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Schwämme

Gewöhnlicher Badeschwamm

Spongia officinalis

Ein lebender Badeschwamm ist ein dunkles Tier mit einem arbeitenden Kanalsystem. Seine Zellen filtern Nahrung aus Wasser – und Studien zeigen, weshalb Filtration keine folgenlose Reinigung des Meeres bedeutet.

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KI-Darstellung eines lebenden dunkelgraubraunen Badeschwamms mit unregelmäßigen Lappen und kleinen hell gerandeten Ausströmöffnungen auf felsigem Meeresgrund.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung eines lebenden Badeschwamms.

WoRMS führt auch die Schreibweise Spongia (Spongia) officinalis mit Untergattung. Nicht alle früheren Formen dieses Namens gelten heute als dieselbe Art; äußere Ähnlichkeit allein erlaubt keine sichere Bestimmung.

Auf einen Blick

Größe
Massiger Körper bis nahe 40 cm Durchmesser beschriebenOrientierungsangabe nach DORIS; unregelmäßige Lappen machen einen Durchmesser nur begrenzt mit Körperlängen anderer Tiere vergleichbar.DORIS · FFESSM · Thierry Perez and contributors
Gewicht
nicht belegtNassmasse und Trockenmasse wären unterschiedliche Messgrößen.Stabili et al. · Water Research
Besonderheit
Kragengeißelzellen treiben den Wasserstrom durch innere KammernDas weiche Spongingerüst gehört zu einem lebenden Tier mit verschiedenen Zelltypen.Australian Museum Magazine · June1963 Systema Porifera · World Porifera Database originalsource

Ein Tier, das Wasser durch sich hindurchbewegt

Auf einem Felsen sitzt eine dunkle, unregelmäßig gelappte Masse. An mehreren Stellen öffnen sich kleine runde Ausgänge. Der Gewöhnliche Badeschwamm, Spongia officinalis, lebt fest mit dem Untergrund verbunden. Dennoch ist er kein passiver Wasserbehälter: Zellen in seinem Körper erzeugen einen Wasserstrom, mit dem Nahrung herangeführt wird.

Die Art gehört zum Tierstamm der Schwämme, Porifera. Ihr bekannter Name stammt vom später genutzten Material. Ein lebender Schwamm ist jedoch etwas anderes als das gereinigte gelbliche Fasergerüst aus dem Handel. Er besteht aus arbeitenden Zellen, inneren Räumen und einem Stützsystem.

DORIS · FFESSM · Thierry Perez and contributors Harvard Museum of Comparative Zoology · MCZbase Australian Museum

Lebendes Gewebe statt gelber Badeschwamm

Spongia officinalis kommt im Mittelmeer und angrenzenden Atlantik vor. Auf hartem Untergrund bildet die Art meist massige Körper mit unterschiedlich ausgeprägten Lappen. Die lebende Oberfläche kann grau, braun bis fast schwarz erscheinen. Kleine Erhebungen geben ihr ein fein höckeriges Aussehen; die größeren Ausströmöffnungen heißen Oscula.

Das Innere wird von einem Netzwerk aus Sponginfasern gestützt. Anders als viele andere Schwämme besitzt diese Art keine harten mineralischen Skelettnadeln. Nach dem Entfernen lebenden Materials bleibt das für seine Weichheit bekannte Gerüst zurück. Seine Nutzung erklärt den Namen, beschreibt aber nicht die Farbe oder Funktion des lebenden Tieres.

Auch alte Artnamen brauchen Aufmerksamkeit. Frühere Formen unter dem Namen officinalis werden heute teilweise anderen Arten zugeordnet. Ähnlich aussehende Handels- oder Urlaubsfunde sind deshalb kein sicherer Beleg für Spongia officinalis.

DORIS · FFESSM · Thierry Perez and contributors Systema Porifera · World Porifera Database originalsource WoRMS · World Porifera Database

Viele kleine Pumpen in einem Kanalsystem

Wasser gelangt durch kleine Einströmöffnungen in den Körper. In inneren Kammern sitzen Choanocyten, auch Kragengeißelzellen genannt. Ihre schlagenden Geißeln tragen zur Strömung bei. Mit den Zellen und weiteren Strukturen werden kleine Nahrungsteilchen erfasst. Anschließend gelangt das Wasser über ausleitende Kanäle zu den größeren Oscula.

Die Nahrung wird nicht in einem Magen gesammelt, wie ihn viele andere Tiere besitzen. Verschiedene Zelltypen übernehmen Aufnahme, Verarbeitung und Verteilung. Der ganze Körper ist damit Teil einer Ernährungsorganisation. Viele kleine Zellleistungen ergeben einen gerichteten Austausch mit dem umgebenden Meer.

Der Schwamm verschluckt dabei nicht fortwährend dasselbe Wasser: Austausch und Strömungsbedingungen in seiner Umgebung bleiben bedeutsam. Ein verstopfter oder gestörter Wasserweg betrifft eine zentrale Lebensfunktion und nicht bloß eine dekorative Öffnung.

Australian Museum Magazine · June1963 Australian Museum

Bakterien sind Nahrung, Filtration ist keine Zauberei

Eine Untersuchung von 2006 prüfte gezüchtete Badeschwämme aus dem Ionischen Meer unter Laborbedingungen mit natürlichem Meerwasser. In Anwesenheit der Schwämme nahm die Bakterienkonzentration ab. Größere und mittlere Bakterienzellen wurden bevorzugt entfernt, kleinere stärker nach dem Rückgang der größeren Kategorien.

Das zeigte eine messbare Filterleistung und ein mögliches Interesse für die biologische Reinigung. Eine solche Messung darf aber nicht als feste tägliche Reinigungsmenge jedes frei lebenden Tieres gelesen werden. Wasserangebot, Körpergröße, Nahrung und Versuchsdauer beeinflussen das Ergebnis. Auch die verwendete Bezugsgröße ist wichtig: Eine Rate pro Gramm Trockenmasse lässt sich nicht mit dem Nassgewicht eines wasserreichen Schwamms gleichsetzen.

Die Große Riesenmuschel filtert ebenfalls Nahrung aus dem Wasser, nutzt aber einen ganz anderen Körperbau und zusätzlich Algensymbionten. Die ähnliche Tätigkeit macht die beiden Tiere nicht zu engen Verwandten.

Stabili et al. · Water Research NOAA Fisheries University of Michigan Animal Diversity Web

Kein Nervensystem bedeutet nicht keine Abstimmung

Schwämme besitzen kein Nervensystem wie eine Qualle, Spinne oder ein Wirbeltier. Trotzdem müssen die Zellen eines vielzelligen Körpers miteinander koordiniert sein. Wie solche Abstimmung funktioniert, ist eine wichtige Frage der Evolutionsforschung.

Eine Studie von 2021 untersuchte dafür die Zellvielfalt des Süßwasserschwamms Spongilla lacustris. Sie fand unter anderem sekretorische Zellen nahe den verdauenden Choanocyten und molekulare Bestandteile, die auch für die Kommunikation in anderen Tieren bedeutsam sind.

Untersucht wurde eine andere Schwammart, nicht der Badeschwamm. Der Vergleich eröffnet daher einen Blick auf mögliche evolutionäre Zusammenhänge, beweist aber nicht, dass Spongia officinalis dieselben Zellkontakte in allen Einzelheiten besitzt. Ebenso wenig verwandeln gemeinsam genutzte Moleküle einen Schwamm bereits in ein Tier mit einem Gehirn.

Musser et al. · Science

Bewegliche Larven, festsitzende Erwachsene

Auch ein festgewachsener Badeschwamm hat einen Fortpflanzungszyklus mit einer beweglichen Phase. Eine Untersuchung an elf markierten Tieren von der apulischen Küste verfolgte ein Jahr lang die Entwicklung der Geschlechtsprodukte und Larven. Zehn Tiere zeigten getrennte Geschlechter; bei einem wechselten im Verlauf der Saison männliche und weibliche Geschlechtsprodukte.

Die Larven entwickelten sich im Gewebe und wurden nicht alle gleichzeitig abgegeben. Nach ihrer Freisetzung können sie schwimmen und einen neuen Untergrund erreichen. Die Studie beschreibt einen örtlichen und zeitlichen Ausschnitt. Sie widerlegt eine zu einfache Darstellung, nach der bei jedem Badeschwamm beide Geschlechter stets gleichzeitig funktionieren müssten.

Mit Ansiedlung und Umbau entsteht die festsitzende Lebensform. Die Mobilität des Nachwuchses und die Standortbindung der Erwachsenen gehören somit zu derselben Art.

Baldacconi et al. · Marine Biology · UniversitàdiBari

Wärme löst eine Reaktion aus, aber keine eindeutige Zukunft

Eine 2020 veröffentlichte Untersuchung setzte Badeschwämme erhöhten Temperaturen aus und analysierte die Genaktivität. Unter anderem veränderten sich Signal-, Immun- und Stressreaktionen. Bei längerer Exposition zeigten sich außerdem Hinweise auf Reparatur und Widerstandsfähigkeit innerhalb des untersuchten Temperaturbereichs.

Die Ergebnisse sprechen gegen eine Erklärung, bei der Temperatur allein sämtliche beobachteten Massensterben erklären müsste. Sie bedeuten zugleich keine Entwarnung für beliebige Erwärmung. Ein kurzfristiger Laborversuch kann das Zusammenwirken von Hitze, Krankheitserregern und weiteren Belastungen im Meer nur teilweise erfassen. Molekulare Reaktion ist noch kein Beweis für dauerhaft gesicherte Bestände.

Koutsouveli et al. · Frontiers in Marine Science

Was ein Filtertier nicht einfach aus dem Meer entfernt

Eine Studie von 2025 untersuchte Mikroplastikteilchen im Größenbereich von einem bis fünf Mikrometern. Spongia officinalis nahm viele dieser Partikel auf; ein großer Teil wurde innerhalb von 48 Stunden nach der Exposition wieder abgegeben. Teilchen wurden auch in Zellstrukturen nachgewiesen, und physiologische Stressanzeichen traten auf.

Aufnahme bedeutet somit weder dauerhaftes Verschwinden der Teilchen noch einen folgenlosen Reinigungsvorgang. Das Tier kann selbst belastet werden und Material wieder an die Umgebung abgeben. Der Badeschwamm hilft damit, eine allgemeine Unterscheidung zu verstehen: Nahrung aus Wasser zu gewinnen, Schadstoffe zu registrieren und ein Meer technisch zu reinigen sind drei verschiedene Dinge.

Aguilo-Arce et al. · Marine Pollution Bulletin

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-28

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.