Zum Lexikoninhalt
Zum Inhalt

Pflanzenporträt

Gewöhnlicher Blutweiderich

Lythrum salicaria

Zwischen den rosa Blüten eines Blutweiderichbestands unterscheiden sich die Höhen von Narben und Staubbeuteln. Es gibt drei Blütenformen. Jede trägt weibliche und männliche Organe, doch ihr eigener Pollen ist meist kein guter Partner. Die passende Höhe und die Verträglichkeit des Pollens wirken gemeinsam auf die Samenbildung.

Diese Pflanze vergleichen ↗
KI-Darstellung eines Blutweiderich-Blütenstands mit kleinen rosa sechsblättrigen Blüten und schmalen gegenständigen Blättern.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung: Lythrum salicaria: kleine rosa Blüten stehen gruppiert am oberen Spross.

Lythrum salicaria L. ist eine akzeptierte Art der Lythraceae innerhalb der Myrtales. Die drei Griffelformen sind Fortpflanzungsvarianten derselben Art, keine getrennten Arten oder Geschlechter. Das natürliche Areal folgt dem aktuellen Kew-Konzept einschließlich Australiens. Die sechs dargestellten Ränge lassen Zwischenränge aus; Equisetopsida wird im weiten Sinn von Kew verwendet.

Auf einen Blick

Höhe
In Mitteleuropa etwa 30–120 cmInfo Flora · Flora Helvetica 2018
Lebensraum
Nasse Wiesen, Gräben und UferbereicheInfo Flora · Flora Helvetica 2018
Natürliches Areal
Gemäßigtes Eurasien, Nordwestafrika, Äthiopien und AustralienRoyal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online
Blütenformen
Lang-, mittel- und kurzgriffelige zwittrige PflanzenInternational Journal of Plant Sciences · Balogh & Barrett (2018)

Drei Formen in einem rosa Bestand

Blutweiderich ist eine ausdauernde Pflanze nasser Wiesen, Gräben und Ufer. Die oft verzweigten Sprosse werden in Mitteleuropa etwa 30 bis 120 Zentimeter hoch. Ihre lanzettlichen Blätter sitzen ohne Stiel, häufig paarweise oder zu dritt. Im oberen Bereich stehen zahlreiche lebhaft rosa Blüten mit meist sechs Kronblättern dicht beieinander.

Bei genauerem Hinsehen ist nicht jede Blüte gleich gebaut. In einer langgriffeligen Form steht die Narbe über den Staubbeuteln, in einer mittelgriffeligen dazwischen und in einer kurzgriffeligen darunter. Eine Pflanze gehört zu einer dieser Formen. Alle drei sind zwittrig; die Unterschiede bezeichnen keine drei Geschlechter.

Der Griffel trägt die Narbe, auf der Pollen ankommt. Staubblätter tragen die pollenbildenden Staubbeutel. Bei jeder Form stehen diese auf zwei Höhen, während die Narbe die dritte Höhe einnimmt. So besitzt die langgriffelige Form mittelhohe und kurze Staubblätter, die kurzgriffelige dagegen mittelhohe und lange.

Info Flora · Flora Helvetica 2018 International Journal of Plant Sciences · Balogh & Barrett (2018)

Ein passender Partner kann zu zwei anderen Formen gehören

Die drei Höhen kehren also in verschiedener Kombination wieder. Zur hoch stehenden Narbe einer langgriffeligen Pflanze passt Pollen aus hoch stehenden Staubbeuteln. Solche Staubbeutel gibt es sowohl bei der mittel- als auch bei der kurzgriffeligen Form. Der Kreis möglicher Partner besteht damit nicht bloß aus einem einzigen anderen Blütentyp.

Beim Insektenbesuch können Organe ähnlicher Höhe entsprechende Bereiche des Besucherkörpers berühren. Diese räumliche Abstimmung wird als reziproke Herkogamie bezeichnet. Die Dreizahl der Blütenformen heißt Tristylie. Die Höhe unterstützt die Pollenverteilung, ist aber keine undurchlässige Schranke: Ein Tier kann auch Pollen anderer Herkunft auf einer Narbe absetzen.

Dazu kommt eine physiologische Verträglichkeitsreaktion. Sie begrenzt gewöhnlich die Befruchtung mit eigenem Pollen und mit Pollen von Pflanzen derselben Form. Bloße Ankunft auf der Narbe und erfolgreicher Weg zur Befruchtung sind deshalb zwei verschiedene Schritte.

In einem kontrollierten Kreuzungsversuch erbrachte Pollen aus zur Narbe passender Staubbeutelhöhe mehr Früchte und Samen als die untersuchten unpassenden Kreuzungen und Selbstbestäubungen. Die Anordnung ist somit mit unterschiedlichem Fortpflanzungserfolg verbunden. Sie erlaubt aber nicht die Behauptung, aus jeder unpassenden Bestäubung entstünden grundsätzlich null Samen.

Aquatic Botany · Mal, J. Lovett-Doust & L. Lovett-Doust (1999) International Journal of Plant Sciences · Balogh & Barrett (2018)

Wie streng das System ist, hängt auch vom Individuum ab

Balogh und Barrett prüften diese Grenze an 338 im Gewächshaus gezogenen Pflanzen aus vier Populationen im Raum Toronto. Etwa ein Drittel brachte nach Handbestäubung mit eigenem Pollen wenigstens eine Frucht mit Samen hervor. Besonders die mittelgriffelige Form zeigte eine schwächere Selbstunverträglichkeit. Dieser Anteil ist keine Selbstbefruchtungsquote eines unberührten Bestands: Gemessen wurde, welche untersuchten Pflanzen unter gezielter Behandlung überhaupt einen solchen Ansatz schaffen konnten.

Ein Teil der Unterschiede war über zwei Blühsaisons wiedererkennbar. Vergleiche von Klonen und Nachkommen belegten außerdem eine erbliche Komponente. Eine eigens geprüfte Trockenbehandlung veränderte die teilweise Selbstverträglichkeit dagegen nicht systematisch. Man kann die Ausnahmen daher weder als reines Versehen der Pollenübertragung noch pauschal als Trockenstressreaktion erklären.

Die drei Blütenformen erleichtern bestimmte Kreuzungen, während Verträglichkeitsreaktionen andere erschweren. Beides bleibt biologisch veränderlich. Gerade diese Verbindung erklärt mehr als die Vorstellung von drei starren Blütenschablonen, deren Teile mechanisch nur in einer einzigen Kombination zusammenpassen.

International Journal of Plant Sciences · Balogh & Barrett (2018)

Weitere Pflanzen

Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-31

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.