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Säugetiere

Eisbär

Ursus maritimus

Der Eisbär jagt vor allem Robben vom Meereis aus. Breite Pfoten, Fell und Energiereserven helfen ihm dabei. Wie gut er eisarme Phasen übersteht, hängt jedoch stark von Beute, Region und Lebenssituation ab.

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Fotorealistisch KI-generierter erwachsener Eisbär mit cremeweißem Fell und breiten Pfoten auf verschneitem Meereis.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Eisbären; Tier und arktische Meereisszene sind fiktiv.

Ursus maritimus nach Mammal Diversity Database; die Gattung Ursus gehört zur Familie Ursidae. Frühere Gattungsnamen wie Thalarctos werden nur als Namenssynonyme berücksichtigt. Das natürliche Areal ist die Arktis einschließlich angrenzender Küsten, nicht die Antarktis. Die Hauptnahrung ist tierisch; Pflanzen sind gelegentliche Ergänzungen. Regionale Studien werden nicht auf alle Eisbären übertragen.

Auf einen Blick

Kopf-Rumpf-Länge
Etwa 1,8–2,7 mKopf-Rumpf-Länge nach San Diego Zoo Wildlife Alliance, keine Schulterhöhe oder aufgerichtete Stehhöhe. Profilspanne, keine vollständige Grenze aller Alters- und Geschlechtsgruppen.San Diego Zoo Wildlife Alliance
Körpermasse
Erwachsene Männchen häufig 400–600 kg; Weibchen 150–250 kgOrientierung nach Polar Bear Specialist Group. Geschlecht, Jahreszeit und Fortpflanzungszustand beachten; trächtige Weibchen können vor dem Höhlenbezug deutlich schwerer sein. Keine Mittelwerte oder absoluten Artgrenzen.IUCN/SSC Polar Bear Specialist Group
Besonderheit
Meereis ist eine Jagdplattform für energiereiche RobbenbeuteNahrungssuche an Land kann diese Jagdmöglichkeit nicht überall und jederzeit ersetzen. Regionale Beute- und Eisverhältnisse sind entscheidend.U.S. Fish and Wildlife Service Pagano und Mitautoren · Nature Communications 15:947 Aars und Mitautoren · Scientific Reports 16:2182

Sein Zuhause liegt auf einem beweglichen Meer

Ein Eisbär steht auf einer Eisscholle, unter ihm liegt Meerwasser. Genau diese Verbindung ist entscheidend: Das Meereis dient ihm als Plattform für die Jagd auf Robben. Eine verschneite Fläche an Land bietet nicht automatisch dieselben Möglichkeiten.

Ursus maritimus gehört zur Familie der Bären und lebt rund um die Arktis. Kanada, Alaska, Grönland, der russische Norden und die norwegische Arktis gehören zu seinem Verbreitungsraum. In der Antarktis ist er nicht heimisch. Nord- und Südpol sind also auch aus Sicht ihrer Tierwelt keine austauschbaren Eislandschaften.

Manche Eisbären folgen dem zurückweichenden Eis über große Entfernungen. Andere nutzen einen kleineren Küstenraum und verbringen einen Teil der eisarmen Jahreszeit an Land. Schon diese Unterschiede zeigen, warum es keinen einheitlichen Jahresablauf für sämtliche Eisbären gibt.

American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database Norwegian Polar Institute U.S. Fish and Wildlife Service

Ein großer Körper mit kleinen Ohren und breiten Pfoten

Im Vergleich zu vielen anderen Bären fallen der lang gezogene Kopf und die kleinen, dicht behaarten Ohren auf. Das Fell kann weißlich, cremefarben oder gelblich wirken. Eine natürliche leichte Gelbfärbung macht einen Eisbären nicht zu einer anderen Art.

Lange Deckhaare und eine dichte Unterwolle isolieren gegen kalte Luft. Im Wasser ist außerdem die Fettschicht unter der Haut wichtig. Diese Reserven liefern zugleich Energie, wenn längere Zeit keine geeignete Nahrung erreichbar ist. Kälteschutz und Vorratshaltung greifen damit ineinander.

Die breiten Pfoten tragen den Körper auf Schnee und Eis. Kleine Strukturen an den Ballen und die kräftigen Krallen unterstützen den Halt. Beim Schwimmen dienen die Vorderpfoten als Paddel. Die gute Isolierung hat allerdings Grenzen in die andere Richtung: Anstrengung kann einen Eisbären auch überhitzen. Ein großer weißer Bär ist kein unbegrenzt belastbarer Kältespezialist.

Norwegian Polar Institute Norwegian Polar Institute · Jon Aars San Diego Zoo Wildlife Alliance

Robbenjagd braucht Geduld und Zugang zum Eis

Ringelrobben und Bartrobben gehören zu den wichtigsten Beutetieren. Eisbären können an Atemlöchern warten, sich an auf dem Eis ruhende Robben heranarbeiten oder deren unter Schnee verborgene Wurfhöhlen aufbrechen. Der Geruchssinn hilft beim Aufspüren.

Der Erfolg hängt nicht nur davon ab, wie viele Robben irgendwo im Meer leben. Der Bär muss sie auch erreichen können. Eisverteilung, Küstenform und Jahreszeit beeinflussen diese Gelegenheit. Die energiereiche Nahrung erlaubt den Aufbau von Reserven für ungünstigere Phasen.

Eisbären sind trotzdem keine ausschließlich auf ein einziges Beutetier festgelegten Jäger. Sie nutzen beispielsweise auch Walkadaver, regional weitere Tiere sowie gelegentlich Pflanzenkost. Ein seltener großer Kadaver kann viel Energie liefern; ein paar Beeren sind damit nicht gleichwertig. Mögliche Nahrung und dauerhaft ausreichende Ernährung sind verschiedene Fragen.

U.S. Fish and Wildlife Service IUCN/SSC Polar Bear Specialist Group Norwegian Polar Institute · Jon Aars

Was eine Landphase in Kanada kostet

Eine 2024 veröffentlichte Feldstudie begleitete 20 Eisbären während eisfreier Landphasen nahe Churchill in Manitoba. Die Untersuchungen fanden im Spätsommer der Jahre 2019, 2021 und 2022 statt. Pro Tier wurden ungefähr drei Wochen erfasst, keine durchgehenden vier Lebensjahre.

Forschende kombinierten Gewichts- und Energieumsatzmessungen mit Ortungs-, Bewegungs- und Kameradaten. Einige Bären bewegten sich wenig, andere suchten aktiv nach Nahrung oder schwammen längere Strecken. Trotz dieser unterschiedlichen Strategien verloren 19 der 20 Tiere Körpermasse.

Ein jüngeres Männchen nahm dagegen deutlich zu. Seine Kamera hatte vor dem Wiederfang aufgehört aufzuzeichnen. Die übrigen Daten deuteten auf eine große Nahrungsquelle, möglicherweise eine Robbe oder einen Walkadaver, hin; gefilmt wurde diese vermutete Mahlzeit nicht.

Die Studie zeigt für diese Tiere und diese Jahreszeit: Bewegliches Verhalten allein garantiert keine ausgeglichene Energiebilanz an Land. Berechnete Grenzen des möglichen Überlebens waren Modellschätzungen, keine Beobachtungen des Verhungerns aller untersuchten Tiere.

Pagano und Mitautoren · Nature Communications 15:947

Warum Svalbard ein anderes Bild zeigen kann

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung betrachtete die Körperkondition erwachsener Eisbären auf Svalbard. Dafür wurden 1.188 Fänge von 770 Individuen aus den Frühjahren 1995 bis 2019 ausgewertet. Manche Bären waren mehrfach erfasst worden.

Nach einem Rückgang bis ungefähr 2000 verbesserte sich die untersuchte Körperkondition wieder, obwohl Meereis verloren ging. Die Forschenden diskutieren regionale Beuteverhältnisse und andere Besonderheiten als mögliche Erklärungen. Das widerspricht einer pauschalen Vorstellung, nach der jeder Eisbär überall bereits denselben Verlauf zeigen müsste.

Gemessen wurde allerdings keine aktuelle weltweite Bestandsentwicklung. Der verwendete Konditionsindex beruhte auf Körpermaßen und daraus geschätzter Masse. Gute Frühjahrswerte erwachsener Tiere sagen zudem nicht automatisch, wie erfolgreich Junge aufwachsen oder wie die Zukunft bei weiterem Eisverlust aussieht.

Die beiden Studien beantworten unterschiedliche Fragen an unterschiedlichen Orten und Zeitskalen. Zusammen machen sie deutlich: Der Zugang zu energiereicher Beute bleibt entscheidend, seine Veränderungen müssen aber regional untersucht werden.

Aars und Mitautoren · Scientific Reports 16:2182 Norwegian Polar Institute

Die Schneehöhle ist ein Ort für den Nachwuchs

Die meisten Eisbären bleiben auch im Winter aktiv. Eine besondere Situation entsteht bei trächtigen Weibchen: Sie ziehen sich in eine Wurfhöhle im Schnee zurück, gebären dort ihre sehr kleinen, zunächst hilflosen Jungen und versorgen sie mit Milch. Die Schneedecke isoliert gegen die Umgebung.

Dafür braucht die Mutter ausreichende Reserven und einen erreichbaren Platz mit genügend geeignetem Schnee. Der Zugang vom Jagdgebiet zum Höhlengebiet ist deshalb Teil ihres Lebensraums. Ein Ort mit viel Schnee allein reicht nicht, wenn der Weg dorthin zu schwierig oder zu energieaufwendig wird.

Nach dem Verlassen der Höhle endet die Betreuung nicht. Junge bleiben gewöhnlich mehrere Jahre bei der Mutter und lernen mit ihr die Umgebung kennen. Erwachsene Eisbären leben ansonsten überwiegend einzeln. Kurzzeitig gemeinsam genutzte Nahrung oder ein Paar während der Fortpflanzungszeit sind keine dauerhafte Familiengruppe mit betreuendem Vater.

Norwegian Polar Institute · Jon Aars Norwegian Polar Institute U.S. Fish and Wildlife Service IUCN/SSC Polar Bear Specialist Group

Größe und Gewicht brauchen einen Zeitpunkt

San Diego Zoo nennt ungefähr 1,8 bis 2,7 Meter Kopf-Rumpf-Länge als Orientierung. Diese Länge ist nicht die Höhe eines aufgerichteten Bären. Die Männchen werden gewöhnlich größer und schwerer als Weibchen.

Die Polar Bear Specialist Group beschreibt bei erwachsenen Männchen häufig etwa 400 bis 600 Kilogramm, bei Weibchen etwa 150 bis 250 Kilogramm. Vor dem Bezug einer Wurfhöhle können trächtige Weibchen erheblich schwerer sein, weil sie große Reserven angesammelt haben.

Ein Vergleich muss deshalb Geschlecht, Alter, Jahreszeit und Fortpflanzungszustand berücksichtigen. Ein Gewicht nach langer Nahrungspause und ein Wert vor dem Höhlenbezug sind keine austauschbaren Normalwerte. Der Steckbrief nennt Profilspannen und ihre Grenzen; Rekordtiere bestimmen sie nicht.

San Diego Zoo Wildlife Alliance IUCN/SSC Polar Bear Specialist Group

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-28

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.