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Pflanzenporträt

Welwitschie

Welwitschia mirabilis

Eine erwachsene Welwitschie besitzt gewöhnlich zwei Laubblätter. Was wie ein Haufen vieler Bänder aussieht, sind deren eingerissene und verwitterte Teile. Die Blattbasis bildet fortlaufend neues Gewebe, während die fernen Enden absterben. Ihre Langlebigkeit beruht deshalb auf dauernder Erneuerung an einem eng begrenzten Ort.

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KI-Darstellung einer Welwitschie mit zwei gegenüberliegenden breiten grünen Blattbasen und weiter außen eingerissenen Bandblättern mit trockenen Enden.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung: Zwei breite Laubblätter entspringen dem niedrigen Welwitschienkörper; weiter außen spalten und verwittern ihre Bänder.

POWO akzeptiert Welwitschia mirabilis Hook.f. in Welwitschiales/Welwitschiaceae; Welwitschia mirabilis subsp. namibiana und Welwitschia namibiana sind dort Synonyme. Ältere Literatur verwendet einen weiteren Ordnungsbegriff Gnetales. Die Darstellung folgt dem aktuellen POWO-Pfad mit Equisetopsida im weiten Sinn und ausgelassenen Zwischenrängen.

Auf einen Blick

Wuchshöhe
Niedriger verholzter Körper; mit aufgebogenen Blättern häufig etwa 1 m hochRoyal Botanic Gardens, Kew
Wuchsform
Langlebiger Nacktsamer mit gewöhnlich zwei dauernd an der Basis wachsenden LaubblätternWan et al. · Nature Communications
Standort
Wüsten- und Trockenbuschlandschaften der NamibRoyal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online
Natürliches Areal
Südwestliches Angola bis nordwestliches und westlich-zentrales NamibiaRoyal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online
Fortpflanzung
Getrennte männliche und weibliche Individuen mit Zapfen und SamenRoyal Botanic Gardens, Kew
Besonderheit
Nur zwei Laubblattorgane trotz vieler eingerissener BlattstreifenRoyal Botanic Gardens, Kew

Zwei Blätter können wie zwanzig aussehen

Auf den Kiesflächen und in den trockenen Rinnen der Namib liegt die Welwitschie niedrig am Boden. Aus einem kurzen, breiten, verholzten Körper wachsen zwei gegenständige bandförmige Laubblätter. Sie sind keine Ansammlung immer neuer Einzelblätter. Wind, Sand und das eigene Weiterwachsen spalten die beiden Blattflächen längs in Streifen. Ihre äußeren Abschnitte werden trocken und braun, während näher an der Basis grünes Gewebe erhalten bleibt.

Das natürliche Areal reicht vom südwestlichen Angola bis in Teile Namibias. Die Pflanze gehört zu den Nacktsamern. Ihre ungewöhnlichen Blätter machen sie weder zu einem Gras noch zu einer Blütenpflanze. Kew führt die einzige akzeptierte Art ihrer Gattung in der Familie Welwitschiaceae und der Ordnung Welwitschiales. Die häufig als namibiana bezeichnete Form steht dort als Synonym, nicht als gegenwärtig akzeptierte zweite Art oder Unterart.

Royal Botanic Gardens, Kew Royal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online

Die Wachstumszone sitzt hinter dem sichtbaren Blatt

Bei vielen Pflanzen entstehen neue Blätter wiederholt an der Sprossspitze. Bei der jungen Welwitschie endet die Tätigkeit des ursprünglichen Sprossscheitels früh. Für das weitere Blattwachstum werden die basalen Meristeme entscheidend: teilungsfähige Gewebe an den Austrittsstellen der zwei Blätter.

Dort entstehen neue Zellen. Nach und nach schiebt sich das gebildete Gewebe nach außen. Das Blatt bleibt als Organ bestehen, obwohl seine einzelnen Abschnitte unterschiedlich alt sind und an den Enden verloren gehen. Ein jahrhundertealtes Individuum trägt folglich keine seit Jahrhunderten unveränderten Blattzellen an jeder Stelle.

Die Genom- und Transkriptomstudie von 2021 verglich diese Wachstumszonen mit weiter außen liegenden Blattabschnitten. Sie fand in der Basis unter anderem gemeinsame Aktivität von Entwicklungsregulatoren, deren Zusammenspiel bei vielen einfachblättrigen Pflanzen anders organisiert ist. Dazu kamen verstärkte Aktivitäten von Genen für DNA-Reparatur und Stressschutz. Die Ergebnisse passen zu einem dauerhaft arbeitenden und zugleich geschützten Bildungsgewebe. Sie identifizieren kein einzelnes Gen, das eine Pflanze unsterblich macht.

Wan et al. · Nature Communications

Wüstenleben ist keine gleichmäßige Zeitlupe

Die Blattbasis arbeitet nicht überall und zu jeder Zeit mit derselben Geschwindigkeit. Henschel und Seely verfolgten das Blattwachstum von 21 Pflanzen über 14 Jahre durch monatliche Messungen. Die Zuwächse schwankten deutlich zwischen Jahreszeiten, Jahren und Standorten. Regenereignisse konnten kräftige Wachstumsschübe auslösen.

Damit lässt sich aus der Länge eines einzelnen Blattbands kein verlässliches Pflanzenalter durch einfache Division gewinnen. Ein Teil seiner früher gebildeten Länge ist längst abgestorben oder abgerissen, und die Produktionsrate war nicht konstant. Auch der zerzauste Eindruck sagt wenig darüber, ob die entscheidenden Wachstumszonen noch gesund sind.

Welwitschien können mehrere Jahrhunderte alt werden; einzelne Altersabschätzungen reichen darüber hinaus. Kew betont selbst, dass die genaue Bestimmung schwierig ist. Entscheidend für das Verständnis ist die Trennung von Individuenalter, Dauer des Blattorgans und Alter eines bestimmten Gewebeabschnitts.

Henschel and Seely · Plant Ecology Royal Botanic Gardens, Kew

Nebel allein erklärt ihre Wasserversorgung nicht

Die Küstennamib ist für häufigen Nebel bekannt. Daraus wird leicht die Vorstellung, Welwitschien lebten vor allem von Wasser, das ihre Blätter aus dem Nebel aufnehmen. Eine Untersuchung von Wurzeln, Bodenfeuchte und Wasserisotopen zeichnete für ihren Standort ein anderes, genaueres Bild.

Die Forscher verglichen die Zusammensetzung der Wasserstoff- und Sauerstoffisotope im Pflanzenwasser mit möglichen Quellen. Am untersuchten Ort deuteten die Ergebnisse überwiegend auf Regenwasser, das in bestimmten Bodenschichten zurückgehalten wurde. Viele Wurzeln lagen in feuchten Gips- und Sandhorizonten verhältnismäßig nahe unter der Oberfläche. Zusätzlich gab es oberflächennahe Feinwurzeln, die Feuchte aus Nebel- und Tauabfluss erreichen konnten. Tiefes Grundwasser war dort nicht die nachgewiesene Hauptquelle.

Das ist kein Beweis, dass Nebel unwichtig wäre oder jede Welwitschie dieselbe Wasserbilanz hätte. Der Standortbefund zeigt vielmehr, wie Wurzelverteilung und Bodenhorizonte seltene Niederschläge nutzbar machen. Dauerndes Blattwachstum bleibt an diese räumlich und zeitlich ungleich verteilte Versorgung gebunden.

Henschel et al. · Ecohydrology

Ein langlebiges Individuum muss trotzdem Samen bilden

Männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane stehen auf verschiedenen Pflanzen. Kleine Zapfen sitzen auf verzweigten Achsen am Pflanzenkörper. Nach erfolgreicher Pollenübertragung können an weiblichen Individuen Samen reifen. Die Zapfen sind keine gewöhnlichen Blüten, und der Samen ist nicht von einer Fruchtwand umgeben wie bei einer Tomate.

Langes Überleben ersetzt die Fortpflanzung nicht. Samen können durch Tiere oder Pilze verloren gehen, und die Keimung braucht ein günstiges Feuchtefenster. In der langjährigen Untersuchung bei Gobabeb wurde ein natürlicher Nachwuchsschub nach einem Regenereignis beobachtet. Eine Population kann deshalb viele große alte Pflanzen enthalten, obwohl nur selten neue erfolgreich hinzukommen.

Die zwei Blätter verbinden diese lange Lebensgeschichte mit täglicher Erneuerung. Der alte Pflanzenkörper bleibt bestehen, indem seine Basis neues Gewebe bildet und die Versorgung aufrechterhält. Das trockene Ende eines Blattbands ist Teil dieses Systems und für sich genommen kein Todesurteil für die ganze Welwitschie.

Royal Botanic Gardens, Kew South African National Biodiversity Institute · PlantZAfrica Henschel and Seely · Plant Ecology

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Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-30

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.