Säugetiere
Katta
Lemur catta
Ein Ringelschwanz als sichtbares Zeichen und Duftträger, verwandte Weibchen im Gruppenkern und ein Leben zwischen Boden und Baumkronen: Der Katta zeigt, wie vielfältig Verständigung bei Primaten sein kann.
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Der Pfad folgt der Mammal Diversity Database (1001008): Lemur catta Linnaeus, 1758. Kattas gehören zu den Lemuren innerhalb der Primaten; die Gattung Lemur umfasst nach dem verwendeten Stand nur diese Art.
Auf einen Blick
- Größe
- Etwa 38,5–45,5 cm Kopf-Rumpf-LängeSchwanz zusätzlich etwa 56–62,4 cm. Freilandmessungen an neun Tieren, zusammengefasst von Wilson und Hanlon 2010; keine weltweiten Extremwerte.Don E.Wilson und Elizabeth Hanlon · Mammalian Species42(854) (2010),58–74
- Körpermasse
- Rund 2,2 kg als FreilandmittelwertGerundete Mittelwerte beider Geschlechter aus der zitierten Artübersicht. Kein Gewichtsbereich einzelner Tiere; Angaben aus menschlicher Obhut können höher liegen.Wisconsin National Primate Research Center · Primate Info Net
- Besonderheit
- Ringelschwanz für sichtbare und chemische SignaleDer Schwanz ist kein Greifschwanz; Männchen können ihn mit Drüsensekreten versehen.Don E.Wilson und Elizabeth Hanlon · Mammalian Species42(854) (2010),58–74 Perth Zoo · Government of Western Australia Mika Shirasu et al. · Current Biology30 (2020),2131–2138.e4
Ein auffälliger Schwanz auf vier Beinen
Wenn Kattas über den Boden laufen, ragen ihre schwarz-weiß geringelten Schwänze oft hoch über die Rücken. Zusammen mit der weißen Gesichtszeichnung, den dunklen Augenflecken und der schwarzen Nase macht sie das unverwechselbar. Das übrige Fell ist überwiegend grau bis graubraun, die Bauchseite heller. Die langen Hinterbeine und die schmalen Hände gehören zu einem Primaten, der sowohl auf Bäumen als auch am Boden unterwegs ist.
Der Schwanz ist länger als Kopf und Rumpf zusammen. Er kann deutlich sichtbar getragen werden, dient aber nicht als zusätzliche Greifhand. Kattas wickeln ihn beim Klettern nicht wie einen Greifschwanz fest um einen Ast. Seine Bedeutung liegt unter anderem in der Verständigung: Er trägt sichtbare Muster und kann mit Duftstoffen versehen werden. Das auffällige Körpermerkmal eröffnet damit gleich mehrere Wege, Signale zu senden.
Don E.Wilson und Elizabeth Hanlon · Mammalian Species42(854) (2010),58–74 Wisconsin National Primate Research Center · Primate Info Net Perth Zoo · Government of Western AustraliaVerwandte Weibchen bilden den Gruppenkern
Kattas leben in Gruppen aus mehreren Weibchen, Männchen und Jungtieren. Häufig bleiben Weibchen in ihrer Geburtsgruppe, während Männchen im Laufe ihres Lebens zwischen Gruppen wechseln. Dadurch entstehen Kerne aus verwandten Weibchen mit ihren Nachkommen.
Weibchen haben gegenüber Männchen gewöhnlich Vorrang, etwa beim Zugang zu Nahrung. Auch unter Weibchen bestehen Rangbeziehungen. Diese sind jedoch nicht einfach eine automatisch vererbte Rangliste: Töchter übernehmen nicht zwingend die Stellung ihrer Mutter. Nähe, Fellpflege und Auseinandersetzungen gehören gemeinsam zu diesem Sozialleben.
Für ein Tier kann es einen Unterschied machen, mit wem es frisst, ruht oder Kontakt hält. Gruppenzugehörigkeit bedeutet deshalb nicht, dass alle Mitglieder in jeder Situation dieselben Möglichkeiten haben. Wie groß eine Gruppe ist und welche Beziehungen sich darin entwickeln, hängt auch von ihrer Geschichte und den verfügbaren Ressourcen ab.
Wisconsin National Primate Research Center · Primate Info Net Perth Zoo · Government of Western AustraliaDuft auf dem Schwanz
Kattas hinterlassen Gerüche an ihrer Umgebung und untersuchen die Duftmarken anderer Tiere. Männchen können ihren Schwanz an Drüsenregionen reiben und anschließend in Richtung eines Artgenossen bewegen. Solche Duftpräsentationen kommen bei Auseinandersetzungen zwischen Männchen vor; sie werden auch gegenüber Weibchen beobachtet. Sichtbares Schwanzwedeln und unsichtbare chemische Signale wirken dabei zusammen.
Eine 2020 veröffentlichte Studie untersuchte Sekrete aus den Unterarmdrüsen von Männchen. Chemische Analysen fanden unter anderem drei Aldehyde, eine Gruppe von Duftstoffen. In Verhaltenstests schnupperten Weibchen während der Fortpflanzungszeit länger an bestimmten Mischungen dieser Stoffe als an einzelnen Bestandteilen oder der Kontrolllösung. Ein Teil der Sekrettests beruhte auf zwei Weibchen; weitere Versuche fanden in einer Gruppe statt.
Die Deutung als eindeutig nachgewiesene Sexualpheromone wurde wissenschaftlich kritisiert. Kleine Stichproben, wiederholte Tests derselben Tiere und mögliche Einflüsse von Erfahrung erschweren die Verallgemeinerung. Vor allem beweist längeres Schnuppern weder eine angeborene Paarungsreaktion noch mehr Nachwuchs für ein Männchen. Gut belegt ist die Bedeutung von Gerüchen im Sozialleben. Welche einzelne Substanz welche Wirkung auslöst, verlangt jeweils einen passenden Versuch.
Perth Zoo · Government of Western Australia Mika Shirasu et al. · Current Biology30 (2020),2131–2138.e4 Christine M.Drea, Jeremy Chase Crawford und Marylène Boulet · Current Biology30 (2020),R1355–R1357Nahrung und Nachwuchs folgen den Jahreszeiten
Kattas fressen Früchte, Blätter, Blüten, Rinde und Pflanzensäfte sowie gelegentlich wirbellose Tiere. Diese Vielseitigkeit hilft ihnen in Landschaften, in denen Nahrung räumlich verteilt und saisonal unterschiedlich verfügbar ist. Sie bewegen sich deshalb auch zwischen Bäumen über den Boden. Ein trockener Wald ist für sie kein gleichmäßig gefüllter Vorratsschrank.
Auch die Fortpflanzung ist saisonal. In Madagaskar werden viele Jungtiere im August und September geboren, nach ungefähr viereinhalb Monaten Tragzeit. Meist kommt ein Junges zur Welt; Zwillinge sind möglich. Solche Zeitangaben beschreiben die natürlichen Verhältnisse dort. Tiere auf der Nordhalbkugel können einen anderen Jahresrhythmus zeigen.
Zunächst klammert sich das Junge an den Bauch der Mutter, später wird es auf ihrem Rücken getragen. Es probiert feste Nahrung, bevor es vollständig abgestillt ist. Selbstständigkeit entsteht schrittweise: Erkunden, Mitreisen und Säugen überlappen sich über Monate.
Duke Lemur Center Perth Zoo · Government of Western Australia Mika Shirasu et al. · Current Biology30 (2020),2131–2138.e4Fellpflege mit besonderen Werkzeugen
Kattas putzen sich selbst und pflegen das Fell anderer Gruppenmitglieder. Eng benachbarte, nach vorn gerichtete Zähne im Unterkiefer bilden einen Zahnkamm. Außerdem trägt die zweite Zehe des Hinterfußes eine besondere Putzkralle. An den übrigen Fingern und Zehen sitzen überwiegend Nägel. Ihre Ausstattung passt damit zu einem Leben, in dem Greifen und Fellpflege wichtige Aufgaben sind.
Eine ganz andere, leicht erkennbare Haltung zeigen ruhende Tiere beim Sonnen: Sie sitzen aufgerichtet und wenden ihre helle Körperunterseite dem Licht zu. Diese Pose ist eine beobachtbare Verhaltensweise; sie sagt allein noch nichts über die momentane Körpertemperatur eines einzelnen Tiers aus.
Don E.Wilson und Elizabeth Hanlon · Mammalian Species42(854) (2010),58–74 Wisconsin National Primate Research Center · Primate Info Net Perth Zoo · Government of Western AustraliaBekanntes Gesicht, bedrohte Lebensräume
Der natürliche Lebensraum des Kattas liegt im Süden und Südwesten Madagaskars. Dazu gehören trockene Wälder, Dornbuschlandschaften und weitere örtliche Waldtypen. Die Art nutzt unterschiedliche Lebensräume, ist aber vielerorts auf voneinander getrennte Waldstücke beschränkt. Ein großes Verbreitungsgebiet auf der Karte bedeutet daher nicht, dass überall viele Tiere leben.
In ihrer 2020 veröffentlichten globalen Bewertung führt die IUCN den Katta als stark gefährdet, international „Endangered“. Die Lebensräume gehen verloren oder werden zerschnitten; hinzu kommen menschliche Verfolgung und Entnahmen für den Tierhandel. Dass Kattas in Zoos häufig zu sehen sind, beschreibt ihre Situation in menschlicher Obhut. Ob die natürlichen Populationen langfristig bestehen, hängt von den Lebensbedingungen in Madagaskar ab.
American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database Marni LaFleur und Lisa Gould · IUCN Red List (2020) International Union for Conservation of Nature Perth Zoo · Government of Western AustraliaWeitere Tiere

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EntdeckenQuellen und Bildnachweis
Stand: 2026-10-29
- Lemur catta · MDD1001008 · American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database · abgerufen 2026-10-29
- Lemur catta (Primates: Lemuridae) · Don E.Wilson und Elizabeth Hanlon · Mammalian Species42(854) (2010),58–74 · abgerufen 2026-10-29
- Ring-tailed lemur · Evolution & ecology; Behavior & sociality · Wisconsin National Primate Research Center · Primate Info Net · abgerufen 2026-10-29
- Ring-tailed Lemur · Perth Zoo · Government of Western Australia · abgerufen 2026-10-29
- Key Male Glandular Odorants Attracting Female Ring-Tailed Lemurs · Mika Shirasu et al. · Current Biology30 (2020),2131–2138.e4 · abgerufen 2026-10-29
- Lack of evidence for pheromones in lemurs · Christine M.Drea, Jeremy Chase Crawford und Marylène Boulet · Current Biology30 (2020),R1355–R1357 · abgerufen 2026-10-29
- Ring-tailed Lemur · Diet and Reproduction · Duke Lemur Center · abgerufen 2026-10-29
- Lemur catta · Global assessment, Endangered A4cd · Marni LaFleur und Lisa Gould · IUCN Red List (2020) · abgerufen 2026-10-29
- Almost a third of lemurs now Critically Endangered – IUCN Red List · 10July2020 · International Union for Conservation of Nature · abgerufen 2026-10-29
Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.