Säugetiere
Capybara
Hydrochoerus hydrochaeris
Das größte lebende Nagetier braucht Grasland und Wasser zugleich. Sein Körperbau, seine Verdauung und das Leben in der Gruppe erklären, wie das Capybara den Alltag am südamerikanischen Gewässerufer meistert.
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Hydrochoerus hydrochaeris (Linnaeus, 1766), MDD 1001209, Familie Caviidae. Das kleinere Hydrochoerus isthmius wird in MDD 1001210 vorläufig als eigene Art geführt; seine Abgrenzung ist nicht abschließend geklärt. Die sechs angezeigten Hauptränge lassen Zwischenränge wie Hydrochoerinae weg. „Wasserschwein“ ist ein gebräuchlicher Name, keine Zuordnung zu den Schweinen.
Auf einen Blick
- Kopf-Rumpf-Länge
- etwa 107–134 cmOrientierungsbereich des Fachprofils für Hydrochoerus hydrochaeris. Kopf und Rumpf, keine Körperhöhe. Stichprobengröße, Messprotokoll und geschlechtsspezifische Verteilung sind dort nicht ausgewiesen; keine Perzentilspanne oder weltweit bestätigten Extremwerte.San Diego Zoo Wildlife Alliance Library
- Körpermasse im Fachprofil
- etwa 35–65 kgOrientierungsbereich für das Große Capybara, keine statistische Stichprobenspanne. Region, Alter und Geschlecht sind in dieser Übersicht nicht getrennt aufgeschlüsselt. Historische Rekordangaben werden nicht mit typischen Werten vermischt.San Diego Zoo Wildlife Alliance Library
- Besonderheit
- Wasser als Fluchtort und zur TemperaturregelungEine Feldstudie mit sechs besenderten Tieren, davon zwei mit Temperatursensoren, stützt die Abkühlungsfunktion. Schwache Zusammenhänge aus wiederholten Messungen sind kein kontrollierter Kausalnachweis und keine allgemeine Hitzeschwelle.Juan M. Campos-Krauer und Mitwirkende · Therya Zoo Berlin
Ein Meerschweinchen-Verwandter im Großformat
Ein Capybara wirkt wie ein sehr groß geratenes Meerschweinchen: massiger Rumpf, kurze kräftige Beine, kleine runde Ohren und eine lange, stumpfe Schnauze. Ein auffälliger Schwanz fehlt. Das grobe, eher schüttere Fell ist bräunlich bis rötlichbraun.
Tatsächlich gehört es wie das Meerschweinchen zur Familie der Meerschweinchenverwandten. Der deutsche Zweitname Wasserschwein führt dagegen in die Irre: Mit Schweinen ist dieses Nagetier nicht näher verwandt als andere Nagetiere. Das Capybara ist das größte heute lebende Mitglied seiner Ordnung.
An den Vorderfüßen sitzen vier, an den Hinterfüßen drei Zehen. Teilweise verbinden Schwimmhäute die Zehen. Augen und Ohren liegen hoch am Kopf; beim Schwimmen kann viel vom Körper unter Wasser bleiben.
San Diego Zoo Wildlife Alliance Library American Society of Mammalogists · Mammal Diversity DatabaseWiesen zum Fressen, Wasser zum Ausweichen
Capybaras brauchen eine Landschaft, in der Land und Wasser nah beieinanderliegen. Sie grasen an Ufern, in feuchten Graslandschaften und an Gewässern mit schützender Vegetation. Auch Wälder und bewachsene Rückzugsorte gehören zu ihrem Lebensraum. Sie verbringen keineswegs ihr ganzes Leben schwimmend.
Bei Gefahr können sie ins Wasser flüchten und zeitweise untertauchen. Dort sind sie jedoch nicht automatisch sicher: Kaimane können insbesondere jüngere Tiere erbeuten. Eine Fluchtmöglichkeit ist kein Schutz vor jedem Räuber.
Das hier porträtierte Capybara ist in weiten Teilen Südamerikas verbreitet. Seine Verbreitung darf nicht unbesehen mit allen Angaben zu „Capybaras“ gleichgesetzt werden: Für das kleinere Panama-Capybara führt die aktuelle Säugetierdatenbank einen eigenen, vorläufig beibehaltenen Art-Eintrag.
Zoo Berlin San Diego Zoo Wildlife Alliance Library American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database American Society of Mammalogists · Mammal Diversity DatabaseEin Bad kann mehr als eine Flucht sein
Wasser hilft auch gegen Hitze. Wer ein Capybara ruhig im Wasser liegen sieht, beobachtet deshalb nicht unbedingt ein Tier auf der Flucht.
Eine Feldstudie im trockenen Chaco Paraguays untersuchte zwischen 2005 und 2007 sechs Tiere mit Funksendern. Zwei davon trugen zusätzlich innere Temperatursensoren. Die Forschenden verglichen Aufenthaltsorte, Lufttemperaturen und Körpertemperaturen. Bei höherer Lufttemperatur hielten sich die beobachteten Tiere tendenziell näher am Wasser auf. Mit größerer Entfernung vom Wasser lag ihre Körpertemperatur etwas höher.
Das passt zur Erklärung, dass Capybaras Gewässer zur Temperaturregelung nutzen. Die gemessenen statistischen Zusammenhänge waren allerdings schwach; die vielen Temperaturaufzeichnungen stammten von nur zwei Tieren. Es war kein kontrollierter Versuch, in dem allein das Baden verändert wurde. Die Studie stützt eine Erklärung ihres Verhaltens, liefert aber keine feste Temperaturgrenze für jedes Capybara.
Juan M. Campos-Krauer und Mitwirkende · Therya Zoo BerlinGrasfresser mit Auswahl
Capybaras fressen vor allem Gräser und andere Pflanzen, darunter Wasserpflanzen. Sie schneiden die Nahrung mit den Schneidezähnen ab und zerkleinern sie beim Kauen. Dabei nehmen sie nicht einfach jede verfügbare Pflanze im gleichen Verhältnis auf.
In einer Untersuchung einer venezolanischen Überschwemmungssavanne änderte sich die Pflanzenauswahl zwischen Trocken- und Regenzeit. Während der Regenzeit fraßen die beobachteten Tiere gezielter bestimmte, nährstoffreichere Gräser; in der Trockenzeit verbrachten sie länger mit der Nahrungssuche und dem Fressen.
Das ist ein Befund aus einem bestimmten Lebensraum, kein weltweit gültiger Speiseplan. Überflutung, Pflanzenwachstum und Trockenheit verändern, welche Nahrung erreichbar ist. Ein Gewässer allein genügt daher nicht: Auch geeignete Fressflächen müssen vorhanden sein.
San Diego Zoo Wildlife Alliance Library Guillermo R. Barreto und Emilio A. Herrera · Journal of Tropical Ecology Zoo BerlinWarum ein Teil der Nahrung zweimal durch den Mund geht
Gras enthält viele schwer nutzbare Pflanzenfasern. Im großen Blinddarm des Capybaras helfen Mikroorganismen, diese Bestandteile aufzuschließen. Es besitzt dabei einen einfachen Magen und ist kein Wiederkäuer wie eine Kuh.
Zu seiner Verdauung gehört eine zunächst erstaunliche Verhaltensweise: Es nimmt weiches Material aus dem Blinddarm erneut über den Mund auf. Diese sogenannte Caecotrophie unterscheidet sich von der gewöhnlichen Abgabe der festeren Kotballen. Sie ermöglicht eine erneute Nutzung von Verdauungsprodukten.
Eine brasilianische Untersuchung beobachtete sechs erwachsene, in Haltung geborene Weibchen über 96 Stunden und beschrieb solche Vorgänge. Damit ist die Verhaltensweise konkret dokumentiert. Wie viel ein frei lebendes Tier unter anderen Ernährungsbedingungen dadurch gewinnt, lässt sich aus diesem Versuch allein nicht beziffern.
San Diego Zoo Wildlife Alliance Library Alcester Mendes · Universidade de São Paulo, ESALQGesellig bedeutet nicht konfliktfrei
Capybaras leben häufig in Gruppen aus erwachsenen Tieren und Nachwuchs. Ihre Zahl hängt von Lebensraum und Jahreszeit ab; an verbleibenden Wasserstellen können sich in der Trockenzeit größere Ansammlungen bilden. Eine solche Ansammlung ist nicht automatisch eine einzige fest zusammengehörende Familie.
Innerhalb der Gruppen bestehen Rangunterschiede. Vor allem zwischen Männchen können Verfolgungen und Beißereien auftreten. Duftmarken und unterschiedliche Laute gehören zur Verständigung; bei Gefahr sind bellende Alarmrufe zu hören.
Auch die oft fotografierte Nähe zu Vögeln macht das Capybara nicht zum „Freund aller Tiere“. Vögel können etwa aufgescheuchte Beute oder Nahrung am Körper des Säugetiers finden. Das beschreibt eine ökologische Beziehung, ohne menschliche Gefühle zu unterstellen.
San Diego Zoo Wildlife Alliance LibraryJunge auf eigenen Beinen, aber noch nicht selbstständig
Die Paarung findet im Wasser statt. Nach ungefähr fünf Monaten Tragzeit werden meist mehrere Junge geboren; das Fachprofil des San Diego Zoos nennt vier bis fünf als häufige Wurfgröße. Das ist kein fester Wert für jede Geburt.
Die Jungen können der Mutter bald folgen und schon früh Gras aufnehmen. Trotzdem benötigen sie weiterhin Milch. Die Säugezeit dauert ungefähr vier Monate; Jungtiere können auch bei anderen Weibchen ihrer Gruppe trinken.
Frühe Beweglichkeit und frühes Knabbern an Pflanzen sind also etwas anderes als Unabhängigkeit. Für die Aufzucht bleiben erwachsene Tiere und ein geeigneter Lebensraum wichtig. Die im Bild gezeigte Szene mit einem Jungtier stellt weder einen vollständigen Wurf noch eine dokumentierte Familie dar.
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EntdeckenQuellen und Bildnachweis
Stand: 2026-10-29
- Hydrochoerus hydrochaeris · MDD 1001209 · American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database · abgerufen 2026-10-29
- Hydrochoerus isthmius · MDD 1001210 · American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database · abgerufen 2026-10-29
- Capybaras · Physical Characteristics · San Diego Zoo Wildlife Alliance Library · abgerufen 2026-10-29
- Capybara · Südamerikanischer Gewässerbewohner · Zoo Berlin · abgerufen 2026-10-29
- Capybaras · Behavior & Ecology · San Diego Zoo Wildlife Alliance Library · abgerufen 2026-10-29
- Home Range and Habitat Use of Capybara in Newly Invaded Pastureland in the Dry Chaco Region of Paraguay · Juan M. Campos-Krauer und Mitwirkende · Therya · abgerufen 2026-10-29
- Capybaras · Diet & Feeding · San Diego Zoo Wildlife Alliance Library · abgerufen 2026-10-29
- Foraging patterns of capybaras in a seasonally flooded savanna of Venezuela · Guillermo R. Barreto und Emilio A. Herrera · Journal of Tropical Ecology · abgerufen 2026-10-29
- Determinação da ocorrência de cecotrofia em capivaras · Alcester Mendes · Universidade de São Paulo, ESALQ · abgerufen 2026-10-29
- Capybaras · Reproduction & Development · San Diego Zoo Wildlife Alliance Library · abgerufen 2026-10-29
Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.
