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Kunst

Wie eine spanische Höhle ihre Steinzeitkunst verbarg

Jahrzehntelang gingen Besucher an den Ritzbildern vorbei. In der Cova de la Font Major zeigen 280 dokumentierte Motive, wie viel Licht und Blickwinkel beim Entdecken ausmachen.

Redaktion: Benjamin Metzig. KI als Werkzeug für Text und Bild.

Dieser Beitrag entstand in einem von Benjamin Metzig geplanten und redaktionell geführten Arbeitsprozess. Er bestimmte Thema, Struktur und Maßstäbe, prüfte und überarbeitete Inhalt, Quellen und Darstellung und entschied über die Veröffentlichung. Generative KI diente dabei als Werkzeug; sie wurde auch für das Artikelbild eingesetzt. Zur Arbeitsweise der Redaktion

KI-Illustration einer rauen Höhlenwand, auf der seitliches Licht eine eingeritzte Pferdefigur sichtbar macht.
KI-Illustration einer fiktiven Höhlenwand. Seitliches Licht betont die Rillen eines schematisch eingeritzten Pferdes.

Am 30. Oktober 2019 sah der Archäologe Josep Maria Vergès Bosch zwischen den Namen und Jahreszahlen an einer spanischen Höhlenwand Linien, die dort seit der Altsteinzeit sein könnten. Überraschend war der Ort. Die schmalen Gänge der Cova de la Font Major gehörten seit 1993 zu einer Besucherroute. Menschen waren an den Ritzungen vorbeigegangen und hatten stellenweise ihre eigenen Zeichen über ältere Linien gesetzt. Vergès Bosch und Salas-Altès in *Antiquity*

Die am 5. November 2026 erschienene Auswertung dokumentiert 280 grafische Einheiten, darunter 55 Tierdarstellungen. Damit umfasst der Fund sowohl einzelne Figuren und Zeichen als auch Gruppen von Strichen. Die Höhle war bekannt. Was fehlte, war ein Blick, der flache Ritzungen vom unruhigen Fels und von späteren Kritzeleien trennte. Seitliches Licht kann dabei helfen. Das Alter der sichtbaren Linien muss anschließend mit anderen Mitteln erschlossen werden. Bericht in *Nature* vom 6. November 2026

Was ein flacher Lichtstrahl verändert

Viele Wände in der Höhle bestehen aus Konglomerat, also aus Gestein, in dem verfestigte Gerölle stecken. Form und Farbe wechseln auf kleiner Fläche. Die Ritzbilder liegen in weicheren, gleichmäßigeren Mergelschichten dazwischen. Die meisten vermessenen Rillen sind drei bis sieben Millimeter breit und flach. Eine Taschenlampe, die frontal auf eine solche Rille fällt, beleuchtet beide Flanken ähnlich. Leuchtet sie fast parallel zur Wand, bleibt eine Seite im Schatten, während die andere eine helle Kante bekommt. Die Kontur wird kontrastreicher. In einer anderen Richtung verlaufende Striche können unter demselben Licht dagegen weiter schlecht zu sehen sein. Fundbeschreibung in *Antiquity* · Smithsonian Museum Conservation Institute zur Beleuchtung aus mehreren Richtungen

Beleuchte dieselbe Ritzung aus zwei Richtungen

Wo steht die Lampe?

Von vorn erscheinen die flachen Linien schwach.

Von links entsteht eine helle und eine dunkle Rillenkante.

Schematisches Modell einer erfundenen Rille. Helligkeit und Rillentiefe sind keine Messwerte aus der Höhle. Die Kontur bleibt gleich. Nur ihr Kontrast ändert sich. Smithsonian Museum Conservation Institute zur wechselnden Beleuchtung

Streiflicht hebt auch natürliche Risse und frische Kratzer hervor. Es verrät, wo eine Vertiefung liegt. Ob sie zum Bild gehört, zeigt sich erst im Zusammenhang. In Font Major nutzte das Team hochauflösende 3D-Modelle der Wände, um Rillen zu vermessen. Eine gesonderte Pilotstudie untersuchte an einem Panel die Querschnitte von zehn grafischen Einheiten. Die Profile unterschieden sich, waren aber unter anderem durch den Erhaltungszustand geprägt. Eine bestimmte Rillenform allein lässt sich deshalb nicht sicher einem Werkzeug oder einer Person zuordnen. Pilotstudie zur 3D-Vermessung · Wie 3D-Scans Kulturerbe dokumentieren

Der Fels kann Teil des Bildes sein

Ein Pferd aus dem fünften Sektor steht dort, wo der gleichmäßige Mergel an das gröbere Gestein grenzt. Im Bild wirkt die natürliche Kante wie der Boden unter dem Tier. An anderer Stelle berührt die Schnauze eines hirschartigen Tiers einen waagerechten Spalt. Vielleicht hat die Person, die das Bild ritzte, die Fuge bewusst als Wasseroberfläche oder Bodenlinie verwendet. Das ist eine Lesart der Komposition. Die Bilder zeigen, wo die Linien zusammentreffen. Ob diese Wirkung beabsichtigt war, bleibt offen. Originalabbildungen 3 und 4 in *Antiquity*

Der Katalog enthält Pferde, Hirsche, Rinderartige und weitere Tiere. Die Mehrzahl der grafischen Elemente besteht aus anderen Formen, etwa Reihen paralleler Linien. Die Wand lässt sich auch deshalb schwer auf einmal lesen, weil ältere und jüngere Zeichen dicht beieinander liegen. Die Erforschung der Konglomerathöhlen hat bereits 2022 gezeigt, wie sehr solche Fundstellen das Bild des eiszeitlichen Kataloniens ergänzen können. Welche Tiere Menschen zeichneten und welche sie an denselben Orten jagten, ist wiederum eine eigene Frage. Frühe Fachpublikation zum Höhlenkomplex · Eiszeitkunst und fossile Tierfunde im Vergleich

Holzkohle hat ein Datum. Die Wand braucht Indizien.

In den inneren Gängen belegen Radiokarbondaten altsteinzeitliche Anwesenheit in zwei Zeitfenstern. Die Studie fasst sie auf rund 41.000 bis 35.200 und 26.400 bis 25.800 Jahre vor 1950 zusammen. Das ist die übliche Bezugsgröße kalibrierter Radiokarbondaten. Die meisten frühen Proben stammen aus Holzkohle. In einer etwa 26.000 Jahre alten Schicht fanden die Forschenden auch eine kleine Feuersteinklinge. Diese Funde belegen Besuche. Welches Bild damals entstand, sagen sie für sich genommen nicht. Auch aus der Eisenzeit gibt es datierte Spuren in der Höhle. Originalstudie, Tabellen 1 und 2 · Ausgrabung der eisenzeitlichen Fundschichten

Für manche Tierfiguren gibt es stilistische Hinweise. Bestimmte Arten, Beine und Köpfe zu zeichnen, finden sich auch in anderen mediterranen Höhlen und passen zu frühen Phasen der jüngeren Altsteinzeit. Die Studie hält mehrere Entstehungszeiten für möglich. Eine Tierfigur ist von Kalzit bedeckt, einem Mineral, das sich nach dem Einritzen auf der Wand abgelagert haben kann. Lässt sich die Schicht datieren und ihr Verhältnis zur Linie sichern, müsste die Ritzung älter sein als die Ablagerung. Die Untersuchung steht noch aus. Zeitliche Einordnung in der Originalstudie

Für die Entdeckung genügte ein genauer Blick an einem Ort, den viele für längst abgesucht hielten. Die anschließende Arbeit war langsamer. Linien mussten aus anderen Spuren herausgelesen, einzeln erfasst und mit Funden an anderen Orten verglichen werden. Seitliches Licht verschiebt die Grenze dessen, was auf einer Wand zu sehen ist. Den Unterschied zwischen einer erkannten Figur und einem datierten Bild macht die weitere Forschung.

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