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Kopffüßer

Gemeiner Nautilus

Nautilus pompilius

Eine schwere Kalkschale, viele feine Tentakel und ein Auge ohne Linse: Der Gemeine Nautilus verbindet einen ungewöhnlichen Körperbau mit zwei getrennten Systemen für Auftrieb und Fortbewegung.

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Fotorealistisch KI-generierter Nautilus über einem dunklen Riffhang: cremefarbene Spiralschale mit braunen Streifen, gefleckte Kopfkappe, kleines dunkles Augenloch und viele feine Tentakel.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines Gemeinen Nautilus. Tier und Riffszene sind fiktiv; das Bild belegt weder eine genaue Fundstelle noch Geschlecht oder genetische Artbestimmung.

Nautilus pompilius Linnaeus, 1758, geprüft am 29.10.2026 anhand MolluscaBase/WoRMS216384. Nautilida folgt der aktuellen Datenbank; ältere Arbeiten verwenden abweichende Ordnungsnamen. Die 2023 abgetrennten Arten von Fidschi, Vanuatu und Amerikanisch-Samoa werden hier nicht unter pompilius zusammengefasst. Historische Angaben können deshalb ein weiteres Artkonzept betreffen.

Auf einen Blick

Schalendurchmesser ausgewachsener Tiere aus Ambon
18,7–20,7 cmMessbereich von 28 ausgewachsenen Schalen aus Ambon in Tabelle 1 von Barord et al. 2023, gerundete Millimeterwerte. Eine örtliche Stichprobe, kein allgemeiner Größenbereich der Art; weder Gesamtlänge mit Tentakeln noch Länge des Weichkörpers. Geschlechtsunterschiede und Fangverzerrungen begrenzen Vergleiche.Gregory J. Barord, David J. Combosch, Gonzalo Giribet, Neil Landman und Peter D. Ward · ZooKeys
Besonderheit
Gekammerte Außenschale und LochkameraaugenKammerapparat und Sipho dienen dem Auftrieb; der getrennte Trichter erzeugt den Wasserstrahl zum Schwimmen. Das Auge besitzt weder Linse noch Hornhaut.Yang Zhang et al. · Nature Ecology & Evolution Thomas R. Neil und Graham N. Askew · Royal Society Open Science John A. Chamberlain Jr. und Stephen W. Pillsbury · Palaeontology

Ein Kopffüßer mit einem Haus aus Kalk

Auf den ersten Blick könnte die helle Spiralschale zu einer Schnecke gehören. Doch aus ihrer Öffnung schauen ein Kopf und ein dichter Kranz feiner Tentakel. Der Gemeine Nautilus ist ein Kopffüßer: Mit Kraken, Kalmaren und Sepien ist er näher verwandt als mit Schnecken. Anders als die meisten heutigen Kopffüßer trägt er eine große äußere Schale.

Rötlich braune, teils verzweigte Streifen verlaufen über den älteren Teil der cremefarbenen Schale. Bei ausgewachsenen Tieren bleibt die äußere Wohnkammer weitgehend ungestreift. Eine lederartige, hell gefleckte Kopfkappe liegt über der Öffnung. Zieht sich das Tier zurück, schützt sie die weichen Körperteile. Die vielen Tentakel besitzen keine runden Saugnäpfe wie Krakenarme.

Gregory J. Barord, David J. Combosch, Gonzalo Giribet, Neil Landman und Peter D. Ward · ZooKeys Takenori Sasaki, Shuichi Shigeno und Kazushige Tanabe · Cephalopods – Present and Past

Tiefe Riffhänge und eine Art mit neuer gezogenen Grenzen

Für Nautilus pompilius ist Ambon in Indonesien ein besonders wichtiger Ort: Von dort stammt das Material, an dem der Name der Art festgemacht wird. Eine Untersuchung beschreibt lebend gefangene Tiere aus 150 bis 400 Metern Tiefe. Auch Material aus dem Raum Sumbawa und Lombok sowie den Philippinen wurde mit diesen Tieren verglichen.

Ältere Karten und Artikel fassen unter demselben Namen allerdings unterschiedliche Inselpopulationen zusammen. 2023 wurden die Nautilusse von Fidschi, Vanuatu und Amerikanisch-Samoa als eigene Arten beschrieben. Ihre Eigenschaften lassen sich deshalb nicht ungeprüft dem Gemeinen Nautilus zuschreiben.

Die Tiere leben an Meereshängen, deren Tiefe und Temperatur ihren erreichbaren Lebensraum begrenzen. Eine angeschwemmte leere Schale beweist noch nicht, dass an dieser Küste auch eine lebende Population vorkommt.

W. Bruce Saunders, Royal H. Mapes, Matthew M. White, Lee C. Hastie und Khusnul Yaqin · American Malacological Bulletin Gregory J. Barord, David J. Combosch, Gonzalo Giribet, Neil Landman und Peter D. Ward · ZooKeys MolluscaBase · World Register of Marine Species

Warum die Schale nicht einfach nach unten zieht

Kalk ist schwerer als Wasser. Trotzdem muss der Nautilus nicht ununterbrochen gegen das Gewicht seiner Schale anschwimmen. Hinter der großen Wohnkammer liegen ältere Kammern, die durch Trennwände voneinander abgegrenzt sind. Gas und Flüssigkeit in diesem Kammerapparat bestimmen mit, wie schwer das ganze Tier im Verhältnis zum verdrängten Wasser ist.

Durch die Kammern verläuft ein dünner Gewebestrang, der Sipho. Über dieses System wird Kammerflüssigkeit ausgetauscht. Transport von Salzen erzeugt dabei osmotische Unterschiede, durch die Wasser verlagert werden kann. So entsteht ein Auftriebsapparat, der beim Wachsen funktionsfähig bleibt.

Das ist kein Tauchtank, der für jeden Schwimmstoß schlagartig geflutet oder leergepumpt wird. Untersuchungen an der durchlässigen Siphoröhre betreffen zudem etwas anderes als den Antrieb eines lebenden, frei schwimmenden Tieres.

John A. Chamberlain Jr. und Stephen W. Pillsbury · Palaeontology Peter Ward, John Chamberlain, Rebecca Chamberlain, Gregory Barord, Anthony Ilano und Eric Catlin · Zoology Yang Zhang et al. · Nature Ecology & Evolution

Vorwärts oder rückwärts mit demselben Wasserstrahl

Zum Schwimmen nimmt der Nautilus Wasser in die Mantelhöhle auf und stößt es durch einen beweglichen Trichter unter dem Kopf wieder aus. Der Rückstoß bewegt ihn in die entgegengesetzte Richtung. Richtet er den Trichter anders aus, kann er die Schwimmrichtung ändern. Dieser Trichter heißt auch Hyponom und ist nicht der Sipho in den Schalenkammern.

Neil und Askew untersuchten 2018 die Wasserströmung beim Schwimmen von fünf Aquarientieren. Die Tiere schwammen sowohl mit dem Kopf als auch mit der Schale voraus. Richtung und zeitlicher Ablauf des Wasserstoßes beeinflussten die berechnete Antriebseffizienz. Die Untersuchung erklärt also, wie ein solcher Körper manövriert; sie liefert keinen universellen Wirkungsgrad für jeden Nautilus im Meer.

Thomas R. Neil und Graham N. Askew · Royal Society Open Science

Ein Auge ohne Linse und Nahrungssuche nach Geruch

An jeder Kopfseite sitzt ein Auge mit einer kleinen Öffnung. Es besitzt weder Linse noch Hornhaut. Licht gelangt durch die Pupille auf die Netzhaut – ähnlich wie bei einer Lochkamera. Das Auge ist deshalb nicht blind, bildet seine Umwelt aber anders ab als das Linsenauge eines Kraken.

Eine Genomstudie fand Zusammenhänge zwischen diesem Augentyp und Veränderungen mehrerer Genfamilien. Solche Vergleiche sind Hinweise auf seine Entwicklungsgeschichte; sie zeigen nicht durch einen einzelnen Versuch, dass der Verlust eines bestimmten Gens allein das gesamte Auge erzeugt hat.

Bei der Nahrungssuche helfen chemische Spuren im Wasser. Nautilusse untersuchen den Untergrund mit ihren Tentakeln, nehmen tierische Nahrung auf und verwerten auch Aas. Kräftige Kiefer und eine mit Zähnchen besetzte Raspelzunge zerkleinern das Futter. Der Tierfresser ist damit weder Planktonfilterer noch Pflanzenfresser.

Yang Zhang et al. · Nature Ecology & Evolution AZA Aquatic Invertebrate Taxon Advisory Group · Association of Zoos and Aquariums NOAA Fisheries

Junge Nautilusse entstehen langsam

Männchen und Weibchen sind getrennte Geschlechter. Das Männchen überträgt ein Spermienpaket mithilfe spezialisierter Tentakel. Weibchen befestigen einzeln umhüllte Eier an festem Untergrund. Das Junge entwickelt sich innerhalb der Eihülle und schlüpft bereits mit einer kleinen Schale; eine frei umherschwimmende Schneckenlarve gehört nicht zu diesem Entwicklungsweg.

Viele Details kennen Forschende aus Aquarien. Das AZA-Fachhandbuch von 2025 beschreibt eine Entwicklung über ungefähr ein Jahr und betont den Einfluss der Temperatur sowie die Grenzen solcher Haltungsbeobachtungen. Daraus lässt sich kein fester Schlupftermin für jedes Ei in der Tiefe berechnen.

Auch das oft genannte hohe Alter bei der Geschlechtsreife beruht auf Schätzungen und Untersuchungen unterschiedlicher Populationen. Verlässlich ist die Einordnung als langsam wachsender Kopffüßer mit geringer Nachwuchsproduktion – ein wichtiger Unterschied zu vielen kurzlebigen Kalmaren.

Takenori Sasaki, Shuichi Shigeno und Kazushige Tanabe · Cephalopods – Present and Past AZA Aquatic Invertebrate Taxon Advisory Group · Association of Zoos and Aquariums NOAA Fisheries

Eine alte Bauweise schützt nicht vor heutiger Nutzung

Die Schale hat dem Nautilus viel Aufmerksamkeit eingebracht: Ihre Streifen und das Perlmutt im Inneren machen sie zum begehrten Sammlerstück. Dafür werden auch lebende Tiere gefangen. Wo langsam nachwachsende Populationen stark befischt werden, kann sich ein Bestand nur begrenzt erholen.

Nautilusartige Kopffüßer haben eine lange Fossilgeschichte. Der Ausdruck „lebendes Fossil“ darf aber nicht bedeuten, dass heutige Tiere seit Hunderten Millionen Jahren unverändert wären. Die Genomforschung zeigt auch für ihre Abstammungslinie Veränderungen. Eine vertraute Schalenform und fortlaufende Evolution schließen sich nicht aus.

Gerade die neue Abgrenzung einzelner Inselarten macht deutlich, wie viel Vielfalt sich hinter dem vertrauten Namen Nautilus verbirgt. Für ihren Schutz zählt daher nicht nur die Schönheit der Schale, sondern auch, welche lebende Population dahintersteht.

NOAA Fisheries Yang Zhang et al. · Nature Ecology & Evolution Gregory J. Barord, David J. Combosch, Gonzalo Giribet, Neil Landman und Peter D. Ward · ZooKeys

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-29

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.