Pflanzenporträt
Ceropegia sandersonii
Ceropegia sandersonii
Die schirmförmige Blüte verspricht kleinen Fliegen eine Mahlzeit, indem ihr Duft Hinweise auf angegriffene Honigbienen nachahmt. Danach wird der Weg rutschig: Winzige Tropfen können die Haftpolster der Besucher beeinträchtigen. Erst passende Bewegungen an den inneren Blütenorganen machen aus einem Besuch Pollenübertragung.
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Ceropegia sandersonii Decne. ex Hook.f. gehört zu den Apocynaceae innerhalb der Gentianales. Die Schreibweise Ceropegia sandersoniae wird bei Kew als orthographische Variante unter den Synonymen geführt.
Auf einen Blick
- Abmessungen
- Windende Triebe etwa 1–4 m langSouth African National Biodiversity Institute · S. P. Bester (2019)
- Lebensform
- Ausdauernde sukkulente KletterpflanzeRoyal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online South African National Biodiversity Institute · S. P. Bester (2019)
- Standort
- Frostarme Savannen- und BuschvegetationSouth African National Biodiversity Institute · S. P. Bester (2019)
- Heimisches Areal
- Mosambik bis zur östlichen Kapregion SüdafrikasRoyal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online
- Pollenübertragung
- Kleine Fliegen können Pollinien zwischen den Fallenblüten übertragenCurrent Biology · Heiduk et al. (2016) Plants · Heiduk et al. (2020)
- Besonderheit
- Dufttäuschung und haftstörende Tropfen wirken an verschiedenen Stellen der BlüteCurrent Biology · Heiduk et al. (2016) New Phytologist · Feichtlbauer et al. (2025)
Ein Schirm führt in eine Blütenkammer
Ceropegia sandersonii ist eine ausdauernde sukkulente Kletterpflanze aus dem südöstlichen Afrika. Ihre fleischigen Triebe winden sich durch Sträucher und können mehrere Meter lang werden. Gegenständige Blätter und auffällige grünliche Röhrenblüten gehören zu ihrem Erscheinungsbild. Am oberen Ende sind die fünf Kronzipfel zu einem schirmartigen Dach verbunden; darunter liegt der Zugang zur Röhre mit einer erweiterten Kammer an der Basis.
Das Innere ist nicht einfach ein gleichförmiger Trichter. Eine anatomische Untersuchung unterschied duftbildende Flächen von Gleitzonen und beschrieb einen violetten Fortsatz unter dem Dach, die Uvula. Beobachtete Fliegen liefen über solche Bereiche und rutschten in die Röhre. Anlockung und erschwerter Rückweg haben damit verschiedene räumliche Voraussetzungen.
Royal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online South African National Biodiversity Institute · S. P. Bester (2019) Plants · Heiduk et al. (2020)Der Duft kündigt fremde Beute an
Unter den Besuchern sind kleine Fliegen, die von Beute anderer Tiere profitieren: Sie nehmen etwa Flüssigkeit an einem von einer Spinne erbeuteten Insekt auf. Diese Lebensweise heißt kleptoparasitisch. Duftstoffe einer bedrängten Honigbiene können solchen Fliegen eine erreichbare Nahrungsquelle anzeigen. Die Pflanze greift dafür keine Bienen an; sie erzeugt selbst chemische Hinweise, die denen einer solchen Situation teilweise ähneln.
2016 verglichen Forschende Blütenduft mit dem Duft experimentell gereizter Honigbienen und prüften synthetische Köder. Dabei ist die genaue Reaktion aufschlussreich: Eine Mischung aus vier Stoffen lockte 2013 zwar zahlreiche Fliegen an, aber keine der zuvor als Pollinienträger belegten Arten. Im folgenden Jahr zog eine andere getestete Mischung unter anderem Desmometopa cf. nudigena an, eine häufige Pollinienträgerin der Blüten. Da Jahr und Fangverfahren verschieden waren, lässt sich daraus kein allgemeines Rezept für einen überlegenen Lockstoff ableiten.
Auch in den Blüten trug nur ein Teil der Besucher Pollenpakete. Eine Fliege im Duftversuch, eine gefangene Besucherin und eine Trägerin von Blütenpollen sind deshalb verschiedene Belege für unterschiedliche Schritte des Vorgangs.
Current Biology · Heiduk et al. (2016)Tropfen stören den Halt an den Füßen
Die Gleitzonen besitzen zugespitzte Oberflächenzellen mit winzigen Tropfen. Eine Studie von 2025 untersuchte deren Material und beobachtete fünfzehn zuvor betäubte Desmometopa-Fliegen nach dem Erwachen auf umgedrehten Blütendächern. Alle nahmen Tropfen an den Füßen auf. Bei Kontakt erstarrte das Material in weniger als einer Sekunde. Auf flachen Bereichen konnten die Tiere weiterlaufen, an steilen Flächen rutschten sie ab.
Chemische Analysen identifizierten ein stark wasserlösliches Arabinogalactan, ein verzweigtes Zuckerpolymer. Der Tropfenbelag störte den Kontakt der Haftpolster mit der Oberfläche. Das ist ein anderer Wirkungsweg als ein Tier am ganzen Körper festzukleben. Die Untersuchung bestimmte jedoch keine quantitativen Haftkräfte und klärte den Auslöser der schnellen Erstarrung noch nicht vollständig.
Viele aus der unteren Blütenkammer gesammelte Fliegen hatten keinen festen Belag mehr an den Füßen. Die Forschenden deuteten dies mit der leichten Ablösbarkeit des Materials. Einen vollständigen zeitlichen Ablauf von Verunreinigung, Reinigung und Entkommen maßen sie damit nicht.
New Phytologist · Feichtlbauer et al. (2025)Gefangensein ist noch keine Bestäubung
In der unteren Kammer müssen passende Mundwerkzeuge an die Fortpflanzungsorgane gelangen. Staubblätter und Griffelkopf bilden dort einen eng zusammengefügten Apparat, das Gynostegium. Führungsschienen und die umgebende Nebenkrone lenken den Kontakt. Pollen wird nicht als lose Wolke übertragen, sondern in kompakten Paketen, den Pollinien. Zwei davon gehören mit einem verbindenden Klemmkörper zu einem Pollinarium, das an einer Fliege befestigt werden kann. Für erfolgreiche Bestäubung muss später ein Pollinium in eine geeignete Aufnahme einer Blüte gelangen.
Der Aufenthalt in einer Kammer allein zeigt diesen Erfolg noch nicht. Ebenso wenig macht eine Fangblüte die Pflanze fleischfressend. Die beschriebenen Mechanismen dienen der Pollenübertragung. Auch die gelegentlich als Nektar gedeuteten Blütenabsonderungen muss man vorsichtig behandeln: Die anatomische Arbeit von 2020 hielt ausdrücklich fest, dass Nektar bei dieser Art nicht empirisch nachgewiesen war. Das später chemisch bestimmte Gleitzonenmaterial erklärt eine Haftstörung, keine belegte Zuckerbelohnung für die Fliege.
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Stand: 2026-10-31
- Ceropegia sandersonii Decne. ex Hook.f.: accepted name, range and classification · Royal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online · abgerufen 2026-10-31
- Ceropegia sandersonii · PlantZAfrica · South African National Biodiversity Institute · S. P. Bester (2019) · abgerufen 2026-10-31
- Pitfall Flower Development and Organ Identity of Ceropegia sandersonii (Apocynaceae-Asclepiadoideae) · Plants · Heiduk et al. (2020) · abgerufen 2026-10-31
- Ceropegia sandersonii Mimics Attacked Honeybees to Attract Kleptoparasitic Flies for Pollination · Current Biology · Heiduk et al. (2016) · abgerufen 2026-10-31
- Deceptive Ceropegia sandersonii uses an arabinogalactan for trapping its fly pollinators · New Phytologist · Feichtlbauer et al. (2025) · abgerufen 2026-10-31
Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.