Pflanzenporträt
Acker-Hornmoos
Anthoceros agrestis
Auf feuchter Ackererde bildet Anthoceros agrestis kleine grüne Flächen mit hornartigen Sporophyten. In seinen Zellen sitzt eine besondere Anordnung der Photosynthese: Rubisco ist in Pyrenoid-Bereichen konzentriert. Zwei Untersuchungen zeigen, wie deren Aufbau und die Beweglichkeit einzelner Proteine auseinandergehalten werden müssen, um diesen CO₂-Konzentrationsmechanismus zu verstehen.
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Anthoceros agrestis Paton ist bei World Flora Online als akzeptierter konservierter Name geführt. Anthocerotales, Anthocerotaceae und Anthoceros sind durch die Spezialcheckliste und die aktuelle Namensdatenbank belegt. Die breitere Landpflanzenklasse Equisetopsida folgt Chase und Reveal; Streptophyta schließt die Landpflanzen ein. Die sechs Ränge lassen Zwischenränge aus und bilden eine belegte Zusammenschau, keine vollständige World-Flora-Online-Rangfolge.
Auf einen Blick
- Größe
- Thallus meist etwa 1 cm im DurchmesserZentralstelle Deutschland · Moose Deutschlands
- Wuchs
- Flächiger grüner Thallus mit schmalen hornartigen SporophytenZentralstelle Deutschland · Moose Deutschlands Ruaud et al. · New Phytologist
- Lebensraum
- Offene feuchte Erde, besonders lehmige StoppeläckerZentralstelle Deutschland · Moose Deutschlands
- Nachweise
- In Deutschland vom Flachland bis zur submontanen Stufe dokumentiertZentralstelle Deutschland · Moose Deutschlands
- Fortpflanzung
- Sporen entstehen in den auf dem Thallus sitzenden SporophytenRuaud et al. · New Phytologist
- Besonderheit
- Rubisco ist in gegliederten Pyrenoid-Bereichen des Chloroplasten konzentriertRobison et al. · Nature Plants Ruaud et al. · New Phytologist
Vom Stoppelacker in den Chloroplasten
Das Acker-Hornmoos bildet keine beblätterten Moossprosse. Sein grüner Körper ist ein flächiger, meist ungefähr einen Zentimeter breiter Thallus. Auf ihm stehen die schmalen, hornartigen Sporophyten, in denen Sporen entstehen. Offene, feuchte Erde auf neutralen bis schwach sauren Böden bietet geeignete Standorte. In Deutschland fällt die Art besonders auf Stoppeläckern auf, die im Herbst eine Zeit lang unbearbeitet bleiben.
Die auffälligere Besonderheit liegt unterhalb der sichtbaren Größenordnung: In vielen Zellen besitzt die Art einen großen Chloroplasten. Darin ist das CO₂-fixierende Enzym Rubisco in Pyrenoid-Bereichen angereichert. Eine hohe CO₂-Konzentration in unmittelbarer Enzymnähe kann die konkurrierende Reaktion mit Sauerstoff begrenzen. Hornmoose sind die einzige Landpflanzenlinie mit solchen pyrenoidgestützten biophysikalischen Konzentrationssystemen.
Zentralstelle Deutschland · Moose Deutschlands Robison et al. · Nature Plants Ruaud et al. · New PhytologistEine gegliederte Anordnung statt eines einzigen Kerns
Elektronenmikroskopische Aufnahmen von A. agrestis zeigen zahlreiche proteinreiche Teilbereiche, zwischen denen Thylakoidmembranen verlaufen. Diese Membranen tragen zugleich die Apparate der Lichtreaktion. Eine dichte Stärkehülle wie beim oft untersuchten Pyrenoid der Grünalge Chlamydomonas reinhardtii fehlt. Die Stärke liegt anders verteilt im Chloroplasten. Ob alle Pyrenoid-Teilbereiche getrennt sind oder zu einem stark verzweigten Ganzen gehören, ist noch nicht abschließend geklärt.
Der räumliche Aufbau ist für die Funktion wichtig: CO₂ muss nahe genug an Rubisco bereitstehen und darf nicht sofort wieder entweichen. 2025 gemessener Gasaustausch ergab für A. agrestis unter den Versuchsbedingungen einen niedrigen CO₂-Kompensationspunkt von ungefähr 21 ppm. An diesem Punkt halten sich CO₂-Aufnahme und -Abgabe die Waage. Das stützt die physiologische Wirksamkeit eines Konzentrationssystems, erklärt für sich aber noch nicht die Arbeit seiner einzelnen Proteine.
Robison et al. · Nature Plants Ruaud et al. · New PhytologistEin ausgebleichter Fleck und zwei verschiedene Antworten
Um die innere Beweglichkeit zu untersuchen, koppeln Forschende ein Zielprotein an einen fluoreszierenden Marker. Ein Laser bleicht einen kleinen Bereich aus. Kehrt dort Fluoreszenz zurück, sind nicht ausgebleichte markierte Moleküle hineingelangt. Dieses FRAP-Verfahren misst damit den Austausch des markierten Proteins.
Robison und Kollegen verwendeten Rubisco-Aktivase, abgekürzt RCA. Dieses Hilfsprotein ist mit Rubisco im Pyrenoid angereichert. Nach dem Ausbleichen erholte sich sein Signal rasch; die gemessene Halbzeit lag bei etwa 16 Sekunden. Eine zweite Arbeit von Ruaud und Kollegen markierte dagegen eine kleine Rubisco-Untereinheit sowie einen als Gerüstpartner vorgeschlagenen EPYC1-ähnlichen Kandidaten. Deren Signale erholten sich innerhalb von vier Minuten kaum beziehungsweise nicht deutlich.
Diese Ergebnisse beantworten unterschiedliche Fragen. RCA kann sich im untersuchten Bereich austauschen, während Rubisco und der Kandidat deutlich weniger beweglich erscheinen. Aus der Beweglichkeit eines Hilfsproteins folgt somit nicht, dass die gesamte proteinreiche Matrix ebenso schnell durchmischt wird. Auch Kulturbedingungen, Markierungen und Messanordnungen unterscheiden sich. Eine einheitliche Aussage über die Materialeigenschaften des ganzen Pyrenoids muss diese Unterschiede berücksichtigen.
Robison et al. · Nature Plants Ruaud et al. · New PhytologistWo CO₂ bereitgestellt werden könnte
Fluoreszenzmarkierungen liefern außerdem eine räumliche Karte möglicher Funktionspartner. Ein LCIB-ähnliches Protein liegt am Rand des Chloroplasten, ein CAH3-ähnlicher Kandidat nahe den Pyrenoid-Teilbereichen und ihren Thylakoiden. Bei solchen Proteinen anderer Organismen sind Reaktionen zwischen CO₂ und Hydrogencarbonat bekannt. Daraus entsteht ein Arbeitsmodell: Anorganischer Kohlenstoff wird innerhalb des Chloroplasten umgewandelt und nahe Rubisco wieder als CO₂ verfügbar. Die eng benachbarten Membranen könnten zusätzlich den Verlust begrenzen.
Ein passender Aufenthaltsort und eine ähnliche Proteinsequenz beweisen jedoch noch nicht die jeweilige Transport- oder Enzymfunktion in A. agrestis. Dafür sind gezielte Funktionsversuche notwendig. Der bisherige Gewinn ist eine überprüfbare räumliche Erklärung: Das Hornmoos konzentriert nicht einfach nur mehr Rubisco, sondern ordnet mehrere mögliche Partner zueinander an. Welche davon welche Aufgabe erfüllen, bleibt eine getrennte experimentelle Frage.
Robison et al. · Nature Plants Ruaud et al. · New PhytologistWeitere Pflanzen

Pflanzenporträt
Brunnenlebermoos
Auf feuchtem Boden breitet das Brunnenlebermoos flache grüne Bänder aus. Runde Becher darauf enthalten fertige klonale Brutkörper; gestielte Schirmchen dienen dagegen der geschlechtlichen Fortpflanzung. Wasser übernimmt in beiden Fällen eine Transportaufgabe. Besonders überraschend ist sein Weg zu den hochgetragenen weiblichen Organen: Er führt über fein gegliederte Oberflächen und Rhizoidenbahnen nach oben.
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Pflanzenporträt
Physcomitrium patens
Eine Blattzelle dieses winzigen Mooses kann nach einer Verletzung erneut zur wachsenden Spitze eines Zellfadens werden. Dazu muss sie ihr genetisches Programm ändern. Eine Untersuchung einzelner Zellkerne zeigt, warum eine allgemein leichter zugängliche DNA noch keine neue Zellidentität ergibt: Die STEMIN-Faktoren fördern zusätzlich die Aktivierung ausgewählter Gene.
EntdeckenQuellen und Bildnachweis
Stand: 2026-10-31
- Anthoceros agrestis Paton · akzeptierter konservierter Name · World Flora Online · Anthocerotaceae taxonomic expert network · abgerufen 2026-10-31
- A phylogenetic classification of the land plants to accompany APG III (2009) · Chase & Reveal · Botanical Journal of the Linnean Society · abgerufen 2026-10-31
- Origin of land plants: Do conjugating green algae hold the key? (2011) · Wodniok et al. · BMC Evolutionary Biology · abgerufen 2026-10-31
- World checklist of hornworts and liverworts (2016) · Söderström et al. · PhytoKeys · abgerufen 2026-10-31
- Anthoceros agrestis Paton · Acker-Hornmoos; Ökologie nach Meinunger & Schröder (2007) · Zentralstelle Deutschland · Moose Deutschlands · abgerufen 2026-10-31
- Hornworts reveal a spatial model for pyrenoid-based CO₂-concentrating mechanisms in land plants (2025) · Robison et al. · Nature Plants · abgerufen 2026-10-31
- Molecular underpinnings of hornwort CO₂ concentrating mechanisms: subcellular localization of putative key molecular components in the model hornwort Anthoceros agrestis (2025) · Ruaud et al. · New Phytologist · abgerufen 2026-10-31
Bild: KI-generierte, fotorealistische Darstellung für Wissenschaftswelle; keine dokumentarische Aufnahme.