Pflanzenporträt
Echte Feige
Ficus carica
Eine Feige verbirgt ihre Blüten im Inneren eines fleischigen Behälters. Winzige Wespen können den Pollen hineintragen. Dennoch reifen manche Sorten auch ohne Bestäubung: Fruchtwachstum, Samenbildung und Wespenvermehrung sind drei verschiedene Vorgänge.
Diese Pflanze vergleichen ↗
Ficus carica L. gehört zu den Moraceae innerhalb der Rosales. Die gärtnerischen Gruppen Common, Smyrna und San Pedro beschreiben Eigenschaften von Kultursorten; sie sind keine eigenen botanischen Arten.
Auf einen Blick
- Wuchs
- Strauch oder kleiner Baum; Wuchshöhe stark standortabhängigKew · Flora of Somalia Botanischer Garten Höxter · Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe
- Laub
- Sommergrün, meist mit drei- bis fünflappigen BlätternKew · Flora of Somalia Botanischer Garten Höxter · Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe
- Standort
- Sonnige, warme Gehölzstandorte; vielfach in KulturBotanischer Garten Höxter · Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe
- Heimisches Areal
- Östlicher Mittelmeerraum bis Zentralasien und westlicher HimalayaRoyal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online
- Bestäubung
- Innenblüten durch Blastophaga psenes bestäubt; Fruchtansatz teils parthenokarpScientific Reports · Proffit et al. (2020) Frontiers in Plant Science · Marcotuli et al. (2020)
- Besonderheit
- Viele kleine Blüten im Inneren eines SyconiumsFrontiers in Plant Science · Marcotuli et al. (2020)
Der Blütenstand hat seine Schaufläche nach innen verlegt
Die Echte Feige ist ein sommergrünes Gehölz mit großen, meist drei- bis fünflappigen Blättern und weißem Milchsaft. Sie wächst als Strauch oder Baum. Ihr heimisches Areal reicht nach Kews Einordnung vom östlichen Mittelmeerraum bis Zentralasien und zum westlichen Himalaya; durch den Anbau ist sie darüber hinaus weit verbreitet.
Was außen wie eine einzelne Frucht aussieht, beginnt als ungewöhnlicher Blütenstand. Der Blütenboden umschließt einen Hohlraum, an dessen Innenwand viele kleine Blüten sitzen. Nur eine enge, von Schuppen eingefasste Öffnung, das Ostiole, führt hinein. Diese Einheit heißt Syconium. Zur Reife wird der umgebende Behälter fleischig. Die einzelnen Blüten können im Inneren kleine Früchtchen entwickeln; enthalten diese nach Befruchtung ausgebildete Samen, ist das eine andere Situation als bei einer lediglich angeschwollenen, unbestäubten Feige.
Royal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online Kew · Flora of Somalia Botanischer Garten Höxter · Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe Frontiers in Plant Science · Marcotuli et al. (2020)Eine Wespe findet Blüten, aber nicht überall eine Kinderstube
Die zu Ficus carica gehörende Bestäuberwespe heißt Blastophaga psenes. Pollenbeladene Weibchen gelangen durch das Ostiole in empfängliche Feigen. Funktionell männliche Bocksfeigen tragen neben männlichen Blüten auch weibliche Blüten mit kurzen Griffeln: Dort können die Wespen Eier in Fruchtknoten ablegen, und ihre Nachkommen wachsen heran. In den Feigen weiblicher Bäume sind die Griffel länger. Die Eiablage scheitert an dieser räumlichen Unvereinbarkeit; Pollen kann dennoch an die Blüten gelangen.
Wie finden die Tiere ein solches verborgenes Ziel? Bei südfranzösischen Feigen lockten die Düfte empfänglicher männlicher und weiblicher Syconien Wespenweibchen im Labor an. In einem Y-förmigen Geruchs-Wahlrohr bevorzugten sie keinen der beiden Düfte gegenüber dem anderen. Die Chemie hilft damit dem Baum, auch weibliche Blütenstände zu bestäuben, in denen die Wespe selbst keinen Nachwuchs bekommt. Eine Duftwahl im Labor misst allerdings weder sämtliche Entscheidungen im Freiland noch den Ertrag eines Feigenbaums.
Scientific Reports · Proffit et al. (2020)Reife Feigen brauchen je nach Sorte etwas anderes
Für die Ernte ist die Unterscheidung zwischen Samenbildung und Fruchtansatz entscheidend. Manche Sorten entwickeln Feigen parthenokarp: Der Blütenstand wächst ohne vorausgehende Befruchtung zur essbaren Feige heran. Das ist keine Selbstbestäubung. Sie bezeichnet vielmehr einen Entwicklungsweg, der die Bestäubung für diesen Fruchtansatz entbehrlich macht.
Eine Untersuchung in Bari verglich 2016 und 2017 Dottato und Petrelli. Triebe blieben offen, wurden gegen Wespen abgeschirmt oder abgeschirmt und von Hand bestäubt. Dottato, eine Sorte des Common-Typs, setzte auch ohne Bestäubung reichlich Früchte an. Bei Petrelli, einem San-Pedro-Typ, sank der Ansatz der Hauptfrüchte ohne Bestäubung deutlich: 2016 von rund 67 Prozent unter offenen Bedingungen auf 12 Prozent bei Abschirmung. Auch im zweiten Jahr blieb der Unterschied bestehen. Einzelne unbestäubte Hauptfrüchte konnten trotzdem ansetzen; die Sortengruppen sind keine ausnahmslosen Naturgesetze.
Frontiers in Plant Science · Marcotuli et al. (2020)Auch die Fruchtgeneration gehört zur Antwort
San-Pedro-Sorten können frühe Feigen, die Brebas oder Blühfeigen, parthenokarp bilden und für die spätere Haupternte stärker auf Bestäubung angewiesen sein. Die frühe Generation entwickelt sich aus bereits im Vorjahr angelegten Blütenständen; die Hauptfrüchte gehören zur folgenden Entwicklung am jungen Spross. Deshalb kann selbst am selben Baum die Frage nach der Bestäubung verschieden ausfallen.
Der geläufige Satz, jede essbare Feige müsse eine Wespe enthalten, verfehlt diese Vielfalt. Bei parthenokarpem Fruchtansatz ist kein Wespenbesuch zur Auslösung nötig. Für die geschlechtliche Samenbildung bleibt die Pollenübertragung hingegen wesentlich. Wer eine Feige betrachtet, sieht folglich das Ergebnis eines inneren Blütenstands, dessen Wachstumsweg von Sorte, Fruchtgeneration und Bestäubung abhängt.
Frontiers in Plant Science · Marcotuli et al. (2020) Scientific Reports · Proffit et al. (2020)Weitere Pflanzen

Pflanzenporträt
Banyan-Feige
Eine Banyan-Feige kann unter ihrer Krone zahlreiche säulenartige Stützen bilden. Sie beginnen als Luftwurzeln an Ästen und verdicken sich nach dem Kontakt zum Boden. So verteilt ein Baum seine Last und Versorgung auf weitere Achsen; der Verlust des ursprünglichen Hauptstamms muss nicht sein Ende sein.
Entdecken
Pflanzenporträt
Olivenbaum
Der Olivenbaum begegnet sommerlicher Trockenheit mit langlebigen Blättern, reguliertem Gasaustausch und einer veränderlichen Zusammensetzung seiner Zellflüssigkeit. Diese Widerstandskraft erklärt sein Überleben im Mittelmeerklima – sie garantiert weder eine Ernte noch die gleiche Belastbarkeit jedes Kübelbaums.
Entdecken
Pflanzenporträt
Süßkirsche
Ein Kirschbaum kann reich blühen und eigenen Pollen tragen, ohne damit seine Blüten erfolgreich zu befruchten. Bei vielen Süßkirschen stoppt ein genetisches Erkennungssystem den passenden eigenen Pollenschlauch. Selbstfruchtbare Zuchtsorten zeigen, wie sich diese Schranke verändern lässt – nicht, dass der Pollenweg überflüssig geworden wäre.
EntdeckenQuellen und Bildnachweis
Stand: 2026-10-31
- Ficus carica L.: accepted name, range and classification · Royal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online · abgerufen 2026-10-31
- Ficus carica: leaves, syconia and growth form · Kew · Flora of Somalia · abgerufen 2026-10-31
- Ficus carica L. / Echte Feige · Botanischer Garten Höxter · Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe · abgerufen 2026-10-31
- Fruit Development in Ficus carica L.: Morphological and Genetic Approaches to Fig Buds for an Evolution From Monoecy Toward Dioecy · Frontiers in Plant Science · Marcotuli et al. (2020) · abgerufen 2026-10-31
- Chemical signal is in the blend: bases of plant-pollinator encounter in a highly specialized interaction · Scientific Reports · Proffit et al. (2020) · abgerufen 2026-10-31
Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.