Säugetiere
Europäischer Maulwurf
Talpa europaea
Breite Grabhände, eine tastende Nase und ein Gangsystem als Jagdgebiet: Der Europäische Maulwurf ist ein spezialisierter Bodenbewohner, der sogar lebende Regenwürmer auf Vorrat halten kann.
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Der Pfad folgt der Mammal Diversity Database (1004339): Talpa europaea Linnaeus, 1758 in der Ordnung Eulipotyphla. Früher eingeschlossene nordiberische Populationen gehören heute zu Talpa aquitania; alte Verbreitungstexte können ein weiter gefasstes Artverständnis verwenden.
Auf einen Blick
- Größe
- Etwa 11,3–15,9 cm Kopf-Rumpf-LängeSchwanz zusätzlich etwa 2,5–4 cm. Spannen der regionalen Artübersicht der Kent Mammal Group, keine weltweiten Extremwerte; Männchen sind meist etwas größer.Kent Mammal Group Nicola Pearce, Michelle F.O’Brien, Rosa Lopez Colom et al. · Wellcome Open Research (2025)
- Körpermasse
- Etwa 72–128 gSpanne derselben regionalen Artübersicht; Geschlechter dort nicht getrennt aufgeschlüsselt. Körpergröße und Zustand einzelner Tiere können abweichen.Kent Mammal Group
- Besonderheit
- Breite Vorderhände als GrabwerkzeugeSpezialisierter Schultergürtel und Vordergliedmaßen arbeiten beim seitlichen Wegdrücken von Erde zusammen.Petr P.Gambaryan, Jean-Pierre Gasc und Sabine Renous · Russian Journal of Theriology1 (2002),91–109 Nicola Pearce, Michelle F.O’Brien, Rosa Lopez Colom et al. · Wellcome Open Research (2025)
Ein Erdhaufen verrät den Bewohner
Auf einer Wiese sieht man oft zuerst die Arbeit des Europäischen Maulwurfs: lockere Erde, die sich zu kleinen Hügeln auftürmt. Das Tier selbst bleibt meist verborgen. Die Hügel sind Aushub aus einem Gangsystem, das ihm als Jagdgebiet und Rückzugsort dient. Unter jedem Haufen eine eigene Maulwurfswohnung zu vermuten, würde dieses verzweigte System missverstehen.
Der Körper ist walzenförmig, der Hals von außen kaum abgesetzt. Kurzes, dichtes Fell kann sich beim Vorwärts- und Rückwärtskriechen in unterschiedliche Richtungen legen. Die winzigen Augen verschwinden fast im Pelz, äußere Ohrmuscheln fehlen. Besonders auffällig sind die hellen, breiten Vorderhände mit kräftigen Krallen. Sie gehören zu einem kleinen Säugetier aus der Ordnung der Echten Insektenfresser – derselben Ordnung, zu der auch Igel gehören.
People’s Trust for Endangered Species Kent Mammal Group American Society of Mammalogists · Mammal Diversity DatabaseGraben beginnt in der Schulter
Die Vorderhände wirken wie Schaufeln, doch zu ihrer Bewegung gehört viel mehr als ein kräftiger Kratzer. Kurze, breite Oberarmknochen, Schultergürtel und Muskeln bilden einen spezialisierten Grabapparat. Die Hände stehen seitlich am Körper und können Erde zur Seite drücken. Das schafft Raum, obwohl der Rumpf in einem engen Gang steckt.
Röntgenfilmaufnahmen von Talpa europaea machen sichtbar, wie dabei Knochen und Gelenke zusammenarbeiten. Für eine Untersuchung ließ man Tiere in angefeuchtetem Torf graben, durch den Röntgenstrahlen besser gelangen als durch mineralreichen Boden. Aus den Filmen und anatomischen Präparaten rekonstruierten die Forschenden die Bewegung. Auch beim Weiterbefördern des Aushubs arbeiteten in den untersuchten Abläufen die Vorderhände; der Kopf diente dabei nicht als Erdschaufel.
Solche Aufnahmen erklären einen Bewegungsmechanismus. Eine feste Grabgeschwindigkeit für jeden Gartenboden lässt sich daraus nicht ablesen. Lockerer Torf im Versuchsaufbau und steiniger, trockener oder durchwurzelter Boden stellen unterschiedliche Anforderungen.
Petr P.Gambaryan, Jean-Pierre Gasc und Sabine Renous · Russian Journal of Theriology1 (2002),91–109 Deutsche Wildtier StiftungDie Nase tastet, die Augen sind noch da
Im dunklen Gang helfen Tasthaare an Schnauze und Schwanz bei der Orientierung. Die Nasenhaut besitzt zusätzlich spezialisierte Taststrukturen, die Eimerschen Organe. Zusammen mit Geruch und Gehör erschließen solche Sinne eine Umgebung, in der ein weit reichender Blick wenig nützen würde.
Trotzdem ist „blind wie ein Maulwurf“ eine schlechte Beschreibung seiner Augen. Eine Untersuchung an Europäischen Maulwürfen wies in der Netzhaut sowohl Stäbchen als auch Zapfen nach. Spezielle Färbungen machten außerdem zwei unterschiedliche Zapfen-Sehfarbstoffe sichtbar. Die Augen sind verkleinert, aber kein funktionsloses Überbleibsel.
Der untersuchte Erbgutabschnitt eines Sehfarbstoffs und die Lichtdurchlässigkeit der Linse sprechen sogar für eine mögliche Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht. Das ist eine begründete biologische Schlussfolgerung, kein Versuch, in dem Tiere UV-Farben unterscheiden mussten. Wie ihre Umgebung für sie aussieht, verraten die Färbungen allein nicht.
Deutsche Wildtier Stiftung Martin Glösmann et al. · Journal of Vision8(4) (2008),23Das Gangsystem als Jagdgebiet
Regenwürmer und Insektenlarven gehören zu den wichtigsten Beutetieren. Der Maulwurf durchsucht seine Gänge und begegnet dort Bodentieren, die hineingeraten. Auch beim Graben kann er Nahrung erschließen. Sein Speiseplan erklärt, weshalb ein durchwühltes Beet nicht automatisch auf einen Wurzelfresser hinweist.
Eine schottische Untersuchung analysierte Mageninhalte von 181 Maulwürfen und verglich Beute mit dem Angebot im Boden. Regenwürmer und Insektenlarven dominierten, ihre Anteile unterschieden sich aber nach untersuchtem Ort und Zeitraum. Der Mageninhalt ist eine Momentaufnahme. Aus seinem Gewicht wird keine verlässliche tägliche Futtermenge.
People’s Trust for Endangered Species Oluwadare Funmilayo · Acta Theriologica24 (1979),379–389Lebende Beute auf Vorrat
Ein Maulwurf kann überschüssige Regenwürmer aufbewahren. In fünf untersuchten Wintervorräten der schottischen Studie lagen viele noch lebende Würmer mit verheilten Verletzungen. Bisse in die vorderen Körperabschnitte können ihre Beweglichkeit einschränken. Andere gefundene Würmer waren unverletzt. Die Vorräte waren also keine Sammlung gleich behandelter Beutetiere, und nicht unter jedem untersuchten Bau fand sich ein Lager.
Für diese Art ist die Verletzung der Beute gut dokumentiert. Ob zusätzlich wirksame Giftstoffe im Speichel daran beteiligt sind, ist eine eigene Forschungsfrage. Eine neuere Fachübersicht im Hintergrund eines Genomberichts bezeichnet entsprechende Belege beim Europäischen Maulwurf ausdrücklich als noch unzureichend.
Oluwadare Funmilayo · Acta Theriologica24 (1979),379–389 Nicola Pearce, Michelle F.O’Brien, Rosa Lopez Colom et al. · Wellcome Open Research (2025)Einzelgänger mit einer Kinderstube im Boden
Erwachsene Maulwürfe leben überwiegend allein in ihren Gangsystemen. Zur Fortpflanzung suchen die Männchen Weibchen auf. In einer gepolsterten Nestkammer bringt das Weibchen nach ungefähr vier Wochen Tragzeit mehrere nackte, zunächst blinde Junge zur Welt und versorgt sie mit Milch. Für die Jungen ist der unterirdische Bau damit auch Kinderstube.
Später müssen sie ein eigenes Gebiet finden. Dabei können sie an die Oberfläche geraten, wo Greifvögel, Eulen und andere Räuber leichter an sie herankommen. Frühjahrsangaben zur Fortpflanzung beschreiben einen typischen regionalen Ablauf, keinen überall gleichen Kalender. Das Leben im Boden geht auch außerhalb dieser Phase weiter: Europäische Maulwürfe halten keinen Winterschlaf.
Nicola Pearce, Michelle F.O’Brien, Rosa Lopez Colom et al. · Wellcome Open Research (2025) Deutsche Wildtier StiftungGeeigneter Boden ist wichtiger als ein makelloser Rasen
Talpa europaea lebt in weiten Teilen Europas und reicht bis ins westliche Asien. Wiesen, Weiden, Laubwälder und Gärten können geeignet sein, wenn der Boden Gänge zulässt und genügend Beutetiere bietet. Oberirdisch unterschiedliche Landschaften können unterirdisch ähnlich gute Bedingungen schaffen.
Bei Verbreitungsangaben lohnt sich Genauigkeit: Nordiberische Maulwürfe wurden früher ebenfalls zu dieser Art gerechnet. Heute werden sie Talpa aquitania zugeordnet. Ein älterer Bericht über „Europäische Maulwürfe“ muss daher zum Ort und damaligen Artverständnis passen. Ähnliches Aussehen allein garantiert keine gleiche Art.
Im Garten zeigt der Maulwurf, dass der Boden selbst ein Lebensraum ist. Seine Hügel machen einen kleinen Teil davon sichtbar; den Großteil seiner Jagd- und Lebensweise übersieht man beim bloßen Blick auf den Rasen.
American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database Sociedad Española para la Conservación y Estudio de los Mamíferos People’s Trust for Endangered Species Deutsche Wildtier StiftungWeitere Tiere

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EntdeckenQuellen und Bildnachweis
Stand: 2026-10-29
- Talpa europaea · MDD1004339 · American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database · abgerufen 2026-10-29
- Talpa aquitania · Atlas de mamíferos · Sociedad Española para la Conservación y Estudio de los Mamíferos · abgerufen 2026-10-29
- Mole · Talpa europaea · People’s Trust for Endangered Species · abgerufen 2026-10-29
- Mammals · Mole · Kent Mammal Group · abgerufen 2026-10-29
- Cinefluorographical study of the burrowing movements in the common mole, Talpa europaea (Lipotyphla,Talpidae) · Petr P.Gambaryan, Jean-Pierre Gasc und Sabine Renous · Russian Journal of Theriology1 (2002),91–109 · abgerufen 2026-10-29
- Maulwurf · Unermüdlicher Stollengräber · Deutsche Wildtier Stiftung · abgerufen 2026-10-29
- Cone photoreceptors and potential UV vision in a subterranean insectivore, the European mole · Martin Glösmann et al. · Journal of Vision8(4) (2008),23 · abgerufen 2026-10-29
- Food consumption, preferences and storage in the mole · Oluwadare Funmilayo · Acta Theriologica24 (1979),379–389 · abgerufen 2026-10-29
- The genome sequence of the European mole, Talpa europaea Linnaeus,1758 · Nicola Pearce, Michelle F.O’Brien, Rosa Lopez Colom et al. · Wellcome Open Research (2025) · abgerufen 2026-10-29
Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.
