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Pflanzenporträt

Nicotiana attenuata

Nicotiana attenuata

Eine Blüte kann Besucher anlocken und zugleich ihren Nektarkonsum begrenzen. Bei diesem nordamerikanischen Tabak wirken Benzylaceton und Nicotin unterschiedlich auf die Besucher. Erst Versuche mit veränderten Pflanzen und überprüften Nachkommen zeigen, weshalb bloßer Besucherandrang noch kein Maß für Fremdbestäubung ist.

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KI-Darstellung eines blühenden Sprosses von Nicotiana attenuata mit langen hellen Blütenröhren und schmalen oberen Blättern.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung: Nicotiana attenuata: Lange, schmale Blütenröhren enden in einem kleinen, flach ausgebreiteten weißen Saum.

Kew akzeptiert Nicotiana attenuata Torr. ex S.Watson. Die gleichlautende Bezeichnung Nicotiana attenuata Steud. gehört zu einem anderen nomenklatorischen Zusammenhang. Die sechs Ränge folgen der weit gefassten Klasse Equisetopsida; die Unterklasse Magnoliidae ist ausgelassen.

Auf einen Blick

Größe
Etwa 30–150 cm hoch nach der Flora von British ColumbiaUniversity of British Columbia · E-Flora BC / Illustrated Flora of British Columbia
Wuchs
Einjähriges, aufrechtes und drüsig behaartes KrautUniversity of British Columbia · E-Flora BC / Illustrated Flora of British Columbia
Lebensraum
Unter anderem trockene Sandhänge und offene Stellen an FelsenUniversity of British Columbia · E-Flora BC / Illustrated Flora of British Columbia
Verbreitung
Westliches Nordamerika, von Kanada bis in den Nordwesten MexikosRoyal Botanic Gardens, Kew · POWO
Fortpflanzung
Selbstbefruchtung möglich; auch Fremdbestäubung durch BlütenbesucherKessler, Gase & Baldwin · Science
Besonderheit
Blütenduft und Nicotin im Nektar übernehmen unterschiedliche Rollen bei BlütenbesuchenKessler & Baldwin · The Plant Journal Kessler, Gase & Baldwin · Science

Eine helle Röhre als Zugang zum Nektar

Nicotiana attenuata ist ein einjähriges Nachtschattengewächs des westlichen Nordamerikas. Die drüsig behaarte Pflanze besitzt unten breitere, weiter oben schmalere Blätter. Ihre zahlreichen weißlichen bis gelblichen Röhrenblüten stehen in einem verlängerten Blütenstand. Die Flora von British Columbia nennt Wuchshöhen zwischen dreißig und hundertfünfzig Zentimetern; dort besiedelt die Art trockene Sandhänge und Stellen am Fuß von Felsen.

An ihren Blüten trinken unter anderem Schwärmer und Kolibris. Ein Besuch kann Pollen übertragen, muss aber nicht dieselbe Leistung erbringen wie der nächste. Auch Nektarräuber profitieren vom Zuckerangebot. Für die Pflanze sind daher Anziehung, Verbrauch ihrer Belohnung und Übertragung von Pollen verschiedene Größen.

University of British Columbia · E-Flora BC / Illustrated Flora of British Columbia Kessler & Baldwin · The Plant Journal

Süßer Nektar mit einer begrenzenden Komponente

Kessler und Baldwin prüften 2007 einzelne Nektarbestandteile in Wahlversuchen. Zuckerlösungen mit Benzylaceton waren für die untersuchten Besucher attraktiv, solche mit Nicotin abschreckend. Die Reaktion hing auch davon ab, ob ein Stoff in der Lösung oder in der Luft darüber angeboten wurde. Geschmack und Geruch ließen sich experimentell trennen.

Das wirkt zunächst widersprüchlich: Warum eine Belohnung anbieten und ihren Konsum erschweren? Eine begrenzte Trinkdauer kann mehr Wechsel zwischen Blüten ermöglichen und verhindern, dass wenige Besucher alles leeren. Doch ein solcher möglicher Vorteil ist mit dem Wahlversuch allein noch nicht nachgewiesen. Auch die Menge des morgens verbliebenen Nektars sagt nicht unmittelbar, wie viele Samen durch fremden Pollen entstehen.

Kessler & Baldwin · The Plant Journal

Die Fremdbestäubung eigens sichtbar machen

2008 verglich ein Freilandexperiment Pflanzen, deren Produktion von Benzylaceton, Nicotin oder beiden Stoffen durch RNA-Interferenz vermindert war, mit Kontrollpflanzen. Weil die Art sich selbst befruchten kann, entfernte das Team vor dem Aufblühen die Staubbeutel ausgewählter Blüten. Eine entstehende Frucht war dann ein Hinweis auf erhaltenen fremden Pollen.

Kontrollpflanzen mit beiden Komponenten bildeten unter diesen Bedingungen mehr Kapseln als die veränderten Linien. In einem weiteren Versuch wurde die Vaterschaft von Nachkommen genetisch bestimmt. Auch als Pollenspender waren die Kontrollpflanzen erfolgreicher. Die Zahl der Samen je gebildeter Kapsel unterschied sich dagegen nicht signifikant.

Kessler, Gase & Baldwin · Science

Anlockung und Begrenzung können gemeinsam nützen

Die Befunde verbinden unterschiedliche Rollen: Der Duft begünstigt Besuche, während Nicotin den Umgang mit der Nektarbelohnung beeinflusst. Weniger von einer abschreckenden Substanz bedeutete hier deshalb nicht automatisch mehr Fortpflanzungserfolg.

Der gemessene Vorteil betrifft die untersuchten Freilandbedingungen und eigens von Selbstbestäubung getrennte Blüten. Er ist kein allgemeines Gesetz für jeden Nektarbestandteil oder jede Population. Gerade diese Trennung macht den Erkenntnisgewinn deutlich: Für eine Blüte zählt nicht allein, wie lange ein Tier bleibt, sondern was bei der Begegnung mit dem Pollen geschieht.

Kessler, Gase & Baldwin · Science

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-31

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.