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Medizin

Herz-CT statt Risikorechner? Was die Statin-Studie zeigt

In der CorCal-Studie führte der Risikorechner häufiger zu einer Statinempfehlung als der Herz-CT. Trotzdem blieb bei den Herz-Kreislauf-Ereignissen offen, ob die CT-Strategie vergleichbar schützt.

Redaktion: Benjamin Metzig. KI als Werkzeug für Text und Bild.

Dieser Beitrag entstand in einem von Benjamin Metzig geplanten und redaktionell geführten Arbeitsprozess. Er bestimmte Thema, Struktur und Maßstäbe, prüfte und überarbeitete Inhalt, Quellen und Darstellung und entschied über die Veröffentlichung. Generative KI diente dabei als Werkzeug; sie wurde auch für das Artikelbild eingesetzt. Zur Arbeitsweise der Redaktion

KI-Illustration: eine CT-Konsole mit stilisiertem Herzquerschnitt neben einem Bildschirm zur Risikoberechnung.
KI-Symbolillustration der zwei Strategien aus CorCal. Die Bildschirmgrafiken zeigen keine echten Befunde oder Risikowerte.

Ein Risikorechner kann das Alter, den Blutdruck und die Blutfette einer Person berücksichtigen. Ob sich in ihren Herzkranzgefäßen bereits Kalk abgelagert hat, weiß er nicht. Auf einem Herz-CT lässt sich dieser Kalk sehen. Dafür kann das Bild allein wenig darüber sagen, wie sich ein erhöhter Blutdruck oder jahrelanges Rauchen künftig auswirken. Zwei Verfahren schauen auf dieselbe Frage aus verschiedenen Richtungen: Wer könnte von einem Medikament zum Schutz vor einem ersten Herzinfarkt oder Schlaganfall profitieren?

Die US-Studie CorCal hat verglichen, was passiert, wenn die Empfehlung für ein Statin auf dem Kalkwert oder auf einem Risikorechner beruht. Der Rechner führte mehr als dreimal so häufig zu einer Empfehlung, mit einem Statin zu beginnen. In beiden Gruppen hatten gerundet 2,7 Prozent eines der in der Studie erfassten klinischen Ereignisse. Ein Nachweis, dass die CT-Strategie ausreichend ähnlich schützt, gelang jedoch nicht. Das zeigen die am 31. August 2026 vorgestellten Kongressdaten der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie.

Ein Bild der Gefäße, eine Schätzung für zehn Jahre

Statine senken LDL-Cholesterin. LDL-Partikel können zur Bildung von Ablagerungen in Arterien beitragen, wie unser Beitrag über Cholesterin und Gefäßgesundheit erklärt. Eine Auswertung der individuellen Daten aus 27 randomisierten Studien zeigt, dass LDL-Senkung mit Statinen das Risiko für größere Gefäßereignisse verringern kann. Wie groß der absolute Nutzen ist, hängt auch vom Ausgangsrisiko ab. CorCal untersuchte deshalb eine andere Frage als diese Medikamentenstudien: Auf welcher Grundlage soll eine Empfehlung zustande kommen?

Der US-Rechner, die Pooled Cohort Equations (PCE), schätzt aus mehreren Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit eines Gefäßereignisses über die nächsten zehn Jahre. Das CT für den Coronary Artery Calcium Score (CAC) erfasst verkalkte Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen. Der Fachinformationsdienst von ACR und RSNA erklärt, wie sie im Schnittbild sichtbar werden. Ein Kalkwert von null heißt, dass die Untersuchung keinen Kalk nachgewiesen hat. Auch ohne nachweisbaren Kalk können sich bereits nicht verkalkte Ablagerungen gebildet haben.

Der Zufall bestimmte den Weg zur Empfehlung

Das Studienteam rekrutierte in einem US-Gesundheitsverbund 5.772 Erwachsene. Sie waren im Mittel rund 64 Jahre alt und hatten weder eine bekannte atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung noch Diabetes oder eine frühere Statinbehandlung. Per Zufall wurden je 2.886 Personen einer Strategie zugeteilt. Laut der Fachpublikation zum Studienaufbau hatten 5.329 Personen die nötigen Ausgangsuntersuchungen für die geplante Hauptanalyse abgeschlossen. Diese Publikation beschreibt Design und Ausgangsdaten; die klinischen Ergebnisse stammen aus der Kongressvorstellung.

Per Los wurde bestimmt, wie die Empfehlung zustande kam. Ob ein Statin tatsächlich verordnet wurde, entschieden die Teilnehmenden gemeinsam mit ihren Ärztinnen und Ärzten. Die Einnahme war also nicht durch die Zuteilung vorgegeben. Die Forschenden verfolgten anschließend einen kombinierten Endpunkt. Er erfasste laut Studienregister Todesfälle jeglicher Ursache, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Eingriffe zur Wiederherstellung der Durchblutung. Die 2,7 Prozent beziehen sich auf diesen kombinierten Endpunkt, nicht allein auf Herzinfarkte.

Zwei Strategien im direkten Vergleich

KriteriumHerz-CT (CAC)Risikorechner (PCE)
Gruppe2.886 per Los zugeteilt; 2.687 mit vollständiger Basisuntersuchung laut Designpublikation.2.886 per Los zugeteilt; 2.642 mit vollständiger Basisuntersuchung laut Designpublikation.
EmpfehlungSeltener empfohlen. Vergleich mit der Rechnergruppe.Mehr als dreimal so häufig zum Start geraten wie in der CT-Gruppe.
Einnahme62 % laut Kongress, nur unter Personen mit einer Statinempfehlung.23 % laut Kongress, nur unter Personen mit einer Statinempfehlung.
Ereignisse2,7 % beim kombinierten Endpunkt. Nichtunterlegenheit gegenüber dem Rechner nicht nachgewiesen.2,7 % beim kombinierten Endpunkt. Referenzgruppe; der gerundete Anteil belegt keine Gleichwertigkeit.

Zweimal 2,7 Prozent reichen nicht

Die beiden gerundeten Anteile beschreiben, was nach 4,2 Jahren Nachbeobachtung erfasst wurde. Die Studie sollte darüber hinaus prüfen, ob die CT-Strategie nicht um mehr als einen vorab festgelegten Spielraum schlechter abschneidet. Dieser sogenannte Nichtunterlegenheitsnachweis ist strenger als der Blick auf zwei fast gleiche Prozentwerte. Er verlangt ausreichend präzise Daten, um einen zu großen Nachteil auszuschließen.

Der Vergleich der Ereignisse im Zeitverlauf ergab eine Hazard Ratio von 0,99. Ein Wert von 1 würde hier für keinen Unterschied stehen. Doch das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von 0,71 bis 1,38. Die Daten ließen also sowohl einen Vorteil als auch einen Nachteil zu. Es traten weniger Ereignisse auf als erwartet. Damit blieb die Schätzung zu ungenau, um die vorab gesetzte Grenze einzuhalten. Der verfehlte Nachweis zeigt umgekehrt auch nicht, dass die CT-Strategie schlechter ist.

Das auffälligste Signal lag vorher in der Entscheidungskette. Unter den Personen mit einer Statinempfehlung hielten sich laut Kongressbericht 62 Prozent in der CT-Gruppe und 23 Prozent in der Rechnergruppe an die Medikation. Das sind keine Einnahmequoten für alle Teilnehmenden. Denkbar ist, dass ein sichtbarer Befund die Empfehlung überzeugender macht. Die Studie belegt diesen Grund aber nicht: Die Personen, denen die beiden Verfahren ein Statin nahelegten, können sich auch in anderen Merkmalen unterscheiden. Für die klinische Frage kommt es darauf an, was aus Empfehlung und Einnahme am Ende für alle Betroffenen folgt.

In Europa ergänzt der Kalkwert die Risikoschätzung

Die europäische Leitlinienaktualisierung von ESC und EAS ordnet das CT anders ein als der direkte Strategievergleich in CorCal. Bei geeigneten Menschen ohne bekannte Gefäßerkrankung kommt in Europa SCORE2 beziehungsweise SCORE2-OP für Ältere zum Einsatz. Das sind andere Modelle als der US-Rechner aus der Studie.

Liegt bereits ein erhöhter Kalkwert oder ein anderer bildgebender Hinweis auf unbemerkte Atherosklerose vor, kann das bei mittlerem Risiko oder nahe einer Behandlungsschwelle die Einschätzung verändern. Ein CT für die gesamte Bevölkerung empfehlen die Fachgesellschaften dafür nicht. Das Bild zeigt außerdem nur einen Ausschnitt der Gefäßgesundheit. Veränderungen an der inneren Zellschicht der Gefäße und nicht verkalkte Ablagerungen lassen sich aus dem Kalkwert allein nicht ablesen.

CorCal zeigt vor allem, dass die Wahl der Methode beeinflusst, wer überhaupt eine Empfehlung bekommt und wie sie angenommen wird. Ob die CT-Strategie trotz seltenerer Empfehlungen ähnlich zuverlässig vor Ereignissen schützt, bleibt nach den Kongressdaten offen. Genau dafür braucht es einen ausreichend großen Vergleich mit mehr beobachteten Ereignissen. Für eine einzelne Person lässt sich aus den beiden Gruppenwerten weder ein CT ableiten noch eine Entscheidung für, gegen oder zum Absetzen eines Statins.

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