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Amphibien

Bergmolch

Ichthyosaura alpestris

Im Teich trägt das Männchen Blau und Orange, an Land wird es unscheinbar. Der Bergmolch verbindet zwei Lebensräume – und manche Tiere werden sogar mit Außenkiemen geschlechtsreif.

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Fotorealistisch KI-generiertes Bergmolchmännchen in Wassertracht auf dem Boden eines flachen Gewässers: blaugrauer Rücken mit niedriger gebänderter Leiste, schwarz gefleckte helle Flanken und orange Bauchseite.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines erwachsenen Bergmolchmännchens in Wassertracht ohne Außenkiemen. Tier und Gewässer sind fiktiv.

Ichthyosaura alpestris (Laurenti, 1768), Familie Salamandridae und Ordnung Caudata, nach Amphibian Species of the World, geprüft am 29.10.2026. Gemeint ist die west- und mitteleuropäische Art einschließlich der nordspanischen Vorkommen. Ältere Literatur verwendet oft Triturus oder Mesotriton alpestris und kann auch heute getrennte Arten umfassen. Die Fortpflanzungsstudien aus dem französischen Lac de la Cabane fallen in das hier behandelte Gebiet. Wassertracht, Landtracht und Pädomorphose sind keine Taxonomieränge.

Auf einen Blick

Gesamtlänge einschließlich Schwanz
Männchen 7,5–8,5 cm; Weibchen 7–12 cmOrientierungsbereiche des DGHT-Steckbriefs für erwachsene Tiere; keine ausgewiesene Stichprobe, Perzentilspanne oder einheitliches Messprotokoll. Kein Kopf-Rumpf-Maß und keine für alle Populationen bestätigten Extremwerte. Ältere Beschreibungen können eine weiter gefasste Art meinen; die Werte dienen hier der Orientierung am mitteleuropäischen Bergmolch.DGHT · AG Feldherpetologie und Artenschutz
Mittlere Körpermasse einer untersuchten Population
Männchen 2,62 g; Weibchen 3,45 gMittelwerte metamorphosierter Erwachsener aus dem Lac de la Cabane in Frankreich, Herbst 1997: 12 Männchen und 23 Weibchen, Tabelle 3 bei Denoël und Mitwirkenden (2007). Keine individuellen Spannweiten oder allgemeinen Artgrenzen. Im Herbst 1998 lagen die entsprechenden Mittelwerte bei 1,89 g und 2,50 g (je 15 Tiere); Jahreszeit, Jahr, Population und Entwicklungsform begrenzen die Vergleichbarkeit.Mathieu Denoël, Jean-Paul Lena und Pierre Joly · Evolutionary Ecology
Besonderheit
Zwei Trachten und gelegentlich Geschlechtsreife mit AußenkiemenDer jahreszeitliche Trachtwechsel Erwachsener ist von der Metamorphose zu unterscheiden. Pädomorphose tritt in manchen Populationen auf; Kiemen und Körpergröße allein beweisen keine Geschlechtsreife. Auch pädomorphe Erwachsene können später metamorphosieren, wie Wiederfänge aus einem französischen See zeigen.info fauna · karch Mathieu Denoël · Current Zoology Mathieu Denoël, Jean-Paul Lena und Pierre Joly · Evolutionary Ecology

Ein Molch mit zwei Erscheinungsbildern

Im Wasser wirkt das Bergmolchmännchen erstaunlich farbenreich: Über dem orangefarbenen Bauch liegen hellblaue Flankenpartien und ein helles Band mit dunklen Flecken. Der Rücken schimmert blaugrau. Eine niedrige, hell-dunkel gebänderte Rückenleiste ergänzt die Wassertracht. Sie ist viel flacher als der hohe Kamm eines Kammmolchs.

Weibchen sind meist größer und unauffälliger gefärbt. Ihre Oberseite kann bräunlich, grünlich oder grau marmoriert sein; die auffällige männliche Rückenleiste fehlt. Der orange Bauch ist bei beiden Geschlechtern gewöhnlich ungefleckt, während an der Kehle durchaus kleine Flecken vorkommen können.

An Land werden die Farben matter, die Haut körniger und die männliche Rückenleiste bildet sich zurück. Der dunkle Molch zwischen feuchten Blättern und das blaue Tier im Teich können also derselben Art angehören. Dieser jahreszeitliche Trachtwechsel eines erwachsenen Tieres ist etwas anderes als die Verwandlung einer Larve zum Jungmolch.

DGHT · AG Feldherpetologie und Artenschutz info fauna · karch

Der Name führt nicht nur ins Gebirge

Bergmolche leben auch in tieferen Lagen. Kleine Waldweiher, Tümpel und wassergefüllte Vertiefungen können ihnen als Fortpflanzungsgewässer dienen. Ebenso werden geeignete Gartenteiche besiedelt. Wichtig sind erreichbare Verstecke und passende Wasser- und Landlebensräume im Verbund.

Der hier behandelte Bergmolch, Ichthyosaura alpestris, kommt in weiten Teilen West- und Mitteleuropas vor, darunter Deutschland, Frankreich und die Schweiz. Dazu gehören getrennte Vorkommen in Nordspanien. In Südengland wurden Tiere eingeführt.

Bei älteren Verbreitungsangaben ist Vorsicht nötig: Unter dem Namen Bergmolch wurden auch Populationen zusammengefasst, die heute anderen Arten zugeordnet werden, etwa der Apenninen-Bergmolch. Dieser Eintrag folgt der aktuellen Abgrenzung in Amphibian Species of the World. Eine neue Untersuchung von 2026 stützt mehrere genetisch getrennte Linien innerhalb der früher weit gefassten Gruppe.

American Museum of Natural History · Amphibian Species of the World Stephanie Koster und Mitwirkende · Molecular Ecology DGHT · AG Feldherpetologie und Artenschutz info fauna · karch

Kleine Beute im Wasser und zwischen Blättern

Im Gewässer suchen erwachsene Bergmolche unter anderem nach Insektenlarven und kleinen Krebsen. Auch die Eier und Larven anderer Amphibien können gefressen werden. Ein Teich mit Molchen ist deshalb kein räuberfreier Aufzuchtraum für Froschlaich.

An Land gehören etwa kleine Insekten, Spinnen, Asseln und Würmer zum Nahrungsspektrum. Die feuchte Laubschicht bietet gleichzeitig Deckung und Beute. Was ein einzelnes Tier erbeutet, hängt von Jahreszeit, Lebensraum und verfügbarem Angebot ab.

Bei der Partnersuche spielen neben sichtbaren Bewegungen auch chemische Signale eine Rolle. Besonders gut lässt sich das an der Balz erkennen: Das Männchen richtet mit seinem Schwanz einen Wasserstrom auf das Weibchen und fächelt ihm dabei Duftstoffe zu.

Ulrich Schulte und Andreas Nöllert · DGHT info fauna · karch

Die Befruchtung beginnt mit einem Samenpaket

Zur Fortpflanzung wechseln viele Bergmolche ins Wasser. Wann das geschieht und wie lange sie dort bleiben, hängt unter anderem von Witterung, Höhenlage und Gewässer ab. Für einen kühlen Bergsee gilt kein überall identischer Frühjahrskalender.

Bei der Balz stellt sich das Männchen vor das Weibchen, zeigt seinen Körper und bewegt den Schwanz. Folgt ihm die Partnerin, setzt es ein Samenpaket auf dem Gewässerboden ab: eine Spermatophore. Das Weibchen nimmt den spermienhaltigen Teil mit seiner Kloake auf. So können Eizellen im Körperinneren befruchtet werden.

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln ab. Häufig wird jedes Ei mit den Hinterbeinen in ein Blatt einer Unterwasserpflanze eingefaltet. Auch anderes geeignetes Material kann als Ablageplatz dienen. Es entsteht somit kein großer Laichballen wie beim Grasfrosch; die Eiablage verteilt sich über längere Zeit.

Ulrich Schulte und Andreas Nöllert · DGHT info fauna · karch Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Vom Ei zum Jungmolch – mit variablem Zeitplan

Aus den Eiern schlüpfen wasserlebende Larven mit äußeren Kiemen. Im Verlauf der Entwicklung werden zuerst die Vorderbeine und danach die Hinterbeine sichtbar. Das unterscheidet die typische Molchentwicklung vom vertrauten Bild einer Froschkaulquappe.

Bei der Metamorphose werden die Außenkiemen zurückgebildet; der Körper wird für das Landleben umgebaut. Der Schwanz bleibt erhalten. Die Jungmolche können das Gewässer zu unterschiedlichen Zeiten verlassen. Temperatur, Zeitpunkt der Eiablage und örtliche Bedingungen beeinflussen die Entwicklung. Manche Larven überwintern noch im Wasser.

Ein großer Molch mit Kiemen muss deshalb nicht bereits fortpflanzungsfähig sein. Verzögerte Entwicklung und Geschlechtsreife sind verschiedene Dinge – und beim Bergmolch gibt es tatsächlich noch eine weitere Möglichkeit.

info fauna · karch Mathieu Denoël · Current Zoology Ulrich Schulte und Andreas Nöllert · DGHT

Geschlechtsreif trotz Außenkiemen

In manchen Populationen erreichen Bergmolche die Geschlechtsreife, während sie Larvenmerkmale wie Außenkiemen behalten. Das nennt man Pädomorphose. Solche Tiere bleiben eng an das Wasser gebunden und können sich dort fortpflanzen. Sie sind keine neue Tierklasse und auch keine eigene Art allein aufgrund dieser Entwicklungsform.

Mathieu Denoël untersuchte unter anderem Tiere aus dem französischen Lac de la Cabane. Dabei konnten noch unreife, überwinterte Larven größer sein als bereits geschlechtsreife Tiere mit Kiemen. Körperlänge und Kiemen allein reichen daher nicht zur Unterscheidung. Für die wissenschaftliche Einordnung sind Merkmale der Geschlechtsreife entscheidend.

Auch später kann noch eine Metamorphose stattfinden. Denoël, Jean-Paul Lena und Pierre Joly markierten 1997 an diesem See 386 erwachsene Molche. In den folgenden drei Jahren wurden 94 mindestens einmal wiedergefangen. Zwölf anfangs kiementragende Erwachsene wurden später in metamorphosierter Form wiedergefunden. Das belegt einen möglichen Wechsel; es liefert keine für alle Bergmolche gültige Wechselquote. Der jährliche Wechsel der Wasser- und Landtracht ist damit weiterhin nicht gleichzusetzen.

Mathieu Denoël · Current Zoology Mathieu Denoël, Jean-Paul Lena und Pierre Joly · Evolutionary Ecology American Museum of Natural History · Amphibian Species of the World

Ein Teich allein reicht als Lebensraum nicht aus

Außerhalb der Wasserphase finden Bergmolche in feuchten Verstecken unter Laub, Totholz oder Steinen Deckung. Zwischen solchen Rückzugsräumen und den Fortpflanzungsgewässern müssen sie sich bewegen können. Straßen und andere Barrieren können diese Verbindung unterbrechen.

Werden Kleingewässer verfüllt, verschmutzt oder dauerhaft verändert, gehen Entwicklungsräume verloren. Eingesetzte Fische können Eier und Larven erbeuten. Auch eine ausgeräumte Umgebung ohne feuchte Verstecke schwächt den Lebensraum.

Für den Bergmolch zählt daher die Kombination: geeignete Gewässer, strukturreiche Landlebensräume und erreichbare Wege dazwischen. Seine leuchtende Wassertracht zeigt nur einen Ausschnitt aus diesem über das Jahr verteilten Leben.

DGHT · AG Feldherpetologie und Artenschutz info fauna · karch Ulrich Schulte und Andreas Nöllert · DGHT

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-29

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.