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Pflanzenporträt

Gewöhnlicher Reiherschnabel

Erodium cicutarium

Der lange Fruchtschnabel liefert jeder Teilfrucht eine Granne mit. Sie kann zunächst gespeicherte Spannung zum Fortschleudern nutzen und später auf Feuchtewechsel reagieren. Entscheidend für das Eingraben ist auch, wo die Teilfrucht Halt findet.

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KI-Darstellung einer trockenen Teilfrucht von Erodium cicutarium mit behaartem Fruchtkörper und gewundener Granne.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung: Erodium cicutarium: An der behaarten Teilfrucht sitzt eine Granne, deren unterer Abschnitt sich schraubig windet.

Erodium cicutarium (L.) L’Hér. ist bei Kew akzeptiert. Die sechs Ränge folgen der weit gefassten Klasse Equisetopsida; die Unterklasse Magnoliidae ist ausgelassen.

Auf einen Blick

Größe
Stängel etwa 4–40 cm langInfo Flora · Flora Helvetica 2018
Wuchs
Behaartes Kraut, niederliegend bis aufsteigendInfo Flora · Flora Helvetica 2018
Lebensraum
Äcker, Weinberge und Wegränder in warmen LagenInfo Flora · Flora Helvetica 2018
Verbreitung
Ursprünglich mediterran nach Flora Helvetica; heute weit verschlepptInfo Flora · Flora Helvetica 2018 Royal Botanic Gardens, Kew · POWO
Fortpflanzung
Rosa Blüten; lang geschnäbelte Früchte mit begrannten TeilfrüchtenInfo Flora · Flora Helvetica 2018 Evangelista, Hotton & Dumais · Journal of Experimental Biology
Besonderheit
Mitreisende Grannen reagieren auch nach der Ablösung auf FeuchtewechselEvangelista, Hotton & Dumais · Journal of Experimental Biology

Nach den rosa Blüten bleibt ein Schnabel

Der Gewöhnliche Reiherschnabel wächst niederliegend bis aufsteigend. Seine fein zerteilten, behaarten Blätter und die kleinen rosa Blüten fallen weniger auf als die lang ausgezogenen Früchte. Die Flora Helvetica beschreibt Stängel von vier bis vierzig Zentimetern und einen drei bis vier Zentimeter langen Fruchtschnabel. In der Schweiz findet man die Art etwa an Wegrändern, in Weinbergen und auf Äckern warmer Lagen.

Der Schnabel ist kein später wachsender Keimling. Er gehört zum Fruchtorgan und trägt zur Verbreitung bei: Beim Zerfall entstehen fünf Teilfrüchte, jeweils mit einer langen Granne. Deshalb muss man zwei Ereignisse unterscheiden. Zuerst verlässt eine Teilfrucht die Mutterpflanze; danach liegt dasselbe Organ auf dem Boden und reagiert weiter auf seine Umgebung.

Info Flora · Flora Helvetica 2018 Evangelista, Hotton & Dumais · Journal of Experimental Biology

Einmal gespeicherte Spannung, wiederholte Feuchtewechsel

Die trockene Granne bevorzugt eine gewundene Form, wird am noch geschlossenen Fruchtstand aber gestreckt gehalten. Beim Ablösen wird elastische Energie frei. In Versuchen von 2011 lag die gemessene Flugweite ungefähr bei einem halben Meter.

Am Boden folgt ein anderer Vorgang: Befeuchtung entwindet die Granne, Trocknung lässt sie wieder einrollen. Das ist eine Materialreaktion des bereits abgestorbenen Organs. Der Abschuss verbraucht einmal gespeicherte Spannung; spätere Formwechsel werden durch Wasseraufnahme und Wasserverlust ermöglicht. Eine tote Struktur kann sich somit mehrfach bewegen, ohne Muskelarbeit oder weiteres Längenwachstum.

Evangelista, Hotton & Dumais · Journal of Experimental Biology

Wasser im Hohlraum und Wasser im Gewebe

Benetzen und Quellen sind nicht derselbe Schritt. Freies Wasser kann zunächst durch feine Hohlräume der Granne wandern; erst die Aufnahme in die quellfähigen Zellwände verändert deren Materialzustand. Eine Untersuchung von 2025 verfolgte deshalb Wasserbewegung und Formänderung getrennt.

Das Team nutzte, dass sich die Lichtstreuung verändert, wenn Wasser Luft in den Hohlräumen ersetzt. Gleichzeitig wurde die Drehung der Granne aufgezeichnet. Der optische Messaufbau reagierte vor allem auf freies Wasser. Das stärker gebundene Wasser wurde aus der Bewegung erschlossen, nicht unmittelbar vollständig gemessen.

Untersucht wurden zwei Grannen aus Material nahe Tartu, die im Labor wiederholt mit Wassernebel benetzt wurden. Das zeigt einen Zugang zum inneren Ablauf, keine allgemeine Geschwindigkeit auf jedem natürlichen Boden. Für die Bewegung zählt somit mehr als die äußere Schraubenform: Wasser muss verteilt werden und das Material zum Quellen bringen.

Sarokin, Aabloo & Must · npj Robotics

Aus Drehen wird erst durch Kontakt ein Eingraben

In Zeitrafferaufnahmen auf sandigem Boden verschoben sich Teilfrüchte, gerieten gelegentlich in Risse und wurden nach mehreren Feuchtezyklen teils vollständig eingegraben. Ohne geeigneten Kontakt kann sich die Granne dagegen bewegen, ohne die Frucht wesentlich tiefer zu bringen.

Ein mechanisches Modell gab die Formänderungen gut wieder, verwendete aber teilweise Materialwerte aus anderer Pflanzenliteratur. Es erklärt daher nicht automatisch den Erfolg auf jedem Boden. Die schraubenähnliche Gestalt allein reicht als Erklärung nicht aus: Feuchtewechsel, Bewegungsfreiheit und Halt am Untergrund wirken zusammen.

Evangelista, Hotton & Dumais · Journal of Experimental Biology

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-31

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.