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Pflanzenporträt

Acker-Seide

Cuscuta campestris

Die orangefarbenen Fäden der Acker-Seide umwinden andere Pflanzen und beziehen ihre Versorgung über eingewachsene Kontaktorgane. Doch Umklammern, Eindringen und Anschließen an eine Wasserleitung sind verschiedene Schritte. Versuche an dieser Art zeigen, wie Licht und Berührung die Vorbereitung auslösen – und weshalb für den fertigen Anschluss noch ein Signal des Wirts nötig ist.

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KI-Darstellung orangefarbener Acker-Seidenfäden mit kleinen weißlichen Blüten und grünen Kapseln an einer grünen Wirtspflanze.
KI-generierte, fotorealistische Darstellung: Cuscuta campestris: Dünne Sprosse umwinden den Wirt; zwischen kleinen Blüten sitzen junge Kapseln.

Cuscuta campestris Yunck. ist eine akzeptierte Art der Convolvulaceae innerhalb der Solanales. Ältere Literatur führt die Seiden teilweise als eigene Familie Cuscutaceae; Kew ordnet Cuscuta den Convolvulaceae zu. Cuscuta pentagona ist eine andere Art; deren Duftversuche werden nicht auf die Acker-Seide übertragen. Die sechs dargestellten Ränge lassen Zwischenränge aus; Equisetopsida wird im weiten Sinn von Kew verwendet.

Auf einen Blick

Wuchshöhe nach FloraWeb
Etwa 20–50 cmBundesamt für Naturschutz · FloraWeb
Lebensform
Fadenförmig kletternder HoloparasitRoyal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online
Lebensraum
Flussuferfluren, Äcker, Gärten und RuderalstellenBundesamt für Naturschutz · FloraWeb
Natürliches Areal
Kanada bis Guatemala, Karibik und westliches SüdamerikaRoyal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online
Blüten und Früchte
Knäuel kleiner weißlicher Blüten; kleine KapselfrüchteRoyal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online · Flora of Somalia
Entwicklung
Frühe Haustorienbildung und Xylemanschluss benötigen verschiedene AuslöserFrontiers in Plant Science · Kaga et al. (2020)

Eine Kletterpflanze mit sehr wenig Blatt

Die Acker-Seide bildet ein Netz aus dünnen gelblich orangefarbenen Sprossen. Dazwischen sitzen Knäuel winziger weißlicher Blüten. Die meist fünfteilige Blütenhülle und die späteren kleinen Kapseln verraten, dass dieses Fadengeflecht eine Blütenpflanze ist. Als Mitglied der Windengewächse ist sie mit grünen Kletterpflanzen verwandt, lebt aber als Holoparasit von anderen Pflanzen.

Ihr natürliches Areal reicht von Kanada bis Guatemala und umfasst die Karibik sowie Teile des westlichen Südamerikas. In vielen weiteren Regionen wurde sie eingeschleppt. Aus der Fadenfarbe allein lässt sie sich nicht sicher von anderen Seiden unterscheiden; dafür sind unter anderem die kleinen Blütenmerkmale wichtig.

Im Unterschied zu einer Ranke, die nur Halt sucht, muss ein Seidenspross nach dem Umwinden eine Versorgung herstellen. Dafür entsteht an seiner Kontaktseite ein Haustorium: ein mehrzelliges Organ, das in das Gewebe der anderen Pflanze hineinwachsen kann.

Royal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online Royal Botanic Gardens, Kew · Plants of the World Online · Flora of Somalia Frontiers in Plant Science · Kaga et al. (2020)

Suchen und Festwinden folgen nicht derselben Regel

Ein wachsender Spross kann seine Spitze kreisend bewegen und dadurch die Umgebung abtasten. Diese Circumnutation ist von dem engen Winden an einer berührten Stütze zu unterscheiden. Yokoyama und Kollegen verglichen bei Cuscuta campestris Keimlinge mit bereits reifen Sprossen unter verschiedenen Lichtfarben. Die Suchbewegung reagierte in beiden Stadien nicht entsprechend auf die untersuchten Lichtqualitäten. Das parasitische Festwinden und die Haustorienbildung taten es dagegen.

Keimlinge begannen den parasitischen Vorgang unter blauem und fernrotem Licht, nicht unter rotem. Reife Sprosse konnten auch unter Rotlicht winden und Haustorien anlegen. Derselbe äußere Reiz hat somit je nach Entwicklungszustand eine andere Bedeutung. Eine einzige Farblampe erklärt weder sämtliche Suchbewegungen noch das Verhalten einer ganzen, bereits an Wirte angeschlossenen Pflanze.

Plant, Cell & Environment · Yokoyama et al. (2023)

Ein Glasversuch trennt Vorbereitung und Versorgung

Kaga und Kollegen legten kurze Seitensprossstücke auf ein Agarosegel, beschwerten sie mit einem Stapel Objektträger und beleuchteten sie mit blauem Licht. Auch ohne Wirt bildeten sich Haustorien. In ihnen verlängerten sich Zellen zu sogenannten Suchhyphen. Trotz des Namens sind das Pflanzenzellen, keine Pilzfäden.

Die künstlich angeregten Organe kamen jedoch nicht bis zum fertigen Wasserleitgewebe. Legten die Forschenden frische Blätter der Ackerschmalwand als Wirtsgewebe hinzu, konnten die Suchzellen eindringen. Wo sie auf das Xylem des Wirts trafen, differenzierten sie zu Gefäßelementen mit charakteristischen spiraligen Wandverdickungen. Das Xylem ist der Gewebeverband für den Wasser- und Mineralstofftransport.

Druck und Licht können folglich ein Entwicklungsprogramm weit genug starten, um das Gegenüber zu erreichen. Dessen Leitgewebe liefert offenbar zusätzliche Information für die letzte Spezialisierung. Welche Substanz oder Kombination von Signalen dafür entscheidend ist, blieb offen. Ein Haustorium an einer Glasfläche ist deshalb noch keine erfolgreiche Infektion.

Frontiers in Plant Science · Kaga et al. (2020)

Licht kann eine frühe Entscheidung umkehrbar machen

Eine weitere Untersuchung von 2025 veränderte im künstlichen Induktionssystem die Reihenfolge der Beleuchtung. Fernrotes Licht förderte die frühe Haustorienbildung. Nachfolgendes rotes Licht hob diese Wirkung auf; erneutes Fernrot konnte sie wiederherstellen. Das spricht dafür, dass Licht nicht bloß die Energieversorgung verändert, sondern als Information in die Entwicklung eingeht.

Parallel änderte sich die Aktivität mehrerer lichtbezogener Gene, darunter einer besonderen Variante des Phytochrom-B-Gens. Solche begleitenden Genaktivitäten weisen auf beteiligte Signalwege hin. Sie beweisen für sich allein noch nicht, dass ein einzelnes Gen den gesamten Vorgang steuert. Zusammen ergeben die Versuche einen gestuften Ablauf: eine Umgebung absuchen, Kontakt festigen, ein Eindringorgan entwickeln und erst am passenden Gewebe dessen Leitungszellen ausbilden.

Journal of Plant Research · Yokoyama, Asaoka & Nishitani (2025)

Weitere Pflanzen

Quellen und Bildnachweis

Stand: 2026-10-31

Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.