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Fische

Europäischer Aal

Anguilla anguilla

Der Europäische Aal verbindet Flüsse und Küsten mit der Sargassosee. Larvenfunde, Senderdaten und Orientierungsexperimente zeigen verschiedene Teile einer Wanderung, deren Fortpflanzungsdetails weiter Fragen offenlassen.

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KI-Darstellung eines olivbraunen Europäischen Aals mit heller Unterseite und kleiner Brustflosse über einem steinigen Flussgrund.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Europäischen Aals in der Gelbaalphase.

Gelbaal und Blankaal bezeichnen Lebensphasen derselben Art. Der Europäische Aal ist vom Amerikanischen Aal Anguilla rostrata zu unterscheiden.

Auf einen Blick

Größe
Veröffentlichte Maximallänge: etwa 133 cm bei WeibchenFishBase nennt 122 cm für Männchen beziehungsweise Tiere ohne Geschlechtsangabe. Gesamtlänge; Rekordangaben sind keine typischen Adultmaße.FishBase
Gewicht
Veröffentlichte Höchstmasse etwa 6,6 kgLiteraturmaximum nach FishBase, kein Durchschnitt und nicht an dieselbe Längenmessung gebunden.FishBase
Besonderheit
Wachstum in Binnen- und Küstengewässern, Fortpflanzungswanderung ins MeerKatadromer Lebenszyklus; nicht jeder Aal verbringt seine gesamte Wachstumsphase im Süßwasser.Swedish University of Agricultural Sciences · SLU Aqua European Commission · Oceans and fisheries

Der Weg führt aus dem Fluss hinaus

Ein Aal verschwindet zwischen Wurzeln am Gewässergrund. Sein Körper wirkt schlangenartig, doch Anguilla anguilla ist ein Fisch. Zum Leben dieser Art gehören nicht nur Flüsse und Seen, sondern auch Küstengewässer und eine lange Verbindung über den Atlantik.

Der Europäische Aal wandert zur Fortpflanzung ins Meer. Diese Richtung heißt katadrom: Die Wachstumsphase kann in Binnen- und Küstengewässern stattfinden, die Fortpflanzung wird der Sargassosee im westlichen Nordatlantik zugeordnet. Beim Atlantischen Lachs führt die Fortpflanzungswanderung umgekehrt aus dem Meer in Süßgewässer. Zwei wandernde Fische können damit sehr verschiedene Lebenszyklen haben.

Swedish University of Agricultural Sciences · SLU Aqua NOAA Fisheries European Commission · Oceans and fisheries

Ein Fisch mit langem Flossensaum

Der vordere Körperabschnitt ist annähernd rund, der hintere seitlich abgeflacht. Rücken-, Schwanz- und Afterflosse bilden einen zusammenhängenden Saum. Kleine Brustflossen sitzen hinter dem Kopf; Bauchflossen fehlen. Die winzigen Schuppen liegen tief in der Haut. Ein Aal ist deshalb kein schuppenloses Reptil mit Flossen, sondern ein besonders langgestreckter Knochenfisch.

Auch die Gestalt verändert sich im Lebenslauf. In der Wachstumsphase ist die Oberseite häufig olivbraun und die Unterseite gelblich. Vor der Meereswanderung entsteht die silbrigere Blankaalgestalt: Augen und Brustflossen werden größer, der Körper stellt sich auf eine andere Lebensphase ein. Gelbaal und Blankaal sind keine getrennten Arten.

Food and Agriculture Organization of the United Nations · DANAQ

Viele Jahre wachsen, dann nicht mehr fressen

Während der Wachstumsphase suchen Aale tierische Nahrung. Kleine Wirbellose und Fische gehören je nach Körpergröße und Angebot dazu. Verstecke am Grund, Wurzeln und andere Deckung können am Tag genutzt werden; die Nahrungssuche fällt häufig in die Dämmerung und Dunkelheit.

Der Beginn der Laichwanderung ist nicht durch ein starres Alter festgelegt. In schwedischen Untersuchungszusammenhängen können Weibchen sehr unterschiedliche Zeitspannen in den Wachstumsgebieten verbringen. Als Blankaale nehmen die Tiere während der Wanderung keine Nahrung mehr auf. Die zuvor aufgebauten Energiereserven müssen die Reise und weitere Reifung mittragen. Das ist ein anderer Zustand als ein gerade fressender Gelbaal am Flussgrund.

Autonome Provinz Bozen · Forstdienst Swedish University of Agricultural Sciences · SLU Aqua

Was die Sender im Atlantik tatsächlich belegten

Die kleinsten bekannten Larven hatten die Sargassosee schon lange als Fortpflanzungsgebiet nahegelegt. Eine 2022 veröffentlichte Studie ergänzte diesen indirekten Hinweis durch Wanderungsdaten erwachsener Tiere. Forschende statteten 26 weibliche Blankaale von den Azoren mit ablösbaren Satellitensendern aus.

Die Sender speicherten Umweltdaten und übermittelten nach dem Auftauchen ihre Position. Fünf Auftauchorte lagen innerhalb der weiter gefassten Sargassosee; einer lag im vermuteten Laichgebiet. Das belegte, dass erwachsene Europäische Aale dieses Gebiet erreichen können. Es war keine Filmaufnahme des Laichens und keine lückenlose Verfolgung eines Tieres vom europäischen Fluss bis zur Befruchtung.

Auch die verschiedenen Grenzen des Meeresgebiets und des engeren vermuteten Laichraums sind bedeutsam. „In der Sargassosee angekommen“ und „beim Laichen beobachtet“ beantworten unterschiedliche Fragen. Die Studie machte den Wanderungsweg konkreter, ohne sämtliche Fortpflanzungsdetails aufzulösen.

Wright et al. · Scientific Reports

Von der Blattlarve zum Glasaal

Die Larven besitzen zunächst eine flache, durchscheinende, blattartige Gestalt. Meeresströmungen tragen zur Verbindung mit den Küsten Europas und Nordafrikas bei. Später verwandeln sich die Tiere in schmale, noch weitgehend transparente Glasaale und anschließend in zunehmend pigmentierte Jungtiere.

Ein Teil wandert in Flüsse und Seen ein, andere Tiere nutzen küstennahe oder brackige Lebensräume. „Flussaal“ beschreibt daher nicht jede Lebensphase und nicht jeden individuellen Wachstumsort vollständig. Wie viel Zeit die einzelnen Übergänge beanspruchen, hängt von Bedingungen und Messansatz ab. Eine einzige feste Reisedauer würde diese Unterschiede verdecken.

Swedish University of Agricultural Sciences · SLU Aqua Autonome Provinz Bozen · Forstdienst

Eine Magnetkarte ist eine geprüfte Hypothese mit Grenzen

Wie finden junge Aale über so große Distanzen geeignete Richtungen? In einer Studie von 2017 wurden Jungtiere Magnetfeldern ausgesetzt, die verschiedenen Orten des Atlantiks entsprachen. Die Schwimmorientierung veränderte sich mit den simulierten Feldern. Anschließende Strömungsmodelle zeigten, dass entsprechende Richtungsentscheidungen den Transport in das Golfstromsystem begünstigen könnten.

Der Versuch spricht dafür, dass magnetische Ortsinformation bei der Navigation helfen kann. Er zeigt nicht, dass jede Larve einen unveränderlichen Kompasskurs schwimmt. Auch beweist er nicht, dass erwachsene Blankaale auf ihrer Rückreise ausschließlich denselben Mechanismus verwenden. Ein Orientierungsexperiment, eine Modellsimulation und ein im Meer aufgezeichneter Wanderungsweg liefern einander ergänzende Belege.

Naisbett-Jones et al. · Current Biology

Ein verbundenes Gewässersystem kann trotzdem versperrt sein

Wehre und andere Bauwerke können Zugänge zu Wachstumsräumen unterbrechen. Beim Abwandern kommen weitere Gefahren hinzu, etwa an Wasserkraftanlagen. Das bloße Vorhandensein von Wasser garantiert deshalb noch keinen sicheren Weg.

Die Zoological Society of London untersucht Hindernisse und installiert an ausgewählten Orten Aalaufstiegshilfen. Solche Einrichtungen sollen zuvor blockierte Lebensräume wieder zugänglich machen. Sie ersetzen nicht automatisch den Schutz bei der späteren Abwanderung. Die Qualität eines Aalgewässers muss entlang verschiedener Richtungen und Lebensphasen betrachtet werden, nicht nur am Standort eines einzelnen Fisches.

Zoological Society of London European Commission · Oceans and fisheries

Warum der Schutz den ganzen Lebenszyklus betrifft

Der Internationale Rat für Meeresforschung bewertete die Situation weiterhin als kritisch und empfahl für 2026 nach dem Vorsorgeansatz Nullfänge in sämtlichen Lebensräumen. Die Empfehlung schließt auch Glasaalfänge für Besatz und Aquakultur ein. Sie ist eine wissenschaftliche Beratung; konkrete Fangregeln werden durch zuständige Institutionen festgelegt.

Zur Bestandslage tragen mehrere Belastungen bei, darunter Fischerei, Hindernisse, Lebensraumverlust und weitere Umwelteinflüsse. Ein lokal beobachteter Aal beweist daher keine Erholung des Gesamtbestands. Ebenso löst eine einzelne Aufstiegshilfe nicht alle Probleme eines Tieres, dessen Lebenszyklus ein ganzes Meeresbecken und viele Gewässer miteinander verbindet.

International Council for the Exploration of the Sea European Commission · Oceans and fisheries

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-28

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.