarlberg Boulêtreau und Santoul · Ecosphere 7:e01606Heimisch und eingeführt sind verschiedene Geschichten
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Silurus glanis liegt in Teilen Europas und Asiens. Zugleich wurden Welse in zahlreiche weitere Gewässer ausgesetzt. Ein heutiger Fundort erzählt daher nicht automatisch, ob die Art dort schon lange heimisch ist oder erst durch Menschen hinkam.
Auch für die ökologische Einordnung ist dieser Unterschied wichtig. In Deutschland führt die Rote Liste von 2023 den Wels als ungefährdete Art mit heimischem beziehungsweise sehr altem Vorkommen. An anderen Orten werden Auswirkungen neu eingeführter Populationen untersucht.
Eine örtliche Veränderung der Fischgemeinschaft, eine besondere Jagdweise und eine Gefährdungseinstufung beantworten unterschiedliche Fragen. Sie sollten jeweils mit ihrem Gewässer, Zeitraum und Bezugsraum gelesen werden.
California Academy of Sciences · Eschmeyer’s Catalog of Fishes FishBase Rote-Liste-Zentrum · Freyhof und Mitautoren 2023 Cucherousset und Mitautoren · PLOS ONE 7:e50840Weitere Tiere

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EntdeckenQuellen und Bildnachweis
Stand: 2026-10-29
- Silurus glanis · Gültiger Artname und Familie · California Academy of Sciences · Eschmeyer’s Catalog of Fishes · abgerufen 2026-10-29
- Silurus glanis · Classification, distribution and biology · FishBase · abgerufen 2026-10-29
- Wels · Körperbau und Lebensweise · NÖ Landesfischereiverband · abgerufen 2026-10-29
- Wels · Kennzeichen, Lebensraum und Fortpflanzung · Fischereiverband für das Land Vorarlberg · abgerufen 2026-10-29
- Wels · Tierartenlexikon · Müritzeum · Haus der 1000 Seen · abgerufen 2026-10-29
- Tracking wakes: The nocturnal predatory strategy of piscivorous catfish · Pohlmann, Grasso und Breithaupt · PNAS 98:7371–7374 · abgerufen 2026-10-29
- “Freshwater Killer Whales”: Beaching Behavior of an Alien Fish to Hunt Land Birds · Cucherousset und Mitautoren · PLOS ONE 7:e50840 · abgerufen 2026-10-29
- The end of the mythical giant catfish · Boulêtreau und Santoul · Ecosphere 7:e01606 · abgerufen 2026-10-29
- Silurus glanis · Rote Liste der Süßwasserfische Deutschlands · Rote-Liste-Zentrum · Freyhof und Mitautoren 2023 · abgerufen 2026-10-29
Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.
