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Säugetiere

Großer Abendsegler

Nyctalus noctula

Ein fliegendes Säugetier jagt mit veränderlichen Rufen, nutzt Baumhöhlen und wandert weit durch Europa. Bei der Beutesuche können die Rufe benachbarter Tiere helfen.

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Fotorealistisch generierter Großer Abendsegler mit braunem Fell, kurzen Ohren und gefalteten dunklen Flughäuten kopfabwärts in einer Baumhöhle.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines ruhenden Großen Abendseglers. Mit einer zugeordneten ASM-Fotografie verglichen; gefaltete Flügel und verdeckte Merkmale begrenzen die Bildprüfung.

Die Linie folgt der Mammal Diversity Database. Süßwasser bezeichnet hier Jagdräume über Gewässern und in ihren Uferlandschaften, keinen im Wasser lebenden Erwachsenen. Zugstudien an Weibchen werden nicht auf sämtliche Tiere pauschalisiert.

Auf einen Blick

Größe
6–8,2 cm Kopf-Rumpf-Länge; 32–40 cm SpannweiteZwei unterschiedliche Maße laut Bat Conservation Trust; Spannweite nicht als Körperlänge vergleichen.Bat Conservation Trust
Gewicht
Etwa 18–40 gArtenbereich des Bat Conservation Trust; Alter, Geschlecht, Saison und Ernährungszustand beeinflussen Einzelwerte.Bat Conservation Trust
Besonderheit
Echoortender Insektenjäger mit weiten WanderungenDie 2025 besenderten Weibchen nutzten häufig günstige Fronten; kein universeller Zugplan.Journal of Zoology · Gareth Jones Science · Hurme et al.

Zwischen Baumhöhle und freiem Himmel

Ein dunkler Punkt zieht in der Dämmerung über eine Wiese. Seine Bahn ist schnell und gerichtet, dann folgt eine Wendung zur Beute. Der Große Abendsegler jagt im freien Luftraum, oft über Baumkronen, Gewässern oder offenen Flächen. Für die Ruhe kehrt er dagegen an einen geschützten Ort zurück, häufig in eine Baumhöhle.

Die Art verbindet damit Lebensräume, die auf einer Karte zunächst getrennt wirken: alte Bäume, offene Jagdflächen und weit entfernte saisonale Quartiere. Ein einzelner guter Baum reicht für diese Lebensweise nicht aus. Nahrung und erreichbare Rückzugsorte müssen in einer Landschaft zusammenpassen. Was tagsüber unsichtbar im Holz sitzt, kann nachts große Entfernungen zurücklegen.

Bundesamt für Naturschutz Bayerisches Landesamt für Umwelt

Ein Säugetier mit eigenen Flugwerkzeugen

Nyctalus noctula gehört zu den Fledermäusen, der Ordnung Chiroptera. Seine Familie heißt Vespertilionidae, auf Deutsch Glattnasen. Die Mammal Diversity Database führt ihn als eigene Art mit einer weiten Verbreitung in Europa und Teilen Asiens. Nicht jede ältere Karte ostasiatischer „Abendsegler“ bildet die heutige Artabgrenzung zuverlässig ab.

Das Fell ist braun, oft mit einem rötlichen Schimmer. Die Ohren sind kurz und breit; im Ohr liegt ein charakteristisch pilzförmiger kleiner Ohrdeckel, der Tragus. Entfaltet sind die Flügel lang und schmal. An einem ruhenden Tier in der Baumhöhle lässt sich diese Flugform kaum erkennen: Die dunklen Flughäute liegen zusammengefaltet am Körper. Ein Bild des Kopfes liefert deshalb nur einen Teil der Merkmale.

American Society of Mammalogists · Mammal Diversity Database Bat Conservation Trust

Ein veränderlicher Ruf statt einer einzigen Frequenz

Ein Abendsegler sendet kurze Rufe aus und nutzt die zurückkehrenden Echos zur Orientierung und Beutesuche. Die Rufe bleiben dabei nicht immer gleich. Gareth Jones untersuchte Flug, Jagd und Echoortung der Art. Beim freien Streckenflug wurden relativ lange, tiefe Rufe mit geringer Frequenzänderung aufgezeichnet; an Jagdstellen wurden die Rufe stärker frequenzmoduliert, überstrichen also einen größeren Frequenzbereich.

Das ist für die Beute wichtig. Die Vorstellung, eine Art mit vergleichsweise tiefen Rufen könne ausschließlich große Insekten erkennen, war zu einfach: Die untersuchten Tiere fraßen auch viele kleine Zweiflügler. Jones diskutierte die breiteren Frequenzanteile bei der Jagd als Erklärung. Eine einzige Zahl in Kilohertz beschreibt deshalb weder das ganze Rufrepertoire noch jede Jagdsituation. Hörbares und technisch umgesetztes Detektorsignal sind ebenfalls nicht dasselbe.

Journal of Zoology · Gareth Jones

Was die Nahrung über die Landschaft verrät

Große Abendsegler erbeuten verschiedene fliegende Insekten. Welche Arten sie erreichen, hängt von Ort, Jahreszeit und Angebot ab. Eine Forschungsgruppe des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung verglich über mehrere Jahre Kotproben aus Berlin und seinem ländlichen Umland. Durch genetische Analysen wies sie zahlreiche Insektenarten nach.

Die Nahrung der Stadtfledermäuse war in dieser Untersuchung vielfältiger zusammengesetzt als die der Tiere im Umland. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Stadt auch mehr Nahrung bot oder jedes Tier dort mehr fraß. Artenvielfalt in einer Probe und insgesamt verfügbare Beutemenge sind verschiedene Größen. Genetische Spuren helfen zu erkennen, was gefressen wurde; sie sind nicht ohne Weiteres eine Waage für die Masse jeder aufgenommenen Insektenart.

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

Nicht nur eine Höhle im Jahr

Baumhöhlen, insbesondere ehemalige Spechthöhlen in älteren Laubbäumen, sind wichtige Quartiere. Die Tiere können auch Kästen und bestimmte Spalten an Gebäuden oder Felsen nutzen. Welche Quartiere gerade belegt sind, verändert sich im Jahreslauf. Wochenstuben der Weibchen, kleinere Männchengruppen, Paarungsplätze und größere Wintergesellschaften erfüllen verschiedene Aufgaben.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt beschreibt für Bayern starke saisonale Unterschiede: Zur Fortpflanzungszeit sind vergleichsweise wenige Tiere anwesend, während Durchzug und Winter weitere Abendsegler in die Region bringen. Ein leerer Kontrollkasten an einem bestimmten Tag belegt deshalb nicht, dass das Gebiet für die Art bedeutungslos ist. Umgekehrt sagt eine große Wintergruppe wenig darüber aus, wie viele Weibchen dort im Sommer Junge aufziehen.

Bayerisches Landesamt für Umwelt

Junge wachsen mit Milch auf

Die Weibchen bringen meist ein Jungtier, mitunter Zwillinge zur Welt. In der Wochenstube werden sie zunächst gesäugt. Der Bat Conservation Trust beschreibt für britische Vorkommen, dass die Jungen nach einigen Wochen selbstständig fliegen und Nahrung suchen können. Ein einzelner starrer Termin passt aber nicht zu allen Regionen und Bedingungen.

Auch die Paarungsquartiere unterscheiden sich von der Wochenstube. Männchen können ein Quartier verteidigen und Weibchen mit Rufen anlocken. Ein Balzruf und ein Echoortungsruf erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben, obwohl beide zur akustischen Welt derselben Art gehören.

Bat Conservation Trust Bundesamt für Naturschutz

Winterquartiere sind keine dauerhaft verschlossenen Räume

Abendsegler überwintern unter anderem in Baumhöhlen und tiefen Spalten. Größere Gruppen können auch geeignete Gebäude nutzen. Die Ruhephase spart Energie in einer Jahreszeit, in der fliegende Insekten als Nahrung knapp sind. Das Bundesamt für Naturschutz weist zugleich auf Aktivität an milden, frostfreien Wintertagen hin.

Diese Beobachtung passt nicht zur Vorstellung eines monatelangen, ununterbrochenen Schlafs ohne Ortswechsel. Ein Quartier muss vielmehr geeignete Bedingungen über wechselndes Wetter hinweg bieten. Deshalb gehören alte Bäume und bekannte Quartierstrukturen zur Lebensgrundlage der Art, auch wenn an ihrer Außenfläche gerade kein Tier zu sehen ist.

Bundesamt für Naturschutz

Mit Wetterfronten durch Europa

Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung verfolgte 71 weibliche Große Abendsegler während ihres Frühjahrszugs über Mitteleuropa. Die kleinen Sender erfassten unter anderem Aufenthaltsort, Temperatur und Aktivität. Manche erfassten Wanderungen reichten über tausend Kilometer. Häufig bewegten sich die Tiere mit herannahenden Warmfronten, die günstige Windunterstützung boten.

Sie waren aber nicht auf eine einzige Wetterlage festgelegt. Die Daten zeigten unterschiedliche Abreisezeitpunkte und Wanderungen auch unter weniger günstigen Bedingungen. Später startende Weibchen wiesen mehr Gesamtaktivität je zurückgelegter Strecke auf; die Forschenden diskutieren das als möglichen Preis der zeitlichen Flexibilität. Untersucht wurden Weibchen beim Frühjahrszug. Daraus folgt kein identischer Wanderplan für jedes Männchen, jede Population und jede Jahreszeit.

Science · Hurme et al.

Die Jagd der anderen mithören

Beute verteilt sich im Luftraum nicht gleichmäßig. Wo sich gerade ein ergiebiger Insektenschwarm befindet, lässt sich aus größerer Entfernung möglicherweise leichter an jagenden Artgenossen erkennen als an einzelnen Insekten. Eine 2022 veröffentlichte Studie verfolgte die Bewegungen zahlreicher Abendsegler gleichzeitig. Benachbarte Tiere richteten ihre Flugbahnen aufeinander aus und blieben in Abständen, die zu einer möglichen gegenseitigen akustischen Wahrnehmung passten.

Die Forschenden verbanden diese Bewegungsdaten mit einem Simulationsmodell. Darin konnten mobile Suchnetzwerke bei fleckenförmig verteilter Nahrung Vorteile gegenüber einzelnen Suchern haben. Das Modell ist kein Messwert für die bei jedem Freilandflug eingesparte Zeit. Es erklärt, unter welchen Bedingungen einfache Regeln zwischen Nachbarn eine größere gemeinsam erfasste Fläche ergeben können. Eine bewusst vereinbarte Aufgabenverteilung wurde damit nicht nachgewiesen.

PNAS · Roeleke et al.

Jagdraum und Windenergie können sich überlagern

Der Große Abendsegler fliegt auch in Höhen, in denen sich Rotoren von Windenergieanlagen bewegen. Forschung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung beschreibt deshalb sowohl Kollisionsgefahren als auch Veränderungen der Raumnutzung. Bei untersuchten Anlagen in Wäldern wurden Abendsegler vermehrt dort registriert, wo Quartiere in der Nähe lagen.

Der Zusammenhang macht die Lage einer Anlage und die umgebende Landschaft wichtig. Eine pauschale Zahl für jeden Windpark würde diese Unterschiede verdecken. Ebenso wenig lässt sich aus einem einzelnen Beobachtungsabend Entwarnung für alle Jahreszeiten ableiten. Die Art nutzt den Luftraum zur Jagd und zum Wandern; beide Aufgaben können sie zu unterschiedlichen Zeiten an dieselben Stellen führen.

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

Ein anderer Blick auf Fliegen und Wandern

Der Annakolibri erschließt mit seinen Flügeln Blüten und zeigt eigene Balzflüge. Der Abendsegler verbindet aktiven Flug mit Echoortung und der Jagd auf fliegende Insekten. Die gemeinsame Aufgabe, in der Luft Nahrung zu finden, macht die Unterschiede der Werkzeuge besonders anschaulich.

Beim Monarchfalter stellt sich eine zweite Vergleichsfrage: Wie verbindet ein kleines fliegendes Tier weit auseinanderliegende Lebensräume? Das bedeutet nicht, dass seine Wanderung nach demselben Jahresplan wie die des Abendseglers abläuft. Gerade die verschiedenen Lebenszyklen zeigen, weshalb ein Wanderweg mehr ist als eine Linie zwischen zwei Punkten.

Science · Hurme et al. Cornell Lab of Ornithology

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Quellen, Prüfstand und Bildnachweis

Fachlicher Stand: 2026-10-27. Recherche und redaktionelle Prüfung mit KI-Unterstützung. Eine persönliche Fachbegutachtung durch externe Zoologen ist nicht erfolgt.

Bild: KI-generierte, fotorealistische Tierdarstellung, erstellt mit ImageGen für Wissenschaftswelle. Sie dokumentiert keine reale Beobachtung. Herkunft, Prompt und Merkmalsprüfung sind im Projektregister hinterlegt.