Zum Lexikoninhalt
Zum Inhalt

Pflanzenporträt

Gewöhnlicher Sanddorn

Hippophae rhamnoides

Sanddorn kann offene, stickstoffarme Böden besiedeln, weil er unterirdisch mit Frankia-Bakterien zusammenarbeitet. Die Knöllchen liefern aber keinen kostenlosen Ersatz für alle Standortansprüche. Über der Erde verbindet der Strauch eine zweite Arbeitsteilung: Männliche Pflanzen geben Pollen an den Wind, weibliche tragen die orangefarbenen Früchte.

Diese Pflanze vergleichen ↗
KI-Darstellung eines weiblichen Sanddornzweigs mit dicht sitzenden orangefarbenen Früchten und schmalen graugrünen Blättern mit silbrigen Unterseiten.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung: Fruchtender Sanddornzweig mit dicht am Holz sitzenden orangefarbenen Fruchtgebilden und schmalem silbrigem Laub.

Die Rangfolge folgt Plants of the World Online. Equisetopsida ist dort eine weit gefasste Klasse; zusätzliche Zwischenränge wie Unterklassen sind in dieser Übersicht ausgelassen.

Auf einen Blick

Größe
meist mehrere Meter hoher Strauch, gelegentlich kleiner BaumRoyal Horticultural Society
Wuchs
sommergrün, bedornt; Ausbreitung durch WurzelausläuferBotanical Society of Britain and Ireland / Fermanagh Flora
Verbreitung
natürlich von Europa bis Südsibirien und ins südliche ZentralchinaRoyal Botanic Gardens, Kew
Fortpflanzung
zweihäusig und windbestäubt; Samen sowie vegetative AusbreitungBotanical Society of Scotland Botanical Society of Britain and Ireland / Fermanagh Flora

Unter dem Strauch arbeitet ein zweiter Organismus

Luft besteht zu einem großen Teil aus Stickstoff. Trotzdem kann eine Pflanze nicht einfach den molekularen Stickstoff N₂ einatmen und daraus ihre Eiweiße bauen. Die Bindung zwischen den beiden Stickstoffatomen ist sehr stabil. Wurzeln brauchen normalerweise bereits chemisch gebundene, aufnehmbare Stickstoffverbindungen aus dem Boden.

Sanddorn besitzt einen zusätzlichen Zugang: In knöllchenartigen, oft vielfach gelappten Bildungen an seinen Wurzeln leben Frankia-Bakterien. Sie gehören nicht zu den Pilzen und sind auch nicht dieselben Partner, die an Hülsenfrüchtlern die bekannten Rhizobienknöllchen bilden. Frankia kann mit dem Enzymkomplex Nitrogenase Luftstickstoff in eine biologisch nutzbare Form überführen. Damit erreicht Stickstoff die Pflanze, den sie allein nicht aus N₂ gewinnen könnte.

Die Zusammenarbeit kostet Energie. Der Strauch versorgt seinen Partner mit Produkten seiner Photosynthese und unterhält das Knöllchengewebe. Blatt, Wurzel und Bakterium bilden somit einen Stoffaustausch: Kohlenstoff und Energie stehen der zusätzlichen Stickstoffversorgung gegenüber. Ein Knöllchen ist kein mitgebrachter Düngerkornvorrat, sondern Teil eines laufenden Stoffwechsels. Die Pflanze bleibt auf Wasser, Licht und andere Elemente wie Phosphor angewiesen.

Food and Agriculture Organization of the United Nations Japanese Society for Horticultural Science / Kato, Kanayama, Ohkawa and Kanahama

Wie sich die Leistung der Knöllchen prüfen lässt

In einem Versuch mit Hippophae rhamnoides subsp. mongolica wuchsen mit Frankia beimpfte Sämlinge in einer Nährlösung ohne zugesetzten Stickstoff. Andere benötigte Nährstoffe waren vorhanden. Die beimpften Pflanzen entwickelten sich besser als die nicht beimpften Vergleichspflanzen. So ließ sich der Beitrag des Partners von einer bloßen Vermutung über das Aussehen der Wurzeln unterscheiden.

Die Forschenden bestimmten außerdem Nitrogenaseaktivität über die Umsetzung von Acetylen. Das ist ein gebräuchlicher Test für die Tätigkeit des Enzyms, aber keine direkte Messung der jährlich im ganzen Strauch gebundenen Stickstoffmenge. Unter längerer hoher Nitratversorgung ging die Aktivität zurück. Eine kurze Zugabe hatte nicht dieselbe Wirkung wie eine anhaltende Versorgung. Die Stickstoffquelle der Umgebung und die Dauer ihrer Verfügbarkeit spielen also eine Rolle.

Auch im Freiland war die Aktivität nicht zu jeder Jahreszeit gleich. Sie war zur Zeit kräftigen Wachstums höher und im untersuchten Winter nicht nachweisbar. Der Befund passt dazu, dass aktive Blätter und geeignete Temperaturen den Austausch ermöglichen. Er erlaubt jedoch keine feste Kilogrammzahl pro Sanddorn oder die Behauptung, jede Herkunft reagiere unter allen Bedingungen gleich.

Japanese Society for Horticultural Science / Kato, Kanayama, Ohkawa and Kanahama

Silbriges Laub und mehr als ein Weg zum neuen Strauch

Sanddorn fällt durch schmale Blätter auf, deren Unterseiten silbrig erscheinen. Kleine schildförmige Schuppenhaare tragen zu diesem Aussehen bei. Dazu kommen dicht verzweigte, bedornte Triebe. Der sommergrüne Strauch benötigt viel Licht und besiedelt unter anderem sandige Küstenstandorte, offene Kiesflächen und Uferbereiche. Sein natürliches Areal reicht weit über die Küsten Europas bis nach Asien.

Hat sich eine Pflanze etabliert, kann sie sich vegetativ ausbreiten. Aus unterirdischen Verbindungen entstehen neue oberirdische Triebe; auch aufliegende Zweige können zur Ausbreitung beitragen. Mehrere dicht beieinander stehende Stämmchen müssen deshalb nicht mehreren unabhängig gekeimten Pflanzen entsprechen. Ein Dickicht kann viele Triebe desselben genetischen Individuums enthalten.

Das erleichtert es, eine vorhandene offene Fläche zu besetzen. Es schafft jedoch nicht automatisch neue genetische Kombinationen. Dafür sind Samen und die Vorgänge in den Blüten wichtig. Wird aus einem Keimling ein großer, ausschließlich vegetativ erneuerter Bestand, behält dieser grundsätzlich auch dessen Geschlecht. Ein dichtes Sanddorngebüsch ist daher kein Beweis dafür, dass männliche und weibliche Pflanzen gleichmäßig gemischt sind.

Botanical Society of Scotland Botanical Society of Britain and Ireland / Fermanagh Flora Universität Greifswald / Virtual Guide to the Flora of Mongolia Royal Botanic Gardens, Kew

Der Wind verbindet getrennte Geschlechter

Männliche und weibliche Blüten sitzen gewöhnlich auf verschiedenen Sanddornpflanzen. Die kleinen, unauffälligen Blüten brauchen keine auffälligen Kronblätter, um Insekten anzulocken: Der Pollen wird vom Wind übertragen. Die frühe Blüte vor oder während des Laubaustriebs bringt die Fortpflanzungsorgane in einen noch wenig belaubten Raum.

Die orangefarbenen Fruchtgebilde entstehen an den weiblichen Pflanzen. Jedes enthält einen Samen. Ihr Fleisch und die auffällige Farbe machen sie für Vögel nutzbar, die Samen an andere Stellen bringen können. Die kräftigen Dornen verhindern also nicht jede Tierbeziehung: Der Strauch schützt und trägt Nahrung zugleich.

Ob ein weiblicher Strauch Früchte ansetzt, hängt unter anderem von erreichbarem Pollen und zusammenpassender Blütezeit ab. Viele Wurzelausläufer einer einzigen weiblichen Pflanze ersetzen keinen Pollenspender. Umgekehrt ist ein männliches Exemplar ohne Früchte kein misslungener weiblicher Strauch. Unterirdisch erweitert die Frankia-Symbiose die Stickstoffversorgung; zwischen den Pflanzen eröffnet erst der Pollentransport den geschlechtlichen Weg zur nächsten Generation.

Botanical Society of Scotland Botanical Society of Britain and Ireland / Fermanagh Flora Universität Greifswald / Virtual Guide to the Flora of Mongolia Royal Horticultural Society

Weitere Pflanzen

Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-30

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.