Zum Lexikoninhalt
Zum Inhalt

Amphibien

Europäischer Laubfrosch

Hyla arborea

Ein kleiner Kletterer mit Haftscheiben, weithin hörbaren Rufen und Jungen, die zunächst im Wasser leben: Der Europäische Laubfrosch braucht über das Jahr ein zusammenhängendes Netz verschiedener Lebensräume.

Dieses Tier vergleichen ↗
Fotorealistisch generierter Europäischer Laubfrosch auf einem Brombeerblatt, mit grüner Oberseite, dunklem Seitenstreifen mit Hüftschlinge und verbreiterten Finger- und Zehenspitzen.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Europäischen Laubfrosches auf einem Blatt in einer erfundenen Heckenszene. Seitenstreifen und Haftscheiben sind sichtbar; keine dokumentarische Aufnahme. Geschlecht und tatsächlicher Fundort werden nicht behauptet.

Hyla arborea (Linnaeus, 1758), ursprünglich Rana arborea: Der Pfad folgt Amphibian Species of the World und ist mit regionalen Fachbeschreibungen abgeglichen. Der heutige Artumfang schließt den Iberischen Laubfrosch Hyla molleri und den Östlichen Laubfrosch Hyla orientalis als eigene Arten aus.

Auf einen Blick

Größe
Etwa 3–4,5 cm KörperlängeOrientierungsbereich für den Europäischen Laubfrosch im Schweizer karch-Merkblatt. Keine Beinspannweite oder weltweiten Extremwerte; andere regionale Artübersichten nennen bis etwa 5 cm.Murielle Mermod et al. · karch Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg
Körpermasse
Etwa 6 g als RichtwertUngefähre Artangabe der LUBW. Kein nach Geschlecht, Körperzustand oder Stichprobengröße aufgeschlüsselter Messbereich; nicht als unveränderliches Einzelgewicht zu verstehen.Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg
Besonderheit
Haftscheiben zum Klettern und laichende Tiere am WasserDer Ernährungsfilter beschreibt die jagenden erwachsenen Tiere. Kaulquappen können dagegen auch Algen und weitere Nahrung im Wasser aufnehmen.Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg · Waldnaturschutz-Informationssystem Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg Julian K. A. Langowski et al. · Frontiers in Zoology15 (2018),32

Klein, grün und zwischen Blättern leicht übersehen

Der Europäische Laubfrosch passt mit seinem kleinen Körper gut auf ein Blatt. Seine Oberseite ist meist glatt und grün, die Unterseite hell und feiner gekörnt. Ein dunkler Streifen zieht sich seitlich vom Kopf zum Ansatz des Hinterbeins. Dort läuft er gewöhnlich in eine nach oben gebogene „Hüftschlinge“ aus. Die verbreiterten Enden der Finger und Zehen gehören ebenfalls zu seinen auffälligen Merkmalen.

Grün ist allerdings keine unveränderliche Uniform: Auch graue oder bräunliche Tiere kommen vor. Und nicht jeder ähnlich aussehende Laubfrosch gehört zu dieser Art. Heute werden etwa der Iberische und der Östliche Laubfrosch als eigene Arten unterschieden. Ältere Karten mit dem Namen Hyla arborea können deshalb ein größeres Gebiet meinen als heutige Artübersichten.

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg · Waldnaturschutz-Informationssystem Murielle Mermod et al. · karch Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz American Museum of Natural History · Amphibian Species of the World

Haften mit weichen Ballen

Die runden Haftscheiben lassen den Frosch an Blättern, Zweigen und sogar glatten Flächen Halt finden. Beim Klettern braucht er dabei beides: Kräfte, die ihn an der Oberfläche halten, und Reibung, die das Abrutschen begrenzt.

Untersuchungen an verschiedenen Baumfröschen zeigen ein Zusammenspiel aus weichen, fein strukturierten Ballen und einem dünnen Flüssigkeitsfilm an der Kontaktfläche. Die Ballen können sich an den Untergrund anschmiegen. Flüssigkeit, enge Kontakte und Oberflächenstruktur beeinflussen gemeinsam die Haftung. Welche Kräfte wie viel beitragen, hängt auch von den Bedingungen ab und ist nicht in allen Einzelheiten geklärt.

Das Bild eines einfachen Saugnapfs erklärt diese Ausstattung daher nur unzureichend. Ebenso wenig handelt es sich um dauerhaft festklebende Finger: Der Frosch muss seine Kontakte beim Laufen immer wieder lösen und neu aufsetzen können.

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg · Waldnaturschutz-Informationssystem Julian K. A. Langowski et al. · Frontiers in Zoology15 (2018),32

Lautstarke Partnersuche am Gewässer

Zur Fortpflanzungszeit sammeln sich Männchen an geeigneten Gewässern. Besonders nach Sonnenuntergang können ihre wiederholten „äpp-äpp-äpp“-Rufe weithin zu hören sein. Unter dem Maul bläht sich dabei eine große Schallblase auf. Im Ruhezustand wirkt die Kehle eines Männchens häufig gelblich bis bräunlich und faltig; bei Weibchen ist sie heller.

Die Rufe helfen bei der Partnersuche. Ein lauter Chor bedeutet jedoch nicht automatisch, dass man alle Tiere eines Gewässers hört: Weibchen und nicht rufende Tiere bleiben in einer solchen Beobachtung weitgehend unberücksichtigt. Auch die Rufzeit ist kein überall gleich gültiger Kalendertermin. Region und Wetter beeinflussen, wann die Fortpflanzung beginnt und wie lange sie dauert.

BUND Naturschutz in Bayern Murielle Mermod et al. · karch Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg

Ein Jungfrosch braucht zunächst Wasser

Das Weibchen befestigt kleine Laichballen an Wasserpflanzen. Aus den Eiern schlüpfen Kaulquappen, die zunächst im Wasser bleiben. Die Larven weiden unter anderem Algen ab; auch tierische Nahrung kann zu ihrer Ernährung beitragen. Der erwachsene Frosch dagegen jagt vor allem kleine Tiere.

Während der Metamorphose entsteht aus der schwimmenden, geschwänzten Larve ein vierbeiniger Jungfrosch ohne bleibenden Schwanz. Das Schweizer Artenschutzmerkblatt nennt für die Entwicklung vom Ei bis zum Jungfrosch ungefähr zwei bis vier Monate. Das ist eine Orientierung für die dort beschriebenen Verhältnisse. Temperatur und Lebensbedingungen können den Ablauf verändern.

Zeitweilig wasserführende Tümpel können gute Laichplätze sein, etwa wenn dort wenige Fressfeinde leben. Sie müssen aber lange genug Wasser halten, damit die Entwicklung gelingt. Austrocknung außerhalb der Fortpflanzungszeit und ein zu frühes Trockenfallen haben deshalb sehr unterschiedliche Folgen.

Murielle Mermod et al. · karch Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg

Sommer im Gebüsch, Winter im Versteck

Außerhalb der Fortpflanzung ist der Laubfrosch häufig in Hochstauden, Hecken und Gebüschen unterwegs. Dort findet er Sonnenplätze, Deckung und Nahrung. Fliegen, Käfer und Spinnen gehören zu seiner Beute; die Zunge hilft beim Fang. Er kann tagsüber ebenso wie nachts aktiv sein.

Sein Lebensraum endet deshalb nicht am Ufer. Feuchte Wiesen, lichte Gehölzränder und reich gegliederte Säume ergänzen das Gewässer. Für den Winter braucht er geschützte Verstecke an Land, etwa in Erdhohlräumen, unter Wurzelstöcken oder in Laub- und Astansammlungen, wo er vor Frost geschützt ist.

Ein gut aussehender Teich allein erfüllt damit noch nicht alle Bedürfnisse. Der Frosch muss zwischen seinen Aufenthaltsorten wechseln können. Werden geeignete Gewässer und Landlebensräume voneinander getrennt, kann ein wichtiger Teil seines Jahreslebensraums fehlen.

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg · Waldnaturschutz-Informationssystem Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg Murielle Mermod et al. · karch Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz

Warum ein Netz aus Lebensräumen zählt

Wie die Landschaft zwischen Laichgewässern wirkt, untersuchte eine Schweizer Studie im Reusstal. Die Forschenden gewannen genetische Proben von 582 Laubfröschen aus 34 Fortpflanzungsgebieten und verglichen Unterschiede im Erbgut mit der Landschaft zwischen den Fundorten. Die genetischen Daten dienten als indirekter Hinweis auf den Austausch zwischen Populationen.

Die Zusammenhänge änderten sich mit dem betrachteten räumlichen Maßstab. Nahe beieinander liegende Laichgebiete, Hecken und andere Landschaftselemente waren nicht bei jeder Entfernung gleich bedeutsam. Auch ein größerer Fluss konnte mit einer stärkeren Trennung der Populationen zusammenhängen. Ein Gewässer ist für einen Frosch also nicht in jeder Form automatisch ein verbindender Lebensraum.

Diese Untersuchung zeichnete keine einzelnen Wanderwege mit Sendern auf und liefert keinen überall gültigen Mindestabstand für Teiche. Sie zeigt aber, warum man beim Schutz auf die ganze Landschaft schauen muss: Fortpflanzungsgewässer, Verstecke und erreichbare Nachbarpopulationen wirken zusammen. Entwässerung, fehlende Kleingewässer und die Zerschneidung dieser Verbindungen können die Lebensmöglichkeiten des Laubfrosches einschränken.

Sonia Angelone, Felix Kienast und Rolf Holderegger · Ecography34 (2011),714–722 Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg · Waldnaturschutz-Informationssystem

Weitere Tiere

Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-29

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.