Säugetiere
Siebenschläfer
Glis glis
Nachts klettert er durch Baumkronen, im Winter spart er mit stark gesenktem Stoffwechsel Energie. Der Siebenschläfer verbindet sein Leben eng mit der Ernte von Buchen und Eichen – und hält sich weder bei der Fortpflanzung noch bei der Winterruhe an einen starren Jahresplan.
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Glis glis (Linnaeus, 1766), Mammal Diversity Database 1001506. Die Datenbank trennt Glis persicus als eigene Art ab; ältere Angaben unter Glis glis können daher einen anderen Artumfang betreffen. Die sechs Hauptränge lassen Zwischenränge weg.
Auf einen Blick
- Kopf-Rumpf-Länge im Bundesforste-Artporträt
- Etwa 11–19 cm ohne Schwanz„Aktiv für Bilche“, August 2023, Seite 10: Körperlänge ausdrücklich ohne Schwanz; dieser wird getrennt mit 10–15 cm angegeben. Allgemeine Artprofilwerte ohne dokumentierte einheitliche Messserie oder Aufschlüsselung nach Geschlecht und Population. Keine weltweiten Extremwerte und keine Gesamtlänge einschließlich Schwanz.Österreichische Bundesforste · Rotter, Keilbach, Kubista & Pirtscher, mit Christine und Stefan Resch / apodemus
- Gewichtsangabe im Bundesforste-Artporträt
- Etwa 70–160 g im SteckbriefAllgemeiner Profilbereich auf Seite 10, ohne festgelegten Messzeitpunkt oder Geschlechteraufteilung. Die Masse verändert sich mit Alter, Jahreszeit und Fettreserven; besonders vor dem Winterschlaf können Tiere schwerer sein. Kein Jahresmittel und keine vollständige Gewichtsspanne aller Populationen.Österreichische Bundesforste · Rotter, Keilbach, Kubista & Pirtscher, mit Christine und Stefan Resch / apodemus Hoelzl, Bieber, Cornils, Gerritsmann, Stalder, Walzer & Ruf · Journal of Comparative Physiology B
- Besonderheit
- Kann bereits im Sommer wieder in den Winterschlaf gehenOriginalstudie 2015 im Wienerwald in einem Jahr ohne Buchenmast: acht von 17 Tieren begannen im Juni/Juli erneut mit dem Winterschlaf; bei fünf dauerte die Periode mindestens elf Monate. Mit kurzen Aufwärmphasen, kein ununterbrochener Schlaf oder allgemeiner Kalender aller Siebenschläfer.Hoelzl, Bieber, Cornils, Gerritsmann, Stalder, Walzer & Ruf · Journal of Comparative Physiology B
Ein grauer Bilch mit buschigem Schwanz
Große dunkle Augen, runde Ohren und ein langer, dicht behaarter Schwanz: Der Siebenschläfer wirkt auf den ersten Blick wie ein kleines graues Eichhörnchen. Er gehört jedoch zur eigenen Nagetierfamilie der Bilche. Zu ihr zählen auch Haselmaus und Gartenschläfer. Das Fell erwachsener Siebenschläfer ist oben überwiegend grau, unten deutlich heller bis weißlich. Um die Augen liegt nur ein schmaler dunkler Rand, keine breite schwarze Gesichtsmaske.
Sein wissenschaftlicher Name lautet Glis glis. Die Mammal Diversity Database behandelt den früher eingeschlossenen iranischen Verwandten Glis persicus heute als eigene Art. Ältere Verbreitungsangaben können deshalb einen weiter gefassten Artumfang meinen. Das hier beschriebene Tier kommt in großen Teilen Europas und angrenzenden Gebieten Westasiens vor.
Besonders geeignet sind alte Laub- und Mischwälder mit Buchen, Eichen, Baumhöhlen und Deckung. Auch waldnahe Obstgärten und Gebäude werden genutzt. Eine Höhle im Baum bietet einen geschützten Platz für die Tagesruhe oder die Jungenaufzucht.
Österreichische Bundesforste · Rotter, Keilbach, Kubista & Pirtscher, mit Christine und Stefan Resch / apodemus American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database Deutsche Wildtier StiftungNachts unterwegs zwischen Ästen und Blättern
Wenn der Siebenschläfer aktiv wird, beginnt sein Leben als Kletterer. Er bewegt sich über Äste, klettert an Stämmen und sucht im Geäst nach Futter. Der lange Schwanz hilft beim Balancieren. Bewegliche Zehen und haftende Sohlenballen unterstützen den Halt auf dem Untergrund.
Zum Erkunden seiner Umgebung nutzt er mehrere Sinne. Neben den großen Augen helfen ihm Gehör und Geruchssinn. Auffällig sind die langen Schnurrhaare am Gesicht: Sie liefern beim Kontakt mit Ästen und engen Durchgängen zusätzliche Informationen. Das Nachtleben hängt also nicht allein davon ab, möglichst viel Licht mit den Augen aufzufangen.
Tagsüber bleibt der Bilch meist in einem geschützten Versteck. Manchmal liegt dieses in einem Nistkasten oder auf einem waldnahen Dachboden. Poltern und Quieken können ihn dort eher verraten als eine direkte Sichtung. Solche Beobachtungen zeigen, dass ein Waldtier geeignete Unterschlüpfe auch an Gebäuden findet.
Deutsche Wildtier Stiftung Österreichische Bundesforste · Rotter, Keilbach, Kubista & Pirtscher, mit Christine und Stefan Resch / apodemusBucheckern, Beeren und eine wechselnde Ernte
Der Speiseplan ist überwiegend pflanzlich, aber nicht streng vegetarisch. Knospen, Früchte, Beeren, Pilze und Samen werden genutzt; besonders energiereich sind die Früchte von Buche und Eiche. Hinzu kommen Insekten und gelegentlich Vogeleier oder Nestlinge. Welche Nahrung wichtig ist, verändert sich im Jahreslauf.
Buchen und Eichen liefern nicht jedes Jahr gleich viele Früchte. Eine besonders große Samenproduktion heißt „Mast“. Für den Siebenschläfer kann eine solche Ernte entscheidend sein: Er braucht Energie für seinen eigenen Körper und, wenn Nachwuchs aufgezogen wird, auch für dessen Wachstum und Fettreserven.
Eine ausgefallene Buchenmast bedeutet allerdings nicht, dass im ganzen Wald nichts Essbares vorhanden ist. Blätter und andere Früchte können weiterhin genutzt werden. Der Unterschied liegt auch darin, ob genug geeignete, energiereiche Nahrung zur passenden Zeit verfügbar ist. Ein kurzer Hinweis wie „frisst Nüsse“ erklärt deshalb nur einen Teil seines Lebens.
Österreichische Bundesforste · Rotter, Keilbach, Kubista & Pirtscher, mit Christine und Stefan Resch / apodemus Hoelzl, Bieber, Cornils, Gerritsmann, Stalder, Walzer & Ruf · Journal of Comparative Physiology BNicht in jedem Jahr gibt es Nachwuchs
Siebenschläfer passen ihre Fortpflanzung an das schwankende Nahrungsangebot an. In Jahren mit geringer Samenproduktion können sie die Fortpflanzung auslassen. Die Verknüpfung mit der Baumfrucht-Ernte ist besonders wichtig für Jungtiere: Sie müssen nach der Geburt wachsen und noch vor ihrem ersten Winterschlaf ausreichend Reserven aufbauen.
Kommt es zur Fortpflanzung, richtet das Weibchen ein weiches Nest ein, häufig in einer Baumhöhle. Nach ungefähr vier Wochen Tragzeit werden mehrere Junge geboren. Sie sind zunächst blind und noch unbehaart und werden von der Mutter versorgt. Erst allmählich entwickeln sie sich zu selbstständig kletternden Tieren.
Die Deutsche Wildtier Stiftung nennt etwa sechs Wochen bis zur Entwöhnung von der Muttermilch und ungefähr zwei Monate bis zur Selbstständigkeit. Das sind Orientierungswerte für die Entwicklung, kein überall identischer Kalender. Ob eine Population in einem bestimmten Sommer überhaupt Nachwuchs aufzieht, hängt von den örtlichen Bedingungen ab.
Österreichische Bundesforste · Rotter, Keilbach, Kubista & Pirtscher, mit Christine und Stefan Resch / apodemus Deutsche Wildtier Stiftung Hoelzl, Bieber, Cornils, Gerritsmann, Stalder, Walzer & Ruf · Journal of Comparative Physiology BMehr als sieben Monate – aber kein durchgehender Schlaf
Für den Winterschlaf zieht sich der Siebenschläfer meist in ein unterirdisches Quartier zurück. Er zehrt von Fettreserven und senkt Körpertemperatur und Stoffwechsel. Winterschlaf unterscheidet sich damit deutlich von der täglichen Ruhe im Sommer. Die langen Phasen mit niedrigem Stoffwechsel werden durch kurze Aufwärmphasen unterbrochen.
Wie veränderlich die Dauer ist, zeigte eine 2015 veröffentlichte Studie im Wienerwald. Forschende gewannen Temperaturaufzeichnungen von 17 frei lebenden Siebenschläfern aus einem Jahr ohne Buchenmast. Acht Tiere begannen schon im Juni oder Juli erneut mit dem Winterschlaf. Bei fünf erreichte die Winterschlafperiode elf Monate oder mehr. Das bedeutete keine elf Monate ohne Unterbrechung: Auch diese Tiere wärmten sich zwischendurch auf.
Untersucht wurde eine ausgewählte Gruppe in einem Jahr ohne Fortpflanzung. Andere Tiere blieben länger im Sommer aktiv. Die Ergebnisse zeigen die große Anpassungsfähigkeit dieser Art, keine vorgeschriebene Ruhezeit für jeden Siebenschläfer. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Reserven, Nahrungsangebot und Fortpflanzung – nicht die Zahl im deutschen Namen.
Österreichische Bundesforste · Rotter, Keilbach, Kubista & Pirtscher, mit Christine und Stefan Resch / apodemus Hoelzl, Bieber, Cornils, Gerritsmann, Stalder, Walzer & Ruf · Journal of Comparative Physiology BWeitere Tiere

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EntdeckenQuellen und Bildnachweis
Stand: 2026-10-29
- Glis glis · European Fat Dormouse · MDD1001506 · American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database · abgerufen 2026-10-29
- Glis persicus · Abgrenzung zum Siebenschläfer · MDD1006543 · American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database · abgerufen 2026-10-29
- Aktiv für Bilche · 1. Auflage August 2023 · Seiten 10–12 · Österreichische Bundesforste · Rotter, Keilbach, Kubista & Pirtscher, mit Christine und Stefan Resch / apodemus · abgerufen 2026-10-29
- Siebenschläfer · Sinnesorgane und Jungenaufzucht · Deutsche Wildtier Stiftung · abgerufen 2026-10-29
- How to spend the summer? Free-living dormice (Glis glis) can hibernate for 11 months in non-reproductive years · 2015 · Hoelzl, Bieber, Cornils, Gerritsmann, Stalder, Walzer & Ruf · Journal of Comparative Physiology B · abgerufen 2026-10-29
Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.
